Also das hier ist vegan und feministisch. Weil sonst alles scheiße ist.

Montag, 19. November 2012

Happy Bloodyversary, Pd. 1

Wintersemester 2011, Einführungsveranstaltung Sozialethnologie. Thema: Die Rolle von Geschlecht für die Ordnung der Gesellschaft. Beispiel Menstruation. Der Dozent erzählt von der Gesellschaft A im Land Y. Menstruation speilt bei den As eine entscheidende Rolle bezüglich des Wohnortes der Frauen und der Arbeitsaufteilung innerhalb der Gemeinde. Menstruierende Frauen gelten als unrein und schmutzig und müssen vom Rest des Dorfes getrennt werden. Hierzu wurden eigene Häuser erbaut, in der die Frauen an "den Tagen" leben. Kontakt zu Außenstehenden ist untersagt, gearbeitet werden darf auch nicht, Körperkontakt ist ebenfalls verboten. Für alles andere gelten ebenfalls spezielle Reinigungsregeln. Durch den Raum geht ein Kichern. Man ist irritiert und empört. Das ist ja total krass! Ganz schön rückständig is man in Y. Sehr frauenfeindlich, das kann man doch nicht machen.


Ja, ganz Recht. Das hier ist eine Menstruationsgeschichte.


Siebte Klasse. "Herr FGH, ich habe echt Bauchschmerzen und so, ich habe meine Periode...." "Oh! Äh jajajajaja, also mhhh... Jaaaaaaaaa. Frauenprobleme... Dann brauchst du auch nicht am Unterricht teilnehmen, denke ich. Oder? Also wenn es dir wirklich nicht so gut geht, dann geh ruhig nach Hause." (So haben wir sie immer gekriegt.)
Montags war Schulschwimmtag. Wer am Montag nicht in der Schule war, oder vorzeitig nach Hause ging, stand unter Periodengeneralverdacht! Einmal ist eine unbeliebte Schülerin früher heimgegangen. Eine von uns hat angeblich einen roten Fleck auf ihrem Stuhl gesehen. Ha! Erwischt!

Irgendwann mit 15. Die Familie sitzt im Wohnzimmer. Freund ist auch da. Es läuft irgendwas im TV. Irgendwas wird von irgendeiner Werbung unterbrochen. Ein Spot für Tampons. Eine schöne, schlanke, blonde Frau sitzt in einem weißen Kleid fröhlich auf einem Pferd, schlägt lächelnd im weißen Kleid die Rückhand in einem Tennisspiel, geht im weißen Einteiler ins Freiband und steigt abends im weißen Negligée zu ihrem (?) Mann ins Bett. Zwischendurch tropft irgendwer blaue Flüssigkeit auf ein Tampon und schließt die Hand darum zusammen. Halleluja, saugstark und undurchlässig! So merkt niemand was! Inzwischenzeit diskutieren die anwesenden Männer humoristisch über die Notwendigkeit eines Geräts, mit dem man unliebsame Werbung blocken könnte. Sowas will man doch nicht sehen!!!! Immer diese Tampons, Binden, Slipeinlagen im TV. Periode, bah!

Irgendwann mit 17. Freund erzählt vom Typen aus seiner Berufsschulklasse. Der hat mit seiner Freundin auch Sex, wenn sie ihre Tage hat. Dass er es geil findet, sagt er nicht. Aber es stört ihn nicht. "Hinterher sieht das Laken dann aus wie ein Schlachtfeld. Da musst du das bett eben neu neziehen und das wars." erzählt er trocken. Da ist das Gschrei aber groß. Da wird sich das Gesicht verzogen, "Nein, nein, nein" gerufen, die Hände vor die Augen gehalten. "Erzähl doch nicht sowas ekelhaftes!"

Sommer 2012. WG-Party. Anwesende: mehrheitlich Medizinstudent_innen. Wir unterhalten uns auf dem Balkon zu dritt über unseren Umgang mit Menstruationsbeschwerden. Teetrinken, Wärmflasche, Schmerzmittel, Homöopathie, Sex, Selbstbefriedigung & Schokolade. Wir sind auch ein bisschen wütend und genervt, dass wir uns überhaupt mit sowas auseinandersetzen müssen. Zwei Medizinstudenten kommen heraus, hören zu, schütteln den Kopf. "Also ich hab ja echt kein Problem damit, an Leichen herumzuschneiden. Ich meine, wenn der Darm platzt, oder der Magen, das ist schon manchmal echt eklig. Aber wenn meine Freundin ihre Tage hat, das finde ich so richtig widerlich! Echt jetzt mal, stimmt doch! So Blut aus der Muschi, voll abartig! Oder? Oder?!?!"

(Triggerwarnung für den folgenden Abschnitt: Beschreibung von diversen potentiell gewalltvollen Sexualpraktiken)

Meanwhile: Me, doing Porno-Recherche. Es ist eigentlich immer das selbe: Männer ficken, Frauen werden gefickt, lautes Stöhnen, Schubsen - Ziehen - Zerren - Drücken - Festhalten, auf den Arsch hauen, Beleidigen, Zooom-In in die Vagina, Schwanz rein und wieder raus und wier rein und wieder raus, Dreh dich um! Mach das Bein hoch!, Blowjob bis zum Würgereiz und Tränendrüsenreflex mit den Händen eines Typen am Hals, Löcher dehnen und füllen, bla bla bla. Und zum Schluss immer die gleiche Szene: Cumshot. Nach grandiosem Herumgebumse spritzt der Mann (oder die Männer) sein/ihr Sperma ins Gesicht der Frau(en). Und die freuen sich so sehr! Herrje, so viel weißer Glibber im Gesicht, das ist ja der Hammer! Da wird schon mal begeistert der Rest vom Boden aufgeleckt. Auf allen Vieren, der Rücken durchgedrückt, Popo in die Höhe. Oder aus dem Nasenloch der anderen Darstellerin geschlabbert. Manchmal gibts auch keinen Cumshot. Da kommen dann drei Typen hinterenander beim Analsex in den Hintern ihrer Kollegin. Die drückt dann alles schön raus, auf das Gesicht einer anderen Darstellerin. Begeistertes Klatschen, für jeden Tropfen Sperma, für jedes Zusammenziehen der Rosettenmuskulatur. Und auch die zweite Frau freut sich richtig, findets geil und verzehrt sich nach dem Arschsperma. Wenn alles raus ist, lecken sie sich noch gegenseitig das Gesicht hab. Und das Stöhnen nicht vergessen!


Um Kommentaren vorzubeugen, ich sei nur eine untervögelte, frustrierte, spaßbefreite Feministin: Ich sage nicht, dass ich das alle grundsätzlich schlecht und erniedrigend finde. Ich finde, alle sollen tun, woran sie Spaß haben und womit sie sich wohlfühlen. Das gilt für alle Beteiligten. Das kann das potentiell alles und auch gar nichts sein. Niemand muss alles geil oder alles scheiße finden. Es gibt zu viele Tabus, die uns guten Sex versauen. Die Abwertung des weiblichen Körpers während dieser blutet, ist eines dieser Tabus. Da wird nicht hinterfragt, da wird nur kategorisch ausgeschlossen.
Das hier ist eine Gegenüberstellung von Bewertung und Stellung männlicher* und weiblicher* Körperflüssigkeiten. Es darf gerne hintefragt werden, warum wer woran Spaß oder eben keinen Spaß hat. Wer sagt, was normal, was geil und was eklig ist? Diese Zuschreibungen können sehr machtvoll sein, dazu führen, seinen eigenen Körper abzulehnen, ihn zu hassen und sich vor ihm zu ekeln.


Klar kenne ich Menschen, die nicht so sehr auf Sperma abfahren, wie die Damen im oben beschriebenen Beispiel es (dem Anschein nach) tun. (Ehrlich gesagt sind das die meisten.) Viele wollen das nicht so gerne im Mund oder im Gesicht haben. Immerhn ist das ja auch eine ziemlich klebrige Glibbermasse, das reicht in der Regel nicht aus, um mich in freudige Ekstase zu versetzen. Auch wenn der Umstand als solcher - höchste Erreung meines Partners - das durchaus zu tun vermag.

Natürlich wird Sperma nicht von allen abgefeiert, aber immerhin unterliegt es keinem Stigma. Spermaflecken sind vielleicht etwas unreif aber lustig und quasi salonfähig. Hollywoodfilme z.B. strotzen nur so vor Spermawitzen. In "Verrückt nach Mary" schmiert sich Cameron Diaz Sperma in die Haare, weil sie denkt, es sei Haargel. Der Typ, von dem sie es hat, hat sich vorher einen runtergeholt und es sich ungeschickterweise ans Ohr gespritzt. Das ist ok. Das ist lustig. Sperma ist halt da. Das kommt halt raus. Aber wehe, du gehst mit einem roten Fleck in der Sporthose zum Turnunterricht. Wehe, du sprichst an, dass du gerade blutest! Eine Doppelmoral, die bis zum Himmel stinkt.

Was ich allerdings nicht kenne, sind Menschen, die, wenn das Gespräch auf Sperma kommt, erschrocken aufschreien und/oder angewidert das Gesicht verziehen. Ich kenne auch keine TV- oder Printwerbung für Mittel, die den Spermageschmack oder die -optik verbessern. Oder Werbung, die Männern einredet, diskret sein zu müssen, um ihnen so extra gute Spermawegwischtücher zu verkaufen. Die jedes Jahr noch diskreter, saugstärker und gründlicher werden. (Nicht, dass ich das wünschenswert finde. Ich möchte nicht mehr Scham, sondern weniger.)

Ekelhaft, peinlich und schmutzig - das sind so Wörter, die fallen nicht nur bei den As in Y. Die fallen auch hier. Jeden Tag. Seit ich denken kann. Sogar schon viel länger. Auch wenn die Männer meistens am lautesten schreien, Frauen haben das ebenfalls verinnerlicht. Fiese Gemeinheiten wachsen sich vielleicht mit dem Alter raus. Aber die Scham bleibt da. Das Gefühl, selbst dreckig zu sein. Die Sorge "ertappt" zu werden. Aus dieser Sorge heraus nicht zum Sport zu gehen. Sich in der Schule lieber nen Saugpfropf aus steinhartem Toilettenpapier zu basteln, weil es zu unangenehm ist, die Freundin zu fragen, ob sie ein Tampon hat, auf guten Sex verzichten, weil es doch ganz klar ist, dass man während der Periode gar keinen Sex haben kann, nicht offen zu sprechen, weil man keine Lust auf PMS-Witze im Büro hat, aus Scham keine Fragen zu stellen, obwohl man sich unsicher wegen etwas ist, etwas lustiges, was mit der Menstruation zu tun hat nicht zu erzählen, weil man nicht in geschockte Gesichter blicken möchte, in der Drogerie einen Vorrat an Zahnpasta, Seife und Duschgel kaufen, weil nur die Binden allein auf dem Band dir direkt "Blutet!!!" auf die Stirn tätowieren. Den Körper hassen, ihn abstoßend finden. Das ist alles noch da. Und wir schreiben das Jahr 2012.

Das war Periode 1. Periode 2 ist schon fertig geschrieben und folgt nächste Woche.


(Disclaimer: Ja, ich habe hier fast nur Negativbeispiele aufgeführt. Es gibt natürlich auch Positivbeispiele. Diese reichen aber immer noch nicht aus, um menstruierende Menschen von ihrere Scham zu befreien. Die Scham und die Vorstellung der "Unreinheit" sind immer noch tief in unserer Gesellschaft verankert.)

Mittwoch, 3. Oktober 2012

Tipps & Tricks beim Selbermachen: Kräuteröle & Lavendelsirup

Ich stehe gerade unter dem (außerordentlich gutem) Einfluss einer ganz speziellen Freundin. Diese Freundin macht gerne alles selbst. Ich habe irgendwann wieder damit aufgehört um mich vom Fertigessen-Wahnsinn beglücken lassen. Aber seit Kurzem hat sie mit den Spaß am Selbermachen wiedergebracht und jetzt bin ich im absoluten Fieber und stelle am laufenden Band Kräuteröle und verschiedene Sirupsorten mit Lavendel her. Ich bin da ja keine große Expertin, aber ich dachte mir, unter meinen LeserInnen gibt es bestimmt noch ein paar mehr, die da auch eher wenig Ahnung haben. Also habe ich mir überlegt mall ein kleines 101 zusammenzustellen.

Zutaten:

  • Lasst die normalen Supermärkte hinter euch! Schaut euch in eurer Stadt zum Beispiel auf Märkten, nach türkischen Supermärkten oder Gemüseständen um. Dort gibt es frische Kräuter wie Rosmarin und Thymian oft viel günstiger und ohne Plastikverpackung.
  • Auch (Oliven)öl gibt es in Asiashops oder türkischen Lebenmittelläden günstiger und vor allem auch in größere Mengen, z.B in 1 oder 1,5 l Kanistern. Wenn ihr mehrere Öle aufsetzt, braucht ihr dann nur einen oder zwei kaufen. So spart ihr Geld und Verpackung.
  • Ber der Internetrecherche wurden mir zuerst nur Apotheken genannt, als ich nach Lavendel gesucht habe. Da sollten 100g aber 28,90€ (!!!) kosten und die mussten erst bestellt werden. Als ich meine liebe Twitter Timeline fragte, stellte sich schnell heraus, dass Teeläden die deutlich günstigere Alternative sind. Dort gibt es 100g für  4,90€. In Onlineshops sind die Preise sogar noch niedriger, allerdings bezahlt ihr dort natürlich Porto und müsst etwas mehr Geduld haben. (Dragonspice, DaWanda)
  • Wenn ihr frische Kräuter kauft, solltet ihr diese unbedingt vorher ein paar Tage trocknen lassen. Das hat verschiedene Gründe: 1. Bei frischen Kräutern wird das Öl schnell trüb 2. Frische Kräuter können schimmelig werden, sobald sie nicht mehr vom Öl abgedeckt sind 3. getrocknete Kräuter geben ein viel stärkeres Aroma ab.


Equipment:

  • Ich habe ganz bewusst verschiedene Flaschen gekauft. Ich wollte testen, welche wofür am besten geignet sind. Kork hat sich als hübsch, aber nicht besonders dicht herausgestellt und ist logischerweise dann unsicher, wenn ihr die Flasche verschenken/transportieren wollt. Am liebsten mag ich die Flaschen mit Gummiflippverschluss bzw. Bügelverschluss. 
  • Unabhängig davon, was am besten funktioniert, habe ich schnell gemerkt, dass sich bei uns so allerllei Glasmüll ansammelt, den man nach dem Reinigen wiederverwenden könnte. Olivenölflaschen, Weißweinflaschen mit Drehverschluss, Fertigtomatensauce aus der Flasche, alte Landliebe Kuhmilchflaschen meiner Mitbewohnerin usw.
  • Wenn ihr keine alten Flaschen habt oder diese nicht benutzen wollt, könnt ihr natürlich auch neue kaufen. Für 1,50€ bis 2€ habe ich bei NanuNana Flaschen in zwei verschiedenen Größen mit Korkverschluss gesehen. Meine Lieblingsflaschen gibt es in einer ähnlichen Preiskategorie bei Xenos. (Wer die Niederlande in der Nähe hat: dort sind die noch mal günstiger.) Bestimmt gibt es auch in Kaufhäusern ähnliche Flaschen, aber die sind mit Sicherheit um einiges teurer.
  • Für den Sirup braucht ihr abgesehen von den Zutaten: einen Topf, ein Sieb und einen Trichter. Vielleicht auch eine Suppenkelle, wenn ihr wie ich mit nem Topf über nem kleinen Trichter nicht besonders gut zielen könnt.


Rezepte:
  • Für die Kräuteröle habe ich einfach in die Flaschen gehauen, worauf ich Lust hatte. Rosmarin, Thymian, Knoblauch (frisch), Pfefferkörner, Chili usw. Ihr könnt aber nehmen, was euch so einfällt. Estragon wäre bestimmt auch toll, genau so wie Basilikum, Fenchelsamen, Senfsamen, Zitronengras, Zitronenscheibe, Peperonici... Das alles dann einfach mit Olivenöl auffüllen. (Samen und Körner am besten vorher anstoßen.)
  • Neben den Kräuterölen habe ich auch noch ein Gewürzöl gemacht. Dazu habe ich Zimtstangen, Muskat, Anis, Nelken und Pfefferkörner mit Öl aufegfüllt. Ölivenöl eignet sich dafür eher nicht, leider kann ich mich nicht mehr genau erinnern, vermute aber, dass ich Sonnenblumenöl benutzt habe, würde im Nachhinein aber eher Rapsöl nehmen.
  • Für die Levendelsirupsorten habe ich mich an dieses Grundrezept gehalten. Aber ehrlich gesagt war mir da nur das Verhältnis von Zucker und Flüssigkeit wichtig. Als ich Zitronen kaufen wollte, sind mir die leckeren Orangen und Grapefruits aufgefallen. Und Minze eignet sich auch, genau so wie Trockenobst. Ideen: Lavendel-Orangen-Minz-, Cranberry oder Melone-Rosmarin-,  Ingwer-Holunder-Sirup... Oder Salbei-Zitronen-Pfeffer-Öl. Werdet kreativ und haut einfach in die Töpfe, worauf ihr Lust habt! 
  • Nie zu viele verschiedene Geschmackskomponenten verarbeiten. Ich habe mir drei Stück als Limit gesetzt. So bleiben alle Geschmacksrichtungen erhalten. (Ausnahme ist das Gewürzöl, da machts die Msichung. Genauso wie bei der Resteverwertung weiter unten)
  • Wichtig: Geduld! Die Öle sollten ca. drei Monate stehen. Ob kalt/hell/dunkel/warm, dazu kann ich noch nicht viel sagen und ich habe verschiedene Angaben dazu gefunden. Vielleicht ist mittel am besten ;) Der Sirup muss einen Tag durchziehen, bevor er abgefüllt wird, dann könnt ihr ihn aber sofort benutzen.
  • Pro-Tipp zum Sparen: als ich alle Sirupsorten abgefüllt habe, habe ich alle verwendeten Zutaten vom Einkochen aufgehoben. Also den ganzen Lavendel, Zitronen- & Orangenschalen etc. Das habe ich dann nochmal aufgekocht, zusammen mit allen möglichen Sachen, die ich noch in der Wohnung finden konnte. Salbei, Minze, Ingwer, Apfel.... Gesüßt habe ich nicht mit Zucker, sondern mit Agavendicksaft und Reissirup, weil es weg musste. Das lasse ich jetzt auch mindestens noch einen Tag lang ziehen. Ich hoffe, der Sud eigent sich später für Schorlen oder ähnliches. Auf jeden Fall solltet ihr nicht unterschätzen, wie intensiv Kräuter und Früchte sind, die geben oft mehr als ein mal Aroma ab. Wenn ihr also so viel wie möglich rausholen wollt, behaltet alle Zutaten aus dem ersten Vorgang und verwendet sie ein zweites Mal. (Ja, das verstößt auch gegen die 3-Geschmäcker-Regel, aber es ist ja auch ein Experiment ;) )

Einsatzbereiche:
  • Sirup: auf Sekt, im wasweißichfürnen Cocktail, auf Mineralwasser und Eis, im Gebäck, im Cupcakefrosting...
  • Kräuteröle: als Marinade, pur über Pasta, als Pesto-Grundlage...
  • Gewürzöl: Im Weihnachtsgebäck, im CousCous-Salat...
  • Als Geschenk. Deswegen habe ich direkt einen großen Vorrat gemacht, so habe ich auch zu spontanen Gelegenheiten etwas nettes und persönliches griffbereit.




















Wenn ihr noch mehr Tipps, Tricks & Ideen habt, immer her damit! :)

Dienstag, 25. September 2012

Eure Freiexemplare können mich mich mal.

Wäre ja auch zu schön, wenn ich mal nicht genervt wäre. In letzter Zeit ist mir mal wieder etwas aufgefallen, was mir gehörig auf meine 100Milliarden Eier geht. Werbeanfragen. Total nett und gut gemeint. "Wir schicken ihnen XYZ, dazu ein paar Fotos und die offizielle [wuhuhuuuuuu!] Pressemitteilung. Gerne können Sie das zu redaktionellen Zwecken auf Ihrem Blog verwenden." Wisst ihr was? Nö! Will ich nicht, geht mir weg damit.

Ja, ich schreibe manchmal über Sachen, die ich echt toll finde. Zum Beispiel über Schokolade von moofree. Die ist aber auch geil! Und die hab ich selbst gekauft und ich kann schreiben was/wie viel/ob ich will oder nicht. Wenn ich was richtig scheiße finde, sag ich das auch, oder auch nicht, je nachdem wie viel Lust ich gerade dazu habe.

Versteht mich nicht falsch - ich finde es toll, unsere noch kleine Community zu unterstützen, kleine Labels zu bewerben und so weiter. Die haben das verdient, der Markt ist hart. Aber dass mich bereits etablierte Firmen, die teilweise horrende Preise für Produkte verlangen, die sich kaum eine/einer von uns hier leisten könnte (und auch unabhängig davon einfach lächerlich hoch sind), oder Firmen, deren Produkte doch eh schon in jedem beknackten (sorry) Biomarkt zu kaufen sind, um Werbung bitten und die Frechheit haben, das nicht mal so zu nennen, sondern so tun, als täten sie mir damit einen Gefallen (!!!!!!!), das ist pervers.

Ein paar weitere Punkte habe ich in einer Antwortmail verfasst, die ich heute abschickte. Grund war die Anfrage eines Unternehmens auf kostenlose Werbung, die so fomuliert war, als sei das für mich ne wahnsinnig geile Angelegenheit.

Sehr geehrte Frau XXX,

vielleicht haben Sie sich ja meinen Blog angesehen, bevor Sie mir diese Mail schickten. Dann hätten Sie vermutlich bemerkt, dass ich Werbung nur sehr (!) spärlich einsetze. Vielleicht haben Sie den Blog aber auch nicht angeschaut, dann ist Ihnen das natürlich auch nicht aufgefallen. In beiden Fällen finde ich es doch sehr befremdlich, wenn Sie mich als potentielle Werbepartnerin anschreiben und bin sehr erstaunt über Ihre Marketingstrategie.

Mein Blog ist keine Werbeveranstaltung. Bloggen ist meine Freizeitbeschäftigung, dennoch ist es Arbeit. Ich könnte in der Zeit ganz viele andere produktive Sachen machen. Zum Beispiel Geld verdienen, meine Hausarbeiten zuende schreiben, die Wäsche waschen oder Häuser besetzen. Ich blogge, weil ich finde, dass ich etwas zu sagen habe und den Austausch mag - den gegenseitigen, nicht den einseitigen. Ich will keinen Fame und keine Fans, ich will auch kein Geld und keine Freiexemplare. Ich will meine Unabhängigkeit behalten. Und meine kritischen LeserInnen ebenfalls.

Sie können sicher sein, wenn ich ihr Produkt ganz superklassetoll finde, dann würde ich da schon selbst drüber schreiben. Und dazu brauche ich auch keine offiziellen Hochglanzfotos. Ich bin ja nicht ProSieben oder SpiegelOnline.  Ich bin eine bloggene Privatperson, politisch engagiert, ich schreibe, worauf ich Bock habe und mache Fotos mit meiner Handykamera.

Selbstverständlich sind Sie auf Werbung angewiesen. Aber dann fragen Sie doch zum Beispiel mal bei Magazinen in diesem speziellen Themensegment nach. Mir ist aufgefallen, dass Sie zum Beispiel nicht in der Kochen ohne Knochen werben. Das ist merkwürdig, denn das ist doch Ihre perfekte Zielgruppe. (Achja, hätten Sie meinen Blog gelesen, hätten Sie auch gesehen, dass ich für dieses Magazin schreibe.) Sicher - das kostet. Aber immerhin müssen die HerausgeberInnen dieses unterstützenswerten Magazins (und viele andere ebenfalls) auch davon leben, ganz genau wie Sie. Ich muss das nicht, ich schenke zum Geldverdienen Kölsch aus.

BloggerInnen vor den eigenen Zaun zu spannen, die Unsicherheit und vielleicht auch den Stolz von großen Firmen für wichtig genug gehalten zu werden auszunutzen, und so kostenfrei an (scheinbar) individualisierte Schmeichelwerbung zu kommen, das finde ich peinlich. Eine Anzeige aufzugeben, auf Messen, Straßenfesten und in den Medien präsent zu sein, das mag anstregend sein, ist aber ehrlich und für alle Beteiligten fair.

Ich bitte Sie also inständig in Zukunft von weiteren Anfragen dieser Art abzusehen. Zumindest was mich betrifft, für andere kann ich natürlich nicht sprechen.

Mit freundlichen Grüßen
Daniela Große

PS: Bitte nehmen Sie zur Kenntnis, dass ich diese Mail in anoymer Form auf meinem Blog veröffentlichen werde.


Ich bitte euch, lasst euch nicht von großen Unternehmen instrumentalisieren. Wählt aus, worüber ihr schreibt, wen ihr bewerbt. Was habt ihr, eure LeserInnen und das Unternehmen wirklich davon, wenn ihr einen Müsliriegel, einen Joghurt oder whatever bewerbt, den doch eh schon alle kennen? Schaut, wer hinter der Anfrage steckt, eine etablierte Marke oder ein frisch gestartetes Unternehmen? Ein paar engagierte Leute mit guter Idee? Dann gerne, die dürfen mir auch schreiben. Das befindet sich auf Augenhöhe. Alle anderen: Lasst es lieber, ihr macht euch nur unbeliebt.