Also das hier ist vegan und feministisch. Weil sonst alles scheiße ist.
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Montag, 19. November 2012

Happy Bloodyversary, Pd. 1

Wintersemester 2011, Einführungsveranstaltung Sozialethnologie. Thema: Die Rolle von Geschlecht für die Ordnung der Gesellschaft. Beispiel Menstruation. Der Dozent erzählt von der Gesellschaft A im Land Y. Menstruation speilt bei den As eine entscheidende Rolle bezüglich des Wohnortes der Frauen und der Arbeitsaufteilung innerhalb der Gemeinde. Menstruierende Frauen gelten als unrein und schmutzig und müssen vom Rest des Dorfes getrennt werden. Hierzu wurden eigene Häuser erbaut, in der die Frauen an "den Tagen" leben. Kontakt zu Außenstehenden ist untersagt, gearbeitet werden darf auch nicht, Körperkontakt ist ebenfalls verboten. Für alles andere gelten ebenfalls spezielle Reinigungsregeln. Durch den Raum geht ein Kichern. Man ist irritiert und empört. Das ist ja total krass! Ganz schön rückständig is man in Y. Sehr frauenfeindlich, das kann man doch nicht machen.


Ja, ganz Recht. Das hier ist eine Menstruationsgeschichte.


Siebte Klasse. "Herr FGH, ich habe echt Bauchschmerzen und so, ich habe meine Periode...." "Oh! Äh jajajajaja, also mhhh... Jaaaaaaaaa. Frauenprobleme... Dann brauchst du auch nicht am Unterricht teilnehmen, denke ich. Oder? Also wenn es dir wirklich nicht so gut geht, dann geh ruhig nach Hause." (So haben wir sie immer gekriegt.)
Montags war Schulschwimmtag. Wer am Montag nicht in der Schule war, oder vorzeitig nach Hause ging, stand unter Periodengeneralverdacht! Einmal ist eine unbeliebte Schülerin früher heimgegangen. Eine von uns hat angeblich einen roten Fleck auf ihrem Stuhl gesehen. Ha! Erwischt!

Irgendwann mit 15. Die Familie sitzt im Wohnzimmer. Freund ist auch da. Es läuft irgendwas im TV. Irgendwas wird von irgendeiner Werbung unterbrochen. Ein Spot für Tampons. Eine schöne, schlanke, blonde Frau sitzt in einem weißen Kleid fröhlich auf einem Pferd, schlägt lächelnd im weißen Kleid die Rückhand in einem Tennisspiel, geht im weißen Einteiler ins Freiband und steigt abends im weißen Negligée zu ihrem (?) Mann ins Bett. Zwischendurch tropft irgendwer blaue Flüssigkeit auf ein Tampon und schließt die Hand darum zusammen. Halleluja, saugstark und undurchlässig! So merkt niemand was! Inzwischenzeit diskutieren die anwesenden Männer humoristisch über die Notwendigkeit eines Geräts, mit dem man unliebsame Werbung blocken könnte. Sowas will man doch nicht sehen!!!! Immer diese Tampons, Binden, Slipeinlagen im TV. Periode, bah!

Irgendwann mit 17. Freund erzählt vom Typen aus seiner Berufsschulklasse. Der hat mit seiner Freundin auch Sex, wenn sie ihre Tage hat. Dass er es geil findet, sagt er nicht. Aber es stört ihn nicht. "Hinterher sieht das Laken dann aus wie ein Schlachtfeld. Da musst du das bett eben neu neziehen und das wars." erzählt er trocken. Da ist das Gschrei aber groß. Da wird sich das Gesicht verzogen, "Nein, nein, nein" gerufen, die Hände vor die Augen gehalten. "Erzähl doch nicht sowas ekelhaftes!"

Sommer 2012. WG-Party. Anwesende: mehrheitlich Medizinstudent_innen. Wir unterhalten uns auf dem Balkon zu dritt über unseren Umgang mit Menstruationsbeschwerden. Teetrinken, Wärmflasche, Schmerzmittel, Homöopathie, Sex, Selbstbefriedigung & Schokolade. Wir sind auch ein bisschen wütend und genervt, dass wir uns überhaupt mit sowas auseinandersetzen müssen. Zwei Medizinstudenten kommen heraus, hören zu, schütteln den Kopf. "Also ich hab ja echt kein Problem damit, an Leichen herumzuschneiden. Ich meine, wenn der Darm platzt, oder der Magen, das ist schon manchmal echt eklig. Aber wenn meine Freundin ihre Tage hat, das finde ich so richtig widerlich! Echt jetzt mal, stimmt doch! So Blut aus der Muschi, voll abartig! Oder? Oder?!?!"

(Triggerwarnung für den folgenden Abschnitt: Beschreibung von diversen potentiell gewalltvollen Sexualpraktiken)

Meanwhile: Me, doing Porno-Recherche. Es ist eigentlich immer das selbe: Männer ficken, Frauen werden gefickt, lautes Stöhnen, Schubsen - Ziehen - Zerren - Drücken - Festhalten, auf den Arsch hauen, Beleidigen, Zooom-In in die Vagina, Schwanz rein und wieder raus und wier rein und wieder raus, Dreh dich um! Mach das Bein hoch!, Blowjob bis zum Würgereiz und Tränendrüsenreflex mit den Händen eines Typen am Hals, Löcher dehnen und füllen, bla bla bla. Und zum Schluss immer die gleiche Szene: Cumshot. Nach grandiosem Herumgebumse spritzt der Mann (oder die Männer) sein/ihr Sperma ins Gesicht der Frau(en). Und die freuen sich so sehr! Herrje, so viel weißer Glibber im Gesicht, das ist ja der Hammer! Da wird schon mal begeistert der Rest vom Boden aufgeleckt. Auf allen Vieren, der Rücken durchgedrückt, Popo in die Höhe. Oder aus dem Nasenloch der anderen Darstellerin geschlabbert. Manchmal gibts auch keinen Cumshot. Da kommen dann drei Typen hinterenander beim Analsex in den Hintern ihrer Kollegin. Die drückt dann alles schön raus, auf das Gesicht einer anderen Darstellerin. Begeistertes Klatschen, für jeden Tropfen Sperma, für jedes Zusammenziehen der Rosettenmuskulatur. Und auch die zweite Frau freut sich richtig, findets geil und verzehrt sich nach dem Arschsperma. Wenn alles raus ist, lecken sie sich noch gegenseitig das Gesicht hab. Und das Stöhnen nicht vergessen!


Um Kommentaren vorzubeugen, ich sei nur eine untervögelte, frustrierte, spaßbefreite Feministin: Ich sage nicht, dass ich das alle grundsätzlich schlecht und erniedrigend finde. Ich finde, alle sollen tun, woran sie Spaß haben und womit sie sich wohlfühlen. Das gilt für alle Beteiligten. Das kann das potentiell alles und auch gar nichts sein. Niemand muss alles geil oder alles scheiße finden. Es gibt zu viele Tabus, die uns guten Sex versauen. Die Abwertung des weiblichen Körpers während dieser blutet, ist eines dieser Tabus. Da wird nicht hinterfragt, da wird nur kategorisch ausgeschlossen.
Das hier ist eine Gegenüberstellung von Bewertung und Stellung männlicher* und weiblicher* Körperflüssigkeiten. Es darf gerne hintefragt werden, warum wer woran Spaß oder eben keinen Spaß hat. Wer sagt, was normal, was geil und was eklig ist? Diese Zuschreibungen können sehr machtvoll sein, dazu führen, seinen eigenen Körper abzulehnen, ihn zu hassen und sich vor ihm zu ekeln.


Klar kenne ich Menschen, die nicht so sehr auf Sperma abfahren, wie die Damen im oben beschriebenen Beispiel es (dem Anschein nach) tun. (Ehrlich gesagt sind das die meisten.) Viele wollen das nicht so gerne im Mund oder im Gesicht haben. Immerhn ist das ja auch eine ziemlich klebrige Glibbermasse, das reicht in der Regel nicht aus, um mich in freudige Ekstase zu versetzen. Auch wenn der Umstand als solcher - höchste Erreung meines Partners - das durchaus zu tun vermag.

Natürlich wird Sperma nicht von allen abgefeiert, aber immerhin unterliegt es keinem Stigma. Spermaflecken sind vielleicht etwas unreif aber lustig und quasi salonfähig. Hollywoodfilme z.B. strotzen nur so vor Spermawitzen. In "Verrückt nach Mary" schmiert sich Cameron Diaz Sperma in die Haare, weil sie denkt, es sei Haargel. Der Typ, von dem sie es hat, hat sich vorher einen runtergeholt und es sich ungeschickterweise ans Ohr gespritzt. Das ist ok. Das ist lustig. Sperma ist halt da. Das kommt halt raus. Aber wehe, du gehst mit einem roten Fleck in der Sporthose zum Turnunterricht. Wehe, du sprichst an, dass du gerade blutest! Eine Doppelmoral, die bis zum Himmel stinkt.

Was ich allerdings nicht kenne, sind Menschen, die, wenn das Gespräch auf Sperma kommt, erschrocken aufschreien und/oder angewidert das Gesicht verziehen. Ich kenne auch keine TV- oder Printwerbung für Mittel, die den Spermageschmack oder die -optik verbessern. Oder Werbung, die Männern einredet, diskret sein zu müssen, um ihnen so extra gute Spermawegwischtücher zu verkaufen. Die jedes Jahr noch diskreter, saugstärker und gründlicher werden. (Nicht, dass ich das wünschenswert finde. Ich möchte nicht mehr Scham, sondern weniger.)

Ekelhaft, peinlich und schmutzig - das sind so Wörter, die fallen nicht nur bei den As in Y. Die fallen auch hier. Jeden Tag. Seit ich denken kann. Sogar schon viel länger. Auch wenn die Männer meistens am lautesten schreien, Frauen haben das ebenfalls verinnerlicht. Fiese Gemeinheiten wachsen sich vielleicht mit dem Alter raus. Aber die Scham bleibt da. Das Gefühl, selbst dreckig zu sein. Die Sorge "ertappt" zu werden. Aus dieser Sorge heraus nicht zum Sport zu gehen. Sich in der Schule lieber nen Saugpfropf aus steinhartem Toilettenpapier zu basteln, weil es zu unangenehm ist, die Freundin zu fragen, ob sie ein Tampon hat, auf guten Sex verzichten, weil es doch ganz klar ist, dass man während der Periode gar keinen Sex haben kann, nicht offen zu sprechen, weil man keine Lust auf PMS-Witze im Büro hat, aus Scham keine Fragen zu stellen, obwohl man sich unsicher wegen etwas ist, etwas lustiges, was mit der Menstruation zu tun hat nicht zu erzählen, weil man nicht in geschockte Gesichter blicken möchte, in der Drogerie einen Vorrat an Zahnpasta, Seife und Duschgel kaufen, weil nur die Binden allein auf dem Band dir direkt "Blutet!!!" auf die Stirn tätowieren. Den Körper hassen, ihn abstoßend finden. Das ist alles noch da. Und wir schreiben das Jahr 2012.

Das war Periode 1. Periode 2 ist schon fertig geschrieben und folgt nächste Woche.


(Disclaimer: Ja, ich habe hier fast nur Negativbeispiele aufgeführt. Es gibt natürlich auch Positivbeispiele. Diese reichen aber immer noch nicht aus, um menstruierende Menschen von ihrere Scham zu befreien. Die Scham und die Vorstellung der "Unreinheit" sind immer noch tief in unserer Gesellschaft verankert.)

Dienstag, 25. September 2012

Eure Freiexemplare können mich mich mal.

Wäre ja auch zu schön, wenn ich mal nicht genervt wäre. In letzter Zeit ist mir mal wieder etwas aufgefallen, was mir gehörig auf meine 100Milliarden Eier geht. Werbeanfragen. Total nett und gut gemeint. "Wir schicken ihnen XYZ, dazu ein paar Fotos und die offizielle [wuhuhuuuuuu!] Pressemitteilung. Gerne können Sie das zu redaktionellen Zwecken auf Ihrem Blog verwenden." Wisst ihr was? Nö! Will ich nicht, geht mir weg damit.

Ja, ich schreibe manchmal über Sachen, die ich echt toll finde. Zum Beispiel über Schokolade von moofree. Die ist aber auch geil! Und die hab ich selbst gekauft und ich kann schreiben was/wie viel/ob ich will oder nicht. Wenn ich was richtig scheiße finde, sag ich das auch, oder auch nicht, je nachdem wie viel Lust ich gerade dazu habe.

Versteht mich nicht falsch - ich finde es toll, unsere noch kleine Community zu unterstützen, kleine Labels zu bewerben und so weiter. Die haben das verdient, der Markt ist hart. Aber dass mich bereits etablierte Firmen, die teilweise horrende Preise für Produkte verlangen, die sich kaum eine/einer von uns hier leisten könnte (und auch unabhängig davon einfach lächerlich hoch sind), oder Firmen, deren Produkte doch eh schon in jedem beknackten (sorry) Biomarkt zu kaufen sind, um Werbung bitten und die Frechheit haben, das nicht mal so zu nennen, sondern so tun, als täten sie mir damit einen Gefallen (!!!!!!!), das ist pervers.

Ein paar weitere Punkte habe ich in einer Antwortmail verfasst, die ich heute abschickte. Grund war die Anfrage eines Unternehmens auf kostenlose Werbung, die so fomuliert war, als sei das für mich ne wahnsinnig geile Angelegenheit.

Sehr geehrte Frau XXX,

vielleicht haben Sie sich ja meinen Blog angesehen, bevor Sie mir diese Mail schickten. Dann hätten Sie vermutlich bemerkt, dass ich Werbung nur sehr (!) spärlich einsetze. Vielleicht haben Sie den Blog aber auch nicht angeschaut, dann ist Ihnen das natürlich auch nicht aufgefallen. In beiden Fällen finde ich es doch sehr befremdlich, wenn Sie mich als potentielle Werbepartnerin anschreiben und bin sehr erstaunt über Ihre Marketingstrategie.

Mein Blog ist keine Werbeveranstaltung. Bloggen ist meine Freizeitbeschäftigung, dennoch ist es Arbeit. Ich könnte in der Zeit ganz viele andere produktive Sachen machen. Zum Beispiel Geld verdienen, meine Hausarbeiten zuende schreiben, die Wäsche waschen oder Häuser besetzen. Ich blogge, weil ich finde, dass ich etwas zu sagen habe und den Austausch mag - den gegenseitigen, nicht den einseitigen. Ich will keinen Fame und keine Fans, ich will auch kein Geld und keine Freiexemplare. Ich will meine Unabhängigkeit behalten. Und meine kritischen LeserInnen ebenfalls.

Sie können sicher sein, wenn ich ihr Produkt ganz superklassetoll finde, dann würde ich da schon selbst drüber schreiben. Und dazu brauche ich auch keine offiziellen Hochglanzfotos. Ich bin ja nicht ProSieben oder SpiegelOnline.  Ich bin eine bloggene Privatperson, politisch engagiert, ich schreibe, worauf ich Bock habe und mache Fotos mit meiner Handykamera.

Selbstverständlich sind Sie auf Werbung angewiesen. Aber dann fragen Sie doch zum Beispiel mal bei Magazinen in diesem speziellen Themensegment nach. Mir ist aufgefallen, dass Sie zum Beispiel nicht in der Kochen ohne Knochen werben. Das ist merkwürdig, denn das ist doch Ihre perfekte Zielgruppe. (Achja, hätten Sie meinen Blog gelesen, hätten Sie auch gesehen, dass ich für dieses Magazin schreibe.) Sicher - das kostet. Aber immerhin müssen die HerausgeberInnen dieses unterstützenswerten Magazins (und viele andere ebenfalls) auch davon leben, ganz genau wie Sie. Ich muss das nicht, ich schenke zum Geldverdienen Kölsch aus.

BloggerInnen vor den eigenen Zaun zu spannen, die Unsicherheit und vielleicht auch den Stolz von großen Firmen für wichtig genug gehalten zu werden auszunutzen, und so kostenfrei an (scheinbar) individualisierte Schmeichelwerbung zu kommen, das finde ich peinlich. Eine Anzeige aufzugeben, auf Messen, Straßenfesten und in den Medien präsent zu sein, das mag anstregend sein, ist aber ehrlich und für alle Beteiligten fair.

Ich bitte Sie also inständig in Zukunft von weiteren Anfragen dieser Art abzusehen. Zumindest was mich betrifft, für andere kann ich natürlich nicht sprechen.

Mit freundlichen Grüßen
Daniela Große

PS: Bitte nehmen Sie zur Kenntnis, dass ich diese Mail in anoymer Form auf meinem Blog veröffentlichen werde.


Ich bitte euch, lasst euch nicht von großen Unternehmen instrumentalisieren. Wählt aus, worüber ihr schreibt, wen ihr bewerbt. Was habt ihr, eure LeserInnen und das Unternehmen wirklich davon, wenn ihr einen Müsliriegel, einen Joghurt oder whatever bewerbt, den doch eh schon alle kennen? Schaut, wer hinter der Anfrage steckt, eine etablierte Marke oder ein frisch gestartetes Unternehmen? Ein paar engagierte Leute mit guter Idee? Dann gerne, die dürfen mir auch schreiben. Das befindet sich auf Augenhöhe. Alle anderen: Lasst es lieber, ihr macht euch nur unbeliebt.

Freitag, 14. September 2012

KoK #9

Mal so für Zwischendurch: die neue Kochen ohne Knochen ist da, yaaaaaay! Beim letzen Mal hab ichs vergessen, für diese Ausgabe wollte ich mal wieder ein hübsches gif vorbereiten ;)
Ich komme gerade vom Abos packen und das heißt, nächste Woche liegt die neue Ausgabe entweder schon in eurem Briefkasten, oder zumindest im nächstgelegenen und gut sortiertem Bahnhosfkiosk.


















Themen in dieser Ausgabe sind unter Anderem Sea Shepherd/Paul Watson, mit dem wir im Juni ein Interview führten, vegane Ernährung während der Schwangerschaft, Vegansimus und Magersucht (dazu habe ich u.A. die Anna interviewt) und außerdem gibt es natürlich wieder Rezepte, Buchbesprechungen und andere feine Sachen.
Diese Ausgabe liegt mir sehr am Herzen, besonders das Watson-Interview war aufregend, zeitintensiv und auch haarsträubend. Wenn Menschen so heldenhaft vereehrt werden, bin ich ja immer etwas kritisch, auch wenn ich Sea Shepherd als Organisation schon sehr schätze. (Erste Skepsis und Verwirrung hatte ich hier schon mal gepostet) Die ein oder andere Vermutung hat sich im Interview bestätig und ich bin froh, dass wir nun manche Dinge schwarz auf weiß haben, denen er vorher gerne mal ausgewichen ist, einfach weil die Meinungen dazu auseinander gehen. Interessant und lesenswert ist es allemal, auch wenn ich ihm in weiten Teilen nicht zustimmen kann, oder vielmehr seine Meinung für mehr als bedenklich und nicht teilbar halte. Die Gerichtsverfahren, bzw. den Haftbefehl von Interpol halte ich nach wie vor für eine politische Show, um sich eines unliebsamen Gegners zu entledigen. 
Mein Herzblut floss allerding in den Artikel, in dem ich mich mit Schönheiteidealen und dem Gesundheitswahnsinn innerhalb der veganen Szene auseinandergesetzt habe, mit dem Schwerpunkt auf Magersucht. In diesem Blog habe ich mich ja schon mal darüber aufgeregt, wie sehr mir das Fatshaming in weiten Teilen der veganen Szene auf die Nerven geht. In diesem Artikel wollte ich darauf aufmerksam machen, wie gefährlich diese Doppelmoral und die falschen Bilder sind.
Der Rest des Heftes ist natürlich auch nicht verachtenswert und stellt mal wieder viele tolle und interessante Menschen samt ihrer Projekte vor!


Für diesen Blog hier schweben mir gerade mehrere Themen im Kopf herum, mal sehen, was ich daraus mache. Ansonsten habe ich gerade (leider) alle Hände voll zu tun und bitte mein unregelmäßiges Schreiben zu entschuldigen :)


Guten Hunger & riot, don't diet!



Mittwoch, 29. Februar 2012

Ich kann auch anders! Nett zum Beispiel.

Denn PeTA kann auch anders, wie man sieht. Besonders peta2 macht meiner Meinung nach wirklich (!) gute Sachen. Von denen habe ich glaub ich noch nichts gesehen, was ich scheiße fand. Klar, deren Arbeit es ist sehr zielgruppenorientiert, aber das ist ja nichts schlechtes. Ich habe für peta2 viel mehr Respekt übrig, als für die Mutterorgansisation, die, wie viele hier sicherlich mitbekommen haben, mir mittlerweile nur noch auf den Keks geht. Da bleibt mir nichts anderes übrig als zu fragen, verdammt PeTA, warum macht ihr nicht auch hin und wieder mal sowas? Von mir aus ach mit halbwegs authentischen Promis. Aber angezogen! Dafür ernsthaft, glaubwürdig und mit der ordentlichen Portion Denkanstoß!

Ja, der Spot ist kitschig, aber wirklich schön. Ich mag Nessi, ich mag ihre Stimme, ihre Authenzität und ich mag, dass sie ernsthaft und locker gleichzeitig ist. Das geht vielen verloren, die länger in den Medien präsent sind, ich hoffe, sie bleibt einfach so. Ich mag auch die Einfachheit des Spots und ich mag Bilder von glücklichen Kühen im Morgentau und spielenden Schweinen. Sicherlich wird das niemanden abschrecken, aber das muss ja nicht das einzige Mittel sein, Menschen von etwas zu überzeugen. Die ruhige, melancholische Stimme und die eigentlich als so natürlich und so selbstverständlich anmutenden Bilder können in Menschen sehr viel bewegen, da bin ich mir sicher.

Eine Ode an die Freiheit - da mach ich mit, das find ich gut.


Dienstag, 31. Januar 2012

Ach ja...

Hab ich es eigentlich schon erwähnt? Seit ein paar Wochen gibt es das erste Kochen ohne Knochen Magazin zu kaufen, an dem ich mitgewirkt habe. Ihr könnt es in Bahnhofskiosken kaufen, oder bekommt es bei einer Bestellung bei alles-vegetarisch.de dazu gelegt (solange der Vorrat reicht meine Damen und Herren!). Themen sind unter anderem Haustierernährung (da taucht übrigens auch die Pseudoerbse auf), Sea Shepherd, Ayurveda und ich habe einen Artikel über Ital-Food beigesteuert. Dazu gibt es natürlich viele leckere Rezepte, Klatsch & Tratsch (äh nee, doch nicht) und Neuigkeiten! Außerdem arbeiten wir schon fleißig an der nächsten Ausgabe, wozu ich bereits eine meiner Lieblingsmusikerinnen interviewt habe. Ich sage aber nicht wen genau, es soll ja spannend bleiben, muhaha ;D



Sonntag, 22. Januar 2012

Veggies im TV #1: Darlene Conner


Ich habe schon mal darüber nachgedacht, ein Posting über Vegetarier_innen und Veganer_innen in TV-Serien zu schreiben. Nicht über die Darsteller_innen selbst, sondern über die Rollen. Mich interessiert, wie das Thema repräsentiert wird und welche Unterschiede es bei Generationen/Sendern/Formaten usw. gibt. Mir erschien das aber doch für überproportional viel Rechercheaufwand, denn eigentlich wollte ich auch mit einschließen, wie sich die Rolle entwickelt nachdem sie ein mal "geoutet" wurde. Da man dazu aber jede Serie, in der das Thema vorkommt komplett durchgucken muss und das vermutlich Jahre dauern würde, habe ich mich dazu entschieden, für jede Serie in der ich Veggies entdecke einen einzelnen Post zu schreiben. Und wenn ich die Serie nicht komplett kenne und mich auch nicht erinnen kann, dann nehme ich eben nur das, was ich weiß und ihr dürft das gerne fröhlich ergänzen.

Quelle
Los geht es heute mit Darlene Conner aus Roseanne. Sie ist das mittlere von drei Kindern und in der Familie bei weitem am zynischsten, meiner Meinung nach übertrifft sie sogar ihre Mutter Roseanne. Die Conners zählen sich selbst zur Unterschicht und müssen ständig mit ihrem Geld jonglieren. Vater Dan arbeitet als Trockenmaurer, hat zwischenzeitlich seinen eigenen Motorrad Shop, welcher aber nicht gut läuft. Roseanne tingelt von einem Job zum nächsten, in der fünften Staffel eröffnet sie mit ihrer Schwester zusammen ein Fast Food Restaurant, dessen Spezialität Fleischschnetzel-Burger sind. 
Ich glaube es war zum ersten mal in der vierten Staffel, in der Darlene sagt sie "habe das Fleischessen aufgegeben". Auch danach sagt sie hier und da, dass für sie kein Tier sterben soll. Doch in der sechsten Folge der fünften Staffel "Die Finanzierungslückenbüßerin" haut sie dann ein richtiges Statement raus. Sie beschreibt den Geruch von Fleisch als eklig und schlägt vor einen ganzen gebratenen Ochsen auf die Theke des Fast Food Lokals zu legen, an dem jeder knabbern kann. Besonders gut finde ich den Satz "Tut mir leid, ich verstehe aber nicht, warum du damit Geld machen willst, dass du menschliche Arterien mit Fetten von ermodeten Tieren verstopfst."
Im Laufe der Sendung spielt die Vegetarismussache interessanterweise nicht mal eine besonders große Rolle, obwohl Fleisch bei den Conners vermutlich mehrmals täglich auf den Tisch kommt. Na gut, mit Ausnahme von der Folge, in der sie im Tatort-Style ermordete Kühe vor das Lokal ihrer Mutter malt, sich weigert beim Verkauf der Sandwiches zu helfen und schleißlich sagt: "Es geht darum, dass das hier mal ein lebendes, atmendes Tier gewesen ist. Dann kam jemand, hat es hingeschlachtet, ihm das Fleisch von den Knochen geschabt und ich muss es an Menschen servieren, damit sein Bauch zu seinem letzten Grab wird!" (Part1, Part2) Ansonsten ist Darlene ist einfach Vegetarierin die von zeit zu Zeit kleine, aber realistische Konflikte mit Freund und Familie austrägt. Hin und wieder versuchen die Verwandten spaßhaft ihr etwas unterzujubeln oder drücken ihr einen Witz rein, aber da es grundsätzlich die Art der Conners ist nichts und niemanden ernst zu nehmen, regt mich das ausnahmsweise mal nicht auf. Stattdessen wird im Rahmen dieser Unterhaltungssitcom mehr als ein mal daraufhingewiesen, dass Fleisch ungesund ist und es ganz nebenbei von getöteten Tieren stammt. (Überhaupt finde ich den Gesundheitsaspekt hier interessant: Dass Fleisch ungesund ist, wird nämlich nie besttritten, sondern eher mit einer "ist mir egal"-Attitüde umgangen. Immerhin ist das fast zehn Jahre her und dieses Wissen hat sich immer noch nicht überall durchgesetzt.)
Eine mögliche Kritik würde ich deshalb nicht am Umgang der Familie mit Darlene ansetzen, denn im Grunde scheinen sie ihre Entscheidung zu akzeptieren. Eher mache ich mir Gedanken über die Inszeniereung von Darlenes Rolle. Ich mag sie unheimlich gerne, aber sie ist natürlich extrem "anders". Vor allem anders als andere Mädchen. Zum Beipiel ist sie das absolute Gegenteil von ihrer Schwester Becky. Sie ist grundsätzlich erst mal anti, interessiert sich nicht für Beautygedöns, Jungs und Sex, ist ziemlich introvertiert, schlecht in der Schule, faul, lustlos, gehässig und gleichgültig, beleideigt so ziemlich jeden und macht auch öfter mal unvernünftige Dinge wie die Schule zu schwänzen. (Wobei letzteres für einen Teenie wohl doch wieder ziemlich normal ist.) Alles in allem erst mal das Gegenteil von einem guten Beispiel. Insofern könnte man auch ihren Vegetarismus einfach nur als trotzige Protesthaltung verstehen, als unvernünftig und kindisch.
Andereseits finde ich, dass Darlene, bei all den negativen Dingen die ich aufgezählt habe, trotzdem ein sehr starker Charakter mit viel Persönlichkeit ist. Was andere sagen lässt sie meistens kalt, nur an wenigen Stellen zeigt sie ganz natürliche Verletzlichkeit. Besonders in der Episode, in der sie ein Gedicht schreiben muss (zweite Staffel), bekommt ihr Charakter sehr viel Tiefgang und Ernsthaftigkeit. Als sie ihre Periode zum ersten Mal bekommt ist sie entsetzt und hat Angst, sie müsste sich jetzt ändern und ein "richtiges Mädchen" werden, bis sie versteht, dass sie sein kann wer immer sie will und das sie machen kann wonach immer ihr ist. Im Grunde verkörpert sie einen Geek, nur ohne die Stereotype die heute an Nerds kleben. (Männlich, unsportlich, Brillenträger, kein Geschmack, total Weltfremd/sozialinkompetent etc.) Natürlich sieht sie nicht aus wie ein Girlie, aber sie kleidet sich im damals angesagten Grunge-Look, fällt also insofern nicht weiter aus dem Rahmen. Sie zieht ihr Ding durch, egal ob das heißt Sport zu machen, Gedichte oder Comics zu schreiben und bleibt sie selbst, ohne sich anzupassen. Mehr als ein mal erinnert sie ihre Mutter daran, dass sie nicht einfach nur meckert, sondern selbständig für ihre Überzeugungen eintritt und dass sie das von ihr gelernt hat. Das finde ich als Vorbildfunktion eigentlich großartig! Aus aktuellen und populären Serien und Sitcoms fällt mir gerade keine vergleichbare Rolle ein, zumindest keine, die so beliebt ist und in ihrem Anderssein auch ernst genommen wird, beziehungsweise die sogar gerade für ihr Anderssein von den Zuschauern so gemocht und respektiert wird.





Interessantes am Rande: Die Darstellerin der Darlene, Sara Gilbert war selbst lange Zeit Vegetarierin und ist seit 2008 Veganerin. Ich habe versucht herauszubekommen, ob sie persönlich auch zum gleichen Zeitpunkt Vegetariern wurde wie Darlene. Denn obwohl sie da noch recht jung war, hatte sie schon einen verhältnismäßig großen Einfluss. Sie selbst hat später ein paar Folgen für die Serie geschrieben und weil ihre Rolle so beliebt war, wurde eine Zeit lang so gedreht, dass Sara neben ihrem Yale-Studium noch Teil der Serie bleiben konnte.

Mittwoch, 28. Dezember 2011

Buchbesprechung: heult doch

Das Buch war für mich ein einziger Widerspruch. Irritierenderweise weiß ich selbst nicht, ob das jetzt positiv oder negativ gemeint ist. Selten habe ich es erlebt, dass ein Buch zum Ende hin immer besser wurde. Wie häufig habe ich während des Lesens kritisch eine Augenbraue hochgezogen, kurz innegahelten um nachzudenken, laut widersprochen, mich gefragt, woher die das jetzt bitte hat, lachend Zustimmung erteilt, mich erleichtert und bestätigt gefühlt. Letzteres trifft vor allem auf den Teil "Traurige Streber" zu, in dem Meredith Haaf erläutert, wie sich ein Streitgespräch mit Freunden und Familie anfühlt. Enttäuschend auf der einen Seite, wenn nahestehende Personen einen so anderen Standpunkt haben und berauschend auf der anderen Seite, beflügelt von einem intellektuellen Austausch (vorausgesetzt, die Diskussion findet unter Umständen statt, die ohne Polemik, Hohn und Überheblichkeit auskommt). An eben dieser Stelle hatte ich das Bedürfnis laut "Verdammte Scheiße, aber JA!" zu rufen. Wie oft habe ich mich, schätzungsweise seitdem ich 13 Jahre alt bin gewundert, warum außer mir bestimmte Dinge sonst niemand beschissen findet. Warum alle mit den Achseln zucken. Wer hat noch nie "Naja, das ist eben so." gehört? Das macht mich wütend. Gleichzeitig hatte/habe ich fortwährend die Hoffnung, dass alle Beteiligten durch das Gespräch vielleicht doch etwas nachdenklich geworden sind und etwas voneinandergelernt haben.
Zustimmung gebe ich auch für mehr Ablehung. An Hand des Facebook-"I like"-Buttons erläutert Meredith Haaf, was sie an dieser kritiklosen Haltung stört, die sich überall breit macht. Im Endeffekt ist es das gleiche wie oben: "Warum sagt keiner was und wieso soll man sich alles gefallen lassen?!" Aus Flexibilität wird Angepasstheit und Duckmäusertum. Wieso? Weil man es sich nicht (mehr) anders erlauben kann.
Außerdem kommen Veganer und Vegetarier ganz gut weg. Ich weiß nicht, ob sie sich selbst dazu zählt, wäre natürlich umso toller. Aber immerhin schreibt sie zum Beispiel, dass es in unserer Generation keine große Gegenkultur gibt, außer vielleicht in der queeren, veganen oder linksautonomen Szene. Nur seien die eben nicht besonders groß, beziehungsweise präsent.

Was mich stört an diesem Buch ist die Zielgruppe. Wer ist das überhaupt? Wer ist diese "meine Generation"? Am Anfang geht Haaf kurz darauf ein, wobei die Betonung hier auf kurz liegt und mich mehr irritiert hat als dass sie mir ein Grundverständnis vermittelt hätte. Ihre Generation sind die Leute, welche heute zwischen 20 und 30 Jahre alt sind. So grob. In den Achtzigern geboren. Wahlweise auch mit Attributen spezifizierbar. Generation Praktikum, Porno, Konsum, Online. Bei genauerem Lesen entpuppt sich das jedoch als ein viel zu weiter Begriff. Sie selbst benutzt wörtlich Begriffe wie "priviligiertes Bildungsbürgertum" und damit ist die thematisierte Gruppe wohl treffender beschrieben. Genauer gesagt mit "ambitionierte studierende Mitzwanziger Nachkommen des priviligierten Bildungsbürgertums". 
Ich kenne ehrlich gesagt Menschen, die viele der angesprochenen Themen tatsächlich für Luxusprobleme halten, weil sie wirklich noch Existenzängste haben, anstatt sich irgendwie unsicher zu fühlen. Oder, sie den ganzen "Quatsch", über den hier gesprochen wird nicht ein mal annähernd wahrnehmen, weil es schlicht kein Teil ihres Lebens ist. Ich habe viel Kontakt mit Menschen dieser Generation, die mit Uni und all dem Kram so rein gar nichts zu tun haben und deren Probleme auch völlig andere sind. Sind die jetzt auch mitgemeint oder nicht?
Was ich damit sagen will ist, dass die Nachkommen des priviligierten Bildungsbürgertums, die angepassten Streber, die Studenten, die alles für ihre Vita tun, statt ihrem Interesse zu folgen, meiner Meinung nach ein sehr kleiner Teil unserer Bevölkerung ist. Ich selbst entspreche noch so gerade eben dem, was sie als ihre Generation bezeichnet, ich selbst bewege mich zum Teil auch in studentischen Kreisen und auch dort finde ich ihre Beschreibungen auf längt nicht alle zutreffend. 
Streckenweise empfinde ich die Kapitel eher als aneinanderreihung von Thesen, die ich gerne belegt/bewiesen/bebildert hätte. So habe ich mir stattdessen häufig gedacht "Nö, das seh ich nicht so und wie kommt die eigentlich darauf?!" Wieso zum Beispiel behauptet sie, dass "kein Mensch heute Teil einer Jugendbewegung sein möchte"? Sicher trifft das auf viele zu, ich kenne jedoch haufenweise Menschen und zwar ganz besonders junge Menschen, die sich selbstverständlich als Teil einer Jugendbewegung verstehen.

Und trotz allem: Ihre Analysen über Kommunikation, Geschlechtergleicheit, Generationenprobleme usw. bleiben meist spannend und stellenweise lustig, wenngleich nicht so bissig, wie der Titel vermuten lässt, aber immerhin sind sie mit anschaulichen Anekdoten gespickt. Pointiert beschreibt sie auch die "großen" Probleme unsere Zeit und was sie mit dieser bestimmtem Generation zu tun haben. Grundsätzlich fühle ich mich recht gut verstanden und teile viele Unsicherheiten dieser Generation. Bin ich eigentlich gut in dem was ich tue? Und wer hat überhaupt das Recht und die Kompetenz das zu beurteilen und welchen Maßstäbe werden angelegt? Bin ich eigentlich faul oder sind meine Möglichkeiten einfach nur beschissen? Vermutlich bin ich eh selbst Schuld, weil ich so perspektivlose Fächer gewählt habe. Ein Königsweg und beruhigende Antworten sind selbstverständlich zu viel verlangt. Wäre ja auch zu einfach.
Zwischendurch frage ich mich allerdings, wen oder was sie denn nun genau anprangert: das "System", welches uns zu dem macht, was sie beschreibt, oder uns Hänger, die dieses Spiel aus Feigheit und Faulheit mitspielen? Wohl eher beides.
Auch wenn ich nicht immer zustimme, so bewegen diese Analysen dennoch etwas in mir. Da fühle ich mich fast ertappt, könnte das die heimliche Intention der Autorin sein? Ist heult doch vielleicht doch ein Appell und keine Zustandsbeschreibung?



Übrigens, Haaf hat auch vor einiger Zeit einen Artikel über den Vegetariergipfel in Berlin, mit Jonathan Safran Foer und Karen Duve geschrieben: Klick.


Meredith Haaf
heult doch
Über eine Generation und ihre Luxusprobleme
8,95 €
Piper Verlag

klick

Donnerstag, 1. Dezember 2011

Ich als Praktikantin bei...

Ihr kennt ja bestimmt das wunderbare Kochen ohne Knochen Magazin?! Wenn nicht, kann ich es euch nur wärmstens ans Herz legen, ich freue mich auf jede neue Ausgabe, weil dort viele schöne Infos rund um die Themen Vegetarismus und Veganismus drinstehen, Interviews mit interessanten Menschen, Büchertipps, Rückblicke auf veggie-Ereignisse,  Ernährungstheorien, bzw. Ratschläge für Vegetarier und Veganer und ganz viele tolle andere Sachen. Der Grund warum ich das hier so ausufernd ausführe ist, dass ich ab diesem Monat ein mal pro Woche ein bisschen in der Redaktion von Kochen ohne Knochen aushelfen werde und freue mich wie ein kleines Kind darüber :) Für mich ist das eine tolle Gelegenheit mal die Redaktion einer Zeitschrift von innen kennenzulernen und dann auch noch mit Themen arbeiten zu können, die mich interessieren. Ich bin wirklich gespannt darauf, was ich inhaltlich und methodisch in den kommenden Wochen/Monaten lernen werde! Zu verdanken habe ich das übrigens der lieben Frau Holle, die mir den Kontakt vermittelt hat.

Außerdem bewerbe ich mich gerade für einen anderen Nebenjob, weil ich einfach keine Lust mehr auf Kellnern habe. Die langen Schichten, nachts arbeiten, Fleisch en masse verkaufen, immer anstrengender werdende Gäste bedienen und dabei höflich bleiben... Irgendwie hab ich das Gefühl, die Zeit ist jetzt mal vorbei und ich muss Praxiserfahrung sammeln in einem Arbeitsfeld, in dem ich mir vorstellen kann auch nach dem Studium tätig zu sein. Ich werde zwar vermutlich finanzielle Abstriche machen müssen, aber das ist es für mich gerade wirklich wert.

So, das war eindeutig genug Persönliches in den letzten Tagen, demnächst geht es hier wieder etwas ernsthafter zur Sachen :)

Dienstag, 15. November 2011

Gegen den Trend? Rekordzahlen aus dem Schlachthaus

Quelle: peta2.de













Viele von euch haben bestimmt den n-tv Artikel über die Rekordzahlen aus deutschen Schlachthäusern  des vergangenen Quartals gelesen. Seit gestern überlege ich, wie ich den zu einem Blogpost verarbeiten kann, weil meine Gedanken dazu ziemlich vielschichtig sind. 
Aber erst mal zurück zu dem Artikel. Laut Statistischem Bundesamt sind in den drei Monaten Juli, August, September 15,2 Millionen Schweine geschlachtet worden. 15,2 Millionen! 15.200.000 tote Tiere. Zusammen ergibt das eine Fleischmenge von nicht ganz ein einhalb Millionen Tonnen. Wenn man diese Zahl auf das ganze Jahr umlegt, sind wir bei 60,8 Millionen Tieren was ungefähr der Einwohnerzahl von Italien entspricht. Und das sind nur die Schweine! Klar, die Zahl stimmt auch nur dann, wenn der Rekordstand gehalten wird, aber selbst wenn nicht, selbst wenn es "nur" 40 oder 50 Millionen Schweine im Jahr wären, wären das immer noch unfassbar viele. Die Zahlen der Rinderschlachtung sinken, die der Hühner und Schweine steigen stetig an. 
Und an diesem Punkt wird es auch interessant. Denn angeblich sinkt der Fleischkonsum der Deutschen seit Jahren langsam, oder zumindest soll er stagnieren, die Mitgliederzahl beim VeBu ist dieses Jahr um 38% gestiegen, was ebenfalls ein Rekord ist. Medien berichten mehr und mehr über vegetarische und vegane Selbstversuche, Restaurants und Vereine, im Fernsehen wird vegan gekocht und in Buchhandlungen wächst das Angebot an Kochbüchern und Literatur über Vegetarismus und Veganismus, Massentierhaltung wird immer öfter kritisch beäugt usw. Die Öffentlichkeit ist sensibilisiert und wird vielleicht immer aufgeklärter. 
Versteht mich nicht falsch, ich finde das alles sehr begrüßenswert, aber noch sind das alles "Trends", so richtig im Mainstream-Alltag ist das Thema noch lange nicht angekommen. Aber gewisse Tendenzen sind nicht von der Hand zu weisen.

Während Rindfleisch oft aus dem Ausland eingeführt wird, sind jedoch Schweine- und Geflügelfleisch wahre Exportschlager. Ein Großteil des in Deutschland "produzierten" Schweine- so wie Geflügelfleisches geht nach Asien, wo die Bevölkerung langsam immer reicher wird und nach mehr Fleisch lechzt. Noch ist es ein Statussymbol. Wer zur oberen Gesellschaft gehört kann es sich leisten Fleisch zu essen und zeigt das auch. Genau die gegenteilige Tendenz ist in Deutschland zu beobachten, die so genannten oberen sozialen Schichten wenden sich tendenziell vom (häufigen) Fleisch als Lebensmittel ab, während es durch die Massentierhaltung immer mehr zum Billiglebensmittel gemacht wird und überdurchschnittlich häufig von finanziell schwach gestellten Haushalten konsumiert wird.

Es ist vielleicht etwas zu forsch, aber ich formuliere es trotzdem mal so: Obwohl in Deutschland ein leichter Sinneswandel zu vernehmen ist, reagieren weder der Markt, noch die Politiker (bald frage ich mich eh, wo da der Unterschied ist...) nicht darauf. Die Stimmen in der Öffentlichkeit gegen Massentierhaltung und gegen Tierausbeutung werden immer lauter, die Gründe dagegen sind vielseitig, offensichtlich und bekannt, das Konsumverhalten ändert sich (wenn auch sehr, sehr langsam), die Stimmung scheint in den nächsten Jahren zu kippen. Da uns ja immer wieder eingebleut wird "Wenn ihr nicht danach fragen würdet, würde es das so gar nicht geben", ist das schon eine interessante Beobachtung. Denn offensichtlich kann der Einzelne durch sein Konsumverhalten das Marktverhalten oder das Angebot eben nicht mitbestimmen. Das heißt um Gottes Willen nicht, dass nun alles egal ist, ganz im Gegenteil, ich bin immer noch dafür, dass jeder Mensch Verantwortung übernehmen muss und zwar nicht nur für sich als Einzelperson. 
Jedoch sehen wir an solchen "Ereignissen" ganz genau, was sonst noch eine Rolle spielt. Die Politik bezuschusst Massentierhaltung, Milchwirtschaft etc. enorm. Aus diesem Grund sind die Preise so niedrig (dieses Jahr im Schnitt 1,40€ für ein kg Schweinefleisch) und es stellt trotzdem eine lukrative Einnahmequelle für den Staat dar, da Asien ein dankbarer Abnehmer ist und dessen Nachfrage vermutlich immer weiter steigen wird. Was eventuell auftretende Differenzen locker ausgleichen könnte, bzw. sogar für Mehreinnahmen sorgt. Was man subventioniert muss auch verkauft werden.

Was mich daran so sehr stört ist, dass eben auf den Bürger hier absolut keine Rücksicht und er nicht ernst genommen, ihm aber der Schwarze Peter zugeschoben wird. "Ihr wollt es doch so!" zieht hier nicht mehr. Wir wollen es nicht (mehr) so und trotzdem wird weitergemacht, verstärkt sogar. Weil es um Geld geht. Unabhängig davon, dass längst alle Politiker zumindest um die Umweltproblematik der Fleischproduktion und den Gesundheitsrisiken des übermäßigen Fleischkonsums bescheid wissen. Ich denke, mit Tierrechten braucht man denen wohl kaum kommen, das sehen viele eher "sentimental" (in dem verlinkten Artikel geht es nicht um Politiker, sondern um Landwirte, jedoch zeigt und ja mindestens unser ehemaliger Landwirtschaftsminister Funke, das eine solche Denke auch unter Politikern anzutreffen ist). Ich hingegen sehe Tierrechte eher als eine konsequente Anwendung ethischer Gebote auf Lebewesen, nur fragt mich ja keiner.
Allerdings sind sogar auf allen anderen Ebene sind diese Massen an Fleisch schlicht unvernünftig, ihr einziger Vorteil liegt darin, dass sie "uns" auf kurze Sicht gesehen Geld in die Staatskassen spülen. Außerdem pflegt man so die Kontakte ins aufstrebende Asien und wer will es sich schon mit China verspielen?

Mittwoch, 9. November 2011

Von unterernährten veganen Kindern und schlechten Journalisten

Ich beziehe mich in diesem Posting auf einen Onlineartikel (Triggerwarnung: der lässt einem wirklich die Haare zu Berg stehen) in dem einfach ausgedrückt Veganer, Schulmedizin- und Impfkritiker als verantwortungslose Eltern hingestellt werden, die ihre Ideologie (sic!) über das Leben ihres Kindes stellen. Eigentlich ist das für mich kein Posting (mehr) wert, jedoch fühle ich mich an ein Gespräch mit einer guten Freundin erinnert, ihres Zeichens Medizinstudentin, eine sehr gute sogar.

Aber erst mal zum Artikel: Es geht damit los, dass Ärzte erzählen, dass immer mehr mangelernährte Kinder in die Krankenhäuser kommen, teilweise mit irreparablen gesundheitlichen Schäden. Meist seien diese Kinder von ihren Eltern aus ideologischen Gründen vegan ernährt worden. Das wird dann erst mal ein wenig Bild-Zeitungsmäßig ausgeführt, bis dann eine interessante Wende eintritt:  Im Artikel wird zugegeben, dass es nicht an der veganen Ernährung also solcher liegt. Stattdessen geht es speziell um ein einziges Vitamin, tadaaaaa, wer hätte es gedacht: B12, welches nicht supplementiert wurde, obwohl dies eine einfache Möglichkeit sei, dem Problem entgegenzuwirken. Aha.

Meine Freundin N., die Medizinstudentin, hat mich vor einiger Zeit über meine Ernährung ausgefragt. Weniger über die ethischen Hintergründe - die schien sie schon zu kennen - sondern über meine Ernährungsrealität. Nicht im Sinne von "Aber was kannst du denn dann noch essen?!" sondern ziemlich vernünftig über Vor- und Nachteile, über Eisen, Proteine und auch über B12. Auch über Schwangerschaft und Kinder bekommen. Ihr Argument war die selbe Beobachtung wie im oben genannten Artikel: wenn unterernährte Kinder in ihre Abteilung kommen (was grundsätzlich sehr selten passiere), dann seien die Eltern meist Veganer.
Ich habe ihr daraufhin die Frage gestellt wie viele übergewichtige, oder sogar stark adipöse Kinder ins Krankenhaus kommen, mit welchen Beschwerden und wie ernähren ihre Eltern diese Kinder.

Ich brauche wahrscheinlich nicht weiter auszuführen, dass "diese" Kinder weitaus mehr Fälle stellen, und nicht von veganen Eltern stammen als es die fünf veganen unterernährten Kinder aus dem Artikel tun. (Sechs Prozent der Kinder in Deutschland sind adipös. Quelle) Ich will auch damit beides nicht schönreden oder schlimmer darstellen, als das andere, sondern vielmehr auf etwas ganz normales aufmerksam machen: Eltern können Fehler machen. Das trifft auf omnivore Eltern, genauso wie auch auf vegane Eltern zu. Nicht jeder Veganer ist super gut über Ernährung informiert, nicht jeder Veganer ist ein toller, vernünftiger Mensch. Genauso wenig wie das bei allen anderen Eltern auch der Fall ist. Man kann mit jeder Ernährungsform Fehler machen, das Problem ist weniger, dass die einen von der Ideologie geblendet werden, sondern viel mehr, dass einige Eltern eben schlecht informiert sind. Und die steigende Zahl der schlecht ernährten veganen Kinder erkläre ich mir einfach schon damit, dass es eben immer mehr Veganer gibt. Wenn die Gesamtmenge wächst, steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass darunter Eltern stecken, die es falsch machen. Die es übrigens vielleicht unvegan auch schon falsch gemacht hätten, wer weiß das schon so genau. 
Nur ist es eben so, dass die Folgen von schlechter, oder falscher Ernährung von omnivoren oder veganen Kindern (das sollte man eigentlich noch viel weiter ausdifferenzieren, hier gibt es ja innerhalb von vegan und omnivor noch wahnsinnig großen Spielraum) tendenziell unterschiedlich ausfallen. So kommen die einen falsch ernährten Kinder eher mit B12-Mangel, die Anderen eher mit Zivilisationskrankheiten, wie z.B. immer häufiger mit Diabetes ins Krankenhaus.

Das Gespräch mit N. ist so geendet, dass sie gesagt hat, sie hätte den Eindruck, dass ich sehr gut informiert sei, ich wisse was ich tue und das so auch funktionieren kann. Genau so haben es mir auch schon zwei angehende Ernährungswissenschaftlerinnen bestätigt (eine meinte sogar, sie wundere sich, dass bei all dem, was sie lernen, nicht mehr Studenten vegetarisch oder vegan leben würden, sie selbst war seit Kurzem Vegetariern), genau so wie meine Ärztin. 
Das zeigt mir mal wieder eins ganz deutlich: Als Veganer ist es essenziell, immer auf dem neuesten Stand und ordentlich informiert zu sein. So wird man ernstgenommen, demonstriert Verantwortungsbewusstsein und es gibt außerdem nichts schöneres, als wenn ein überhaupt nicht informierter Gesprächspartner merkt, dass er genau das ist: nicht informiert. So konnte ich schon vielen Leuten den Wind aus den Segeln nehmen. 
Wenn ich bei all meinen Recherchen zu dem Entschluss gekommen wäre, dass der Mensch tierische Produkte tatsächlich braucht, wäre ich niemals komplett vegan geworden. So viel zum Thema Ideologie.

Freitag, 21. Oktober 2011

(Neue) Literatur: Veganismus, Tierrechte, Ernährung


Seit knapp einem Jahre befasse ich mich nun mit Themen Vegetarismus, Veganismus, Tierrechte, Öko-Ethik und so weiter. In der Zeit ist das ein oder andere Buch zum Thema in mein Bücherregal gewandert, die meisten davon habe ich auch gelesen, ein paar wiederum nicht. Was jedoch viel größer ist, als mein veganer Buchstapel zu Hause ist meine virtuelle Wunschliste. Neben Klassikern wie Singer und Kaplan hat sich in den letzten Monaten so einige Neuerscheinungen und bald erscheinende Titel angesammelt, von denen ich vermute, sie sobald nicht alle lesen werden zu können Ausgenommen die wundervollen neuen Kochbücher, aber auch da werde ich es zumindest nicht schaffen, alles daraus zu kochen. Ich stelle euch mal meine Liste hier zusammen, übernehme jedoch keine Gewähr für den Inhalt der Bücher. Aber ich bemühe mich darum, die gelesenen Bücher, ob aktuell oder nicht, zu rezensieren.

Klickt einfach aufs Bild, der führt euch in den Shop von buecher.de und dort gibt es weiterführende Rezensionen etc.



Ethik/Politik:

Green is the new red von Will Potter, ca. 13 €
Über so genannten Öko- oder Tierrechtsterrorismus und wie Politiker damit umgehen.










Wir haben es satt! von Iris Radisch und Eberhard Rathgeb, ca. 20€
Warum Tiere keine Lebensmittel sind, Plädoyer für Mitgefühl, Vernunft und Fleisch-Boykott















Human-Animal Studies, herausgegeben vom Chimaira Arbeitskreis für Human-Animal Studies, ca. 25 €
Gesellschaftliche Kultur von Mensch-Tier-Verhältnissen













Why we love Dogs, eat pigs and wear cows von Melanie Joy, ca. 13 €
Ideologies des Fleischessers als Karnismus, und andere Glaubenssysteme, die hinter unseren gesellschaftlichen Konventionen bezüglich des Umgangs mit Tieren stecken










Gesundheit/Ernährung:

Die Ernährungslüge von Hans-Ulrich Grimm, ca. 10 €
Kritische Auseinandersetzung mit der Lebensmittelindustrie














Peace Food von Rüdiger Dahlke, ca. 20€
Warum Milch und Fleisch ungesund sind. Mit etwas esoterischem Kapitel über die Kraft der Sonne, mit Rezepten

















Koch- und Backbücher:

vegan kochen für alle von Björn Moschinski, ca 18€






Vegan for Fun von Attila Hildmann, ca. 25€















vegan kochen: einfach, gesund und laktosefrei von Kristina Unterweger, ca. 6€

















24 Rezepte zur kulinarischen Weltverbesserung von Wam Kat, ca. 25€
Rezepte für VoKüs, Demonstrationen und großen Gruppen















Vegan Guerilla, Die Revolution beginnt in der Küche von Sarah Kaufmann, ca. 18€
Das Buch zum Blog Vegan Guerilla!








Vegan Pie in the Sky von Isa Chandra Moskowitz und Terry Hope Romero, ca. 13€












Ergänzungen jeder Art sind sehr willkommen!

Mittwoch, 19. Oktober 2011

Imagefilm im Eierregal



















Heute bin ich nach einer gefühlten Ewigkeit mal wieder im Rewe einkaufen gewesen und staunte vorm Eierregal nicht schlecht. Dort war tatsächlich ein mini Flachbildschirm angebracht, auf dem ein Eierproduzent und-lieferant seine Produkte bewarb. Ich habe mir mal die Homepage näher angesehen und die scheinen es wirklich ernst so meinen mit dem positiv-Image.

Immer wieder wird hervorgehoben, dass die Tiere ausschließlich Körnerfutter bekommen, keine tierischen Fette, Mehle oder ähnliches, sowie kein genmanipuliertes Futter. Es gibt viele Fotos von den Ställen, die die "artgerechte" Haltung demonstrieren sollen (der Hof hat 2009 sogar einen Preis für artgerechte Haltung bekommen), eine Erläuterung, warum Eier gesund seien (gute Eiweiße!) und sogar beim Abnehmen helfen können  (Eiweiße sättigen schneller als Kohlenhydrate), sowie eine Erklärung dazu, warum der Hof "nur" Bodenhaltung betreibt, anstatt Bio mit Freilandhaltung. Die Futtermischung sei dann nicht beizubehalten und die Eier würden wie andere bio-Eier fade schmecken, der hygienische Aufwand sei für Freilandhaltung zu groß. Aaaaaha. Da wird es interessant. Der Hof möchte keine Vogelgrippe oder ähnliche Seuchen in seinen Ställen haben, das wäre der finanzielle Ruin.
An dem Punkt frage ich mich natürlich, ob das nicht vielleicht eher etwas mit der Anzahl der gehaltenen Hühner, als mit der Haltung selbst zu tun hat?! 15.000 Hennen leben auf dem Hof (in einem Film des SWR heißt es, insgesamt leben dort 26.000 Hühner in verschiedenen Ställen). Da ist das mit der Hygiene natürlich schwierig.
Desweiteren brüstet man sich mit "dem größten Hühnerei der Welt". 168g wog das gute Ding, über 100g mehr, als ein Ei der Gewichtsklasseklasse "L". Und dann wird munter über das arme Huhn gescherzt, das vermutlich eine halbe Stunde mit dem Legen dieses Eis beschäftig war. Zum Einen wird gesagt, dass sei ungewöhnlich und nicht normal für ein Huhn, zum Anderen wird die Größe jedoch mit dem überdurchschnittlich gutem Futter begründet, denn wenn ein Huhn sich wohl fühlt und gutes Futter bekommt, dann legt es auch automatisch gute Eier. Äh okay. Erstens ist das natürlich Quatsch (zumindest in diesem Ausmaß) und zweitens könnte man dann fragen, warum sich den nur eine Henne einen Moment lang wohlgefühlt hat und gut genährt war.

Bitte versteht das nicht als Hetze. Das sollte hier kein skandalöser Enthüllungsskandal werden, allem Anschein nach, haben die Hühner es tatsächlich verhältnismäßig gut in diesem Betrieb. Ich kann mir sogar vorstellen, dass es in einigen bio-Betrieben schlimmer aussieht. Die üblichen ethischen und praktischen Fragen/Probleme der Eierhaltung bleiben jedoch immer noch bestehen: Die männlichen Küken werden getötet, die Schnäbel müssen in der Regel abgesengt werden, die Hühner werden lange vor ihren natürlichen Tod geschlachtet und so modern die Käfige sein mögen: artgerecht ist das nicht im geringsten, denn auch hier leben viele Hühner auf unnatürlich wenig Platz und zwar ohne Hahn, ohne Rangordnung und so weiter. Für mich sind 6.000 Hühner in einer Halle nicht normal, nicht natürlich und nicht artgerecht.

Was mich jedoch viel mehr zu diesem Posting veranlasst hat, war der Gedanke, dass wir vermutlich in einer Zeit angekommen sind, in der es für Erzeuger von Tierprodukten immer schwieriger wird den Verbraucher zu überzeugen, der Ruf und das Image sind schlecht. Skandale wie der von Wiesenhof, diverse Seuchen, Enthüllungs-Reportagen im Fernsehen und Bestseller wie die von Foer und Duve machen den Verbraucher wohl immer skeptischer.
So beginnt dieser spezielle Erzeuger jetzt damit, seine Produkte an Ort und Stelle im Supermarkt mit Film- und Tonmaterial anzupreisen. Nicht-bio-Eier haben es schwerer auf dem Markt, woher soll der Verbraucher wissen, dass es sich bei diesen Eiern nicht um Eier der gequälten Hühner, wie man sie aus dem Fernsehen kennt wissen? Der Druck auf die Produzenten wird immer größer und man versucht sich voneinander abzuheben.
Die Nachfrage nach gerechteren Optionen steigt, ich hoffe, daraus folgt irgendwann die Nachfrage nach echten, nicht nur nach scheinbaren Alternativen.

Sonntag, 11. September 2011

Nahrungsmittelspekulation - Oder: "Wie macht man mit Hunger Geld?

Eines meiner größten Probleme ist glaube ich, dass ich ständig versuche richtige (Kauf)-Entscheidungen zu treffen, mich aber mit Wirtschaft leider gar nicht auskenne und sie auch gähnend langweilig finde. Das ist insofern ein Problem, als dass die Wirtschaft eine viel zu große Macht hat, überall ihre Finger im Spiel hat und letztlich so gut wie immer wirtschaftliche Aspekte in den Gründen für bestimmte Handlungen von Firmen, Banken, Einzelpersonen etc. zu finden sind. Also sollte sich ein kritischer Bürger auch gut mit ökonomischen Vorgehensweisen, Praktiken, Zielen und Verflechtungen auskennen, um wirklich aufgeklärt handeln zu können. Für mich ist das eine große Baustelle, aber thank God for Internet (oder wer hat das nochmal erfunden?!).

In einem Beitrag über Adbusting auf Konsumpf habe ich das ebenfalls sehr, sehr lesenswerte Blog Bleib passiv gefunden und dort bin ich wiederum auf ein YouTube-Video von weed (World Economy, Ecology & Developement) gestoßen, welches Laien wir mir sehr einfach und gut verständlich erklärt wie Hungerkatastrophen entstehen können, was die Börse damit zu tun hat, was Hedger sind, wer am Hunger verdient und so weiter.
(Um mein peinliches Outing etwas weniger schlimm zu machen: ein paar Dinge wusste ich tatsächlich auch schon vorher ;) )



Dienstag, 6. September 2011

Taste The Waste

Seit Wochen warte ich darauf, Donnerstag kommt "Taste the Waste" endlich in die Kinos.
Eindrucksvoll wird hier geschildert, an welchen Stellen in der Lebensmittelproduktion und im Vertrieb völlig intakte Lebensmittel auf dem Müll landen. Insgesamt ist das dann so viel, das mit dem europäischen Lebensmittel-Müll von einem Jahr, zwei Jahre lang alle Hungernden dieser Welt ernährt werden könnten.
Darf und sollte nachdenklich machen und nicht nur die Verbraucher zum Umdenken zu bewegen.

Montag, 29. August 2011

Sexismus und Tiere essen #2

Wenn das so weiter geht, mache ich noch eine Serie daraus. Vielleicht erinnert ihr euch an das "nimm mich"-Hühnchen? Heute hat es die Rinder erwischt. Beim Lesen einer Zeitschrift ist mir diese Werbung für das Beef! Magazin (Überlegt euch gut, ob ihr das anklicken wollt, Ausraster ist vorprogrammiert) aufgefallen. 




















Was soll ich da noch sagen, außer, dass ich mit dem Würgen nicht mehr aufhören kann?! 
Die Klischees "Ein richtiger Mann muss Fleisch essen", "Fleisch ist männlich (uga uga, grunz)" werden hier mal wieder wunderbar bedient. Frauen machen hingegen niedlichen, aber unwichtigen Mädchenkram, den eh keiner interessiert und Männer sind währenddessen ganz harten Kerle. Gääääähn. 
Dann heißt es weiter "Männer kochen anders", sprich: Frauen knabbern Salat, Männer essen FLEISCH. (Weil, ist ja so männlich, Proteineeee, kommt alle her!) Wenn ich sehe, wie Fleisch glorifiziert wird, werde ich wirklich fast wahnsinnig. An Hand solcher Bilder wird auch immer wieder deutlich, was es wirklich ist: ein Statussymbol. Wer Fleisch isst, demonstriert Reichtum und Macht. Und das ist leider unter Männern noch sehr verbreitet. Oft habe ich auch Frauen erlebt, die sehr deutlich betonen, dass sie gerne Fleisch essen um sich damit als emanzipierte und starke Frau zu positionieren und sich vom Tussitum abzugrenzen. Das finde ich nur noch traurig. Als würde man dann ernster genommen werden.
Interessant finde ich in der Anzeige auch den Gegensatz: Männer - Mädchen. Nicht etwa Männer - Bubis, nicht einmal Männer - Frauen. Daraus schließe ich mal ganz kühn, das hier "Mädchen" mit "Weichei" synonym geht, was ich fatal finde. 

Die Anzeige ist zeitgleich mit einer zweiten geschaltet und auch da ist mir mein Salatblatt im Hals stecken stecken geblieben. (Aber zum Glück hatte ich ein rosafarbenes Taschentuch zu Hand.)
Quelle



















Tierquälerei ist also vollkommen okay und natürlich - was sonst - männlich. (Wer kennt auch schon Frauen, die Bullen reiten?!) Ein ganzer Kerl. So stark, so hart. So scheiße. (Ups, sorry)

Auf der Seite heißt es übrigens die beiden Motive sind provokant, aber immer noch mit so viel Humor gestaltet, dass sie ironisch wirken. 
Äh ja. Ich behaupte, dass ist eine Frage des Hintergrundwissens. Dass ich mich intensiv mit der Haltung von Tieren, Folgen von Fleischkonsum für Tier, Mensch und Natur auseinandergesetzt habe ist ja kein Geheimnis. In den letzten Wochen kamen auch antisexistische und antirassistische Theorien hinzu, die meinen Blick für solche Dinge definitiv geschärft haben. Und wenn man auch nur ein bisschen Ahnung davon hat, wie Bilder in die Gesellschaft transportiert und integriert werden, was durch Allgenwärtigkeit zur Gewohnheit und dann irgendwann völlig legitimiert wird, der findet die Anzeigen nicht mehr ansatzweise ironisch. Im besten Falle noch zynisch, im Normalfall eher pervers.

Donnerstag, 4. August 2011

Making the Connection


Making the Connection (deutsch) from Fuente Vegana on Vimeo.

Gefällt mir... Vielseitig, postitiv und informativ. Mehr kann ich leider nicht dazu sagen, ich schnapp mir jetzt mein lecker Salätchen und muss dann weiter zur Arbeit. Mehr Informationen: Making the Connection.

Sonntag, 31. Juli 2011

Jean Ziegler, Männer die die Welt braucht

Beeindruckt hat mich Jean Ziegler zum ersten Mal, als ich gerade vegan wurde. Im Fernsehen lief "We feed the World", meine Mitbewohnerin und ich haben ihn zusammen geschaut und Ziegler sagte, dass es auf der Welt genug Nahrungsmittel für Jedermann gebe, Hungertod sei also Mord, da der Mangel nicht tatsächlich, sondern inszeniert sei. Das Mindeste was man für hungernde Menschen auf diesem Planeten tun könne sei, kein Fleisch mehr zu essen.
Diese Worte habe ich danach immer wieder aus seinem Mund gehört, gelesen und gesehen. Und es gibt auch kaum etwas hinzuzufügen, es ist wahr. Er kritisiert die Machthaber auf "beiden" Seiten, sowie Privatmenschen, genau das ist für mein Empfinden auch richtig. Ja, der Konsument bestimmt den Markt mit, aber die Weltpolitik und gierige Machthaber tragen ihren Teil dazu bei. Genau das wollte er zur Eröffnung der Salzburger Festspiele auch sagen, jedoch wurde er vorher ausgeladen. Grund sei dafür angeblich seine Nähe zu Diktatoren in Afrika, insbesondere zu Gaddafi. Der Grund ist offensichtlich scheinheilig und vorgeschoben, sueddeutesche.de hat seine Rede veröffentlich und da wird doch ganz deutlich, dass er schlicht zu unbequem gewesen wäre. So gab es eine Stelle bei der ich verzückt die Hände klatschte und "hach, ich liebe ihn!"ausrief:

Weil die reichen Geberländer - insbesondere die EU-Staaten, die USA, Kanada und Australien - viele tausend Milliarden Euro und Dollars ihren einheimischen Bank-Halunken bezahlen mussten: zur Wiederbelebung des Interbanken-Kredits zur Rettung der Spekulations-Banditen. Für die humanitäre Soforthilfe (und die reguläre Entwicklungshilfe) blieb und bleibt praktisch kein Geld.
Wegen des Zusammenbruchs der Finanzmärkte sind die Hedgefonds und andere Groß-Spekulanten auf die Agrarrohstoffbörsen (Chicago Commodity Stock Exchange, u. a.) umgestiegen. Mit Termingeschäften, Futures, etc. treiben sie die Grundnahrungsmittelpreise in astronomische Höhen.
Die Tonne Getreide kostet heute auf dem Weltmarkt 270 Euro. Ihr Preis lag im Jahr zuvor genau bei der Hälfte. Reis ist um 110% gestiegen. Mais um 63%.

Und vervollständigt wird das Ganze dann weiter unten im Text mit einer direkten Ansprache:
Viele der Schönen und der Reichen, der Großbankiers und der Konzern-Mogule dieser Welt kommen in Salzburg zusammen. Sie sind die Verursacher und die Herren dieser kannibalischen Weltordnung.

  
Autsch. Das vor versammelter Mannschaft zu sagen, muss man sich auch erst mal trauen. Leider hat man ihm genau dazu - nicht gerade überraschend - die Möglichkeit genommen. Es ist aber auch viel einfacher Solidarität und Mitleid zu heucheln, vielleicht etwas Geld zu sammeln. Es beruhigt so schön das Gewissen, aber wer will schon etwas am Status Quo ändern?


Ich halte es ebenfalls mit Berthold Brecht und sage Wo Unrecht zu recht wird, wird Widerstand zur Pflicht. 


Den gesamten Artikel könnt ihr hier lesen.

Samstag, 16. Juli 2011

Sexismus und Tiere essen

Gestern ist etwas blödes passiert. Angeregt durch ein Posting über die Rolle der Frau in Hollywoodfilmen von Elana habe ich mich den halben Tag lang in dieses Thema eingearbeitet. Medien und Sexismus, die Rolle der Frau in Werbung, sexistische Rollenverteilung in Filmen usw. Blöd deswegen, weil ich in meinem Lernplan jetzt hinterher hänge und mich das Thema gerade so sehr interessiert, dass ich jetzt hier auch noch darüber schreiben will, anstatt mich auf mein Fahrrad zu schwingen und in die Bib zu fahren.

Etwas vorweg: Ich habe mich bis gestern noch nie mit dem Feminismus auseinandergesetzt. Nicht, weil ich gesellschaftliche Unterschiede abstreiten würde, sondern, weil ich immer der Meinung war (und zum Teil auch immer noch bin), dass man als Frau/Mensch selbst dafür verantwortlich ist, wie man wahrgenommen wird. Wer mit seinem hochgepushten C-Körpchen versucht gratis Drinks zu ergattern, der soll sich bitte nicht wundern, wenn er 23% weniger Gehalt bekommt. Dazu stehe ich auch immer noch. Ich habe nichts gegen sexy Frauen, gegen niedliche Frauen, gegen stark oder überhaupt nicht geschminkte Frauen, gegen groß, klein, dick, dünn. Gegen lange Haare, kurze Haare, gefärbte Haare. Ich habe auch nichts gegen Blümchenkleider und Miniröcke. Nichts gegen Dessous und nichts gegen künstliche Fingernägel (obwohl... naja.). Per se habe ich nichts dagegen einzuwenden. 
Ich habe aber etwas gegen die Art und Weise wie man dieses oder jenes zur Selbstdarstellung und zum Erreichen seiner Ziele benutzt. Wie Frauen sich selbst Männern unterordnen, Dinge tun um Männern im Allgemeinen zu gefallen und dann eine Einladung zum Essen als ultimative Bestätigung und Anerkennung sehen. Ich habe etwas dagegen, dass Frauen ihren Wert an Äußerlichkeiten festmachen und untrennbar damit verbunden an die Reaktionen ihrer männlichen Gegenüber. Und ich habe etwas dagegen, wenn Frauen ihre Reize manipulativ benutzen. Das widert mich an und zwar sowohl von Seiten der Frauen, als auch von Seiten der Männer.

Obwohl ich also meine Meinung bisher auf Individuen bezogen habe, muss ich nun einräumen, dass mit unserer medialen Darstellung von Geschlechterrollen etwas bis zum Himmel stinkt. Und das es nicht reicht, selbst und für sich alleine Dinge durchzusetzen, ernst genommen zu werden, sondern dass man Einspruch erheben muss gegen diese ständige Degradierung und Sexualisierung von Frauen. Übrigens finde ich auch die Rolle der Männer (nicht nur im Kontrast zu Frauen, sondern auch als solche) ebenfalls schwierig. Trotzdem gibt es für Männer und Frauen unterschiedliche Konsequenzen und die Konsequenzen für Frauen sind definitiv besorgniserregender.

Quelle
Anlass für dieses Posting war dann nicht nur Elanas Gedankenanstoß, sondern ein weiterer Gedankenanstoß namens "Fleisch und Sex" auf dem Mädchenblog. Hier geht es darum, dass ein Hühnchen, bzw. der generelle Verzehr von Hühnchen/Tieren mit einem Hühnchen beworben wird, das "Nimm mich" sagt. Was passiert hier bitte? Wird hier Essen (in diesem Fall ein nacktes, totes Tier) sexualisiert? Wird hier eine Parallele gezogen zwischen dem Hühnchen, dass Spaß daran hat gegessen zu werden (à la "Tiere kennen das ja auch nicht anders, die finden es gar nicht so schlimm, dass wir sie essen") und der Frau, die allzeit bereits für ihren Sex-Einsatz ist? Beide sind willenlos und stehen zum Vergnügen für "die Anderen" zur Verfügung.
Ich war gestern ein einigen Stellen unsicher, ob hier und da Dinge vielleicht überinterpretiert werden und ich sage auch ganz deutlich, dass ich nicht mit allem zu 100% übereinstimme, was auf den Links die ich euch später anhänge gesagt oder gemacht wird. Aber diese Sache fand ich ekelerregend. "Nimm mich" ist ein klar sexuell assoziiertes Satz (welcher in der Regel Frauen in den Mund gelegt wird), ihn in Zusammenhang zu stellen mit einem toten Tier, das verzehrt werden will ist für mich der Gipfel der Abartigkeiten und ein Abbild unserer Abgestumpftheit.


Fall jemand von euch Lust hat sich näher damit zu beschäftigen, gebe ich euch hier mal ein paar Links, die ich selbst gestern durchstöbert habe:

Mädchenmannschaft - Blog von Frauen aller Art und Coleur über gesellschaftliche Missstände aller Art und Coloeur bezüglich Sexismus

Mädchenblog - Ähnlich wie die Mädchenmannschaft eine Auseinandersetzung mit aktuellen Themen zu Feminismus- und Queertheorien usw.

FemFreq - Channel auf YouTube. Anita Sarkeesian ist ein selbsternannter Geek und nimmt unsere Popkultur und ihren Umgang mit Frauen gehörig auseinander. Sehr anschaulich, unterhaltsam, macht Spaß und ist erschreckend zu gleich.

Killing us softly 4, Women in Advertising - Jean Kilbourne hält Präsentationen über die Darstellung von Frauen und ihren Rollen in aktueller und vergangener Werbung. Sehenswert! (Video)

Codes of Gender - Ebenfalls ein Film mit Anschauungsmaterial zur Darstellung von Frauen und Männern.

Mittwoch, 22. Juni 2011

Meine Grill-Tipps in der Grünfläche

Einmal im Semester erscheint die Zeitschrift "grün:fläche" Der kölner Hochschulgruppe campus:grün. Die Inhalte thematisieren interne Uniangelegenheiten, sowie auch allgemein-gesellschaftliche Themen. In dieser Ausgabe findet man z.B. einen Kommentar zur Frauenquote, ein Plädoyer für die vegetarischen und veganen Speisen in der Mensa, Berichte übder den kölner Hafenausbau, Rassismus, Homophobie, Erdöl und dazu gesellt sich ein kleiner Abschnitt mit den Ideen, die ich zum veganen Grillen gesammelt habe und die von euch so wunderbar ergänzt wurden! (Ich gucke da regelmäßig immer mal wieder rein um das auch in die "normale" Küche zu übertragen.)
Vor einigen Wochen bekam ich per Mail eine Anfrage, ob sie ein paar der Ideen übernehmen dürften und heute freue ich mich total eine Ausgabe in der Hand zu halten! Ich bin noch nicht ganz durch, aber was ich bisher gelesen habe gefällt mir wirklich gut. Sowieso mag ich die Arbeit der Gruppe total gerne, leider bin ich an den Terminen zu denen sie sich treffen, immer schon woanders eingeplant, sonst hätte ich da schon längst mal vorbeigeschaut.
Das Wetter ist ja gerade nicht so geeignet um den Grill anzuschmeißen, aber vielleicht sieht der ein oder andere "Gegner" mal, wie schön abwechslungsreich veganes Essen sein kann, oder ideenlose Vegetarier und Veganer lassen sich inspirieren. Darüber geredet wurde definitiv schon, da musste ich heute morgen direkt schmunzeln. Zwei meiner Kommilitonen haben sich, die Zeitung vor ihnen liegend, glaube ich anlässlich der beiden pro-veganen Abschnitte darüber unterhalten. Ich wollte mich eigentlich gerne einschalten, aber die Zwei (ich glaube eine ist auch Veganerin, hat mir zumindest eine andere Kommilitonin gesagt) waren so vertieft, dass sie mich komplett überhört haben.

Wer von euch interessiert ist, kann sich die Ausgabe (und auch vorherige) auch online angucken  Klick.





Donnerstag, 2. Juni 2011

Neuer Vorsatz: Eine Spende pro Monat

Das überlege ich mir schon länger. Bisher habe ich eigentlich nur zu aktuellen Anlässen gespendet, das möchte ich jetzt ändern. Ich werde jeden Monat einen Betrag an eine Organisation spenden, die sich um Tier-, Umwelt-, und/oder Menschenrechte/-schutz kümmert, ob international oder lokal spielt dabei keine Rolle. Den Betrag werde ich nicht preisgeben, er wird sich an das anpassen, was ich gerade entbehren kann. Ich möchte mich weder als Angeber, noch als Geizhals darstellen, mein Ziel ist zum Einen mit dem was ich übrig habe etwas vernünftiges anzustellen und euch zum Anderen gleichzeitig jeden Monat eine gemeinnützige Organisation vorzustellen bzw. (wieder) in euere Bewusstsein zu rufen.


Meine erste Spende geht an die Sea Shepherd Conservation Society.
Sea Shepherd setzt sich mit nicht immer unumstrittenen Methoden für den Schutz der Meeresbewohner ein und hat besonders gegen den Walfang in Japan schon große Erfolge verzeichnet. Sea Shepherd arbeitet immer vor Ort und hindert die Leute, die ihrer Meinung nach gegen das (internationale) Recht verstoßen direkt aber gewaltfrei an ihren Vorhaben. Sie kritisieren stark, dass es manche Gesetze zwar gebe, diese aber einfach von niemandem kontrolliert oder sanktioniert würden. Daher betrachten sie es als ihre Pflicht in diesen Gebieten das Gesetz durchzusetzen.  So konfrontieren sie nicht nur japanische Walfänger, sondern auch kanadische Robbenfänger, Langleinenfischer vor den Galapagosinseln, Thunfisch-Fischern in seit Kriegsbeginn vernachlässigten libyschen Gewässern und so weiter mit ihrem Widerstand. Sie bezeichnen Wale, Delfine, Haie, Schildkröten und alle anderen Meeresbewohner als ihre Klienten und weisen darauf hin, dass sobald die Ozeane sterben, auch die Menschen sterben.
Wenn man sich selbst gleichzeitig als Pirat und Polizist bezeichnet, oder sagt, Würmer seien wichtiger als Menschen, dann wird das natürlich kontrovers diskutiert. Letzteres deutet allerdings meiner Meinung nach wieder nur auf die menschliche Arroganz hin und ist nicht besser als die Erde ins Zentrum des Universums zu stellen.

Ich selbst bin immer eher der diplomatische Laber-Typ (auch Angsthase genannt), habe aber großen Respekt vor Leuten, die sich auch auf unkonventionelle Art und Weise für das einsetzen, woran sie glauben und sich nicht beirren lassen.
Seit einigen Jahren begleitet der Sender Animal Planet die Flotte um Captain Paul Watson in die Antarktis. 'Whale Wars' wird auch in Deutschland auf DMAX ausgestrahlt, online kann man die Episoden auch hier ansehen.

Ich verlinke euch mal ein Video, in dem Paul Watson eine Rede zum Erfolg der vergangenen Kampagne in Japan hält. Ich persönlich empfinde ihn irgendwie als einen sehr unangenehmen Mann, ich bin mir auch nicht sicher, ob diese mit-dem-Kopf-durch-die-Wand-Methode immer die Beste ist. Aber ich denke trotzdem, dass wir solche unangenehmen und unbequemen Menschen unbedingt brauchen. 
Mir gefallen besonders der Vergleich von Menschen als Passagiere und das Zitat von Margarete Mead (was ich ja auch schonmal gepostet habe, etwas anders allerdings).