Also das hier ist vegan und feministisch. Weil sonst alles scheiße ist.
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Montag, 3. Dezember 2012

Über die vegane Weltrettungskackscheiße


Als ich vegan wurde, habe ich mich mit Händen und Füßen gegen dieses Übermensch-Argument gewehrt. Dass alle veganen Menschen sich für etwas Besseres halten. Weil sie die Lebensweise gefunden haben, die den wenigsten Schaden anrichtet, Tiere als lebenswerte Lebewesen respektiert, absolut umweltschonend ist und sie "den Leuten in Afrika" nicht das Getreide wegnehmen. Zum Glück ist mir diese Einstellung persönlich eher selten begegnet. Die veganen Menschen, die ich bis jetzt kennenlernte und die meisten, die zur – ich nenns jetzt mal – Blogging Community gehören, sind da etwas bescheidener. In letzter Zeit sind mir dann aber Leute "begegnet"... da weiß ich, was gemeint ist, wenn unvegane Menschen genervt von vegan lebenden Menschen sind.

Irgendwie scheint sich die Einstellung breit zu machen, dass es alle Probleme der Welt lösen würde, wenn alle Menschen vegan leben würden. Ich werf jetzt mal was total und absolut Oberkrasses in den Raum: Das ist Bullshit! Was mich wütend macht, ist diese Einstellung, diese Überzeugung davon, total kritisch zu sein und dann nicht mal etwas weiter denken zu können als "an die armen Tiere". Hier mal ein paar "Argumente" und Herangehensweisen, die ich unter Veganer_innen sehr problematisch finde.


Hauptsache vegan, ansonsten ist alles egal!

Als der Linksunten-Artikel über Kim Wonderland online ging, hat es beschissene Reaktionen und "Argumente" aus allen möglichen Perspektiven gegeben. Was mich richtig abgefuckt hat, waren all die "Hauptsache vegan, der Rest ist doch egal!" - Kommentare. Oder auch "Seid wann ist es verboten, mit Nazis befreundet zu sein, sind doch auch nur Menschen?!" Oder weiter "Das ist doch ihre Privatsache, das geht uns gar nichts an!" Ich meine, hackts?! Geht's noch unkritischer? Noch ätzender? Noch rechtsoffener? Komplett unabhängig davon, ob was dran ist oder nicht, was geht denn in den Köpfen von Leuten vor, die so eine Scheiße von sich geben? Natürlich ist es NICHT okay! Mit Menschen, die einer menschenverachtenden Ideologie angehören, ist man "nicht einfach nur so" befreundet. Es ist auch nicht alles egal, so lange man vegan lebt. Veganismus ist ein winzigkleiner Teil vom Großen Ganzen. Wie kann Veganismus irgendwas erreichen, wenn mit Nazis abgehangen wird? Dadurch wird die Welt nicht besser. Sie wird dadurch schlechter.

Wie können Menschen sagen, dass sie "sogar auch" an die Tiere denken, nicht nur wie viele Menchen, die nur an Menschen denken, weil sie vielleicht sie anfaschistisch oder was auch immer sind. Ganz ehrlich, in der veganen "Szene" gibt es ziemlich wenig Leute, die sich neben Veganismus auch noch mit anderen Dingen beschäftigen. Es muss natürlich nicht jede_r alles wissen/machen/lesen, aber man kann ja wohl erwarten, dass man sich dann zumindets zurückhält, wenn man sich (noch) nicht mit dem entsprechenden Thema auseinandergesetzt hat. Wir sagen alle, wir sind gegen Diskriminierung jeglicher Art, aber wenn ein rassistischer/sexistischer/homophober Witz gemacht wird, heißt es ganz schnell "das ist aber nicht so gemeint" oder "ich finde ja nicht, dass das diskriminierend ist." Meine Reaktion darauf ist ungefähr die selbe, als wenn sich irgendein Heini als Alleswisser_in aufspielt und darüber referiert wie sehr er_sie Tiere liebhat, während er_sie in sein_ihr Steak beißt. Es ist ein Widerspruch. 

Unsere Gesellschaft ist von diskriminierenden Strukturen durchzogen. Diese zu verstehen, ist nicht immer leicht und manchmal will man sie auch nicht wahrhaben. Frag doch mal das Tier, das gegessen wird – Frag doch mal den Menschen, der diskriminiert wird. Klingelt da was? Wir sollte nicht so tun, als gäbe es sonst keine Probleme auf der Welt. Und vor allem sollten wir aus den Fehlern derjenigen lernen, die reden, ohne Ahnung vom Thema zu haben. Immerhin wissen doch die meisten wie das ist und es nervt uns alle ungemein.


Ich bin viel veganer als du und du machst XYZ, das ist voll unvegan!

Ich beobachte, dass Veganer_innen quasi unter Selbstgeißelung Veggie-Monopoly spielen und jede_r so schnell und direkt wie möglich ins Ziel kommen möchte. Da gibt es teilweise Wettstreits sondergleichen und wer auf der Strecke bleibt, der_die war nur nicht stark genug. Vegan sein bedeutet per Definition alle Produkte abzulehnen, für die Tiere leiden mussten. Menschen sind auch nur Tiere, also müssten alle Veganer_innen auch komplett Fair Trade leben. Und am besten auch regional, saisonal und bio. Weil dadurch dem Planeten und somit auch Menschen und anderen Tieren am wenigsten angetan wird. Aber mal ehrlich – bis wohin geht das Spiel? Kann da überhaupt jemand gewinnen? Im veganen Monopoly wurde ich mit Sicherheit schon sehr oft zurück auf Start geschickt, wenn ich nicht schon längst im Gefängnis gelandet bin. Bin ich dafür selbst verantwortlich? Ja, zum Teil. Zum Teil aber auch nicht. 

Ich weiß nicht, wie häufig schon der Satz "Wir leben alle in einer unveganen Welt" heruntergebetet wurde. Aber er stimmt. Veganismus ist kein allheilbringendes Lebensprizip, welches ich konsequent und ohne Rücksicht auf Verluste verfolge. Es ist auch nicht möglich. Wie häufg wurde schon ausdiskutiert, was man dann alles nicht mehr machen dürfte. Straßenbahnfahren, Autofahren, ins Kino gehen, keine Ausnahme für die Oma vom Freund machen, wenn die sich Mühe mit einer Alternative gemacht hat, aber trotzdem etwas Butter zu den Kartoffeln gegeben hat, die Handcreme der Freundin nicht benutzen, obwohl die Haut rissig und trocken ist und so weiter. 
Hinzukommt, dass Fair Trade Klamotten verdammt noch mal beschissen teuer sind.  Unabhäging davon, dass sie gerechtfertigterweise teuer sind und einen realistischen "fairen" Preis haben, ist einfach zu sagen "Kauf halt einen statt zwei" blanker Hohn in den Ohren derjeniger, die kaum Kohle haben um zu überleben. Es ist auch blanker Hohn in de Ohren derjenigen, die sich nicht nur am superveganen Maß messen (wollen), sondern sich auch an anderen Erwartungen und Maßen messen, wie zum Beispiel Schönheitsidealen.
Second Hand, Kleiderkreisel und ebay, das ist alles toll und sinnvoll, aber auch das kostet zeitliche Ressourcen, die nicht allen Menschen gleichermaßen zur Verfügung stehen. Mal ganz abgesehen davon, dass ich in meiner Superkorrektheit vielleicht Menschen günstige Kleidung wegschnappe, die sie wirklich benötigen. Das ist ein Gedanke, der mir zutiefst widerstrebt.
Das alles als "die strengen sich nur nicht genug an" darzustellen, ignoriert tatsächliche Verhältnisse und Lebensrealitäten und führt dazu, dass Veganismus nur der kleinen, arroganten Bildungselite offen steht, die sich anmaßt, über alles und jede_n zu urteilen.


Vegan leben, weil woanders Menschen an Hunger sterben

Was mich fast am meisten ankotzt ist diese ewige Analogie, man würde "Menschen in Afrika" das Getreide wegnehmen und wenn wir alle vegan werden würden, dann müsste niemand mehr hungern. Schon klar, es gibt die Fälle, in denen Ländern Getreide abgekauft wurde, obwohl Dürren bevorstanden. Aber es ist nicht ganz so einfach. Viele haben sicherlich den Film "We feed the World" gesehen. Dort sagt Jean Ziegler (selbst Vegetarier, so weit ich weiß aus humanistischen Gründen, übrigens hat er sehr lesenwerte Bücher über Armut und Hunger geschrieben) etwas entscheidendes: "Der World Food Report besagt, dass die Weltlandwirtschaft, so wie sie heute ist, ohne Probleme 12 Milliarden Menschen ernähren könnte."(klick) Zur Zeit leben laut Wikipedia etwa 7,01 Miliarden Menschen auf der Erde. (klick) Wir haben kein Mengenproblem. Wir haben ein Verteilungsproblem. Es werden Staaten, Menschen ausgebeutet. Es gibt genug Essen für jeden Menschen auf dieser Welt. Sogar für viel mehr Menschen auf der Welt. Das ist eines der Erben der Kolonialgeschichte. Mit Bildern wie "wir müssen den Armen helfen" werden wieder rassistische Strukturen reproduziert. "Wir" müssten eigentlich überhaupt nicht helfen. Wir müssten mit der Ausbeutung aufhören, Reparationen zahlen und Verantwortung übernehmen. 

Natürlich, die Landwirtschaft ist am Arsch. Regenwälder werden zerstört, meist für Tierfutter, aufgekauftes Getreide ist meist Tierfutter, Mais in den Staaten ist meist Tierfutter. Die Meere sind bald leer gefischt, der Planet ist voller Müll, die Böden voller Gifte. Um genug Lebensmittel und andereüberlebensnotwendige aber aucn unwichtige Dinge für 12 Milliarden Menschen zu erwirtschaften musste bereits einiges massiv zerstört werden. Nichts desto trotz. Wenn alle Menschen in Europa, den Staaten und so weiter vegan werden würden, wäre imperiale und kolonialgeschichtlich verankerte Ausbeutung nicht zu Ende. Kolonial- und Kapitalismuskritik sind entscheidende Ansätze, um diese Strukturen zu erklären. Beides ist auch durchaus miteinander verwoben und besonders im Zusammenhang mit dem veganen Welthungrrettungsargument ein eigens Posting wert. Heute bleibe ich aber mal bei einfachen Sätzen: Reichtum braucht Armut. Wer reich sein will, muss andere unten halten. Stichworte wären zum Beispiel: Regierungen, (Groß)Konzerne, Lobbys. Ihre Werkzeuge sind unter anderem Institutionen wie die Weltbank oder der Internationale Währungsfond. Die Güter aus armen Ländern sollen wettbewerbsfähig auf den Weltmarkt geworfen werden, IWF und Weltbank verteilen dazu ganz großmütig und absolut selbstlos Kredite zu horrenden und repressiven (finanziellen) Bedingungen. Länder wie Brasilien, welches einst den höchsten, jemals gewährten Kredit bekommen hat, zahlen sich dumm und dämlich, nur um die Zinsen solcher Kredite zu tilgen. Da bleibt wenig bis nichts mehr übrig für den Ausbau der Infrastruktur, Bildung für alle, Investitionen in einen Sozialstaat oder Reformen für die Landwirtschaft. Diese Kredite dienen hauptsächlich dazu, die Vormachtstellung eh schon reicher Länder beizubehalten und führen eh schon arme Länder in die ewige Abhängigkeit.


Ganz kurz, falls es eine vergessen hat: Wer vegan lebt wird dünn, gesund und schön!

Diese Attribute da oben scheinen ja irgendwie synonym benutzt zu werden, was mich schon sehr ärgert. Im Fatshaming-Artikel habe ich ja bereits auf die Vielfalt menschlicher Körper hingewiesen. Außerdem bitte ich euch alle, schaut euch doch mal um. Die Veganer_innen, die ich kenne, sehen genau so aus, wie die unveganen Menschen, die ich kenne. Es gibt dicke und dünne, große und kleine, blasse und gebräunte, welche mit Cellulite und ohne, mit Pinkeln und ohne, mit seidenglänzendem Haar und mit trockener Strubbelmähne, gesunde und kranke. Das könnte ich eeeeewig so weiterführen. Und alles davon ist okay! Die vegane Community ist unterliegt denselben Schönheitsidealen, wie der Rest der Gesellschaft. Sich davon zu befreien, das wäre mir echt viel wert.


Weg von der individualistischen Perspektive, hin zu mehr allgemeiner und emanzipatorischer Herrschaftskritik!

Zu Beginn habe ich es mir wirklich sehr schwer gemacht. Ich dachte, Veganismus sei ein Boykott, und ich könne so die Nachfrage regulieren (natürlich nicht alleine, sondern in der Masse). Heute muss ich ein bisschen darüber schmunzeln. Es ist viel größer. Die Nachfrage alleine regelt nicht das Angebot und Veganismus alleine rettet nicht die Welt. Menschen beuten Natur, Tiere und andere Menschen aus. Das hat System und sehr tiefe historische Wurzeln, die sämtliche globalen und wirtschaftlichen Beziehungen durchflechten. Diese Wurzeln lassen sich nicht durch eine andere, nettere Konsumform ausreißen. Damit kann man man nicht mal die Schäden beheben, die dadurch der Oberfläche entstehen.

Ich habe versucht in allem korrekt zu sein. Mehr Fair Trade kaufen, nur bio Gemüse und so weiter. Gerade ändern sich etwas meine (finanziellen) Lebensumstände und mit Blick in meine Zukunft muss ich sagen, diese Einstellung ist sehr arrogant. Wer kann das denn bitteschön? Wenn ich von allen Menschen erwarte möglichst nah an die 100 % Perfektion zu kommen, machen wir uns allen nur selbst das Leben schwer. Und wir erreichen gar nichts. Wir erreichen auch nicht die Menschen, die von den Strukturen so vernachlässigt und unterdrückt sind, dass sie weder zeitliche noch finanzielle Ressourcen haben, um in diesem Spiel die Turmstraße kaufen zu können, gechweige denn die Schlossallee.

Ich will eine politische Bewegung. Eine, die zwar selbstkritisch ist, aber versteht, dass nicht Einzelpersonen die Gestalt der Welt mit Konsumentscheidungen verändern  können. Es ist toll, wenn Menschen Verantwortung übernehmen, in ihrem Leben für irgendwas einstehen oder zurücktreten. Und ich wünsche mir auch, dass das alle Menschen tun würden, die es können. Das löst aber diese Probleme nicht. Es ist eine beschissene Unverschämtheit und eine verdammte Ungerechtigkeit, dass es solche ausbeuterischen Strukturen gibt. Dass wir in Verhältnissen leben, die es so schwer macht, gute Entscheidungen zu treffen. Ich will, dass diese Entscheidungen für alle Menschen zugänglich gemacht werden, nein, ich will, dass ich mich überhaupt gar nicht erst zwischen "gut" und "schlecht" entscheiden muss. Dieser unkritische, selbstreferenzielle Wohlfühlveganismus ist so ein Lifestyle für Superpriviligierte, die  sich gegenseitig für ihre kleinen ökologischen Fußabdrücke auf die Schulter klopfen. Da hab ich keinen Bock drauf und da mach ich auch nicht mit.


EDIT am 12.12.2012: Ich möchte euch zum Weiterlesen diesen Blogeintrag von zapperlott ans Herz legen. Auszug: 
  Was übrig bleibt ist die rein private Suche nach dem moralisch korrektem Konsum, um das Gewissen zu beruhigen. Bereits das ist eine folgenreiche Verblendung, die in der Konsequenz zu der besagten »veganen Weltrettungskackscheiße« führt.

Mittwoch, 13. Juni 2012

Meeting the Captain

Heute habe ich mich mit einem Teil der Kochen ohne Knochen-Crew auf den Weg nach Frankfurt gemacht, um dort Paul Watson und Peter Hammarsted von Sea Shepherd zu treffen und gemeinsam zu interviewen. (Paul Watson ist vor einigen Wochen in Deutschland festgenommen worden, mehr dazu in diesem Video.) 
Ich muss natürlich zugeben - aufgeregt war ich auf jeden Fall, Sea Shepherd ist eine Organisation, mit der ich mich in vielen (nicht in allen!) Punkten identifizieren kann. Meine Aufregung war insofern unbegründet, als dass die zwei sehr locker und angenehm waren - eine schöne Grundlage für ein gutes Interview. Meine eigentliche Sorge war aber viel mehr, dass es eben doch so den ein oder anderen Punkt gibt, der mir bei Sea Shepherd Bauchschmerzen bereitet - wie die Zusammenarbeit mit Brigitte Bardot, bzw. ihrer Tierschutzorganisation. Diese ist eben nicht nur für ihre Tierliebe bekannt, sondern auch für ihre Nähe zur (extremen) französischen Rechten, dem Front Nationale und für entsprechende Äußerungen (siehe hier). Auch vor dem Interview war ich mir darüber im Klaren, dass es kein Szenario gibt, was diese Zusammenarbeit für mich irgendwie erklärbar/akzeptierbar/entschuldbar macht. Die Frage letztendlich zu stellen hat mich dann doch etwas Mumm gekostet und ich habe auch ehrlich gesagt erst etwas drumherum gedruckst, bis ich zum Punkt kam. Und ja, Paul und ich, wir sind da nicht einer Meinung. 

Ich möchte ungerne vorgreifen, das Interview erscheint ja in voller Länger in der nächsten Kochen ohne Knochen Ausgabe, aber ich würde gerne für mich persönlich festhalten, was gerade so in meinem Kopf herumschwirrt und das ist vor allem eins: Ich bin eine verdammte Heuchlerin! Ich komme auf gar keinen grünen Zweig mit seiner Meinung, ich finde ihn, oder zumindest seine Arbeit trotzdem gut. Ich finde es ist ein Witz, dass er in Deutschland, oder überhaupt verhaftet wurde, verglichen mit dem, was die Fisch/Hai- und Wahlindustrie bzw. -lobby weltweit so anstellt ist das blanker Hohn und ich würde darüber lachen, wäre es nicht so verdammt ernst.
Paul sagt, er kämpft für diesen Planeten und dafür, dass es weiterhin Leben darauf geben kann. Er sagt auch, jeder Unterschied zwischen Menschen, sei gemacht, sei nicht echt und er stimmt mit mir darüber überein, dass eine Seite der Menschen die andere (viel größere) Seite ausbeutet und ihnen dann auch noch verbietet legal in die Länder einzureisen, die sie ausbeuten. Er findet das auch scheiße. Er findet aber - und spätestens jetzt werde ich etwas polemisch und überspitze bewusst  - grundsätzlich alle Menschen scheiße und geht nicht davon aus, dass Menschen, vielmehr die Menschheit irgendwann irgendetwas aus purer Vernunft besser machen wird. Man muss sie zwingen, drängen, Druck machen mit der einzigen Sprache, die sie verstehen: Geld. Tu niemandem weh, töte keinen, aber lasst uns die ökonomischen Strukturen zerstören, so dass sich XYZ nicht mehr rechnet. Das kann ich noch nachvollziehen, sicher bin ich mir da allerdings nicht. Sein Verständnis vom Menschen geht eher in die Richtung, dass die Hierarchien, wie wir sie jetzt haben reiner Zufall sind und alles auch anders hätte laufen können. Schwarze hätten auch Weiße ausbeuten können, Frauen hätten auch über Männer herrschen können. Alle würden es auch jetzt tun, wenn sie denn könnten. Genau so, wie sie auch alle die Erde ausbeuten, die Ökosysteme zerstören und sich einen Dreck um alles Leben scheren, was für diese Welt eigentlich essenzieller ist als der Mensch. Der Mensch als Plage, als Pest, unbelehrbar und gierig. Ich muss sagen, hätte ich ein solches Weltbild, ich würde einfach gar nichts mehr machen. Manchmal finde ich mich selbst etwas zu zynisch und vor allem zu ernst. Würde ich aber so konsequent schlecht von Menschen denken, hätte ich schon überhaupt keine Energie mehr, irgendwas zu tun. Er schon, weil es ihm nicht um Menschen geht, sondern um alle anderen Lebensformen, die unter den Menschen leiden, die will er retten. Daraus speist sich dann auch die Erklärung für seine Zusammenarbeit mit Brigitte Bardot: Er ist mit ihr nicht bei allem einer Meinung, genauer gesagt, teilen sie exakt eine gemeinsame Leidenschaft, aber sie hat seiner Meinung nach schon mehr für die Erhaltung der Erde getan als viele Andere und mehr interessiert ihn gar nicht.
Auch nach dem eigentlichen Interview hat Paul das Gespräch gesucht und wir haben uns noch eine Weile über internationale Zusammenhänge, Herrschaftsverhältnisse usw. unterhalten und er hat versucht, mir näher zu erklären, wieso letztenendes für ihn nur eine Sache zählt, während ich gesagt habe, dass mir eben auch Menschen wichtig sind und vor allem auch, welche ungleiche Möglichkeiten Menschen als Perspektive für ihr Leben haben und dass ich auch das für gemacht und nicht natürlich halte. 
Paul Watson ist ein Mann, der es gewohnt ist, dass Menschen ihm zuhören. Er weiß sehr viel, ist erfahren und belesen, zitiert Margarete Mead, Gandhi und Martin Luther King und vergleicht seine Methoden mit den ihren. Gößenwahn? Ja, vermutlich schon. Auf der anderen Seite: Wie viel mehr Wale, Delfine, Haie und andere Meereslebewesen wären ohne Sea Shepherd jetzt tot? 


Für mich heiligt nicht jeder Zweck jedes Mittel. Aus dem Grund sage ich nach wie vor: Ich bin mit ihm in einer für mich sehr wichtigen Sache überhaupt gar nicht einer Meinung. Ein Aber kommt trotzdem: So inkonsequent und heuschlerisch das sein mag, ich finde Sea Shepherd gut und ich möchte ihren Einsatz nicht missen. Ich würde mir wünschen, dass dieser in Zukunft ohne Hilfe aus dem rechten Lager passiert. Mit denen will ich nämlich für überhaupt nichts gemeinsam kämpfen.

von links nach rechts: Tom, ich, Joachim, Paul, Ines, Peter

Montag, 12. Dezember 2011

Alltagsrassismus

Rassismus ist ja ein schwieriges Thema. Niemand würde von sich behaupten ein Rassist zu sein, genau genommen wird häufg abgestritten, dass es überhaupt (noch) Rassismus in Deutschland gibt. Nun, nach den aktuellen Vofällen, bzw. nach dem bekannt werden der Morde aus den Kreisen der NSU hat sich die Sicht darauf vielleicht etwas verändert. Dennoch gibt es einen immer wiederkehrenden Denkfehler: Rassismus ist nicht das gleiche wie rechte Gewalt.
Wir leben in einem Land, in dem bestimmte Muster, Klischees und Stereotypen immer wieder auftauchen, sie prägen unser Weltbild so stark, dass sie zu Paradigmen werden, wir sie nicht erkennen, enttarnen, verstehen und hinterfragen können. Dinge scheinen normal zu sein, in Ordnung zu sein. Nirgendwo hört oder sieht man Gegenbeispiele. Wir leben in einer Welt, in der Rassismus immer noch so normal ist, dass er schlicht nicht auffällt.
Gestern habe ich mich noch mit ein paar Freunden darüber unterhalten und heute habe ich in der Bahn ein handfestes Beispiel dafür geliefert bekommen, wie wenig uns Rassismus auffällt. Ich schreibe hier einfach mal ein paar Beispiele nieder, die Freund_innen von mir oder ich selbst als außenstehende Person erlebt haben und die betreffenden Personen manchmal gar nicht realisiert haben, was sie da gerade tatsächlich sagen. Einige Beispiele wirken viellleicht nicht so dramatisch, oder sogar überhaupt nicht rassistisch, andere sind sehr eindeutig. Ich beginne mit dem Beispiel aus der Bahn von heute:

  • Ein Mann streitet sich mit einer Frau darüber, dass sie und ihre Kinder nicht so trödeln sollen, damit  andere Gäste auch noch in die Bahn einsteigen können. Die Diskussion schloss er ab mit den Worten "Sie können froh sein, dass sie nicht in Norwegen leben."
  • Meine Mitbewohnerin sucht mit ihrer Cousine eine Wohnung. Die Cousine spricht gebrochen Deutsch, meine Mitbewohnerin genau so fließend wie ich. Irgendwie bemerkt die Vermieterin das jedoch nicht und fragt P. mehrmals, ob sie verstehe, was sie sagt, erklärt ihr Sprichwörter, redet mit lauter Stimme, langsam und mit falscher Grammatik und findet sich selbst super, weil sie einer Ausländerin gestattet in ihrer Wohnung zu wohnen. P. erwähnt mehrmals, dass sie seit 21 Jahren in Deutschland lebt, Abitur gemacht hat und gerade ihre Bachelorarbeit schreibt. Nichts zu machen.
  • Gesammelte Zitate: "Oh, Sie sprechen aber gut Deutsch?!"; "Wo kommst du denn wirklich her?"; "Du hast ja so tolle Schokohaut!"; "Sing doch mal was, das kannst du doch bestimmt richtig gut?!"; "Bist du eigentlich Bauchtänzerin?"
  • Auf der Arbeit: "Nicht dass Sie denken, wir gehen einfach so, wir haben gerade schon bei Ihrer Kollegin bezahlt, bei der Mulattin meine ich."
  • Meine Mitbewohnerin betreut eine Gruppe unbgleiteter minderjähriger Flüchtlinge. Zwei von ihnen rauchen. Sie laufen durch die Stadt und auf zwei der Jugendlichen kommen meherere Männer vom Ordnungsamt zu. Erste Frage: "Sprecht ihr Deutsch?" Die Jungs bejahen die Frage, aber die Männer reden im primitiven Deutsch zu ihnen. Essenz: "Wenn ihr hierbleiben wollt, solltet ihr euch vielleicht an unsere Regeln halten." Meine Mitbewohnerin fragt, warum sie ausgerechnet diese Jungs fragen und nicht zumindest ein Beamter die anderen gefühlten 100 rauchenden Jugendlichen kontrolliert. Keine Antwort.
  • Meine Freundin und Arbeitskollegin spaziert mit ihrem Sohn durch die Sadt. Auf den Sohn kommt ein Hund zu gelaufen, er streichelt ihn, bis ein wütender Mann angerannt kommt und sagt "Fass den nicht an, wir mögen keine Negerkinder!"
  • Meine Mitbewohnerin wird im Supermarkt gefragt, was der Unterschied zwischen Blätter- und Yufkateig sei. Sie sagt "Keine Ahnung" und die Frau ist verwundert, "Achso, ich dachte Sie wären Türkin und wissen das?!"
  • Letzte Fußball WM in Südafrika: Eine Kommilitonin läuft mit ihrem Freund über eine Straße, in der in jeder Kneipe Fußball läuft. Beide sind mit Deutschland-Fanartikeln bekleidet. Deutschland liegt allerdings gerade zurück, ein paar Fans sind anscheinend wütend und rufen Dinge wie "Geht doch wieder zurück ihr Affen!" (Nur um das nochmal deutlich zu machen: zu diesem Zeitpunkt befanden sich deutsche Fußballspieler und Fans im Land dieser Affen.)
  • Im Rahmen eines ironischen Streitgesprächs sagt einer meiner Kollegen "Ach komm du Mohr, halt den Mund." Auf massiven Protest hin sagt er schließlich "Jetzt stellt euch doch mal nicht so an, war doch nur ein Spaß!" (Anstatt einfach mal darüber nachzudenken und sich zu entschuldigen.)
  • Ein Blick in die Medien: Warum sind People of Color eigentlich nie einfach so der Arzt? Die Anwältin? Der Freund? Die Nachbarin? Beinahe immer, wenn nicht-weiße Menschen in den Medien auftauchen geht es um Asylprobleme, Ehrenmorde usw. Warm können sie nicht einfach Teil der ganz normalen Bevölkerung sein?
  • Warum werden Möbel noch immer häufig mit den Worten "im romantischen Kolonialstil" oder "exotische Afrika Lady" beworben? Was ist an Genoziden, Unterdrückung und Versklavung  romantisch? Und wieso wird Afrika immer als ein einziger homogener Raum beschrieben? Warum ist alles, was aus diesem Raum kommt immer exotisch und fremd oder schmückende Deko?


Wer Interesse hat, sich in das Thema zu vertiefen, dem empfehle ich Noah Sows Buch "Deutschland Schwarz Weiss" (klick)
Mit durchaus wütender Sprache geht sie auf genau diese und weitere Rassismus-Probleme in Deutschland ein. Ihr Ton ist gewöhnungsbedürftig und zuweilen auch nervig, was an den Aussagen, Zusammenhängen und  Vorwürfen inhaltlich jedoch nicht zu rütteln vermag. Definitiv eine Lektüre, die für den Einstieg in das Thema geignet ist, da sie bei Basiswissen, wie z.B. Begrifflichkeiten ansetzt und alles ausführlich erklärt.
Außerdem empfehle ich das Media-Watch Blob Der Braune Mob.

Dienstag, 15. November 2011

Gegen den Trend? Rekordzahlen aus dem Schlachthaus

Quelle: peta2.de













Viele von euch haben bestimmt den n-tv Artikel über die Rekordzahlen aus deutschen Schlachthäusern  des vergangenen Quartals gelesen. Seit gestern überlege ich, wie ich den zu einem Blogpost verarbeiten kann, weil meine Gedanken dazu ziemlich vielschichtig sind. 
Aber erst mal zurück zu dem Artikel. Laut Statistischem Bundesamt sind in den drei Monaten Juli, August, September 15,2 Millionen Schweine geschlachtet worden. 15,2 Millionen! 15.200.000 tote Tiere. Zusammen ergibt das eine Fleischmenge von nicht ganz ein einhalb Millionen Tonnen. Wenn man diese Zahl auf das ganze Jahr umlegt, sind wir bei 60,8 Millionen Tieren was ungefähr der Einwohnerzahl von Italien entspricht. Und das sind nur die Schweine! Klar, die Zahl stimmt auch nur dann, wenn der Rekordstand gehalten wird, aber selbst wenn nicht, selbst wenn es "nur" 40 oder 50 Millionen Schweine im Jahr wären, wären das immer noch unfassbar viele. Die Zahlen der Rinderschlachtung sinken, die der Hühner und Schweine steigen stetig an. 
Und an diesem Punkt wird es auch interessant. Denn angeblich sinkt der Fleischkonsum der Deutschen seit Jahren langsam, oder zumindest soll er stagnieren, die Mitgliederzahl beim VeBu ist dieses Jahr um 38% gestiegen, was ebenfalls ein Rekord ist. Medien berichten mehr und mehr über vegetarische und vegane Selbstversuche, Restaurants und Vereine, im Fernsehen wird vegan gekocht und in Buchhandlungen wächst das Angebot an Kochbüchern und Literatur über Vegetarismus und Veganismus, Massentierhaltung wird immer öfter kritisch beäugt usw. Die Öffentlichkeit ist sensibilisiert und wird vielleicht immer aufgeklärter. 
Versteht mich nicht falsch, ich finde das alles sehr begrüßenswert, aber noch sind das alles "Trends", so richtig im Mainstream-Alltag ist das Thema noch lange nicht angekommen. Aber gewisse Tendenzen sind nicht von der Hand zu weisen.

Während Rindfleisch oft aus dem Ausland eingeführt wird, sind jedoch Schweine- und Geflügelfleisch wahre Exportschlager. Ein Großteil des in Deutschland "produzierten" Schweine- so wie Geflügelfleisches geht nach Asien, wo die Bevölkerung langsam immer reicher wird und nach mehr Fleisch lechzt. Noch ist es ein Statussymbol. Wer zur oberen Gesellschaft gehört kann es sich leisten Fleisch zu essen und zeigt das auch. Genau die gegenteilige Tendenz ist in Deutschland zu beobachten, die so genannten oberen sozialen Schichten wenden sich tendenziell vom (häufigen) Fleisch als Lebensmittel ab, während es durch die Massentierhaltung immer mehr zum Billiglebensmittel gemacht wird und überdurchschnittlich häufig von finanziell schwach gestellten Haushalten konsumiert wird.

Es ist vielleicht etwas zu forsch, aber ich formuliere es trotzdem mal so: Obwohl in Deutschland ein leichter Sinneswandel zu vernehmen ist, reagieren weder der Markt, noch die Politiker (bald frage ich mich eh, wo da der Unterschied ist...) nicht darauf. Die Stimmen in der Öffentlichkeit gegen Massentierhaltung und gegen Tierausbeutung werden immer lauter, die Gründe dagegen sind vielseitig, offensichtlich und bekannt, das Konsumverhalten ändert sich (wenn auch sehr, sehr langsam), die Stimmung scheint in den nächsten Jahren zu kippen. Da uns ja immer wieder eingebleut wird "Wenn ihr nicht danach fragen würdet, würde es das so gar nicht geben", ist das schon eine interessante Beobachtung. Denn offensichtlich kann der Einzelne durch sein Konsumverhalten das Marktverhalten oder das Angebot eben nicht mitbestimmen. Das heißt um Gottes Willen nicht, dass nun alles egal ist, ganz im Gegenteil, ich bin immer noch dafür, dass jeder Mensch Verantwortung übernehmen muss und zwar nicht nur für sich als Einzelperson. 
Jedoch sehen wir an solchen "Ereignissen" ganz genau, was sonst noch eine Rolle spielt. Die Politik bezuschusst Massentierhaltung, Milchwirtschaft etc. enorm. Aus diesem Grund sind die Preise so niedrig (dieses Jahr im Schnitt 1,40€ für ein kg Schweinefleisch) und es stellt trotzdem eine lukrative Einnahmequelle für den Staat dar, da Asien ein dankbarer Abnehmer ist und dessen Nachfrage vermutlich immer weiter steigen wird. Was eventuell auftretende Differenzen locker ausgleichen könnte, bzw. sogar für Mehreinnahmen sorgt. Was man subventioniert muss auch verkauft werden.

Was mich daran so sehr stört ist, dass eben auf den Bürger hier absolut keine Rücksicht und er nicht ernst genommen, ihm aber der Schwarze Peter zugeschoben wird. "Ihr wollt es doch so!" zieht hier nicht mehr. Wir wollen es nicht (mehr) so und trotzdem wird weitergemacht, verstärkt sogar. Weil es um Geld geht. Unabhängig davon, dass längst alle Politiker zumindest um die Umweltproblematik der Fleischproduktion und den Gesundheitsrisiken des übermäßigen Fleischkonsums bescheid wissen. Ich denke, mit Tierrechten braucht man denen wohl kaum kommen, das sehen viele eher "sentimental" (in dem verlinkten Artikel geht es nicht um Politiker, sondern um Landwirte, jedoch zeigt und ja mindestens unser ehemaliger Landwirtschaftsminister Funke, das eine solche Denke auch unter Politikern anzutreffen ist). Ich hingegen sehe Tierrechte eher als eine konsequente Anwendung ethischer Gebote auf Lebewesen, nur fragt mich ja keiner.
Allerdings sind sogar auf allen anderen Ebene sind diese Massen an Fleisch schlicht unvernünftig, ihr einziger Vorteil liegt darin, dass sie "uns" auf kurze Sicht gesehen Geld in die Staatskassen spülen. Außerdem pflegt man so die Kontakte ins aufstrebende Asien und wer will es sich schon mit China verspielen?

Freitag, 21. Oktober 2011

(Neue) Literatur: Veganismus, Tierrechte, Ernährung


Seit knapp einem Jahre befasse ich mich nun mit Themen Vegetarismus, Veganismus, Tierrechte, Öko-Ethik und so weiter. In der Zeit ist das ein oder andere Buch zum Thema in mein Bücherregal gewandert, die meisten davon habe ich auch gelesen, ein paar wiederum nicht. Was jedoch viel größer ist, als mein veganer Buchstapel zu Hause ist meine virtuelle Wunschliste. Neben Klassikern wie Singer und Kaplan hat sich in den letzten Monaten so einige Neuerscheinungen und bald erscheinende Titel angesammelt, von denen ich vermute, sie sobald nicht alle lesen werden zu können Ausgenommen die wundervollen neuen Kochbücher, aber auch da werde ich es zumindest nicht schaffen, alles daraus zu kochen. Ich stelle euch mal meine Liste hier zusammen, übernehme jedoch keine Gewähr für den Inhalt der Bücher. Aber ich bemühe mich darum, die gelesenen Bücher, ob aktuell oder nicht, zu rezensieren.

Klickt einfach aufs Bild, der führt euch in den Shop von buecher.de und dort gibt es weiterführende Rezensionen etc.



Ethik/Politik:

Green is the new red von Will Potter, ca. 13 €
Über so genannten Öko- oder Tierrechtsterrorismus und wie Politiker damit umgehen.










Wir haben es satt! von Iris Radisch und Eberhard Rathgeb, ca. 20€
Warum Tiere keine Lebensmittel sind, Plädoyer für Mitgefühl, Vernunft und Fleisch-Boykott















Human-Animal Studies, herausgegeben vom Chimaira Arbeitskreis für Human-Animal Studies, ca. 25 €
Gesellschaftliche Kultur von Mensch-Tier-Verhältnissen













Why we love Dogs, eat pigs and wear cows von Melanie Joy, ca. 13 €
Ideologies des Fleischessers als Karnismus, und andere Glaubenssysteme, die hinter unseren gesellschaftlichen Konventionen bezüglich des Umgangs mit Tieren stecken










Gesundheit/Ernährung:

Die Ernährungslüge von Hans-Ulrich Grimm, ca. 10 €
Kritische Auseinandersetzung mit der Lebensmittelindustrie














Peace Food von Rüdiger Dahlke, ca. 20€
Warum Milch und Fleisch ungesund sind. Mit etwas esoterischem Kapitel über die Kraft der Sonne, mit Rezepten

















Koch- und Backbücher:

vegan kochen für alle von Björn Moschinski, ca 18€






Vegan for Fun von Attila Hildmann, ca. 25€















vegan kochen: einfach, gesund und laktosefrei von Kristina Unterweger, ca. 6€

















24 Rezepte zur kulinarischen Weltverbesserung von Wam Kat, ca. 25€
Rezepte für VoKüs, Demonstrationen und großen Gruppen















Vegan Guerilla, Die Revolution beginnt in der Küche von Sarah Kaufmann, ca. 18€
Das Buch zum Blog Vegan Guerilla!








Vegan Pie in the Sky von Isa Chandra Moskowitz und Terry Hope Romero, ca. 13€












Ergänzungen jeder Art sind sehr willkommen!

Dienstag, 6. September 2011

Taste The Waste

Seit Wochen warte ich darauf, Donnerstag kommt "Taste the Waste" endlich in die Kinos.
Eindrucksvoll wird hier geschildert, an welchen Stellen in der Lebensmittelproduktion und im Vertrieb völlig intakte Lebensmittel auf dem Müll landen. Insgesamt ist das dann so viel, das mit dem europäischen Lebensmittel-Müll von einem Jahr, zwei Jahre lang alle Hungernden dieser Welt ernährt werden könnten.
Darf und sollte nachdenklich machen und nicht nur die Verbraucher zum Umdenken zu bewegen.

Mittwoch, 3. August 2011

Juli Spende: Plant for the Planet

Anfang Juni hatte ich euch einen neuen Vorsatz vorgestellt - ein mal im Monat für eine Organisation zu spenden. Nun, ich bin ehrlich, ich habe es fast den gesamten Juli über vergessen. Aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben, heute möchte ich euch Plant for the Planet vorstellen.
Die Entstehungsgeschichte dieser Stiftung ist wirklich interessant und vor allem inspirierend. 2007 sollte der zu dem Zeitpunkt neun-jähre Felix Finkbeiner ein Referat über den Klimawandel halten. Er lernte, dass der Regenwald gerodet wird, Arten aussterben, Menschen hungern. Im Laufe seiner Recherche kam er von Friedens-Nobelpreisträgerin Wangari Maathai inspiriert auf die Idee dem Klimawandel mit dem Pflanzen von Bäumen entgegenzuwirken bzw. die schlechten Emissionen mit "gutem" Sauerstoff auszugleichen. Ziel sind eine Millionen Bäume pro Land. Die Idee wurde an seiner Schule in Angriff genommen umgesetzt und von vielen weiteren Schulen in Deutschland übernommen und auch in den Rest der Welt getragen. Felix und die anderen Kinder um ihn herum kritisieren, dass die Erwachsenen ihre Verantwortung gegenüber anderen Generationen nicht wahrnehmen und nur reden statt zu handeln. Neben Pflanzaktionen und Workshops entstand auch die Kampagne "stop talking, start plantig" die Felix und andere Kinder auf Fotos zeigt, wie sie gestandene Leute aus dem öffentlichen Leben, Wirtschaft, Politik usw. ihre Hand vor den Mund halten, eine weitere Aufforderung endlich zu handeln.
Felix geht zwar noch ganz normal zur Schule, reist aber trotzdem in verschiedene Länder um mit Schulen zusammenzuarbeiten, Kinder zu ermutigen oder auch mal auf der UN Vollversammlung zu sprechen und ruft die Verantwortlichen dazu auf endlich mal anzupacken.
  



Mir fehlt hier an manchen Stellen der Verweis darauf, nicht nur Gegenaktionen gegen Missstände zu starten, sondern auch eine konkrete Aufforderung eben diese zu stoppen oder umzugestalten, so das Gegenmaßnahmen gar nicht erst nötig wären. Trotzdem finde ich es faszinierend, mit wie viel Elan, Engagement und Ernsthaftigkeit Kinder sich für etwas einsetzen und den Erwachsenen ihre Fehler aufzeigen. Daran können sich vor allem nicht nur Kinder, sondern so manch anderer Erwachsener ein Beispiel nehmen.


Das Schöne ist: Ein gespendeter Euro ist gleich ein Baum. Zudem kann man auf der Homepage sehen, wo die Bäume gepflanzt werden. Wer auch spenden möchte, der kann das hier tun.



Sonntag, 31. Juli 2011

Jean Ziegler, Männer die die Welt braucht

Beeindruckt hat mich Jean Ziegler zum ersten Mal, als ich gerade vegan wurde. Im Fernsehen lief "We feed the World", meine Mitbewohnerin und ich haben ihn zusammen geschaut und Ziegler sagte, dass es auf der Welt genug Nahrungsmittel für Jedermann gebe, Hungertod sei also Mord, da der Mangel nicht tatsächlich, sondern inszeniert sei. Das Mindeste was man für hungernde Menschen auf diesem Planeten tun könne sei, kein Fleisch mehr zu essen.
Diese Worte habe ich danach immer wieder aus seinem Mund gehört, gelesen und gesehen. Und es gibt auch kaum etwas hinzuzufügen, es ist wahr. Er kritisiert die Machthaber auf "beiden" Seiten, sowie Privatmenschen, genau das ist für mein Empfinden auch richtig. Ja, der Konsument bestimmt den Markt mit, aber die Weltpolitik und gierige Machthaber tragen ihren Teil dazu bei. Genau das wollte er zur Eröffnung der Salzburger Festspiele auch sagen, jedoch wurde er vorher ausgeladen. Grund sei dafür angeblich seine Nähe zu Diktatoren in Afrika, insbesondere zu Gaddafi. Der Grund ist offensichtlich scheinheilig und vorgeschoben, sueddeutesche.de hat seine Rede veröffentlich und da wird doch ganz deutlich, dass er schlicht zu unbequem gewesen wäre. So gab es eine Stelle bei der ich verzückt die Hände klatschte und "hach, ich liebe ihn!"ausrief:

Weil die reichen Geberländer - insbesondere die EU-Staaten, die USA, Kanada und Australien - viele tausend Milliarden Euro und Dollars ihren einheimischen Bank-Halunken bezahlen mussten: zur Wiederbelebung des Interbanken-Kredits zur Rettung der Spekulations-Banditen. Für die humanitäre Soforthilfe (und die reguläre Entwicklungshilfe) blieb und bleibt praktisch kein Geld.
Wegen des Zusammenbruchs der Finanzmärkte sind die Hedgefonds und andere Groß-Spekulanten auf die Agrarrohstoffbörsen (Chicago Commodity Stock Exchange, u. a.) umgestiegen. Mit Termingeschäften, Futures, etc. treiben sie die Grundnahrungsmittelpreise in astronomische Höhen.
Die Tonne Getreide kostet heute auf dem Weltmarkt 270 Euro. Ihr Preis lag im Jahr zuvor genau bei der Hälfte. Reis ist um 110% gestiegen. Mais um 63%.

Und vervollständigt wird das Ganze dann weiter unten im Text mit einer direkten Ansprache:
Viele der Schönen und der Reichen, der Großbankiers und der Konzern-Mogule dieser Welt kommen in Salzburg zusammen. Sie sind die Verursacher und die Herren dieser kannibalischen Weltordnung.

  
Autsch. Das vor versammelter Mannschaft zu sagen, muss man sich auch erst mal trauen. Leider hat man ihm genau dazu - nicht gerade überraschend - die Möglichkeit genommen. Es ist aber auch viel einfacher Solidarität und Mitleid zu heucheln, vielleicht etwas Geld zu sammeln. Es beruhigt so schön das Gewissen, aber wer will schon etwas am Status Quo ändern?


Ich halte es ebenfalls mit Berthold Brecht und sage Wo Unrecht zu recht wird, wird Widerstand zur Pflicht. 


Den gesamten Artikel könnt ihr hier lesen.

Mittwoch, 1. Juni 2011

Tipps für vegane Einsteiger

Im vorherigen Posting haben zwei liebe Kommentatoren mich gebeten, ihnen auch die Link-Liste zu geben, die ich meinen zwei Freundinnen bereits gegeben habe. Eigentlich wollte ich das gestern schon machen, aber da saß ich nach einem fürchertlichen Friseurbesuch im Wohnzimmer auf dem Sofa und habe mich aus Frust mit Schokolade und Chips vollgestopft und mich selbst bemitleidet^^

Übrigens gibt es eine weitere Veganerin :) Vor zwei Tagen erhielt ich bei Facebook eine Nachricht von N., die ich erst zwei oder drei mal gesehen habe. Das letzte Mal vor ca. 1 1/2 Monaten auf der  Babyparty einer gemeinsamen Freundin. Diese hatte extra für N. (die Vegetarierin war) und mich veganes Essen gemacht und dann kam automatisch auch das Gespräch darauf. N. hat mich ein wenig ausgefragt und mir dann in der Nachricht eröffnet, dass sie einen veganen Monat eingelegt habe und jetzt dabei bleiben möchte. Da hat mein Herz mal wieder einen kleinen Sprung getan :)


Ich muss allerdings dazu sagen, dass die Links die ich euch gebe keine großartigen Geheimtipps sind. Ich habe sie alle bei Recherchen selbst gefunden und ich denke, dass ihr bei den meisten auch schon ausgekommen seid. Trotzdem lasse ich natürlich nicht die Gelegenheit aus, vielleicht stolpert ja noch ein unentschlossener und uninformierter Leser darüber...

Das ist jetzt eine recht ausführliche Version, man muss sich nicht alles durchlesen und ansehen um einen einigermaßen guten Überblick zu bekommen, ich wollte die Liste nur so vielfältig wie möglich halten.


Grundsätzliche Informationen
Tierrechte, Welthunger, Umweltprobleme, Gesundheit...
Pro-Vegan 
Nährwerttabelle (pdf)
Positionspapier der ADA beim vebu
Praktikum im Schlachthaus

Schnell-veg (ebenfalls vegane gesellschaft deutschland)
Veganes Probeabo (alle paar Tage eine e-Mail mit hilfreichen Tipps, Fun Facts, Rezepten usw.)


Explizit: B12
Was jeder Veganer über B12 wissen sollte


Verweis auf andere Linkliste:
Ein von mir gern gelesener Blog hat in seiner Seitenleiste eine tolle Liste zu verschiedenen Themen integriert: My Own Vegan Joy


Fantastische Rezepteblogs


Vegane Produkte im Super- oder Biomarkt
Rezeptefuchs (wie der Name schon sagt: auch mit Rezepten)
Einkaufsguide bei peta2 (überhaupt finde ich den Veganguide von peta2 sehr gut)


Vegan Online Einkaufen
Vegan Wonderland


Vegane Kosmetik
vegane Produkte bei dm (ändert sich auch mal, diese Liste ist aber einfach bei dm online oder in den Filialen zu bekommen, da ist dm sehr kundenfreundlich!)
Isegrims Blogs zu veganen dm-Produkten


Doofe Fragen, gute Antworten


Vegan in der Welt unterwegs


Literatur (Abgesehen von den Kochbüchern verweise ich hier ausschließlich auf Bücher, die ich selbst gelesen habe, andernfalls kann ich einfach keine gewissenhafte Empfehlung abgeben.)
Allgemein
Tiere Essen - Jonathan Safran Foer
Anständig Essen - Karen Duve
Landleben - Hilal Sezgin (meine Rezension)
Skinny Bitch - Rory Freedman u. Kim Barnouin (Achtung, hier hat sich der ein oder andere Fehler eingeschlichen, z.B. bei den B12 Quellen, ansonsten aber sehr unterhaltsamer Hau-Drauf-Schreibstil mit vielen Informationen, auch zu Gesundheit und Lebensmittelzusätzen etc.)

Gesundheit
Die China Study - T. Colin Campbell 
Vegane Ernährung - Gill Langley

Tipps für Einsteiger
The Vegan Girl's Guide To Life - Melisser Elliott (meine Rezension)
Vegan! - Marc Pierschel (meine Rezension)


Kochbücher
Einsteiger
Vegan, lecker lecker - Marc Pierschel
Attila Hildmanns Kochbücher
Die Ox-Kochbücher

Backen
Vegan Wondercakes - Kim Wonderland
Vegan Cupcakes take over the World -  Isa Chandra Maskowitz

Sonstige:
Veganomicon - Isa Chandra Maskowitz
Vegan with a Vengeance - Isa Chandra Maskowitz
Vegan und vollwertig genießen - Anette Heimroth
Vegan Soul Kitchen - Bryant Terry (afrikanische Küche)


Filme:
(Ihr könnt euch natürlich Earthlings und Meat your Meat sowie sämtliche auf YouTube existierende Schlachthaus- und Massentierhaltungsfilme ansehen, aber das ist nicht so mein Genre.)

Infos
Easy Vegan über Massentierhaltung, Tierrechte, globale Konsequenzen
Eine Einfache Entscheidung (peta)
Nessi wird vegan (ich glaube, das hat sehr vielen in der Anfangszeit geholfen!)
Vorlesung von Gary Yourofsky (insgesamt fünf Teile)

Dokumentationen
Food Inc über Nahrungsmittelskandale, Lobbyismus und Politik
Trailer: We feed the World über ungleiche Verteilung von Nahrungsmitteln
Trailer: Forks over Knives über Gesundheit, kommt vermutlich nicht in deutsche Kinos
Trailer: Planeat über Gesundheit
Trailer: The Cove/Die Bucht über geheime Delfin-Abschlachtung in Japan
Making the Connection (Verschiede Veganer berichten über ihre Gründe und ihr Leben)

Interviews
The Official Meatrix (lustig, aber gut)


Sonstiges:
Birdie über Nährstoffe
GreenCat über Milch



Obwohl da jetzt schon einiges zusammengekommen ist, beanspruche ich selbstverständliche keine Vollständigkeit. Wer von euch noch weitere Tipps hat darf sie gerne via Kommentar hinzufügen. Wenn da noch etwas noch zusammenkommt, werde ich das Posting auch dementsprechend erweitern.
Ach, bei der Gelegenheit merke ich auch gleich mal an, dass ich seit einiger Zeit unten rechts zwei Listen in die Seitenleiste eingebracht habe: Lieblingspostings auf externen und meinem eigenen Blog. In vielen dieser Postings geht es nicht (nur) um Veganismus, aber wir sind ja hoffentlich alle vielseitig interessiert :)

Und jetzt viel Spaß beim Lesen ;)

Montag, 23. Mai 2011

Wut #3: EHEC

Der Erreger entsteht also im Darm von Tieren. Er ist zu finden im Kot, rohem Fleisch und roher Milch. Hinweise, dass diese Lebensmittel der Grund für die vielen Erkrankungen seien gibt es nicht. Stattdessen sollen wir lieber unser Gemüse gründlich waschen, für den Fall, dass es mit Tierdung gedüngt worden ist. Is klar.

Solche Erreger entstehen auf Grund der unreinen Lebensverhältnisse von Tieren in  Massenhaltung und noch viel wichtiger: auf Grund dessen, das die Tiere Lebensmittel bekommen, für die ihre Mägen nicht gemacht sind. Zum Beispiel Soja, Mais, Tier-/Fischmehl statt Gras, Klee und Gänseblümchen.


Gerne würde ich mich dazu genauer auslassen, aber ich habe einfach zu wenig Zeit und traurigerweise ist das heute nicht das einzige was mich heute wütend gemacht hat, wenn ich mich jetzt ein mal in Rage schreibe, komme ich heute zu gar nichts mehr.

Dienstag, 10. Mai 2011

Twitter, Protokoll und kMii

So ich handle hier mal zack zack drei Themen ab.

1. Etwas Werbung in eigener Sache: Mich gibt es jetzt auch auf Twitter. Ich habe mich lange dagegen gewährt, weil ich die Art von Kommunikation schrecklich finde. Aber als ich letzten Samstag auf einer Demo war habe ich definitiv einige Vorteile kennen gelernt und werde versuchen es als Informationsportal und Platform für Verbreitung veganer Neuigkeiten nutzen. Für die Neugierigen unter euch: Da gibt es sogar ein Foto von mir. ;D

2. Ich hab zwar keine Bilder gemacht, aber ich dachte, irgendwen wird es schon interessieren. Also hier ein Protokoll meiner heutigen Nahrungszufuhr:

Frühstück:
frisch gepresster Saft aus Orange, Grapefruit und Zitrone (mache ich eigentlich jeden Morgen)

Snack in der Uni:
Sojajoghurt mit Mandelmus

Mittagessen:
Spaghetti mit Paprika- und Auberginenragout, dazu Brokkoli (Mensa)

Nachmittags:
ein Valsoja Nuss-Hörnchen
Shake aus Hafermilch, Banane und Ahornsirup

Abendessen:
Dinkel Hafer Crunchy Müsli von Alnatura mit Hafermilch

Über den ganzen Tag verteilt fast 1,5l Leitungswasser

Habe ich jetzt viel gegessen, oder nicht? Hm. Also die Nachmittagssnacks könnte man natürlich weglassen. Selbst gekocht oder ein netter Salat am Mittag ist mir natürlich lieber, aber das mache ich ja auch recht oft. Nüsse sind es heute gar nicht so viele, aber insgesamt zu süß, zu wenig frisches Obst und Gemüse. Eigentlich ist dieses Dokumentieren ganz gut, so reflektiere ich am Abend ganz gut.

3. Was mir noch sehr am Herzen liegt: Zur Zeit läuft von einem meiner Seminare ein Projekt, wir müssen in Gruppen Vereine oder ähnliches begleiten und sie auf ihre Wertevermittlung hin untersuchen. Wir habe uns auf das Netzwerk kein Mensch ist illegal geeinigt, ich komme gerade vom zweiten Plenum und es macht mir so viel Spaß, dass ich überlege dabei zu bleiben, auch wenn das Semester vorbei ist. Ich bin ja eigentlich schon bei Save me, aber da läuft so gut wie gar nichts. kMii ist in vielen Bereich aktiv und vertreten, bei Ausstellungen, Filmvorführungen, Demos, Kongressen usw. und ist nebenbei auch noch beratend für Flüchtlinge und Institutionen tätig. Momentan muss ich da noch passiv bleiben, aber heute war es so schön, dass ich mich schon mehr als einmal gerne eingebracht hätte. Sagen will ich damit eigentlich nix, ich wollte nur gerne auf die Projekte aufmerksam machen.

Da fällt mir etwas ein: Mach doch erst mal was für die Menschen bevor du dich um die Tiere kümmerst.

Freitag, 8. April 2011

Rezension: Empört euch!
















Vor einiger Zeit habe ich am Bahnhof auf einen verspäteten Zug warten müssen. An solchen Tagen bin ich immer froh, wenn die Bücher- und Zeitschriftenshops noch geöffnet haben. Ich habe das Buch Empört Euch! von Stéphane Hessel gekauft, der Titel hat mich einfach neugierig gemacht. Dennoch muss ich sagen, irgendwie hat es mich verwirrt. Was er schreibt ist wahr, richtig und gut. Aber ich verstehe dieses Format nicht. Er geht darauf ein, dass die Welt den Bach hinuntergeht (meine Formulierung) und niemand etwas tut. Er fordert uns auf, ein Thema auszuwählen was uns besonders interessiert und sich dafür zu engagieren. Das begründet er mit seiner eignen Geschichte. Und diese ist so interessant, dass ich mir wünschte, er würde sie ausführlicher erzählen. Ich bin sowieso ein großer Fan von Autobiografien, vielleicht liegt das auch nur daran. Aber in der Form in der ich das Buch in der Hand halte, hätte ich es lieber als (Online-) Artikel gesehen, ich kann mir vorstellen, dass man damit mehr Menschen erreicht hätte. Mit dem Medium Buch hätte ich mir eine umfassendere und präzisere Ausgabe sehr gewünscht. Es macht neugierig und liest sich wie ein Vorwort. So, als hätte er sehr viel zu erzählen.

Trotzdem kann ich das Buch uneingeschränkt empfehlen und die Botschaft ist und bleibt deutlich: Informiert euch! Empört euch! Engagiert euch! 
Irgendjemand muss es ja tun.

Dienstag, 15. März 2011

10.000 Leben

Mit 10.000 Todesopfern wird in Japan gerechnet. Genaue Angaben sind nicht möglich, die Katastrophe ist nicht annähernd überschaubar. Und das sind "nur" die, die gestorben sind. Hinzu kommen noch all die zerstörten Familien und Existenzen, die Verletzten, die Heimatlosen, die, die jetzt einfach gar nichts mehr haben.
Ich fühle mich betroffen und gleichzeitig kommt mir das anmaßend vor. Ich kann mir nicht annähernd vorstellen, wie das Leben der Menschen vor Ort nun weitergehen mag.


Muss eigentlich die halbe Welt in die Luft gehen, bis der verbleibende Rest endlich merkt, dass Atomkraftwerke schlicht und ergreifend nicht tragbar sind? Wie gering die Wahrscheinlichkeit eines Super-Gaus auch sein mag, das worst-case-szenario ist einfach zu schlimm, als dass das Risiko einzugehen auch nur eine Option sein kann. Es geht um ein Grundsatzproblem. Atomkraftwerke gefährden das Wohlergehen des Planeten. Die bisherigen Katastrophen sind mehr als genug, irgendwann muss doch einfach Schluss sein.

Freitag, 11. März 2011

"Bis zur letzten Patrone"



Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll.
Die guten und gebildeten Ausländer, die wollen wir haben. Arbeitskraft ist wichtig für unsere Wirtschaft. Wir brauchen mehr Fortschritt. Die, die auf Hilfe angewiesen sind und sich fremd fühlen, nööö, die lass ich lieber verrecken.
Ich halte es da ja auch gerne mit Hagen Rether "Wenn ihr Kind nach einer Woche immer noch alleine im Kindergarten sitzt und die Kindergärtnerin dann zu Ihnen sagt 'ach, der wollte sich halt nicht integrieren' dann sind sie aber zu Recht wütend auf die Alte." (sinngemäß) Wenn man Menschen von Anfang an klar macht, dass sie nur eine Belastung für die Sozialsysteme seien und eine Last die man eigentlich nicht tragen will, zu der man sich aber irgendwie bis zu einem Mindestmaß verpflichtet fühlt, ja dann macht es doch richtig Spaß sich zu integrieren.

Auf der anderen Seite bin ich wirklich sehr überrascht, dass in den Reihen der CDU/CSU solche Aussagen nicht mit mehr Vorsicht getroffen werden. Die haben im letzten Jahr nun mehr als eine, sagen wir es mal freundlich, "imageschädigende" Aktion hingelegt, da sollte man vielleicht mal etwas nachdenken.

Zum Schluss möchte ich noch Seehofer, Sarrazin und Konsorten danken, dafür dass sie endlich denjenigen eine Stimme geben, die sich denken "Ja endlich sagt's mal einer!" und auch den Leuten, die zu blöd sind sich eigene Gedanken zu machen und sich wunderbar mit populistischen, einfachen Analogien einfangen lassen. (Siehe Youtube-Kommentare. Oder nee, guckt besser nicht.)
Grandios, das nenne ich mal Fortschritt.

Manchmal frage ich mich, hat denn wirklich keiner etwas gelernt? Und benutzt wirklich keiner mehr seinen Verstand?