Also das hier ist vegan und feministisch. Weil sonst alles scheiße ist.
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Montag, 3. Dezember 2012

Über die vegane Weltrettungskackscheiße


Als ich vegan wurde, habe ich mich mit Händen und Füßen gegen dieses Übermensch-Argument gewehrt. Dass alle veganen Menschen sich für etwas Besseres halten. Weil sie die Lebensweise gefunden haben, die den wenigsten Schaden anrichtet, Tiere als lebenswerte Lebewesen respektiert, absolut umweltschonend ist und sie "den Leuten in Afrika" nicht das Getreide wegnehmen. Zum Glück ist mir diese Einstellung persönlich eher selten begegnet. Die veganen Menschen, die ich bis jetzt kennenlernte und die meisten, die zur – ich nenns jetzt mal – Blogging Community gehören, sind da etwas bescheidener. In letzter Zeit sind mir dann aber Leute "begegnet"... da weiß ich, was gemeint ist, wenn unvegane Menschen genervt von vegan lebenden Menschen sind.

Irgendwie scheint sich die Einstellung breit zu machen, dass es alle Probleme der Welt lösen würde, wenn alle Menschen vegan leben würden. Ich werf jetzt mal was total und absolut Oberkrasses in den Raum: Das ist Bullshit! Was mich wütend macht, ist diese Einstellung, diese Überzeugung davon, total kritisch zu sein und dann nicht mal etwas weiter denken zu können als "an die armen Tiere". Hier mal ein paar "Argumente" und Herangehensweisen, die ich unter Veganer_innen sehr problematisch finde.


Hauptsache vegan, ansonsten ist alles egal!

Als der Linksunten-Artikel über Kim Wonderland online ging, hat es beschissene Reaktionen und "Argumente" aus allen möglichen Perspektiven gegeben. Was mich richtig abgefuckt hat, waren all die "Hauptsache vegan, der Rest ist doch egal!" - Kommentare. Oder auch "Seid wann ist es verboten, mit Nazis befreundet zu sein, sind doch auch nur Menschen?!" Oder weiter "Das ist doch ihre Privatsache, das geht uns gar nichts an!" Ich meine, hackts?! Geht's noch unkritischer? Noch ätzender? Noch rechtsoffener? Komplett unabhängig davon, ob was dran ist oder nicht, was geht denn in den Köpfen von Leuten vor, die so eine Scheiße von sich geben? Natürlich ist es NICHT okay! Mit Menschen, die einer menschenverachtenden Ideologie angehören, ist man "nicht einfach nur so" befreundet. Es ist auch nicht alles egal, so lange man vegan lebt. Veganismus ist ein winzigkleiner Teil vom Großen Ganzen. Wie kann Veganismus irgendwas erreichen, wenn mit Nazis abgehangen wird? Dadurch wird die Welt nicht besser. Sie wird dadurch schlechter.

Wie können Menschen sagen, dass sie "sogar auch" an die Tiere denken, nicht nur wie viele Menchen, die nur an Menschen denken, weil sie vielleicht sie anfaschistisch oder was auch immer sind. Ganz ehrlich, in der veganen "Szene" gibt es ziemlich wenig Leute, die sich neben Veganismus auch noch mit anderen Dingen beschäftigen. Es muss natürlich nicht jede_r alles wissen/machen/lesen, aber man kann ja wohl erwarten, dass man sich dann zumindets zurückhält, wenn man sich (noch) nicht mit dem entsprechenden Thema auseinandergesetzt hat. Wir sagen alle, wir sind gegen Diskriminierung jeglicher Art, aber wenn ein rassistischer/sexistischer/homophober Witz gemacht wird, heißt es ganz schnell "das ist aber nicht so gemeint" oder "ich finde ja nicht, dass das diskriminierend ist." Meine Reaktion darauf ist ungefähr die selbe, als wenn sich irgendein Heini als Alleswisser_in aufspielt und darüber referiert wie sehr er_sie Tiere liebhat, während er_sie in sein_ihr Steak beißt. Es ist ein Widerspruch. 

Unsere Gesellschaft ist von diskriminierenden Strukturen durchzogen. Diese zu verstehen, ist nicht immer leicht und manchmal will man sie auch nicht wahrhaben. Frag doch mal das Tier, das gegessen wird – Frag doch mal den Menschen, der diskriminiert wird. Klingelt da was? Wir sollte nicht so tun, als gäbe es sonst keine Probleme auf der Welt. Und vor allem sollten wir aus den Fehlern derjenigen lernen, die reden, ohne Ahnung vom Thema zu haben. Immerhin wissen doch die meisten wie das ist und es nervt uns alle ungemein.


Ich bin viel veganer als du und du machst XYZ, das ist voll unvegan!

Ich beobachte, dass Veganer_innen quasi unter Selbstgeißelung Veggie-Monopoly spielen und jede_r so schnell und direkt wie möglich ins Ziel kommen möchte. Da gibt es teilweise Wettstreits sondergleichen und wer auf der Strecke bleibt, der_die war nur nicht stark genug. Vegan sein bedeutet per Definition alle Produkte abzulehnen, für die Tiere leiden mussten. Menschen sind auch nur Tiere, also müssten alle Veganer_innen auch komplett Fair Trade leben. Und am besten auch regional, saisonal und bio. Weil dadurch dem Planeten und somit auch Menschen und anderen Tieren am wenigsten angetan wird. Aber mal ehrlich – bis wohin geht das Spiel? Kann da überhaupt jemand gewinnen? Im veganen Monopoly wurde ich mit Sicherheit schon sehr oft zurück auf Start geschickt, wenn ich nicht schon längst im Gefängnis gelandet bin. Bin ich dafür selbst verantwortlich? Ja, zum Teil. Zum Teil aber auch nicht. 

Ich weiß nicht, wie häufig schon der Satz "Wir leben alle in einer unveganen Welt" heruntergebetet wurde. Aber er stimmt. Veganismus ist kein allheilbringendes Lebensprizip, welches ich konsequent und ohne Rücksicht auf Verluste verfolge. Es ist auch nicht möglich. Wie häufg wurde schon ausdiskutiert, was man dann alles nicht mehr machen dürfte. Straßenbahnfahren, Autofahren, ins Kino gehen, keine Ausnahme für die Oma vom Freund machen, wenn die sich Mühe mit einer Alternative gemacht hat, aber trotzdem etwas Butter zu den Kartoffeln gegeben hat, die Handcreme der Freundin nicht benutzen, obwohl die Haut rissig und trocken ist und so weiter. 
Hinzukommt, dass Fair Trade Klamotten verdammt noch mal beschissen teuer sind.  Unabhäging davon, dass sie gerechtfertigterweise teuer sind und einen realistischen "fairen" Preis haben, ist einfach zu sagen "Kauf halt einen statt zwei" blanker Hohn in den Ohren derjeniger, die kaum Kohle haben um zu überleben. Es ist auch blanker Hohn in de Ohren derjenigen, die sich nicht nur am superveganen Maß messen (wollen), sondern sich auch an anderen Erwartungen und Maßen messen, wie zum Beispiel Schönheitsidealen.
Second Hand, Kleiderkreisel und ebay, das ist alles toll und sinnvoll, aber auch das kostet zeitliche Ressourcen, die nicht allen Menschen gleichermaßen zur Verfügung stehen. Mal ganz abgesehen davon, dass ich in meiner Superkorrektheit vielleicht Menschen günstige Kleidung wegschnappe, die sie wirklich benötigen. Das ist ein Gedanke, der mir zutiefst widerstrebt.
Das alles als "die strengen sich nur nicht genug an" darzustellen, ignoriert tatsächliche Verhältnisse und Lebensrealitäten und führt dazu, dass Veganismus nur der kleinen, arroganten Bildungselite offen steht, die sich anmaßt, über alles und jede_n zu urteilen.


Vegan leben, weil woanders Menschen an Hunger sterben

Was mich fast am meisten ankotzt ist diese ewige Analogie, man würde "Menschen in Afrika" das Getreide wegnehmen und wenn wir alle vegan werden würden, dann müsste niemand mehr hungern. Schon klar, es gibt die Fälle, in denen Ländern Getreide abgekauft wurde, obwohl Dürren bevorstanden. Aber es ist nicht ganz so einfach. Viele haben sicherlich den Film "We feed the World" gesehen. Dort sagt Jean Ziegler (selbst Vegetarier, so weit ich weiß aus humanistischen Gründen, übrigens hat er sehr lesenwerte Bücher über Armut und Hunger geschrieben) etwas entscheidendes: "Der World Food Report besagt, dass die Weltlandwirtschaft, so wie sie heute ist, ohne Probleme 12 Milliarden Menschen ernähren könnte."(klick) Zur Zeit leben laut Wikipedia etwa 7,01 Miliarden Menschen auf der Erde. (klick) Wir haben kein Mengenproblem. Wir haben ein Verteilungsproblem. Es werden Staaten, Menschen ausgebeutet. Es gibt genug Essen für jeden Menschen auf dieser Welt. Sogar für viel mehr Menschen auf der Welt. Das ist eines der Erben der Kolonialgeschichte. Mit Bildern wie "wir müssen den Armen helfen" werden wieder rassistische Strukturen reproduziert. "Wir" müssten eigentlich überhaupt nicht helfen. Wir müssten mit der Ausbeutung aufhören, Reparationen zahlen und Verantwortung übernehmen. 

Natürlich, die Landwirtschaft ist am Arsch. Regenwälder werden zerstört, meist für Tierfutter, aufgekauftes Getreide ist meist Tierfutter, Mais in den Staaten ist meist Tierfutter. Die Meere sind bald leer gefischt, der Planet ist voller Müll, die Böden voller Gifte. Um genug Lebensmittel und andereüberlebensnotwendige aber aucn unwichtige Dinge für 12 Milliarden Menschen zu erwirtschaften musste bereits einiges massiv zerstört werden. Nichts desto trotz. Wenn alle Menschen in Europa, den Staaten und so weiter vegan werden würden, wäre imperiale und kolonialgeschichtlich verankerte Ausbeutung nicht zu Ende. Kolonial- und Kapitalismuskritik sind entscheidende Ansätze, um diese Strukturen zu erklären. Beides ist auch durchaus miteinander verwoben und besonders im Zusammenhang mit dem veganen Welthungrrettungsargument ein eigens Posting wert. Heute bleibe ich aber mal bei einfachen Sätzen: Reichtum braucht Armut. Wer reich sein will, muss andere unten halten. Stichworte wären zum Beispiel: Regierungen, (Groß)Konzerne, Lobbys. Ihre Werkzeuge sind unter anderem Institutionen wie die Weltbank oder der Internationale Währungsfond. Die Güter aus armen Ländern sollen wettbewerbsfähig auf den Weltmarkt geworfen werden, IWF und Weltbank verteilen dazu ganz großmütig und absolut selbstlos Kredite zu horrenden und repressiven (finanziellen) Bedingungen. Länder wie Brasilien, welches einst den höchsten, jemals gewährten Kredit bekommen hat, zahlen sich dumm und dämlich, nur um die Zinsen solcher Kredite zu tilgen. Da bleibt wenig bis nichts mehr übrig für den Ausbau der Infrastruktur, Bildung für alle, Investitionen in einen Sozialstaat oder Reformen für die Landwirtschaft. Diese Kredite dienen hauptsächlich dazu, die Vormachtstellung eh schon reicher Länder beizubehalten und führen eh schon arme Länder in die ewige Abhängigkeit.


Ganz kurz, falls es eine vergessen hat: Wer vegan lebt wird dünn, gesund und schön!

Diese Attribute da oben scheinen ja irgendwie synonym benutzt zu werden, was mich schon sehr ärgert. Im Fatshaming-Artikel habe ich ja bereits auf die Vielfalt menschlicher Körper hingewiesen. Außerdem bitte ich euch alle, schaut euch doch mal um. Die Veganer_innen, die ich kenne, sehen genau so aus, wie die unveganen Menschen, die ich kenne. Es gibt dicke und dünne, große und kleine, blasse und gebräunte, welche mit Cellulite und ohne, mit Pinkeln und ohne, mit seidenglänzendem Haar und mit trockener Strubbelmähne, gesunde und kranke. Das könnte ich eeeeewig so weiterführen. Und alles davon ist okay! Die vegane Community ist unterliegt denselben Schönheitsidealen, wie der Rest der Gesellschaft. Sich davon zu befreien, das wäre mir echt viel wert.


Weg von der individualistischen Perspektive, hin zu mehr allgemeiner und emanzipatorischer Herrschaftskritik!

Zu Beginn habe ich es mir wirklich sehr schwer gemacht. Ich dachte, Veganismus sei ein Boykott, und ich könne so die Nachfrage regulieren (natürlich nicht alleine, sondern in der Masse). Heute muss ich ein bisschen darüber schmunzeln. Es ist viel größer. Die Nachfrage alleine regelt nicht das Angebot und Veganismus alleine rettet nicht die Welt. Menschen beuten Natur, Tiere und andere Menschen aus. Das hat System und sehr tiefe historische Wurzeln, die sämtliche globalen und wirtschaftlichen Beziehungen durchflechten. Diese Wurzeln lassen sich nicht durch eine andere, nettere Konsumform ausreißen. Damit kann man man nicht mal die Schäden beheben, die dadurch der Oberfläche entstehen.

Ich habe versucht in allem korrekt zu sein. Mehr Fair Trade kaufen, nur bio Gemüse und so weiter. Gerade ändern sich etwas meine (finanziellen) Lebensumstände und mit Blick in meine Zukunft muss ich sagen, diese Einstellung ist sehr arrogant. Wer kann das denn bitteschön? Wenn ich von allen Menschen erwarte möglichst nah an die 100 % Perfektion zu kommen, machen wir uns allen nur selbst das Leben schwer. Und wir erreichen gar nichts. Wir erreichen auch nicht die Menschen, die von den Strukturen so vernachlässigt und unterdrückt sind, dass sie weder zeitliche noch finanzielle Ressourcen haben, um in diesem Spiel die Turmstraße kaufen zu können, gechweige denn die Schlossallee.

Ich will eine politische Bewegung. Eine, die zwar selbstkritisch ist, aber versteht, dass nicht Einzelpersonen die Gestalt der Welt mit Konsumentscheidungen verändern  können. Es ist toll, wenn Menschen Verantwortung übernehmen, in ihrem Leben für irgendwas einstehen oder zurücktreten. Und ich wünsche mir auch, dass das alle Menschen tun würden, die es können. Das löst aber diese Probleme nicht. Es ist eine beschissene Unverschämtheit und eine verdammte Ungerechtigkeit, dass es solche ausbeuterischen Strukturen gibt. Dass wir in Verhältnissen leben, die es so schwer macht, gute Entscheidungen zu treffen. Ich will, dass diese Entscheidungen für alle Menschen zugänglich gemacht werden, nein, ich will, dass ich mich überhaupt gar nicht erst zwischen "gut" und "schlecht" entscheiden muss. Dieser unkritische, selbstreferenzielle Wohlfühlveganismus ist so ein Lifestyle für Superpriviligierte, die  sich gegenseitig für ihre kleinen ökologischen Fußabdrücke auf die Schulter klopfen. Da hab ich keinen Bock drauf und da mach ich auch nicht mit.


EDIT am 12.12.2012: Ich möchte euch zum Weiterlesen diesen Blogeintrag von zapperlott ans Herz legen. Auszug: 
  Was übrig bleibt ist die rein private Suche nach dem moralisch korrektem Konsum, um das Gewissen zu beruhigen. Bereits das ist eine folgenreiche Verblendung, die in der Konsequenz zu der besagten »veganen Weltrettungskackscheiße« führt.

Samstag, 14. Januar 2012

Statt Jahresrückblick: Bloggerfreundschaften (Achtung: Kitschgefahr!)

Im Dezember habe ich überlegt, ob ich auch so eine Art persönlichen und veganen Jahresrückblick machen soll. Aber irgendwie hatte ich nicht so recht Lust darauf und schon gar nicht die nötige Ruhe und Geduld. Heute morgen allerdings ist etwas passiert, was mich dazu gebracht hat mal über das tollste an meinem "Bloggerjahr 2011" nachzudenken: Die Menschen, die ich so kennengelernt habe.

Kennt ihr das Gefühl, wenn ihr überraschend persönliche Briefe oder Packete bekommt, mit denen jemand einem einfach nur eine Freude machen wollte? Ich mache das gerne mit Gebäck und meistsens nur zu Geburtstagen, aber heute habe ich mein erstes, eigenes Überraschungspacket bekommen und weiß jetzt auch selbst genau, wie sehr man sich darüber freut. Maria hat mir via Post ein Buch ausgeliehen. Wir haben keine Angst von Nina Pauer. Sozusagen das Schwesternbuch von heult doch, welches ich ja hier rezensiert habe. Außerdem dabei: leckerer Tee und eine liebe Karte. Für heute hat das meinen Tag auf jeden Fall gerettet und ich freue mich schon darauf, dass Maria und ich uns irgendwann mal persönlich kennenlernen! Zum Kölner Marathon letztes Jahr hat es leider nicht geklappt.




















Dass es klappen kann, zeigen die Menschen, die ich persönlich kennengelernt habe. Zombiekatze und ich waren gemeinsam auf dem Veggie Street Day in Dortmund und seitdem treffen wir uns mehr oder weniger regelmäßig um zu kochen, backen, quatschen und manchmal auch um essen zu gehen. Ein mal waren wir sogar auf einem Minikonzert von Nessi. Ich glaube, eigentlich war das nur ein privater Geburtstag, außer uns kannten sich da nämlich alle gegenseitig, aber egal^^ 
Vor zwei Jahren hätte ich noch gesagt, dass es kindisch ist, sich mit Leuten aus dem Internet zu treffen, wofür hat man denn echte Freunde? Zum Glück hab eich mich eines besseren belehren lassen, im Internet kann man nämlich auch echte Freunde treffen, wer hätte das gedacht ;)
Auf dem VSD habe ich dann außerdem auch noch Kathi kennengelernt, die auch bei Blanc et Noir und bei Veganes Nom schreibt. Dann haben sich Zombiekatze und Frau Springsfield durch Zufall in einem Biomarkt kennengelernt und festgestellt, dass beide vegan sind und auch darüber bloggen, also ist sie jetzt auch öfter mal dabei, wenn wir uns treffen (und eins sag ich euch, die hat die besten Koch- und Backtipps auf Lager! :) ) Zusammen mit unseren Freunden, Freundinnen und Schwestern ergibt das schon eine ganz ansehliche Gruppe, die mein Leben insgesamt echt bereichert hat!


















Als erste habe ich jedoch Saskia kennengelernt. Leider liegt zwischen uns eine etwas weitere Entfernung als die Rheinbrücke, also ist es bisher auch nur bei einem Mal geblieben, aber da geht auch noch was! ;) Während ich schreibe frage ich mich gerade, warum wir eigentlich kein Foto gemacht haben? Ich glaube wir waren zu sehr mit Essen und Reden beschäftigt. Wenn man sich aus dem Netz kennt und dann persönlich trifft, dann ist man ja immer in der komischen Situation verhältnismäßig viel über die andere zu wissen, sie aber trotzdem ja gar nicht richtig zu kennen. Jetzt ist das etwas anders, wenn ich jetzt etwas von ihr lese, habe ich das Gefühl, ich weiß viel besser welcher Mensch dahinter steckt und das finde ich unheimlich toll. Ich hoffe, ich habe bald mal wieder die Zeit in Halle vorbeizuschauen.

Am Ende des Jahres habe ich dann Hannah von Hamburg ist vegan und ihren Freund Milano kennengelernt, mit dem ich ja zusammen Köln ist vegan ins Leben gerufen habe. Das war im Grunde sogar noch komischer, weil HIV ja kein persönliches Blog ist, also dementsprechend wenig von Hanna verrät und weil ich von Milano ja nun wirklich überhaupt nichts wusste, außer dass es ihn gibt^^ Das hat sich jetzt natürlich geändert, wir treffen uns hier und da um essen zu gehen und führen großartige, gerne auch sarkastische Unterhaltungen über Gott und die Welt.

Etwas anders war das übrigens bei Laura: die kannte ich schon vorher, aber durch das Bloggen haben wir wieder mehr Kontakt. Ich freu mich schon auf ein Wiedersehen "in Echt".

So, 2012. Ich bin da (naja, so richtig eigentlich erst im Februar, wenn die Prüfungen vorbei sind) und ich freue mich schon!

Mittwoch, 28. Dezember 2011

Buchbesprechung: heult doch

Das Buch war für mich ein einziger Widerspruch. Irritierenderweise weiß ich selbst nicht, ob das jetzt positiv oder negativ gemeint ist. Selten habe ich es erlebt, dass ein Buch zum Ende hin immer besser wurde. Wie häufig habe ich während des Lesens kritisch eine Augenbraue hochgezogen, kurz innegahelten um nachzudenken, laut widersprochen, mich gefragt, woher die das jetzt bitte hat, lachend Zustimmung erteilt, mich erleichtert und bestätigt gefühlt. Letzteres trifft vor allem auf den Teil "Traurige Streber" zu, in dem Meredith Haaf erläutert, wie sich ein Streitgespräch mit Freunden und Familie anfühlt. Enttäuschend auf der einen Seite, wenn nahestehende Personen einen so anderen Standpunkt haben und berauschend auf der anderen Seite, beflügelt von einem intellektuellen Austausch (vorausgesetzt, die Diskussion findet unter Umständen statt, die ohne Polemik, Hohn und Überheblichkeit auskommt). An eben dieser Stelle hatte ich das Bedürfnis laut "Verdammte Scheiße, aber JA!" zu rufen. Wie oft habe ich mich, schätzungsweise seitdem ich 13 Jahre alt bin gewundert, warum außer mir bestimmte Dinge sonst niemand beschissen findet. Warum alle mit den Achseln zucken. Wer hat noch nie "Naja, das ist eben so." gehört? Das macht mich wütend. Gleichzeitig hatte/habe ich fortwährend die Hoffnung, dass alle Beteiligten durch das Gespräch vielleicht doch etwas nachdenklich geworden sind und etwas voneinandergelernt haben.
Zustimmung gebe ich auch für mehr Ablehung. An Hand des Facebook-"I like"-Buttons erläutert Meredith Haaf, was sie an dieser kritiklosen Haltung stört, die sich überall breit macht. Im Endeffekt ist es das gleiche wie oben: "Warum sagt keiner was und wieso soll man sich alles gefallen lassen?!" Aus Flexibilität wird Angepasstheit und Duckmäusertum. Wieso? Weil man es sich nicht (mehr) anders erlauben kann.
Außerdem kommen Veganer und Vegetarier ganz gut weg. Ich weiß nicht, ob sie sich selbst dazu zählt, wäre natürlich umso toller. Aber immerhin schreibt sie zum Beispiel, dass es in unserer Generation keine große Gegenkultur gibt, außer vielleicht in der queeren, veganen oder linksautonomen Szene. Nur seien die eben nicht besonders groß, beziehungsweise präsent.

Was mich stört an diesem Buch ist die Zielgruppe. Wer ist das überhaupt? Wer ist diese "meine Generation"? Am Anfang geht Haaf kurz darauf ein, wobei die Betonung hier auf kurz liegt und mich mehr irritiert hat als dass sie mir ein Grundverständnis vermittelt hätte. Ihre Generation sind die Leute, welche heute zwischen 20 und 30 Jahre alt sind. So grob. In den Achtzigern geboren. Wahlweise auch mit Attributen spezifizierbar. Generation Praktikum, Porno, Konsum, Online. Bei genauerem Lesen entpuppt sich das jedoch als ein viel zu weiter Begriff. Sie selbst benutzt wörtlich Begriffe wie "priviligiertes Bildungsbürgertum" und damit ist die thematisierte Gruppe wohl treffender beschrieben. Genauer gesagt mit "ambitionierte studierende Mitzwanziger Nachkommen des priviligierten Bildungsbürgertums". 
Ich kenne ehrlich gesagt Menschen, die viele der angesprochenen Themen tatsächlich für Luxusprobleme halten, weil sie wirklich noch Existenzängste haben, anstatt sich irgendwie unsicher zu fühlen. Oder, sie den ganzen "Quatsch", über den hier gesprochen wird nicht ein mal annähernd wahrnehmen, weil es schlicht kein Teil ihres Lebens ist. Ich habe viel Kontakt mit Menschen dieser Generation, die mit Uni und all dem Kram so rein gar nichts zu tun haben und deren Probleme auch völlig andere sind. Sind die jetzt auch mitgemeint oder nicht?
Was ich damit sagen will ist, dass die Nachkommen des priviligierten Bildungsbürgertums, die angepassten Streber, die Studenten, die alles für ihre Vita tun, statt ihrem Interesse zu folgen, meiner Meinung nach ein sehr kleiner Teil unserer Bevölkerung ist. Ich selbst entspreche noch so gerade eben dem, was sie als ihre Generation bezeichnet, ich selbst bewege mich zum Teil auch in studentischen Kreisen und auch dort finde ich ihre Beschreibungen auf längt nicht alle zutreffend. 
Streckenweise empfinde ich die Kapitel eher als aneinanderreihung von Thesen, die ich gerne belegt/bewiesen/bebildert hätte. So habe ich mir stattdessen häufig gedacht "Nö, das seh ich nicht so und wie kommt die eigentlich darauf?!" Wieso zum Beispiel behauptet sie, dass "kein Mensch heute Teil einer Jugendbewegung sein möchte"? Sicher trifft das auf viele zu, ich kenne jedoch haufenweise Menschen und zwar ganz besonders junge Menschen, die sich selbstverständlich als Teil einer Jugendbewegung verstehen.

Und trotz allem: Ihre Analysen über Kommunikation, Geschlechtergleicheit, Generationenprobleme usw. bleiben meist spannend und stellenweise lustig, wenngleich nicht so bissig, wie der Titel vermuten lässt, aber immerhin sind sie mit anschaulichen Anekdoten gespickt. Pointiert beschreibt sie auch die "großen" Probleme unsere Zeit und was sie mit dieser bestimmtem Generation zu tun haben. Grundsätzlich fühle ich mich recht gut verstanden und teile viele Unsicherheiten dieser Generation. Bin ich eigentlich gut in dem was ich tue? Und wer hat überhaupt das Recht und die Kompetenz das zu beurteilen und welchen Maßstäbe werden angelegt? Bin ich eigentlich faul oder sind meine Möglichkeiten einfach nur beschissen? Vermutlich bin ich eh selbst Schuld, weil ich so perspektivlose Fächer gewählt habe. Ein Königsweg und beruhigende Antworten sind selbstverständlich zu viel verlangt. Wäre ja auch zu einfach.
Zwischendurch frage ich mich allerdings, wen oder was sie denn nun genau anprangert: das "System", welches uns zu dem macht, was sie beschreibt, oder uns Hänger, die dieses Spiel aus Feigheit und Faulheit mitspielen? Wohl eher beides.
Auch wenn ich nicht immer zustimme, so bewegen diese Analysen dennoch etwas in mir. Da fühle ich mich fast ertappt, könnte das die heimliche Intention der Autorin sein? Ist heult doch vielleicht doch ein Appell und keine Zustandsbeschreibung?



Übrigens, Haaf hat auch vor einiger Zeit einen Artikel über den Vegetariergipfel in Berlin, mit Jonathan Safran Foer und Karen Duve geschrieben: Klick.


Meredith Haaf
heult doch
Über eine Generation und ihre Luxusprobleme
8,95 €
Piper Verlag

klick

Freitag, 21. Oktober 2011

(Neue) Literatur: Veganismus, Tierrechte, Ernährung


Seit knapp einem Jahre befasse ich mich nun mit Themen Vegetarismus, Veganismus, Tierrechte, Öko-Ethik und so weiter. In der Zeit ist das ein oder andere Buch zum Thema in mein Bücherregal gewandert, die meisten davon habe ich auch gelesen, ein paar wiederum nicht. Was jedoch viel größer ist, als mein veganer Buchstapel zu Hause ist meine virtuelle Wunschliste. Neben Klassikern wie Singer und Kaplan hat sich in den letzten Monaten so einige Neuerscheinungen und bald erscheinende Titel angesammelt, von denen ich vermute, sie sobald nicht alle lesen werden zu können Ausgenommen die wundervollen neuen Kochbücher, aber auch da werde ich es zumindest nicht schaffen, alles daraus zu kochen. Ich stelle euch mal meine Liste hier zusammen, übernehme jedoch keine Gewähr für den Inhalt der Bücher. Aber ich bemühe mich darum, die gelesenen Bücher, ob aktuell oder nicht, zu rezensieren.

Klickt einfach aufs Bild, der führt euch in den Shop von buecher.de und dort gibt es weiterführende Rezensionen etc.



Ethik/Politik:

Green is the new red von Will Potter, ca. 13 €
Über so genannten Öko- oder Tierrechtsterrorismus und wie Politiker damit umgehen.










Wir haben es satt! von Iris Radisch und Eberhard Rathgeb, ca. 20€
Warum Tiere keine Lebensmittel sind, Plädoyer für Mitgefühl, Vernunft und Fleisch-Boykott















Human-Animal Studies, herausgegeben vom Chimaira Arbeitskreis für Human-Animal Studies, ca. 25 €
Gesellschaftliche Kultur von Mensch-Tier-Verhältnissen













Why we love Dogs, eat pigs and wear cows von Melanie Joy, ca. 13 €
Ideologies des Fleischessers als Karnismus, und andere Glaubenssysteme, die hinter unseren gesellschaftlichen Konventionen bezüglich des Umgangs mit Tieren stecken










Gesundheit/Ernährung:

Die Ernährungslüge von Hans-Ulrich Grimm, ca. 10 €
Kritische Auseinandersetzung mit der Lebensmittelindustrie














Peace Food von Rüdiger Dahlke, ca. 20€
Warum Milch und Fleisch ungesund sind. Mit etwas esoterischem Kapitel über die Kraft der Sonne, mit Rezepten

















Koch- und Backbücher:

vegan kochen für alle von Björn Moschinski, ca 18€






Vegan for Fun von Attila Hildmann, ca. 25€















vegan kochen: einfach, gesund und laktosefrei von Kristina Unterweger, ca. 6€

















24 Rezepte zur kulinarischen Weltverbesserung von Wam Kat, ca. 25€
Rezepte für VoKüs, Demonstrationen und großen Gruppen















Vegan Guerilla, Die Revolution beginnt in der Küche von Sarah Kaufmann, ca. 18€
Das Buch zum Blog Vegan Guerilla!








Vegan Pie in the Sky von Isa Chandra Moskowitz und Terry Hope Romero, ca. 13€












Ergänzungen jeder Art sind sehr willkommen!

Donnerstag, 14. Juli 2011

Tierrechte in meinem Bücherregal




















Heute Morgen habe ich im Vorbeigehen an der VUB im Fenster diese zwei Bücher gesehen. Animal Minds & Human Morals von Richard Sorabji und The Case for Animal Rights von Tom Regan. Zwei Bücher über Rechte und Ethik gegenüber Tieren. Ich habe sie mir kurz angesehen und ehrlich gesagt ziemlich spontan beide gekauft. Eigentlich nicht so toll, denn zusammen haben die Bücher 44€ gekostet, was ich so oder so unverschämt viel finde und zudem versuche ich gerade für einen Urlaub und gezwungenermaßen für einen neuen Laptop zu sparen. 
ABER Ethik ist meine liebste Disziplin in der Philosophie und deswegen wundert es mich selbst, dass ich mich noch nicht ansatzweise differenziert mit Tierethik auseinandergesetzt habe. Hinzu kommt, dass ich in der Moderne noch nicht besonders weit gekommen bin, ich habe erst ein Seminar belegt, dass zeitlich gesehen nach Kant kommt. Das schöne ist, dass beide Bücher die Ideen vieler großer Denker miteinbeziehen und gehen dabei von Aristoteles über Descartes, Kant, Bentham... Da das Semester bald beendet ist (was leider nicht bedeutet, dass ich frei habe...) habe ich mir die zwei Bücher mitgenommen, in der Hoffnung, dass ich alleine durchkomme. Bei englischsprachiger Literatur fällt mir das manchmal etwas schwer, denn all die Fremdwörter sollten möglichst genau übersetzt werden, Philosophen müssen ja irgendwie dem Ruf der Laberei etwas entgegensetzen. Und dieses Auseinanderklamüsern finde ich manchmal ganz schön zäh. Aber mal sehen, ich würde das Thema eigentlich gerne in die irgendwann mal anstehen Prüfungen mit einbeziehen, da an der Uni aber wenig dazu angeboten wird, bin ich wohl auf mich selbst angewiesen. Ich bin vor allem gespannt darauf, worin sie sich unterscheiden werden.

Wie dem auch sei, wenn es so weit ist, werde ich euch ein bisschen darüber erzählen.

Mittwoch, 1. Juni 2011

Tipps für vegane Einsteiger

Im vorherigen Posting haben zwei liebe Kommentatoren mich gebeten, ihnen auch die Link-Liste zu geben, die ich meinen zwei Freundinnen bereits gegeben habe. Eigentlich wollte ich das gestern schon machen, aber da saß ich nach einem fürchertlichen Friseurbesuch im Wohnzimmer auf dem Sofa und habe mich aus Frust mit Schokolade und Chips vollgestopft und mich selbst bemitleidet^^

Übrigens gibt es eine weitere Veganerin :) Vor zwei Tagen erhielt ich bei Facebook eine Nachricht von N., die ich erst zwei oder drei mal gesehen habe. Das letzte Mal vor ca. 1 1/2 Monaten auf der  Babyparty einer gemeinsamen Freundin. Diese hatte extra für N. (die Vegetarierin war) und mich veganes Essen gemacht und dann kam automatisch auch das Gespräch darauf. N. hat mich ein wenig ausgefragt und mir dann in der Nachricht eröffnet, dass sie einen veganen Monat eingelegt habe und jetzt dabei bleiben möchte. Da hat mein Herz mal wieder einen kleinen Sprung getan :)


Ich muss allerdings dazu sagen, dass die Links die ich euch gebe keine großartigen Geheimtipps sind. Ich habe sie alle bei Recherchen selbst gefunden und ich denke, dass ihr bei den meisten auch schon ausgekommen seid. Trotzdem lasse ich natürlich nicht die Gelegenheit aus, vielleicht stolpert ja noch ein unentschlossener und uninformierter Leser darüber...

Das ist jetzt eine recht ausführliche Version, man muss sich nicht alles durchlesen und ansehen um einen einigermaßen guten Überblick zu bekommen, ich wollte die Liste nur so vielfältig wie möglich halten.


Grundsätzliche Informationen
Tierrechte, Welthunger, Umweltprobleme, Gesundheit...
Pro-Vegan 
Nährwerttabelle (pdf)
Positionspapier der ADA beim vebu
Praktikum im Schlachthaus

Schnell-veg (ebenfalls vegane gesellschaft deutschland)
Veganes Probeabo (alle paar Tage eine e-Mail mit hilfreichen Tipps, Fun Facts, Rezepten usw.)


Explizit: B12
Was jeder Veganer über B12 wissen sollte


Verweis auf andere Linkliste:
Ein von mir gern gelesener Blog hat in seiner Seitenleiste eine tolle Liste zu verschiedenen Themen integriert: My Own Vegan Joy


Fantastische Rezepteblogs


Vegane Produkte im Super- oder Biomarkt
Rezeptefuchs (wie der Name schon sagt: auch mit Rezepten)
Einkaufsguide bei peta2 (überhaupt finde ich den Veganguide von peta2 sehr gut)


Vegan Online Einkaufen
Vegan Wonderland


Vegane Kosmetik
vegane Produkte bei dm (ändert sich auch mal, diese Liste ist aber einfach bei dm online oder in den Filialen zu bekommen, da ist dm sehr kundenfreundlich!)
Isegrims Blogs zu veganen dm-Produkten


Doofe Fragen, gute Antworten


Vegan in der Welt unterwegs


Literatur (Abgesehen von den Kochbüchern verweise ich hier ausschließlich auf Bücher, die ich selbst gelesen habe, andernfalls kann ich einfach keine gewissenhafte Empfehlung abgeben.)
Allgemein
Tiere Essen - Jonathan Safran Foer
Anständig Essen - Karen Duve
Landleben - Hilal Sezgin (meine Rezension)
Skinny Bitch - Rory Freedman u. Kim Barnouin (Achtung, hier hat sich der ein oder andere Fehler eingeschlichen, z.B. bei den B12 Quellen, ansonsten aber sehr unterhaltsamer Hau-Drauf-Schreibstil mit vielen Informationen, auch zu Gesundheit und Lebensmittelzusätzen etc.)

Gesundheit
Die China Study - T. Colin Campbell 
Vegane Ernährung - Gill Langley

Tipps für Einsteiger
The Vegan Girl's Guide To Life - Melisser Elliott (meine Rezension)
Vegan! - Marc Pierschel (meine Rezension)


Kochbücher
Einsteiger
Vegan, lecker lecker - Marc Pierschel
Attila Hildmanns Kochbücher
Die Ox-Kochbücher

Backen
Vegan Wondercakes - Kim Wonderland
Vegan Cupcakes take over the World -  Isa Chandra Maskowitz

Sonstige:
Veganomicon - Isa Chandra Maskowitz
Vegan with a Vengeance - Isa Chandra Maskowitz
Vegan und vollwertig genießen - Anette Heimroth
Vegan Soul Kitchen - Bryant Terry (afrikanische Küche)


Filme:
(Ihr könnt euch natürlich Earthlings und Meat your Meat sowie sämtliche auf YouTube existierende Schlachthaus- und Massentierhaltungsfilme ansehen, aber das ist nicht so mein Genre.)

Infos
Easy Vegan über Massentierhaltung, Tierrechte, globale Konsequenzen
Eine Einfache Entscheidung (peta)
Nessi wird vegan (ich glaube, das hat sehr vielen in der Anfangszeit geholfen!)
Vorlesung von Gary Yourofsky (insgesamt fünf Teile)

Dokumentationen
Food Inc über Nahrungsmittelskandale, Lobbyismus und Politik
Trailer: We feed the World über ungleiche Verteilung von Nahrungsmitteln
Trailer: Forks over Knives über Gesundheit, kommt vermutlich nicht in deutsche Kinos
Trailer: Planeat über Gesundheit
Trailer: The Cove/Die Bucht über geheime Delfin-Abschlachtung in Japan
Making the Connection (Verschiede Veganer berichten über ihre Gründe und ihr Leben)

Interviews
The Official Meatrix (lustig, aber gut)


Sonstiges:
Birdie über Nährstoffe
GreenCat über Milch



Obwohl da jetzt schon einiges zusammengekommen ist, beanspruche ich selbstverständliche keine Vollständigkeit. Wer von euch noch weitere Tipps hat darf sie gerne via Kommentar hinzufügen. Wenn da noch etwas noch zusammenkommt, werde ich das Posting auch dementsprechend erweitern.
Ach, bei der Gelegenheit merke ich auch gleich mal an, dass ich seit einiger Zeit unten rechts zwei Listen in die Seitenleiste eingebracht habe: Lieblingspostings auf externen und meinem eigenen Blog. In vielen dieser Postings geht es nicht (nur) um Veganismus, aber wir sind ja hoffentlich alle vielseitig interessiert :)

Und jetzt viel Spaß beim Lesen ;)

Donnerstag, 19. Mai 2011

Veganes Dinner

Soso, das Dinner ist vorbei und ich habe heute übertrieben lang verschlafen... Ich habe mein Handy vor ein  paar Tagen in meiner Handtasche ertränkt und habe jetzt so ein altes Ersatzding, anscheinend bin ich wohl zu blöd gewesen um den Wecker richtig einzuschalten.... Wie dem auch sei, immerhin bin ich jetzt ausgeschlafen.
Der Abend gestern war aber sehr lustig, R. und T. sind Freunde von mir, die ich von der Arbeit kenne. Beide kennen sich eigentlich in der veganen Küche ein bisschen aus, da R. aus Eritrea kommt und dort viel vegan gekocht wird, bzw. es auch einen Fastenmonat gibt, in dem, naja abgesehen vom Fisch, nur vegan gegessen wird. T. kocht eigentlich gar nicht, sagt aber von sich selbst, dass er ein Allesfresser sei und tatsächlich kenne ich wenige Menschen, die an jede Mahlzeit völlig vorurteilsfrei herangehen. Über Veganismus gesprochen haben wir eigentlich kaum. Nur am Anfang kam das Thema auf, dass es ja irrational sei zu sagen "Hühnchen ess ich, Katzen nicht." Aber eigentlich ist es ja auch mal angenehm, wenn ohne großes Trara vegan zusammengegessen wird. Wenn R. ihre Küche hat, ist sie auf jeden Fall mal dran und darauf freue ich mich total, sie kann nämlich so richtig gut kochen!

Blöderweise ist meine Kamera schrecklich schlecht, wenn die Lichtverhältnisse mal nicht perfekt sind. Also sind die Fotos nicht so toll, aber ich denke, alles wichtige ist zu erkennen.


Vorspeise: Fenchelsuppe und Tomaten-Bruschetta
Die Suppe ist aus dem Kochbuch "vegan und vollwertig genießen", die Bruschtta aus dem "Ox-Kochbuch vier". Allerdings sind beide Rezepte so einfach, da hätte man nicht mal Bücher zu gebraucht. (Wenn man denn von alleine darauf kommt.)



















Hauptspeise: Linsen-Gemüse-Lasagne aus "vegan und vollwertig genießen", eigentlich ist es nur eine Linsenlasagne, ich habe noch Champignons und Zucchini dazugegeben, hauptsächlich, weil das mal langsam wegmusste ;)
Tofuhackbällchen von veganpassion. Die kommen immer gut an!
Bulgur-Kichererbsenbällchen aus dem "Ox-Kochbuch vier", haben einen leicht süßlichen Geschmack, ich mag die sehr gerne!
Hirse-Puffer aus "vegan und vollwertig genießen", mit Möhren und Lauch. Lecker, aber neutral, lässt sich noch etwas aufwerten.
Tomatansauce à la mein Freund: Zwiebeln und Knoblauch in Olivenöl anschwitzen, eine Dose geschälte Tomaten hinzugeben, zerstoßen, nach Geschmack würzen, Basilikum hinzugeben.



















Nachspeise: Erdbeer- und Heidelbeer-Kokoseis mit Vanillesauce 
Wir haben es liebevoll "Fisch im Sumpf" getauft, weil es so hässlich aussieht :D
Das Erdbeereis-Rezept ist von Birdie, ich hab einfach gedacht, ich mach das auch mal mit Heidelbeeren und es hat genauso gut geklappt. Leider habe ich nur wenige Förmchen, ein winziges Kühlfach und irgendwie ist die Vanillesauce nicht so hübsch geworden. Lecker war die aber trotzdem!




















Fazit: Es hat alles mehr oder weniger gut geklappt, ich frage mich jetzt nur, wie ich auf die Idee gekommen bin im Hauptgang praktisch nur Kohlenhydrate zu verarbeiten und wieso ich Eis für fünf Personen mache, wenn ich nur ein winziges Kühlfach habe?! Übrigens habe ich fünf große (!) Zwiebeln und eine Knoblauchknolle verbraucht, bei fünf Essern hat also jeder eine Zwiebel und ein paar Zehen Knoblauch gegessen! Obwohl, es ist noch ein kleines Bisschen übrig...
Am besten haben mir definitiv die Bulgur-Bällchen und die Fenchelsuppe geschmeckt! Und das Eis natürlich! Davon habe ich, als alles aufgegessen war noch eine zweite Ladung ins Kühlfach gequetscht und schlemme gerade:
 Das rote ist Erdbeere, das lilafarbene ist Heidelbeere, das weiße ist die Kokosmilch und die grünen Flecken sind Limettenschalen. Yum, yum, yum!


Sonntag, 15. Mai 2011

Ein Tag in Düsseldorf. Von Essen, Mode, so etwas wie Musik und guten Freunden

Gestern bin ich nach Düsseldorf gefahren um eine gute Freundin zu besuchen. Natürlich war ich vorher schon öfter mal da, aber meistens beschränkte sich das auf die Altstadt, die Rheinpromenade und die Pelzpromende (aka die Kö). Warum das so war, das frage ich mich seit gestern, ich habe Düsseldorf total falsch eingeschätzt. Dass das sattgrün toll ist, das wusste ich ja, aber auch ansonsten war es geradezu paradiesisch!
Übrigens wusste ich nicht, dass der Grand Prix in Ddorf stattfindet. Also irgendwie ist das an mir vorbeigegangen, ich dachte tatsächlich, der würde in Hannover stattfinden. Aber als ich dann im Zug saß und um mich herum sechs andere Sprachen gesprochen wurden und Menschen enthusiastisch mit Mini-Fähnchen wedelten, ihre geschminkten Gesichter in Kameras hielten, ist es mir wie Schuppen von den Augen gefallen. Nun denn, wir sind tatsächlich mit mehreren Leuten abends zum Public Viewing gegangen. Eigentlich finde ich solche Veranstaltungen (wie auch Fußball, oder sonstige Sportereignisse, egal ob WM, EM oder Pusemuckel) absolut uninteressant. Aber was solls, wenn man schon zufällig in der Nähe ist kann man ja auch mal hingehen. Und immerhin hab ich nette Leute kennengelernt. Andererseits hat mich jemand aus meiner Heimatstadt überhaupt nicht wiedererkannt, ich bin aber "Hey, cool, ist ja witzig, dass wir uns hier sehen!" rufend auf ihn losgegangen. Passiert mir öfter und ist mir schrecklich peinlich, aber was solls.

Gestartet haben wir den Tag im Sattgrün. Ich war vorher schon einmal dort, aber in dem in der Innenstadt, gestern sind wir in Flingern gewesen. Da ist es sogar noch ein bisschen schöner, und geöffnet ist bis 24 Uhr. Weil J. zufällig sogar jemanden dort kannte, haben wir auch noch Kuchen geschenkt bekommen!

Süßkartoffel-Kokossuppe, Rote Beete Salat



















sattgrün Mitte:
Am Graf Adolf Platz 6
40213 Düsseldorf


sattgrün Flingern:
Hoffeldstraße 18
40235 Düsseldorf


Dann sind wir ein bisschen durch Flingern geschlendert und J. wollte mir einen Shop zeigen, in dem es Fair Trade Klamotten gab und wie der Zufall so will, hatten die ein Kleid, mit dem ich online schon geliebäugelt habe und zudem auch noch viele Teile im Ausverkauf. Da habe ich erst mal meinen Lohn vom Vortag gelassen und erfreue mich jetzt drei neuer Lieblingsstücke in meinem Kleiderschrank.
Wer mal in Düsseldorf ist, sollte unbedingt Suburbia einen Besuch abstatten. Ansonsten gibt es mein neues Lieblingslabel People Tree auch hier und hier.

Suburbia:
Dorotheenstraße 20
40235 Düsseldorf


Beim spazieren kamen wir an einer hübschen Eisdiele vorbei. Nordmanns Eisfabrik ist wohl bekannt für selbst gemachtes bio-Eis ohne Zusastzstoffe oder Geschmacksverstärker, und für viele exotische Sorten. Als ich an der Theke fragte, welche Sorten vegan seien kamen direkt drei Leute herbeigeeilt und letztenendes konnte ich mich nicht entscheiden. Eigentlich wollte ich nur eine Kugel, aber ich musste dann drei nehmen. (Wer weiß, wann ich das nächste mal da bin?!) Kiwi wurde mir ausdrücklich empfohlen, außerdem habe ich Maracuja und Lemon-Basilikum genommen. Zur Auswahl standen auch noch Ingwer-Zitrone, Cranberry, Rosmarin-Lavendel und viele andere. Leider sind fast nur die Frucht-Sorten milchfrei. Aber solange die so fantastisch schmecken kann ich damit leben. Die Hörnchen nicht vegan, also bin ich auf die nicht so umweltfreundliche Alternative, das Papierbecherchen umgestiegen. Eingerichtet war es wunderschön und auch die Leseauswahl war ganz nach meinem Geschmack.
Ungewöhnlich finde ich, dass die Eisdiele  nicht bei happycow.com und nicht bei veganguide.org gelistet ist und ihre eigene Onlinepräsenz ist auch nicht so berauschend.

Nordmanns Eisfabrik:
Herrmannstraße 22a/Ecke Ackerstraße
40233 Düsseldorf







































Als wären wir nicht schon pappsatt haben wir im Volksgarten die letzten Sonnenstrahlen genutzt, ein Päuschen gemacht und unseren Kuchen ausgepackt. Neben uns waren ein paar Gänse mit ihren Babys unterwegs, die waren so niedlich!

Möhre-Walnuss & Banane-Schoko
J. und ich haben uns so gut unterhalten, das macht einfach immer wieder Spaß. Zur Zeit lebt sie auch vegetarisch. Aber sie ist eher der Typ Mensch, den diese Kategorisierung nervig findet und sich selbst eigentlich nicht Vegetarier nennen will, sie hält sich so lange wie möglich alles offen. Wenn ich mir die letzten Jahre ansehe dann denke ich, dass sie oft zu ängstlich ist und gerne unverbindlich herumprobiert "ob das Kleid gut sitzt". Irgendwie hat mich das an das Interview mit Mark Benecke im Kochen ohne Knochen Magazin erinnert. Er spricht von vielen Einzelentscheidung, z.B. bezüglich Leder. Prinzipiell ist er schon gegen Leder (denke ich), aber er überlegt, ob er nicht mit der einen Lederausstattung die er hat und schon seit Jahren trägt insgesamt mehr Leid verhindert hat, als würde er sich jede Saison neu einkleiden. Natürlich gibt es faire bio, oder recycelte Materialen und Second Hand Shops, aber ich finde dieses Gedanken grundsätzlich nicht verkehrt. Es ist natürlich sehr utilitaristisch, aber das sprengt jetzt hier den Rahmen. Auf jeden Fall habe ich ihr davon erzählt und sie fand dieses Prinzip auch ganz interessant. Ich denke, da muss jeder seinen eigenen Weg finden.
Übrigens toppt der Möhre-Walnuss Kuchen so ziemlich alles, was ich in letzter Zeit gegessen habe!


Als wir schließlich vollständig vom Schatten eingeholt waren, sind wir zu ihr gefahren, haben Tee getrunken und uns überlegt was wir wo machen könnten. Wir waren dann mit J.s Kommilitoninnen und Freunden pünktlich zu Lenas Song am Rhein, haben Tee aus der Thermokanne getrunken und selbstgemachten Obstsalat gegessen. Mal abgesehen davon, dass natürlich die Musik niemandes Geschmack traf, hatte es irgendwie etwas von Weihnachtsmarkt im Frühling.
Ich gestehe, dass ich Düsseldorf immer als arrogante Heimat der Snobs verurteilt habe. Aber wir hatten einen so wunderbaren Tag, was die Kö-Prominenz betrifft bin ich heute mal nachsichtig. Manchmal passt irgendwie alles.

Mittwoch, 4. Mai 2011

Falafel und Ernährungstheorien

Falafel schmecken ja eigentlich selbstgemacht besser als aus dem Kühlregal, mal abgesehen von dem höheren Nährwert. Aber immer wenn ich die selbst gemacht habe, habe ich auch gleichzeitig eine riesen Sauerei veranstalten. Deswegen habe ich jetzt mal den Test gemacht und welche gekauft. Ich muss sagen, die waren lecker! Leider finde ich die Dinge grundsätzlich immer etwas trocken, deswegen tränke ich die immer in Öl oder Sauce... Nicht gerade ideal, aber lecker! Gestern und heute habe ich eine Art Mehlschwitze gemacht, Tahin, Pfeffer und Muskat hinzugegeben.






































Etwas anderes: Ich habe ein bisschen in Alicia Silverstones The Kind Diet gelesen. Es ist schon sehr amerikanisch, irgendwie leicht esoterisch, aber durchaus liebevoll und interessant. Was mich aus der Bahn bringt sind langsam die verschiedenen Ernährungstheorien. 
Laut Alica (bzw. der Makrobiotik) sind Tomaten, Kartoffeln, Auberginen und Paprika wegen des hohen Alkaloid-Anteils nicht für den regelmäßigen Verzehr geeignet. (Wird mit Arthtritis in Verbindung gebracht.) Ebenso Spinat und Mangold, die in ihnen enthaltene Oxalsäure verhindere die Kalziumaufnahme. Alles von den eben genannten Lebensmitteln ist in den letzten sechs Monaten Teil meiner fast alltäglichen Gemüsezufuhr geworden und eigentlich freue ich mich richtiggehend, dass ich das alles jetzt mag. Und nu?
In der Rohkost sieht man ja von verarbeiteten Produkten gänzlich ab, die Makrobiotik stellt das volle Korn, auch in Form von Reis, Cous Cous,  Pasta usw. in ihr Zentrum.
Ich habe oft gelesen, Obst sei das perfekte Lebensmittel für den Menschen wegen der vielen Ballaststoffe, es sei wahnsinnig schnell zu verdauen, habe gute, komplexe Kohlenhydrate usw. In der Makrobiotik sagt man, dass man eher weniger Obst, nur eine Portion pro Tag essen soll, da es im Verdacht stehe das Blut zu schwächen. (Was auch immer das genau bedeuten soll.)
Dass ich zu viele Nüsse esse weiß ich. Alicia empfiehlt eine Tasse verschiedener Nüsse pro Woche. Ich esse teilweise eine Tasse pro Tag. Aber zur Zeit halten sie mich davon ab, Schokolade und ähnliches zu essen, deswegen ist es vorerst okay für mich.
Was ich nicht verstehe ist der Ansatz, dass regionales Obst und Gemüse für einen am besten sei. Bzw. das scheint irgendwie einleuchtend zu sein, es ist perfekt auf das Klima und die Umwelt die uns umgibt etc. abgestimmt. Dann frage ich mich aber, warum so viele Algen, Miso etc. empfohlen wird. Das ist doch nun alles andere als regional, ebenso wie verschiedene Getreidesorten.

Ich habe nicht vor, mein neu liebgewonnenes Gemüse zu streichen. Was ich aber machen werde ist, mal etwas exotischere und auch regionale, oder in Vergessenheit geratene Lebensmittel auszuprobieren. Interessant finde ich da den Artikel über Grünes Blattgemüse von Mixxed Greens. Da und als ich den Salatmix von demeter gekauft habe ist mir aufgefallen, wie wenig ich kenne. Die Vielfalt muss etwas größer werden.  Da ich ja früher nie frisches Obst und Gemüse gegessen habe kenne ich erstens viele Sachen nicht und zweitens kostet mich es oft noch Überwindung. Ich merke aber, dass es besser wird, also werde ich in zukunft etwas mutiger sein. 
Insgesamt habe ich nicht vor, mich an irgendetwas streng zu halten. Ich kann die Ansätze und auch viele Erklärungen nachvollziehen, finde einige sehr einleuchtend, auch wenn ich mich da widerspreche, weil ich verschiedene Ideen einleuchtend finde. Ich merke so oder so, dass mir viel mehr auffällt, womit ich mich wohl fühle oder nicht und daran werde ich mich orientieren.

Was haltet ihr von so etwas? Findet ihr eine bestimmte Theorie einleuchtend? haltet ihr euch daran?

Dienstag, 3. Mai 2011

Rezension: Landleben. Von einer, die raus zog

Christian Vagedes von der veganen gesellschaft deutschland hat dieses Buch hier schonmal besprochen und es fast schon euphorisch in den Himmel gelobt. Gerade diese Euphorie hat mich eher etwas kritisch gestimmt, aber die Thematik als solche fand ich interessant. Es ist autobiografisch, Hilal Sezgin erzählt von ihrem abenteuerlichen Plan von Frankfurt raus aufs Land zu ziehen. Nicht in die Kleinstadt, sondern mitten ins Nichts, die Pampa, Buxtehude oder wie man es nennen mag. 
Den Gedanken daran finde ich sehr schön. Ich bin in einer Kleinstadt aufgewachsen, aber sowohl das Land- als auch das Stadtleben waren sehr nah. Mit dem Fahrrad nach Venlo, mit dem Zug ins Ruhrgebiet oder eine kurze Tour ins Niemandsland, von uns aus war alles schnell zu erreichen. Als Kind und Teenager wollte ich natürlich in die Großstadt. Shopping, Bars, Kinos, die Stadt schien unendliche Möglichkeiten zu bieten. Auch heute fühle ich mich sehr wohl in Köln. Ich liebe die kulturelle Vielfalt, meine kunterbunte Straße, die vielen verschiedenen Einkaufsmöglichkeiten für Lebensmittel, Kleidung, Kosmetik, tolle Cafés, das Programmkino um die Ecke usw. Aber ich weiß, dass ich hier nicht ewig wohnen möchte. Irgendwann will ich meine Ruhe haben. Einen Garten im Grünen, ich möchte Kinder und Tiere haben und die sollen nicht in einer betonierten Gegend groß werden. Das ist spießig, aber es ist mir egal. Wenn ich höre, wie mein Vater verträumt davon erzählt, wie er und sein Bruder früher den ganzen Tag im Wald gespielt haben, reihenweise mit Gummistiefeln im Moder stecken geblieben sind, völlig verdreckt und erschöpft nach Hause kamen, wenn mein Freund mir erzählt, wie viele Baumhäuser sie gebaut und wie sie Eichhörnchen aufgepeppelt haben, dann denke ich, dass es für Kinder nichts besseres geben kann.

Hilal ist eigentlich eine Eigenbrötlerin. Sie hat zwar Freunde, aber der Kontakt ist eher unverbindlich. Die ganzen Möglichkeiten der Stadt nimmt sie nur passiv wahr, aber selten aktiv. In ihr wächst sie Sehnsucht nach dem Grünen. Nach Wald und Wiese, nach frischer Luft, freiem Blick und Stille.
Auf wundervolle Art und Weise erzählt sie von ihrem Plan, wie kompliziert es war das perfekte Haus zu finden, wie viele Freunde und unbekannte Menschen ihr geholfen haben, Probleme, über die sie nie nachgedacht hat zu lösen. Schnell merkt sie, dass es auf dem Land viel lockerer zu geht. Der Mietvertrag wird mit einem Handschlag geschlossen, im Dorf leiht man sich alles was man hat, fast als sei es Gemeingut, dass man einfach mal so auf einen Tee beim Nachbarn vorbeischaut und sich gegenseitig hilft, bei jeder Tages- und Nachtzeit. Zu ihrem Haus gehört ein Stall mit mehreren Schafen die sie zuerst überfordern und ihr später immer mehr ans Herz wachsen. Zu jedem hat sie eine Beziehung, jedes hat einen Namen, eine Geschichte und einen Charakter. Eines hat sie sogar großgezogen. Bald rettet sie ein paar Hühner aus einer Legebatterie und auch um diese kümmert sie sich liebevoll. Man kann praktisch lesen, wie sehr sie an ihren Aufgaben wächst. Unwetter, Kälte und Krankheiten fordern sie und die Tiere immer wieder heraus, aber zum Ende hin hat sich nahezu perfekte Ställe, Heuraufen und Tränken für ihre Tiere gebaut.

Immer mal wieder lässt die Autorin einfließen, dass sie Vegetarierin sei. Es überrascht auch gar nicht, dass sie die Tiere "einfach nur so" hat. Ohne "Zweck" oder "Nutzen". Dazu passend berichtet sie ebenfalls über die verschiedenen Anlagen für "Nutztiere", die sie in ihrer Umgebung besichtigt. Neben den Herausforderungen die das Landleben im Allgemeinen an sie stellt ist das die schweierige Seite ihres Umzugs, denn nicht alle kommen gut weg. Stellenweise ist sie so schockiert, dass ihre Beschreibung der Zustände mich beinahe ein paar Tränen gekostet hätte. Gegen Ende des Buchs folgt ein wunderbares Plädoyer für den Veganismus, den sie nun zum zweiten Mal in ihrem Leben umsetzt. Sie spricht all die Aspekte an, die uns hier vermutlich allen bewusst sind. Haltung, Zucht, Ausbeutung, Welthunger, Übersäuerung, leere Weltmeere usw. Was ich besonders interessant, aber fast schon ein bisschen zu kurz gekommen finde, ist ihre Abhandlung bezüglich Tierethik in der Philosophie. Sie kritisiert sie sehr stark und da ich selbst sehr an Ethik- und Moralphilosophie interessiert bin (aber leider noch nie etwas zu Tierethik gemacht habe) kann ich nur staunen, wie unzivilisiert gegenwärtige Philosophen mit dem Thema umgehen. Beinahe lachen musste ich bei ihrem Argument gegen die Natürlichkeit des Fleischessens. Sie hat es einfach so sehr auf den Punkt gebracht, dass ich beinahe wünsche in naher Zukunft würde jemand so etwas zu mir sagen, damit ich ihm ihre Argumente entgegen kann.
Viele andere Punkte finde ich ebenfalls bemerkenswert, aber ich sehe schon, dass dieser Artikel genauso lang wird wie das Buch, ich will euch ja auch nicht alles erzählen.

Ich habe das Buch gestern zu Ende gelesen und nun bin ich ein bisschen neidisch auf Hilal Sezgin. Sie hat sich wirklich etwas getraut. In ihr Leben ist ein ganzer Haufen Verantwortung, Pflichten und Arbeit getreten, aber sie ist zufriedener und aktiver als vorher. Sie lebt im Einklang mit ihrer Umwelt und genau das wünsche ich mir auch für mich.