Also das hier ist vegan und feministisch. Weil sonst alles scheiße ist.
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Mittwoch, 3. Oktober 2012

Tipps & Tricks beim Selbermachen: Kräuteröle & Lavendelsirup

Ich stehe gerade unter dem (außerordentlich gutem) Einfluss einer ganz speziellen Freundin. Diese Freundin macht gerne alles selbst. Ich habe irgendwann wieder damit aufgehört um mich vom Fertigessen-Wahnsinn beglücken lassen. Aber seit Kurzem hat sie mit den Spaß am Selbermachen wiedergebracht und jetzt bin ich im absoluten Fieber und stelle am laufenden Band Kräuteröle und verschiedene Sirupsorten mit Lavendel her. Ich bin da ja keine große Expertin, aber ich dachte mir, unter meinen LeserInnen gibt es bestimmt noch ein paar mehr, die da auch eher wenig Ahnung haben. Also habe ich mir überlegt mall ein kleines 101 zusammenzustellen.

Zutaten:

  • Lasst die normalen Supermärkte hinter euch! Schaut euch in eurer Stadt zum Beispiel auf Märkten, nach türkischen Supermärkten oder Gemüseständen um. Dort gibt es frische Kräuter wie Rosmarin und Thymian oft viel günstiger und ohne Plastikverpackung.
  • Auch (Oliven)öl gibt es in Asiashops oder türkischen Lebenmittelläden günstiger und vor allem auch in größere Mengen, z.B in 1 oder 1,5 l Kanistern. Wenn ihr mehrere Öle aufsetzt, braucht ihr dann nur einen oder zwei kaufen. So spart ihr Geld und Verpackung.
  • Ber der Internetrecherche wurden mir zuerst nur Apotheken genannt, als ich nach Lavendel gesucht habe. Da sollten 100g aber 28,90€ (!!!) kosten und die mussten erst bestellt werden. Als ich meine liebe Twitter Timeline fragte, stellte sich schnell heraus, dass Teeläden die deutlich günstigere Alternative sind. Dort gibt es 100g für  4,90€. In Onlineshops sind die Preise sogar noch niedriger, allerdings bezahlt ihr dort natürlich Porto und müsst etwas mehr Geduld haben. (Dragonspice, DaWanda)
  • Wenn ihr frische Kräuter kauft, solltet ihr diese unbedingt vorher ein paar Tage trocknen lassen. Das hat verschiedene Gründe: 1. Bei frischen Kräutern wird das Öl schnell trüb 2. Frische Kräuter können schimmelig werden, sobald sie nicht mehr vom Öl abgedeckt sind 3. getrocknete Kräuter geben ein viel stärkeres Aroma ab.


Equipment:

  • Ich habe ganz bewusst verschiedene Flaschen gekauft. Ich wollte testen, welche wofür am besten geignet sind. Kork hat sich als hübsch, aber nicht besonders dicht herausgestellt und ist logischerweise dann unsicher, wenn ihr die Flasche verschenken/transportieren wollt. Am liebsten mag ich die Flaschen mit Gummiflippverschluss bzw. Bügelverschluss. 
  • Unabhängig davon, was am besten funktioniert, habe ich schnell gemerkt, dass sich bei uns so allerllei Glasmüll ansammelt, den man nach dem Reinigen wiederverwenden könnte. Olivenölflaschen, Weißweinflaschen mit Drehverschluss, Fertigtomatensauce aus der Flasche, alte Landliebe Kuhmilchflaschen meiner Mitbewohnerin usw.
  • Wenn ihr keine alten Flaschen habt oder diese nicht benutzen wollt, könnt ihr natürlich auch neue kaufen. Für 1,50€ bis 2€ habe ich bei NanuNana Flaschen in zwei verschiedenen Größen mit Korkverschluss gesehen. Meine Lieblingsflaschen gibt es in einer ähnlichen Preiskategorie bei Xenos. (Wer die Niederlande in der Nähe hat: dort sind die noch mal günstiger.) Bestimmt gibt es auch in Kaufhäusern ähnliche Flaschen, aber die sind mit Sicherheit um einiges teurer.
  • Für den Sirup braucht ihr abgesehen von den Zutaten: einen Topf, ein Sieb und einen Trichter. Vielleicht auch eine Suppenkelle, wenn ihr wie ich mit nem Topf über nem kleinen Trichter nicht besonders gut zielen könnt.


Rezepte:
  • Für die Kräuteröle habe ich einfach in die Flaschen gehauen, worauf ich Lust hatte. Rosmarin, Thymian, Knoblauch (frisch), Pfefferkörner, Chili usw. Ihr könnt aber nehmen, was euch so einfällt. Estragon wäre bestimmt auch toll, genau so wie Basilikum, Fenchelsamen, Senfsamen, Zitronengras, Zitronenscheibe, Peperonici... Das alles dann einfach mit Olivenöl auffüllen. (Samen und Körner am besten vorher anstoßen.)
  • Neben den Kräuterölen habe ich auch noch ein Gewürzöl gemacht. Dazu habe ich Zimtstangen, Muskat, Anis, Nelken und Pfefferkörner mit Öl aufegfüllt. Ölivenöl eignet sich dafür eher nicht, leider kann ich mich nicht mehr genau erinnern, vermute aber, dass ich Sonnenblumenöl benutzt habe, würde im Nachhinein aber eher Rapsöl nehmen.
  • Für die Levendelsirupsorten habe ich mich an dieses Grundrezept gehalten. Aber ehrlich gesagt war mir da nur das Verhältnis von Zucker und Flüssigkeit wichtig. Als ich Zitronen kaufen wollte, sind mir die leckeren Orangen und Grapefruits aufgefallen. Und Minze eignet sich auch, genau so wie Trockenobst. Ideen: Lavendel-Orangen-Minz-, Cranberry oder Melone-Rosmarin-,  Ingwer-Holunder-Sirup... Oder Salbei-Zitronen-Pfeffer-Öl. Werdet kreativ und haut einfach in die Töpfe, worauf ihr Lust habt! 
  • Nie zu viele verschiedene Geschmackskomponenten verarbeiten. Ich habe mir drei Stück als Limit gesetzt. So bleiben alle Geschmacksrichtungen erhalten. (Ausnahme ist das Gewürzöl, da machts die Msichung. Genauso wie bei der Resteverwertung weiter unten)
  • Wichtig: Geduld! Die Öle sollten ca. drei Monate stehen. Ob kalt/hell/dunkel/warm, dazu kann ich noch nicht viel sagen und ich habe verschiedene Angaben dazu gefunden. Vielleicht ist mittel am besten ;) Der Sirup muss einen Tag durchziehen, bevor er abgefüllt wird, dann könnt ihr ihn aber sofort benutzen.
  • Pro-Tipp zum Sparen: als ich alle Sirupsorten abgefüllt habe, habe ich alle verwendeten Zutaten vom Einkochen aufgehoben. Also den ganzen Lavendel, Zitronen- & Orangenschalen etc. Das habe ich dann nochmal aufgekocht, zusammen mit allen möglichen Sachen, die ich noch in der Wohnung finden konnte. Salbei, Minze, Ingwer, Apfel.... Gesüßt habe ich nicht mit Zucker, sondern mit Agavendicksaft und Reissirup, weil es weg musste. Das lasse ich jetzt auch mindestens noch einen Tag lang ziehen. Ich hoffe, der Sud eigent sich später für Schorlen oder ähnliches. Auf jeden Fall solltet ihr nicht unterschätzen, wie intensiv Kräuter und Früchte sind, die geben oft mehr als ein mal Aroma ab. Wenn ihr also so viel wie möglich rausholen wollt, behaltet alle Zutaten aus dem ersten Vorgang und verwendet sie ein zweites Mal. (Ja, das verstößt auch gegen die 3-Geschmäcker-Regel, aber es ist ja auch ein Experiment ;) )

Einsatzbereiche:
  • Sirup: auf Sekt, im wasweißichfürnen Cocktail, auf Mineralwasser und Eis, im Gebäck, im Cupcakefrosting...
  • Kräuteröle: als Marinade, pur über Pasta, als Pesto-Grundlage...
  • Gewürzöl: Im Weihnachtsgebäck, im CousCous-Salat...
  • Als Geschenk. Deswegen habe ich direkt einen großen Vorrat gemacht, so habe ich auch zu spontanen Gelegenheiten etwas nettes und persönliches griffbereit.




















Wenn ihr noch mehr Tipps, Tricks & Ideen habt, immer her damit! :)

Dienstag, 25. September 2012

Eure Freiexemplare können mich mich mal.

Wäre ja auch zu schön, wenn ich mal nicht genervt wäre. In letzter Zeit ist mir mal wieder etwas aufgefallen, was mir gehörig auf meine 100Milliarden Eier geht. Werbeanfragen. Total nett und gut gemeint. "Wir schicken ihnen XYZ, dazu ein paar Fotos und die offizielle [wuhuhuuuuuu!] Pressemitteilung. Gerne können Sie das zu redaktionellen Zwecken auf Ihrem Blog verwenden." Wisst ihr was? Nö! Will ich nicht, geht mir weg damit.

Ja, ich schreibe manchmal über Sachen, die ich echt toll finde. Zum Beispiel über Schokolade von moofree. Die ist aber auch geil! Und die hab ich selbst gekauft und ich kann schreiben was/wie viel/ob ich will oder nicht. Wenn ich was richtig scheiße finde, sag ich das auch, oder auch nicht, je nachdem wie viel Lust ich gerade dazu habe.

Versteht mich nicht falsch - ich finde es toll, unsere noch kleine Community zu unterstützen, kleine Labels zu bewerben und so weiter. Die haben das verdient, der Markt ist hart. Aber dass mich bereits etablierte Firmen, die teilweise horrende Preise für Produkte verlangen, die sich kaum eine/einer von uns hier leisten könnte (und auch unabhängig davon einfach lächerlich hoch sind), oder Firmen, deren Produkte doch eh schon in jedem beknackten (sorry) Biomarkt zu kaufen sind, um Werbung bitten und die Frechheit haben, das nicht mal so zu nennen, sondern so tun, als täten sie mir damit einen Gefallen (!!!!!!!), das ist pervers.

Ein paar weitere Punkte habe ich in einer Antwortmail verfasst, die ich heute abschickte. Grund war die Anfrage eines Unternehmens auf kostenlose Werbung, die so fomuliert war, als sei das für mich ne wahnsinnig geile Angelegenheit.

Sehr geehrte Frau XXX,

vielleicht haben Sie sich ja meinen Blog angesehen, bevor Sie mir diese Mail schickten. Dann hätten Sie vermutlich bemerkt, dass ich Werbung nur sehr (!) spärlich einsetze. Vielleicht haben Sie den Blog aber auch nicht angeschaut, dann ist Ihnen das natürlich auch nicht aufgefallen. In beiden Fällen finde ich es doch sehr befremdlich, wenn Sie mich als potentielle Werbepartnerin anschreiben und bin sehr erstaunt über Ihre Marketingstrategie.

Mein Blog ist keine Werbeveranstaltung. Bloggen ist meine Freizeitbeschäftigung, dennoch ist es Arbeit. Ich könnte in der Zeit ganz viele andere produktive Sachen machen. Zum Beispiel Geld verdienen, meine Hausarbeiten zuende schreiben, die Wäsche waschen oder Häuser besetzen. Ich blogge, weil ich finde, dass ich etwas zu sagen habe und den Austausch mag - den gegenseitigen, nicht den einseitigen. Ich will keinen Fame und keine Fans, ich will auch kein Geld und keine Freiexemplare. Ich will meine Unabhängigkeit behalten. Und meine kritischen LeserInnen ebenfalls.

Sie können sicher sein, wenn ich ihr Produkt ganz superklassetoll finde, dann würde ich da schon selbst drüber schreiben. Und dazu brauche ich auch keine offiziellen Hochglanzfotos. Ich bin ja nicht ProSieben oder SpiegelOnline.  Ich bin eine bloggene Privatperson, politisch engagiert, ich schreibe, worauf ich Bock habe und mache Fotos mit meiner Handykamera.

Selbstverständlich sind Sie auf Werbung angewiesen. Aber dann fragen Sie doch zum Beispiel mal bei Magazinen in diesem speziellen Themensegment nach. Mir ist aufgefallen, dass Sie zum Beispiel nicht in der Kochen ohne Knochen werben. Das ist merkwürdig, denn das ist doch Ihre perfekte Zielgruppe. (Achja, hätten Sie meinen Blog gelesen, hätten Sie auch gesehen, dass ich für dieses Magazin schreibe.) Sicher - das kostet. Aber immerhin müssen die HerausgeberInnen dieses unterstützenswerten Magazins (und viele andere ebenfalls) auch davon leben, ganz genau wie Sie. Ich muss das nicht, ich schenke zum Geldverdienen Kölsch aus.

BloggerInnen vor den eigenen Zaun zu spannen, die Unsicherheit und vielleicht auch den Stolz von großen Firmen für wichtig genug gehalten zu werden auszunutzen, und so kostenfrei an (scheinbar) individualisierte Schmeichelwerbung zu kommen, das finde ich peinlich. Eine Anzeige aufzugeben, auf Messen, Straßenfesten und in den Medien präsent zu sein, das mag anstregend sein, ist aber ehrlich und für alle Beteiligten fair.

Ich bitte Sie also inständig in Zukunft von weiteren Anfragen dieser Art abzusehen. Zumindest was mich betrifft, für andere kann ich natürlich nicht sprechen.

Mit freundlichen Grüßen
Daniela Große

PS: Bitte nehmen Sie zur Kenntnis, dass ich diese Mail in anoymer Form auf meinem Blog veröffentlichen werde.


Ich bitte euch, lasst euch nicht von großen Unternehmen instrumentalisieren. Wählt aus, worüber ihr schreibt, wen ihr bewerbt. Was habt ihr, eure LeserInnen und das Unternehmen wirklich davon, wenn ihr einen Müsliriegel, einen Joghurt oder whatever bewerbt, den doch eh schon alle kennen? Schaut, wer hinter der Anfrage steckt, eine etablierte Marke oder ein frisch gestartetes Unternehmen? Ein paar engagierte Leute mit guter Idee? Dann gerne, die dürfen mir auch schreiben. Das befindet sich auf Augenhöhe. Alle anderen: Lasst es lieber, ihr macht euch nur unbeliebt.

Freitag, 14. September 2012

KoK #9

Mal so für Zwischendurch: die neue Kochen ohne Knochen ist da, yaaaaaay! Beim letzen Mal hab ichs vergessen, für diese Ausgabe wollte ich mal wieder ein hübsches gif vorbereiten ;)
Ich komme gerade vom Abos packen und das heißt, nächste Woche liegt die neue Ausgabe entweder schon in eurem Briefkasten, oder zumindest im nächstgelegenen und gut sortiertem Bahnhosfkiosk.


















Themen in dieser Ausgabe sind unter Anderem Sea Shepherd/Paul Watson, mit dem wir im Juni ein Interview führten, vegane Ernährung während der Schwangerschaft, Vegansimus und Magersucht (dazu habe ich u.A. die Anna interviewt) und außerdem gibt es natürlich wieder Rezepte, Buchbesprechungen und andere feine Sachen.
Diese Ausgabe liegt mir sehr am Herzen, besonders das Watson-Interview war aufregend, zeitintensiv und auch haarsträubend. Wenn Menschen so heldenhaft vereehrt werden, bin ich ja immer etwas kritisch, auch wenn ich Sea Shepherd als Organisation schon sehr schätze. (Erste Skepsis und Verwirrung hatte ich hier schon mal gepostet) Die ein oder andere Vermutung hat sich im Interview bestätig und ich bin froh, dass wir nun manche Dinge schwarz auf weiß haben, denen er vorher gerne mal ausgewichen ist, einfach weil die Meinungen dazu auseinander gehen. Interessant und lesenswert ist es allemal, auch wenn ich ihm in weiten Teilen nicht zustimmen kann, oder vielmehr seine Meinung für mehr als bedenklich und nicht teilbar halte. Die Gerichtsverfahren, bzw. den Haftbefehl von Interpol halte ich nach wie vor für eine politische Show, um sich eines unliebsamen Gegners zu entledigen. 
Mein Herzblut floss allerding in den Artikel, in dem ich mich mit Schönheiteidealen und dem Gesundheitswahnsinn innerhalb der veganen Szene auseinandergesetzt habe, mit dem Schwerpunkt auf Magersucht. In diesem Blog habe ich mich ja schon mal darüber aufgeregt, wie sehr mir das Fatshaming in weiten Teilen der veganen Szene auf die Nerven geht. In diesem Artikel wollte ich darauf aufmerksam machen, wie gefährlich diese Doppelmoral und die falschen Bilder sind.
Der Rest des Heftes ist natürlich auch nicht verachtenswert und stellt mal wieder viele tolle und interessante Menschen samt ihrer Projekte vor!


Für diesen Blog hier schweben mir gerade mehrere Themen im Kopf herum, mal sehen, was ich daraus mache. Ansonsten habe ich gerade (leider) alle Hände voll zu tun und bitte mein unregelmäßiges Schreiben zu entschuldigen :)


Guten Hunger & riot, don't diet!



Donnerstag, 23. August 2012

(Nicht so ganz) Vegan in Girona (und Umgebung)

Letzte Woche war ich fünf Tage mit zwei Freundinnen in der Gegend um Girona im Kurzurlaub. Eigentlich wollte ich nur Essensbilder posten, aber ehrlich gesagt war das (optisch) sehr unspektakulär. Außerdem hab ich an zwei Tagen auch mal unvegane Kleinigkeiten gegessen und an einem Tag gar nichts, außer morgens ein Baguette und nen Pfirsich. Das passt jetzt nicht sooo gut dazu, dass ich sagen wollte, dass es in Spanien, bzw. in Cataluña, eigentlich nicht so schwierig ist, sich vegan zu ernähren, wie mir vorher alle gesagt hatten. 

Was stimmt: Man muss sich vorbereiten! Happycow und Vegman sind treue Hilfmittel (Smartphone olé!), Essen vorbereiten und immer etwas mitnehmen sind fast ein Muss, sich vorher informieren, welche regionalen Gerichte vegan, oder leicht veganisierbar sind, erspart ewiges "¿Sin leche? Sin queso? Sin carne?", frisches Obst und Gemüse gibt es an jeder Ecke, genau so wie Pan con Tomate zum Standard-Restauantangebot gehört, nur vertrage ich nicht den ganzen Tag über Rohes (abends schon gar nicht) und so lecker Pan con Tomate auch ist (und ich habe es zu jeder Tageszeit gegessen!), irgendwann ist mal gut mit weißem Brot, Olivenöl und Tomate. Was man eigentlich immer Essen kann: Gazpacho, Tortas de Aceite (ist aber andalusisch und deswegen an der Costa Brava nicht gerade verbreitet), Salate (Käse/Fleisch/Fisch ließen sich immer abbestellen), verschiedene Tapas wie Patatas bravas (ohne Sauce!), frittierte Artischocken usw. Auch in kleinen Supermärkten habe ich Soja/Reis/Mandelmilch entdeckt, Bioläden sind mir eher selten begegnet. Dafür um so mehr Falafelläden. Und es gibt fast überall frischen O-Saft! Hin und wieder lässt sich auch mal Sorbet in den Eisdielen finden. Gerne gegessen von mir wurden auch die verschiedensten gerösteten Nüsse und wir haben sogar (zufällig) vegane Zimtkekese im Supermarkt entdeckt. 
Aaaaaaber: Bei uns hat leider nicht alles so super geklappt, da unser lieber Freund und Gastgeber es etwas zu gut meinte, uns viel zu viel auf einmal zeigen wollte und so irgendwie unsere eigenen Pläne torpediert hat. Alles, was er uns gezeigt hat, war auch wunderschön, aber nicht unbedingt kompatibel für unvorbereitete Veggies. ("Nee, wir fahren nicht mehr nach Hause, mein Freund spielt in Bisbal in ner Tapasbar ein Konzert" - der Tag, an dem ich nix gegessen habe.) So standen wir dann mehrmals in irgendwelchen Minidörfen oder krass touristischen Städten, in denen es nicht mal vegetarische Pizzen oder Tapas gab. Eine der beiden anderen ist übrigens Vegetarierin und die andere isst auch eher sehr selten Fleisch, gestresst hat uns das fast alle gleichermaßen.

Das Tolle ist: Die meisten Gerichte bestehen aus total einfachen Zutaten und klingen unspannend, sind aber deswegen so herausragend lecker, weil die einzelnen Zutaten einfach großartig sind! In einem Omni-Restaurant haben wir zum Beispiel Salate von der normalen Karte bestelllt, die ausschließlich aus Salat, Bohnen oder Kartoffeln, gebackenen Tomaten und Kräuteröl bestanden und unglaublich gut geschmeckt haben. Ich habe echt selten leckerere und fruchtigere Tomaten gegessen, das macht wahnsinnig viel aus!

In Barcelona ist veganes Essen übrigens kaum ein Problem. Da habe ich auch ohne zu suchen etwas zu Essen gefunden (sogar Eis!). Lediglich das Gopal haben wir gezielt angesteuert und das würde ich auch sofort weiterempfehlen. Hier gibt es klassische spanische Gerichte, aber auch Kuchen und Patties, Tofu etc. zum Mitnehmen. Veganes Eis gabs beim Stickhouse (Fruchteis oder Sojaeis, mit veganer Schokolade und Nüssen überzogen), Smoothies an jeder Ecke und viele andere vegetarisch/vegane Restaurants sind in der ganzen Stadt verteilt. 
Was mir auf der Rambla aufgefallen ist: Vor drei Jahren, als ich das letzte mal dort war, wurden in Straßenständen auf sehr unangenehme, quälerische Art und Weise verschiedenen Tiere verkauft (Küken, Hühner, Schildkröten...). Das war mir damals schon unheimlich. Dieses Jahr haben wir uns erst gefreut, weil wir keine gesehen haben. Das war aber leider etwas zu früh, ganz zum Schluss haben wir dann noch einen Stand entdeckt, der Küken, Schildkröten und Fische en masse, gequetscht in ungeschützen und fast auf dem Boden stehenden Käfigen verkauft hat. Verboten scheint es also nicht (ganz?) zu sein, ich werde das aber mal recherchieren.

In Girona selbt gibt es neben vegetarischen Läden übrigens auch zwei rein vegane Restaurants, Bionèctar und B12. Zwei total bescheuerte Namen, finde ich. Und auch ansonsten waren lange nicht so schön und gemütlich, wie die vielen anderen Cafés und Restaurants in Girona. Leider waren wir in keinem von beiden - an den ersten Tagen konnten wir nicht, weil wie oben beschrieben unser Plan sabotiert wurde und als wir dann vorbeigegangen sind, hatten tatsächlich beide ab genau diesem Tag Betriebsferien.

Insgesamt war es wunderschön, deswegen teile ich einfach mal auch essensunabhängige Fotos mit euch. (Werden beim Anklicken größer, Quali ist der der Wahnsinn, weil die alle mit meinem iPhone aufgenommen wurden.) 
Ich bin gespannt, was eure Erfahrungen im Urlaub und speziell in Spanien sind!

PS: Kennt jemand von euch eine gute vegane Sonnencreme? Ich hatte die von Alverde. Die war furchtbar, ließ sich nicht verteilen und bildete nur eine dicke, weiße Schicht auf meiner Haut.







































Freitag, 25. Mai 2012

Was ich mir wünsche: Mehr Herrschaftskritik

Vor über einem Jahr habe ich hier einen Artikel mit dem Namen "Vegan. Und sonst so?" geschrieben. Es ging mir darum, dass man sich "nur" weil man vegan lebt, nicht auf die Schulter klopfen sollte, in dem Gedanken, man hätte die Welt gerettet. Stichwort Kinderarbeit. Stichwort Massenkonsum. Rückblickend fällt mir, auf, dass etwas entscheidendes gefehlt hat: eine Auseinandersetzung zu weiteren herrschaftskritischen Themen. Sowohl ganz allgemein, aber eben ganz besondern innerhalb der veganen Subkultur. Und ja, ich meine (Hetero-)Sexismus, Rassismus und andere Formen der Unterdrückung, zum Beispiel Fatshaming, um auf das eigentliche Thema des Blogposts zu kommen. (Lest dazu bitte die Artikel von Saskia: Fat shaming doesn't help animals und den von Seitansbraten: Fat shaming, gesundheit und warum vegan?)
Ich weiß auch, dass ich mich bei einigen Leuten unbeliebt mache, wenn ich wie hier über peta schreibe, oder wie hier über Alltagsrassismus (diesen Artikel würde ich heute übrigens auch nicht mehr genau so schreiben), aber ehrlich gesagt ist mir das mittlerweile echt egal. Ich habe nicht vor die vegane Szene zu spalten, sie zu zerstören oder was weiß ich, was man mir schon vorgeworfen hat. Ich verstehe lediglich nicht, wie Menschen, die in einen Thema so kritisch sind (oder sich zumindest so geben), so viel hinterfragen, so viel Empathie zeigen und sich letztlich durch den Veganismus ja durchaus auch einschränken, jedoch in anderen Bereichen so platt argumentieren, wie "wir" es so manchem militanten Fleichesser vorwerfen.
Ich wünsche mir sehr, dass sich ein Bewusstsein entwickelt für Unterdrückungsmechanismen aller Art, ich möchte, das neben Tieren auch Menschen respektiert werden, die nicht der Norm entsprechen. Ich will keine Hierarchien und kein Macho-Chauvi-Getue mehr sehen. Ich möchte stattdessen, dass Menschen sich öffnen, zurücknehmen, zuhören, nachdenken.

Vorgestern hatte ich eine Diskussion auf Facebook mit einem Menschen, den ich nicht mal kenne. Solche Diskussionen sind meistens unglaublich unsinnig und es passiert mir selten, dass ich mich darauf einlasse, bzw. mich einmische. Eigentlich ist es mir zu doof, zu anstrengend und zu ineffizient. Aber manchmal denke ich mir, dass gar nichts sagen eine Zustimmung ist. Es tauchte also bei Facebook ein Foto auf, welches ich hier jetzt nicht darstellen möchte, es lässt sich ganz einfach erklären. Beschreibung wie folgt: Ein Haufen Fast Food = dicke Frau | Ein Haufen Gemüse = dünne Frau. Überschrift: Einfache Rechnung. Also - Denk dran*! *Gilt auch für Männer ;-) Das hat mich entsprechend wütend gemacht und ich dachte, ein kleiner Hinweis darauf, wie diskriminierend das Bild ist, könnte nicht schaden. Bezeichnenderweise hat der Mensch, der das Bild veröffentlich hat, nicht mal verstanden worauf ich hinaus wollte. Er dachte, ich fände es diskriminierend gegenüber Frauen (als könnte ich nicht lesen oder als hätte ich das Bild nicht mal verstanden). Desweiteren wurde mir vorgeworfen, ich hätte keine Argumente, würde Stammtischparolen raushauen und sollte es doch selbst besser machen. Die Krönung war dann, dass er sagte, ich würde beleidigt reagieren, weil das bei mir wohl ein empfindliches Thema wäre. Menschen sind also nicht dazu in der Lage, sich für Andere einzusetzen oder Diskriminierung zu kritisieren, von denen sie selbst nich betroffen sind. Das Problem wurde als mein individuelles abgetan, nicht als strukturelles, nicht als Herrschaftsproblem - und ist so für ihn uninteressant und irrelevant. Eine beliebte Methode Diskriminierungsvorwürfe von sich zu weisen und der Meckertante die Schuld in die Schuhe zuzuschieben. "Wo kommen wir denn da hin, wenn wir jetzt auf jede Mimose Rücksicht nehmen müssen?!"

Der Mann hat mindestens ein mal in der "Diskussion" gesagt, er würde zu dem Bild stehen und ich würde nur herumnölen. Ich wollte euch die Diskussion gerne zeigen, heute ist das Bild und die dazugehörige Diskussion aber schon gelöscht. Das macht es natürlich nicht ungeschehen und ich bin ja auch nicht doof, ich habe während der Diskussion alles hübsch auf Bildschirmfotos festgehalten, also lest selbst:




Ich habe aus Gründen der Leserlichkeit und weil es meiner Meinung nach keinen inhaltlichen Mehrwert gab, alle anderen Kommentare zu dem Bild entfernt.


Ich bitte euch übrigens davon abszusehen in den Kommentaren über gesunde Ernährung zu diskutieren. Ich denke, wir wissen alle im groben, was gesunde und was ungesunde Ernährung ist, dass Veganer auch ein "Recht" auf ungesunde Ernährung haben, genau so, wie jeder andere Mensch auch. Aber was ich in der Diskussion noch deutlicher hätte machen sollen: Wir sollten uns langsam aber sicher von der falschen Annahme schlank = gesund | dick = ungesund verabschieden und aufhören, Menschenzu beschuldigen, weil sie nicht in unser (Schönheits)-Ideal passen.

Dienstag, 13. März 2012

So viele neue Outings

Seit Februar ist es hier ja etwas ruhig auf diesem Blog geworden. Das hat hauptsächlich zwei Gründe: Zum Einen habe ich tatsächlich einen Job beim WDR bekommen (irgendwann hab ich ja mal geschrieben, dass ich mich da beworden hab, ich weiß gerade nicht mehr wo), was zu einigem Hin und Her, Papierkram, Einarbeitung etc. geführt hat und zum Anderen ist unsere dritte Mitbewohnerin sehr kurzfristig ausgezogen und wir haben einen Großteil der Zeit damit verbracht, eine Neue zu suchen und das ein oder andere Möbelstück zu ersetzen. Zusätzlich zu unserer neuen Mitbewohnerin sind jetzt auch noch meine beste Freundin und ein weiterer Freund, die kurzfristig in Köln unterkommen mussten bei uns eingezogen. 
Hier ist gerade also ziemlich viel los und das hatte den Nebeneffekt, dass ich allen bis dato unbekannten Menschen, denen ich in den letzten Wochen so begegnet bin mitteilen "musste", dass ich Veganerin bin. Puh. Darüber hatte ich vorher auch gar nicht nachgedacht, meine Familie, meine Freunde und Kollegen wussten eigentlich alle bescheid. Ok, es hat nicht jeder gleich gut verstanden, "was das ist", aber immerhin wussten alle zumindest "dass da was ist".
Während unserer Mitbewohnersuche habe ich mich dazu entschlossen, gleich dazu zu sagen, dass ich vegan lebe, hauptsächlich, weil ich wissen wollte, wer wie reagiert. Beim WDR habe ich das auch allen schon bei der ersten Gelegenheit gesagt, weil es mir lieber ist, wenn man um mich herum darüber bescheid weiß, so dass ich nicht in unangenehme Situationen gerate. Und das ist auch gleich das richtige Stichwort, unangenehm finde ich es wirklich. Wenn ich so im Gespäch darauf kam und das gesagt habe, haben die meisten eigentlich auch ganz locker reagiert, weil ich selbst auch versuche, das möglichst unverkrampft einzubringen. Trotzdem sind es natürlich immer die selben Fragen, Gespräche, Argumente. 

"Ach, VEGAAAAAN?! Oh." 
"Mh, ok, aber wieso denn?" 
"Neeee, aber Kühe müssen nur ein mal ein Kalb bekommen, dann geben die ihr ganzes Leben lang Milch." 
"Aber für Eier stirbt ja niemand!"
"Wenn ich dir jetzt Eier von meinen glücklichen Hühnern mitbringen würde - ehrlich, die sterben auch nen natürlichen Tod und haben total viel Auslauf - würdest du die dann auch nicht essen?"
"Daniiiii, was isst du denn da, das ist doch nie im Leben vegan!" 
"Tut mir leid, aus dem Kiosk darfst du jetzt bestimmt nichts essen."
"Stört dich das jetzt, wenn ich am selben Tisch Fleisch esse? - das selbe Messer benutze wie du? - wenn Fleisch und so im Kühlschrank liegen?"
"Ich ess das auch kaum. Also außer Frischkäse, Quark, Joghurt, Fisch und Hühnchen."
"Lass mal sehen!" - "Was isst du denn da?" - "Wie hast du das gemacht und was ist da drin?"
usw. ...

Halleluja. Irgendwie kennen wir das ja alle, aber das war dann wirklich sehr geballt. Das witzigste war aber, als uns unser Besuch aus Spanien eine Freude bereiten wollte und uns ca. fünf spanische Würste mitgebracht hat. Er tat mir leider etwas leid, weil er nicht wusste, dass meien Mitbewohnerin und ich kein Fleisch essen und ich deswegen einfach lachen musste. Zum Glück ist er aber ziemlich locker und isst die Würste jetzt mit allen anderen nichtvegatarischen Menschen, die bei uns so zu Besuch sind. Insgesamt finde ich es aber positiv, dass fast jeder eher neugierig ist und auch gerne mitisst, wenn ich koche.

Für mich ist es definitiv am unangenehmsten, wenn ich Essen ablehnen muss. Bei den Würsten war es noch in Ordnung, aber zum Beispiel hatte an meinem ersten Tag beim WDR jemand seinen letzten Tag und für alle Donouts mitgebracht. Ich hab abgelehnt - habe mir Scherze darüber angehört, dass ich doch keine Diät machen brauche - mich bedankt, aber gesagt, dass ich Veganerin bin und das deswegen einfach nicht möchte. Das war dann schon eine komische Stimmung, hinterher hat man mir auch mehr oder weniger ernsthaft gesagt, dass sei etwas unhöflich gewesen. 

Unhöflich also. Vegan macht unsozial. Daran haben glaube ich viele am meisten zu Knabbern. Schwerer als der "Verzicht" fällt es mir, etwas nicht zu essen, was andere mir anbieten. Manchmal bin ich so kurz davor etwas doch zu essen, weil ich Angst habe, die Person sonst zu verletzen. Am schwersten gefallen ist mir das von Anfang an bei meiner eigenen Oma und auch bei den Großeltern von meinem Freund, aber auch immer dann, wenn ich mal irgendwo zu Gast bin. Einige Menschen verstehen nicht, warum ich das mache, den meisten werfe ich das auch nicht vor, aber es ist dann natürlich entsprechend anstrengend. Andere Menschen betreiben dann so viel Aufwand, dass ich es gleichzeitig rührend und unangenehm finde. Ich möchte einfach gar nicht so gern diese Extrawurst-Person sein, obwohl ich selbst auch kein Problem damit habe, wenn meine Gäste dieses oder jenes nicht essen und würde auch selbstverständlich zumindest eine Alternative anbieten.
So unangenehm mir das auch ist, es ist ein Teil von mir und den möchte ich nicht verraten. Ich habe mich aus freien Stücken dazu entschieden und es war von Anfang an klar, dass es unangenehme Situationen geben wird. Und irgendwann werden sich auch wieder alle neuen Menschen in meinem Umfeld daran gewöhnt haben. Wenn das für die dann auch nichts mehr Exotisches ist, habe ich meinen Normalzustand auch wieder zurück.

Mittwoch, 29. Februar 2012

Ich kann auch anders! Nett zum Beispiel.

Denn PeTA kann auch anders, wie man sieht. Besonders peta2 macht meiner Meinung nach wirklich (!) gute Sachen. Von denen habe ich glaub ich noch nichts gesehen, was ich scheiße fand. Klar, deren Arbeit es ist sehr zielgruppenorientiert, aber das ist ja nichts schlechtes. Ich habe für peta2 viel mehr Respekt übrig, als für die Mutterorgansisation, die, wie viele hier sicherlich mitbekommen haben, mir mittlerweile nur noch auf den Keks geht. Da bleibt mir nichts anderes übrig als zu fragen, verdammt PeTA, warum macht ihr nicht auch hin und wieder mal sowas? Von mir aus ach mit halbwegs authentischen Promis. Aber angezogen! Dafür ernsthaft, glaubwürdig und mit der ordentlichen Portion Denkanstoß!

Ja, der Spot ist kitschig, aber wirklich schön. Ich mag Nessi, ich mag ihre Stimme, ihre Authenzität und ich mag, dass sie ernsthaft und locker gleichzeitig ist. Das geht vielen verloren, die länger in den Medien präsent sind, ich hoffe, sie bleibt einfach so. Ich mag auch die Einfachheit des Spots und ich mag Bilder von glücklichen Kühen im Morgentau und spielenden Schweinen. Sicherlich wird das niemanden abschrecken, aber das muss ja nicht das einzige Mittel sein, Menschen von etwas zu überzeugen. Die ruhige, melancholische Stimme und die eigentlich als so natürlich und so selbstverständlich anmutenden Bilder können in Menschen sehr viel bewegen, da bin ich mir sicher.

Eine Ode an die Freiheit - da mach ich mit, das find ich gut.


Donnerstag, 16. Februar 2012

An alle, die nicht verstehen, was mich an PeTA stört



Trigger Warnung: Verharmlosung/Verherrlichung von sexualisierter Gewalt.

Das Thema habe ich hier ja bereits häufiger angerissen (u.A. hier) und niemals wirklich zur Genüge erläutert. Das werde ich auch heute mal wieder nicht tun, ich bin nämlich gerade echt nicht dazu in der Stimmung mich dermaßen in Rage zu schreiben. Trotzdem kann ich es nicht ganz lassen und ja, PeTA will genau das, dass wir darüber reden, dass sie ins Gespräch kommen und bleiben, Provokation um jeden Preis. Also nennt mich ruhig Komplizin, denn gar nichts sagen, dass kommt für mich auch nicht in Frage. Ich finde PeTA muss mindestens für diese Kampagne kritisiert werden, da ist es nunmal unumgänglich, dass ich PeTA auch erwähne.
Ich hoffe insgeheim, wer sich das da oben anschaut, dem brauche ich nicht mehr großartig viel erklären. Eigentlich sollte da jedem sein Sojawürstchen im Halse stecken bleiben, aber ich werde trotzdem mal stichpunktartig auflisten, was mich an dem Spot stört.

  1. Die ganze "Vegetarier/Veganer_innen haben besseren Sex"-Nummer halte ich für eine so große und dumme Lüge, dass ich vermute Münchhausen hat sie höchstpersönlich erfunden.
  2. "Sex sells" ist laaaaaaangweilig und unkreativ. Außerdem haben wir hier den sexuellen und erotischen Bereich längst verlassen und bewegen uns viel eher auf dem Terrain der Misshandlung.
  3. Guter/wilder/hemmungsloser/leidenschaftlicher Sex hat gemeinhin erst mal gar nichts mit (von mir aus auch "unkontrollierbarer") Brutalität oder Gewalt zu tun. (Das hier persönliche Vorlieben ausgeschlossen sind, sollte hoffentlich klar sein.) Schon gar nicht insofern, als das ernsthafter gesundheitlicher Schaden durch diesen Sex normal sei. Genau genommen wird das im Spot nicht mal als normal, sondern als äußerst erstrebenswert dargestellt. So, als hätte es der Typ endlich richtig drauf, denn hey, eigentlich wollen wir Frauen doch alle misshandelt werden und alle Männer wollen brutale F*ckhängste sein.
  4. Nein, Gewalt (gegenüber Frauen und sonst irgendwem) ist nicht okay und auch nicht witzig, auch dann nicht, wenn es überspitzt und provozierend gemeint ist. "Stell dich mal nicht so an" ist hier auch kein annähernd ausreichendes Gegenargument, denn es zeigt, dass man nicht verstanden hat, dass durch solche Spots Verharmlosung und Legitimierung von ernsthaften Problemen stattfindet.
  5. Humorlosigkeit lasse ich mir von Männern, die sich mit dem Thema nicht mal ansatzweise auseinandergesetzt haben und somit auch keinen blassen Schimmer haben wie es ist und was es bedeutet, tagtäglich von sexualisierten (und in dem Fall sogar gewaltvollen) Fauen-Bildern konfrontiert zu werden, ebenfalls nicht vorwerfen.
  6. Ja, ich glaube ernsthaft daran dass Männer (egal welcher "Schicht" sie auch zugehörig sein mögen) auch zu Vegetariern oder Veganern werden können, wenn man nicht mit nackten Frauen vor ihnen herumwedelt.
  7. Was sind das bitte für Vegaterier/Veganer_innen, die zu eben solchen werden, weil sie meinen sie würden schöner, attraktiver und sexuell leistungsfähiger sein? Die Wahrscheinlichkeit, dass so jemand langfristig dabei bleibt, emanzipiert und aufgeklärt mit dem Thema umgeht ist wohl eher gering.
  8. Der Typ ist mal wieder der starke Kerl, der sich kaum beherrschen kann, während die Frau in der passiven Opferrolle bleibt und ihrem Peiniger die Gewalt nicht ein mal übel nimmt. Denn der Arme, der kann ja nix dafür und sie will es ja eigentlich selbst.
Und quasi als Zusammenfassung: Wie wollen wir bitte gleiche oder ähnliche Rechte zwischen Menschen und Tieren etablieren, wenn wir es noch nicht ein mal schaffen alle Menschen entsprechend gleich zu behandeln? Wenn wir eine Gruppe befreien und dafür eine andere Gruppe unterdrücken/misshandeln/entmenschlichen/ausbeuten etc., dann haben wir überhaupt gar nichts erreicht.


EDIT: Ihr kennt ja vielleicht das Omnivore Defensive Bingo? So etwas ähnliches gibt es auch für antifeministische Aussagen und ich kann es mir gerade nicht verkneifen, es hier einfach mal zu posten. Schon alleine, weil ich den Karneval durcharbeite und es deswegen nicht schaffe, die Kommentare hier ordentlich zu moderieren. People you will meet in discussions about Sexism in the Internet.

EDIT NR. 2: Weil hier das Unfall-Argument so oft fällt, noch ein Kommentar meinerseits: Das finde ich völlig uninteressant. Mit ziemlicher Sicherheit handelt es sich um einen Unfall, der Typ tritt im Spot ja nun nicht gerade wie ein brutäler Schlägertyp auf. Aber der springende Punkt ist meiner Meinung nach, dass es so oder so als akzeptabel und irgendwie besonders toll dargestellt wird. Durch das Lächeln und dadurch, dass sie ihm sein Gemüse holt (damit er stark bleibt?!) wird stattdessen impliziert, dass es ihr gefallen hat und der Typ dadurch jetzt ein ganz toller Kerl und das ist das eigentliche Problem. Ich jedenfalls würde das nicht noch ein zweites Mal "riskieren" wollen.

Dienstag, 7. Februar 2012

Ich bin das Klischee

Ich bin nicht gerade ein Fan von Klischees, Stereotypen und Vorurteilen. Blöderweise werden einiger allerdings immer wieder bestätigt. Zum Beispiel, wenn man durch die Uni läuft und versucht Oufits Studienfächern zuzuordnen. Woran das liegt, darüber lässt sich wohl streiten, aber eigentlich ist das das spannendeste an der Sache. Grundsätzlich versuche ich immer, all mein angebliches Vorwissen bei Seite zu schieben wenn ich Menschen kennen lerne, die man in irgendeine Schubladen einordnen könnte. Ich glaube auch, dass das ganz gut klappt, allerdings habe ich noch nie so richtig darüber nachgedacht in welche Schubladen ich so gesteckt werde. Neben "Studentin von Geisteswisschenschaften" wäre die etwas markantere wohl "Veganerin". Und wenn ich dann mal so schaue, in diese Schublade passe ich im Grund ohne anzuecken.

  1. 70% der vegetarisch/vegan lebenden Menschen sind weiblich — Check
  2. Fast die Hälfte lebt in einer Großstadt — Check
  3. Das Durchschnittseintrittsalter für "moralische Vegetarier/Veganer_innen" liegt bei 21 Jahren. Ich liege ein Jahr drüber, was ziemlich nah am Durchschnitt ist, also — Check
  4. Das aktuelle durchschnittliche Alter liegt dafür bei 30 Jahren — Fail
  5. Der Großteil vegetarisch/vegan lebender Menschen studiert oder hat studiert — Check
  6. Über die Hälft besitzt keine Religionszugehörigkeit — ich bin zwar evangelisch getauft, konfirmiert und noch nicht aus der Kirche ausgetreten, aber ich bin nicht gläubig. Also verbuche ich das auch als zutreffend. Check
  7. Der Hauptbeweggrund die eigenen moralischen Grundpfeiler bezüglich Tieren und deren Konsum zu hinterfragen war/ist die Massentierhaltung, bzw. die Zustände darin und die Notwendigkeit des Tötens für den Fleischkonsum — Check
Quelle für diese Angaben ist die Vegetarierstudie der Uni Jena


Viele andere Vegetarier/Veganer_innen, die ich kenne, entsprechen den Angaben auch zum größten Teil. Interessanterweise kenne ich verhältnismäßig viele vegane Männer, dafür, dass das Verhältnis 70 zu 30 sein soll. Trotzdem treffen auf die meisten die ich kenne mindestens vier der sieben Punkte zu. Irgendwie könnte man meinen, die Gruppe wäre total homogen, aber die Menschen die ich kenne, sind so unterschiedlich, haben teilweise kaum etwas gemeinsam, abgesehen davon, dass sie vegan leben und vielleicht eine gewisse linksorientierte politische Grundüberzeugung haben. Übrigens wundert es mich, dass die Studie Bezug zu Religion, nicht aber zu politischen Parteien hergestellt hat.

Trotzdem ist das Ergebnis interessant. Wo liegen die Gründe für den hohen Frauenanteil? Was hat das alles mit Schul- und Hochschulbildung zu tun? Warum tut sich gerade im Alter von Anfang 20 so viel? Wieso gibt es unter vegetarisch/vegan lebende Menschen so wenig Bindung zur Religion?

Ich persönlich glaube, dass das alte Denken "Fleisch macht stark" noch weit verbreitet ist. (Da braucht man sich nur die Beef! anzusehen...) Und in unsere Gesellschaft ist körperliche Stärke bei Männern eben immer noch wichtiger als bei Frauen. Männer sind die alten Jäger, die symbolisieren müssen, dass sie eine Familie versorgen können. Das ist natürlich völliger Quatsch, aber aus diesen Strukturen auszubrechen ist alles andere als einfach. Männern wird neben der (zum Töten) notwendigen Stärke auch allgemein ein höheres Gewaltpotenzial zugesprochen, Frauen sind meist friedliebend und Opfer, wohingegen Männer die Aktiven und/oder die Täter sind. Das ist ein heikles Thema und es gibt natürlich unzählige Gegenbeispiele aus der Geschichte und auch in aktuellen Gesellschaften, inklusive unserer eigenen. Trotzdem erzählt meine Mutter heute noch, dass es bei ihnen früher selten Fleisch gab, wenn, dann war ihr Vater zuerst an der Reihe, danach ihr acht Jahre jüngerer Bruder. Was die Männer übrig ließen (meistens war das gar nichts, manchmal aber dann doch ein wenig) durften die Frauen unter sich aufteilen. Die Männer mussten eben arbeiten gehen, oder stark werden, damit sie dann später als Erwachsener arbeiten gehen konnten. Frauen brauchten nicht so viel Fleisch, weil sie nicht arbeiten gehen brauchten/sollten. Da könnte man denken, dass Fleisch vielleicht von Frauen besonders hoch geschätzt wird, weil es so eine glorifizierte Seltenheit war. Das scheint aber nicht passiert zu sein, ich vermute daher, dass stattdessen Frauen Fleisch doch einfach nicht so bedeutend finden, vielleicht, weil ihnen nie suggeriert wurde, wie wichtig es für sie sei. Männer sorgen sich scheinbar stattdessen eher um ihr Privileg als starker Kerl. Das sind zumindest meine Vermutungen.

Das Großstadtleben bietet natürlich einige Vorteile. Hier gibt es viel mehr Möglichkeiten einen "alternativen" Lebensstil zu pflegen, viele Zugezogene stehen weniger stark unter dem Einfluss ihrer Eltern, Großeltern, Freunde und so weiter. Pluralität und Diversität hab mehr Raum und wird weniger belächelt und/oder gemobbt. Heute ist man zwar auch in ländlichen Regionen mit einem Internetanschluss bestens an das Weltgeschehen angeknüpft, aber in Großstädten wird man auch im Alltag viel häufiger, viel offener und offensiver mit kritischen Themen konfrontiert. Dazu trägt auch nicht zuletzt die Uni bei. Die besten Ergebnisse bei Uni-Wahlen (zumindest an den Unis, die ich kenne) bekommen linke und grüne Parteien, die Uni ist einer von von vielen zentralen Orten für Organisation und Mobilisierung von Streiks, Protesten und Aufklärungs-Aktionen aller Art. Informationen für sämtliche Themen gibt es en masse. Im Idealfall werden Jugendliche an der Uni zu kritischen Menschen, die auf der einen Seite viel Lesen aber auf der anderen Seite auch nicht immer alles glauben. Das alles ist selbstverständlich nicht notwendig um vegan zu werden, begünstigt einen möglichen "Wandel" aber auf jeden Fall. So erlebe ich immerhin den Unterschied von Köln zu meinem "alten" Leben in der Kleinstadt.

Dass sich wenige Vegetarier/Veganer_innen in einer Religion verorten überrascht mich insofern eher weniger, da ich vermute, dass das auf einen Großteil der ganz allgemeinen durchschnittlichen Bevölkerung in Deutschland zutrifft. Glaube im traditionellen Sinn treffe ich beinahe ausschließlich bei Menschen über 60 an. Die meisten anderen interessieren sich grundsätzlich nicht für Religion und/oder sind extrem kirchen- und religionsverdrossen. Mal ganz davon abgesehen, dass traditionelle Kirchen grundsätzlich eben an ihren Traditionen festhalten und sich bei Entwicklungsprozessen nicht gerade beeilien.

Schön, dass ich auch ein paar Beispiele kenne, die so gar nicht in das Schema passen, wie zum Beispiel mein Vater. Ein Mann über 40, lebt in einer Kleinstadt und hat lieber eine Ausbildung statt Abitur gemacht. "Trotzdem" ist er klug und mitfühlend und das ist auch an keine der oben genannten Kriterien verknüpft. Manchmal kommt es vielleicht auf die äußeren Umstände an, diese können triggernd oder hemmend wirken. Aber letztendlich kann heute in unserer Gesellschaft fast jede_r an bestimmte Informationen kommen und sich für den Veganismus entscheiden. Wenn ich mir meinen eigenen "Weg" ansehe, glaube ich, dass ich vermutlich immer Veganerin geworden wäre, egal wie mein Leben verlaufen wäre. Die ersten Anzeichen waren recht früh, ich habe eine Entscheidung nur aus Angst und Unsicherheit hinausgezögert. Und genau das beobachte ich bei vielen Menschen um mich herum, wie oft höre ich "Ja hm, irgendwie, also ja das stimmt schon, so gesehen, hm hm... ABER..." Viele Menschen sind verunsichert, wissen nicht genug um das Thema beurteilen oder selbstbewusst Stellung beziehen zu können, spüren aber, dass da etwas im Argen liegt. In den Medien wird währenddessen von der neuen "weiblichen und intellektuellen Elite" gesprochen, die das Veganertum anzuführen scheint, da dreht sich mir direkt der Mageninhalt um. Wenn das nur oft genug wiederholt wird, ist ein neues Klischee erschaffen und man braucht sich nicht weiter wundern, wenn die Menschen, die diesen Kriterien nicht entsprechen (und das sind eine ganze Menge), sich von dem Thema distanzieren und Veganer_innen für abgehobene und weltfremde Spinner halten.

Dienstag, 31. Januar 2012

Ach ja...

Hab ich es eigentlich schon erwähnt? Seit ein paar Wochen gibt es das erste Kochen ohne Knochen Magazin zu kaufen, an dem ich mitgewirkt habe. Ihr könnt es in Bahnhofskiosken kaufen, oder bekommt es bei einer Bestellung bei alles-vegetarisch.de dazu gelegt (solange der Vorrat reicht meine Damen und Herren!). Themen sind unter anderem Haustierernährung (da taucht übrigens auch die Pseudoerbse auf), Sea Shepherd, Ayurveda und ich habe einen Artikel über Ital-Food beigesteuert. Dazu gibt es natürlich viele leckere Rezepte, Klatsch & Tratsch (äh nee, doch nicht) und Neuigkeiten! Außerdem arbeiten wir schon fleißig an der nächsten Ausgabe, wozu ich bereits eine meiner Lieblingsmusikerinnen interviewt habe. Ich sage aber nicht wen genau, es soll ja spannend bleiben, muhaha ;D