Also das hier ist vegan und feministisch. Weil sonst alles scheiße ist.
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Montag, 3. Dezember 2012

Über die vegane Weltrettungskackscheiße


Als ich vegan wurde, habe ich mich mit Händen und Füßen gegen dieses Übermensch-Argument gewehrt. Dass alle veganen Menschen sich für etwas Besseres halten. Weil sie die Lebensweise gefunden haben, die den wenigsten Schaden anrichtet, Tiere als lebenswerte Lebewesen respektiert, absolut umweltschonend ist und sie "den Leuten in Afrika" nicht das Getreide wegnehmen. Zum Glück ist mir diese Einstellung persönlich eher selten begegnet. Die veganen Menschen, die ich bis jetzt kennenlernte und die meisten, die zur – ich nenns jetzt mal – Blogging Community gehören, sind da etwas bescheidener. In letzter Zeit sind mir dann aber Leute "begegnet"... da weiß ich, was gemeint ist, wenn unvegane Menschen genervt von vegan lebenden Menschen sind.

Irgendwie scheint sich die Einstellung breit zu machen, dass es alle Probleme der Welt lösen würde, wenn alle Menschen vegan leben würden. Ich werf jetzt mal was total und absolut Oberkrasses in den Raum: Das ist Bullshit! Was mich wütend macht, ist diese Einstellung, diese Überzeugung davon, total kritisch zu sein und dann nicht mal etwas weiter denken zu können als "an die armen Tiere". Hier mal ein paar "Argumente" und Herangehensweisen, die ich unter Veganer_innen sehr problematisch finde.


Hauptsache vegan, ansonsten ist alles egal!

Als der Linksunten-Artikel über Kim Wonderland online ging, hat es beschissene Reaktionen und "Argumente" aus allen möglichen Perspektiven gegeben. Was mich richtig abgefuckt hat, waren all die "Hauptsache vegan, der Rest ist doch egal!" - Kommentare. Oder auch "Seid wann ist es verboten, mit Nazis befreundet zu sein, sind doch auch nur Menschen?!" Oder weiter "Das ist doch ihre Privatsache, das geht uns gar nichts an!" Ich meine, hackts?! Geht's noch unkritischer? Noch ätzender? Noch rechtsoffener? Komplett unabhängig davon, ob was dran ist oder nicht, was geht denn in den Köpfen von Leuten vor, die so eine Scheiße von sich geben? Natürlich ist es NICHT okay! Mit Menschen, die einer menschenverachtenden Ideologie angehören, ist man "nicht einfach nur so" befreundet. Es ist auch nicht alles egal, so lange man vegan lebt. Veganismus ist ein winzigkleiner Teil vom Großen Ganzen. Wie kann Veganismus irgendwas erreichen, wenn mit Nazis abgehangen wird? Dadurch wird die Welt nicht besser. Sie wird dadurch schlechter.

Wie können Menschen sagen, dass sie "sogar auch" an die Tiere denken, nicht nur wie viele Menchen, die nur an Menschen denken, weil sie vielleicht sie anfaschistisch oder was auch immer sind. Ganz ehrlich, in der veganen "Szene" gibt es ziemlich wenig Leute, die sich neben Veganismus auch noch mit anderen Dingen beschäftigen. Es muss natürlich nicht jede_r alles wissen/machen/lesen, aber man kann ja wohl erwarten, dass man sich dann zumindets zurückhält, wenn man sich (noch) nicht mit dem entsprechenden Thema auseinandergesetzt hat. Wir sagen alle, wir sind gegen Diskriminierung jeglicher Art, aber wenn ein rassistischer/sexistischer/homophober Witz gemacht wird, heißt es ganz schnell "das ist aber nicht so gemeint" oder "ich finde ja nicht, dass das diskriminierend ist." Meine Reaktion darauf ist ungefähr die selbe, als wenn sich irgendein Heini als Alleswisser_in aufspielt und darüber referiert wie sehr er_sie Tiere liebhat, während er_sie in sein_ihr Steak beißt. Es ist ein Widerspruch. 

Unsere Gesellschaft ist von diskriminierenden Strukturen durchzogen. Diese zu verstehen, ist nicht immer leicht und manchmal will man sie auch nicht wahrhaben. Frag doch mal das Tier, das gegessen wird – Frag doch mal den Menschen, der diskriminiert wird. Klingelt da was? Wir sollte nicht so tun, als gäbe es sonst keine Probleme auf der Welt. Und vor allem sollten wir aus den Fehlern derjenigen lernen, die reden, ohne Ahnung vom Thema zu haben. Immerhin wissen doch die meisten wie das ist und es nervt uns alle ungemein.


Ich bin viel veganer als du und du machst XYZ, das ist voll unvegan!

Ich beobachte, dass Veganer_innen quasi unter Selbstgeißelung Veggie-Monopoly spielen und jede_r so schnell und direkt wie möglich ins Ziel kommen möchte. Da gibt es teilweise Wettstreits sondergleichen und wer auf der Strecke bleibt, der_die war nur nicht stark genug. Vegan sein bedeutet per Definition alle Produkte abzulehnen, für die Tiere leiden mussten. Menschen sind auch nur Tiere, also müssten alle Veganer_innen auch komplett Fair Trade leben. Und am besten auch regional, saisonal und bio. Weil dadurch dem Planeten und somit auch Menschen und anderen Tieren am wenigsten angetan wird. Aber mal ehrlich – bis wohin geht das Spiel? Kann da überhaupt jemand gewinnen? Im veganen Monopoly wurde ich mit Sicherheit schon sehr oft zurück auf Start geschickt, wenn ich nicht schon längst im Gefängnis gelandet bin. Bin ich dafür selbst verantwortlich? Ja, zum Teil. Zum Teil aber auch nicht. 

Ich weiß nicht, wie häufig schon der Satz "Wir leben alle in einer unveganen Welt" heruntergebetet wurde. Aber er stimmt. Veganismus ist kein allheilbringendes Lebensprizip, welches ich konsequent und ohne Rücksicht auf Verluste verfolge. Es ist auch nicht möglich. Wie häufg wurde schon ausdiskutiert, was man dann alles nicht mehr machen dürfte. Straßenbahnfahren, Autofahren, ins Kino gehen, keine Ausnahme für die Oma vom Freund machen, wenn die sich Mühe mit einer Alternative gemacht hat, aber trotzdem etwas Butter zu den Kartoffeln gegeben hat, die Handcreme der Freundin nicht benutzen, obwohl die Haut rissig und trocken ist und so weiter. 
Hinzukommt, dass Fair Trade Klamotten verdammt noch mal beschissen teuer sind.  Unabhäging davon, dass sie gerechtfertigterweise teuer sind und einen realistischen "fairen" Preis haben, ist einfach zu sagen "Kauf halt einen statt zwei" blanker Hohn in den Ohren derjeniger, die kaum Kohle haben um zu überleben. Es ist auch blanker Hohn in de Ohren derjenigen, die sich nicht nur am superveganen Maß messen (wollen), sondern sich auch an anderen Erwartungen und Maßen messen, wie zum Beispiel Schönheitsidealen.
Second Hand, Kleiderkreisel und ebay, das ist alles toll und sinnvoll, aber auch das kostet zeitliche Ressourcen, die nicht allen Menschen gleichermaßen zur Verfügung stehen. Mal ganz abgesehen davon, dass ich in meiner Superkorrektheit vielleicht Menschen günstige Kleidung wegschnappe, die sie wirklich benötigen. Das ist ein Gedanke, der mir zutiefst widerstrebt.
Das alles als "die strengen sich nur nicht genug an" darzustellen, ignoriert tatsächliche Verhältnisse und Lebensrealitäten und führt dazu, dass Veganismus nur der kleinen, arroganten Bildungselite offen steht, die sich anmaßt, über alles und jede_n zu urteilen.


Vegan leben, weil woanders Menschen an Hunger sterben

Was mich fast am meisten ankotzt ist diese ewige Analogie, man würde "Menschen in Afrika" das Getreide wegnehmen und wenn wir alle vegan werden würden, dann müsste niemand mehr hungern. Schon klar, es gibt die Fälle, in denen Ländern Getreide abgekauft wurde, obwohl Dürren bevorstanden. Aber es ist nicht ganz so einfach. Viele haben sicherlich den Film "We feed the World" gesehen. Dort sagt Jean Ziegler (selbst Vegetarier, so weit ich weiß aus humanistischen Gründen, übrigens hat er sehr lesenwerte Bücher über Armut und Hunger geschrieben) etwas entscheidendes: "Der World Food Report besagt, dass die Weltlandwirtschaft, so wie sie heute ist, ohne Probleme 12 Milliarden Menschen ernähren könnte."(klick) Zur Zeit leben laut Wikipedia etwa 7,01 Miliarden Menschen auf der Erde. (klick) Wir haben kein Mengenproblem. Wir haben ein Verteilungsproblem. Es werden Staaten, Menschen ausgebeutet. Es gibt genug Essen für jeden Menschen auf dieser Welt. Sogar für viel mehr Menschen auf der Welt. Das ist eines der Erben der Kolonialgeschichte. Mit Bildern wie "wir müssen den Armen helfen" werden wieder rassistische Strukturen reproduziert. "Wir" müssten eigentlich überhaupt nicht helfen. Wir müssten mit der Ausbeutung aufhören, Reparationen zahlen und Verantwortung übernehmen. 

Natürlich, die Landwirtschaft ist am Arsch. Regenwälder werden zerstört, meist für Tierfutter, aufgekauftes Getreide ist meist Tierfutter, Mais in den Staaten ist meist Tierfutter. Die Meere sind bald leer gefischt, der Planet ist voller Müll, die Böden voller Gifte. Um genug Lebensmittel und andereüberlebensnotwendige aber aucn unwichtige Dinge für 12 Milliarden Menschen zu erwirtschaften musste bereits einiges massiv zerstört werden. Nichts desto trotz. Wenn alle Menschen in Europa, den Staaten und so weiter vegan werden würden, wäre imperiale und kolonialgeschichtlich verankerte Ausbeutung nicht zu Ende. Kolonial- und Kapitalismuskritik sind entscheidende Ansätze, um diese Strukturen zu erklären. Beides ist auch durchaus miteinander verwoben und besonders im Zusammenhang mit dem veganen Welthungrrettungsargument ein eigens Posting wert. Heute bleibe ich aber mal bei einfachen Sätzen: Reichtum braucht Armut. Wer reich sein will, muss andere unten halten. Stichworte wären zum Beispiel: Regierungen, (Groß)Konzerne, Lobbys. Ihre Werkzeuge sind unter anderem Institutionen wie die Weltbank oder der Internationale Währungsfond. Die Güter aus armen Ländern sollen wettbewerbsfähig auf den Weltmarkt geworfen werden, IWF und Weltbank verteilen dazu ganz großmütig und absolut selbstlos Kredite zu horrenden und repressiven (finanziellen) Bedingungen. Länder wie Brasilien, welches einst den höchsten, jemals gewährten Kredit bekommen hat, zahlen sich dumm und dämlich, nur um die Zinsen solcher Kredite zu tilgen. Da bleibt wenig bis nichts mehr übrig für den Ausbau der Infrastruktur, Bildung für alle, Investitionen in einen Sozialstaat oder Reformen für die Landwirtschaft. Diese Kredite dienen hauptsächlich dazu, die Vormachtstellung eh schon reicher Länder beizubehalten und führen eh schon arme Länder in die ewige Abhängigkeit.


Ganz kurz, falls es eine vergessen hat: Wer vegan lebt wird dünn, gesund und schön!

Diese Attribute da oben scheinen ja irgendwie synonym benutzt zu werden, was mich schon sehr ärgert. Im Fatshaming-Artikel habe ich ja bereits auf die Vielfalt menschlicher Körper hingewiesen. Außerdem bitte ich euch alle, schaut euch doch mal um. Die Veganer_innen, die ich kenne, sehen genau so aus, wie die unveganen Menschen, die ich kenne. Es gibt dicke und dünne, große und kleine, blasse und gebräunte, welche mit Cellulite und ohne, mit Pinkeln und ohne, mit seidenglänzendem Haar und mit trockener Strubbelmähne, gesunde und kranke. Das könnte ich eeeeewig so weiterführen. Und alles davon ist okay! Die vegane Community ist unterliegt denselben Schönheitsidealen, wie der Rest der Gesellschaft. Sich davon zu befreien, das wäre mir echt viel wert.


Weg von der individualistischen Perspektive, hin zu mehr allgemeiner und emanzipatorischer Herrschaftskritik!

Zu Beginn habe ich es mir wirklich sehr schwer gemacht. Ich dachte, Veganismus sei ein Boykott, und ich könne so die Nachfrage regulieren (natürlich nicht alleine, sondern in der Masse). Heute muss ich ein bisschen darüber schmunzeln. Es ist viel größer. Die Nachfrage alleine regelt nicht das Angebot und Veganismus alleine rettet nicht die Welt. Menschen beuten Natur, Tiere und andere Menschen aus. Das hat System und sehr tiefe historische Wurzeln, die sämtliche globalen und wirtschaftlichen Beziehungen durchflechten. Diese Wurzeln lassen sich nicht durch eine andere, nettere Konsumform ausreißen. Damit kann man man nicht mal die Schäden beheben, die dadurch der Oberfläche entstehen.

Ich habe versucht in allem korrekt zu sein. Mehr Fair Trade kaufen, nur bio Gemüse und so weiter. Gerade ändern sich etwas meine (finanziellen) Lebensumstände und mit Blick in meine Zukunft muss ich sagen, diese Einstellung ist sehr arrogant. Wer kann das denn bitteschön? Wenn ich von allen Menschen erwarte möglichst nah an die 100 % Perfektion zu kommen, machen wir uns allen nur selbst das Leben schwer. Und wir erreichen gar nichts. Wir erreichen auch nicht die Menschen, die von den Strukturen so vernachlässigt und unterdrückt sind, dass sie weder zeitliche noch finanzielle Ressourcen haben, um in diesem Spiel die Turmstraße kaufen zu können, gechweige denn die Schlossallee.

Ich will eine politische Bewegung. Eine, die zwar selbstkritisch ist, aber versteht, dass nicht Einzelpersonen die Gestalt der Welt mit Konsumentscheidungen verändern  können. Es ist toll, wenn Menschen Verantwortung übernehmen, in ihrem Leben für irgendwas einstehen oder zurücktreten. Und ich wünsche mir auch, dass das alle Menschen tun würden, die es können. Das löst aber diese Probleme nicht. Es ist eine beschissene Unverschämtheit und eine verdammte Ungerechtigkeit, dass es solche ausbeuterischen Strukturen gibt. Dass wir in Verhältnissen leben, die es so schwer macht, gute Entscheidungen zu treffen. Ich will, dass diese Entscheidungen für alle Menschen zugänglich gemacht werden, nein, ich will, dass ich mich überhaupt gar nicht erst zwischen "gut" und "schlecht" entscheiden muss. Dieser unkritische, selbstreferenzielle Wohlfühlveganismus ist so ein Lifestyle für Superpriviligierte, die  sich gegenseitig für ihre kleinen ökologischen Fußabdrücke auf die Schulter klopfen. Da hab ich keinen Bock drauf und da mach ich auch nicht mit.


EDIT am 12.12.2012: Ich möchte euch zum Weiterlesen diesen Blogeintrag von zapperlott ans Herz legen. Auszug: 
  Was übrig bleibt ist die rein private Suche nach dem moralisch korrektem Konsum, um das Gewissen zu beruhigen. Bereits das ist eine folgenreiche Verblendung, die in der Konsequenz zu der besagten »veganen Weltrettungskackscheiße« führt.

Mittwoch, 13. Juni 2012

Meeting the Captain

Heute habe ich mich mit einem Teil der Kochen ohne Knochen-Crew auf den Weg nach Frankfurt gemacht, um dort Paul Watson und Peter Hammarsted von Sea Shepherd zu treffen und gemeinsam zu interviewen. (Paul Watson ist vor einigen Wochen in Deutschland festgenommen worden, mehr dazu in diesem Video.) 
Ich muss natürlich zugeben - aufgeregt war ich auf jeden Fall, Sea Shepherd ist eine Organisation, mit der ich mich in vielen (nicht in allen!) Punkten identifizieren kann. Meine Aufregung war insofern unbegründet, als dass die zwei sehr locker und angenehm waren - eine schöne Grundlage für ein gutes Interview. Meine eigentliche Sorge war aber viel mehr, dass es eben doch so den ein oder anderen Punkt gibt, der mir bei Sea Shepherd Bauchschmerzen bereitet - wie die Zusammenarbeit mit Brigitte Bardot, bzw. ihrer Tierschutzorganisation. Diese ist eben nicht nur für ihre Tierliebe bekannt, sondern auch für ihre Nähe zur (extremen) französischen Rechten, dem Front Nationale und für entsprechende Äußerungen (siehe hier). Auch vor dem Interview war ich mir darüber im Klaren, dass es kein Szenario gibt, was diese Zusammenarbeit für mich irgendwie erklärbar/akzeptierbar/entschuldbar macht. Die Frage letztendlich zu stellen hat mich dann doch etwas Mumm gekostet und ich habe auch ehrlich gesagt erst etwas drumherum gedruckst, bis ich zum Punkt kam. Und ja, Paul und ich, wir sind da nicht einer Meinung. 

Ich möchte ungerne vorgreifen, das Interview erscheint ja in voller Länger in der nächsten Kochen ohne Knochen Ausgabe, aber ich würde gerne für mich persönlich festhalten, was gerade so in meinem Kopf herumschwirrt und das ist vor allem eins: Ich bin eine verdammte Heuchlerin! Ich komme auf gar keinen grünen Zweig mit seiner Meinung, ich finde ihn, oder zumindest seine Arbeit trotzdem gut. Ich finde es ist ein Witz, dass er in Deutschland, oder überhaupt verhaftet wurde, verglichen mit dem, was die Fisch/Hai- und Wahlindustrie bzw. -lobby weltweit so anstellt ist das blanker Hohn und ich würde darüber lachen, wäre es nicht so verdammt ernst.
Paul sagt, er kämpft für diesen Planeten und dafür, dass es weiterhin Leben darauf geben kann. Er sagt auch, jeder Unterschied zwischen Menschen, sei gemacht, sei nicht echt und er stimmt mit mir darüber überein, dass eine Seite der Menschen die andere (viel größere) Seite ausbeutet und ihnen dann auch noch verbietet legal in die Länder einzureisen, die sie ausbeuten. Er findet das auch scheiße. Er findet aber - und spätestens jetzt werde ich etwas polemisch und überspitze bewusst  - grundsätzlich alle Menschen scheiße und geht nicht davon aus, dass Menschen, vielmehr die Menschheit irgendwann irgendetwas aus purer Vernunft besser machen wird. Man muss sie zwingen, drängen, Druck machen mit der einzigen Sprache, die sie verstehen: Geld. Tu niemandem weh, töte keinen, aber lasst uns die ökonomischen Strukturen zerstören, so dass sich XYZ nicht mehr rechnet. Das kann ich noch nachvollziehen, sicher bin ich mir da allerdings nicht. Sein Verständnis vom Menschen geht eher in die Richtung, dass die Hierarchien, wie wir sie jetzt haben reiner Zufall sind und alles auch anders hätte laufen können. Schwarze hätten auch Weiße ausbeuten können, Frauen hätten auch über Männer herrschen können. Alle würden es auch jetzt tun, wenn sie denn könnten. Genau so, wie sie auch alle die Erde ausbeuten, die Ökosysteme zerstören und sich einen Dreck um alles Leben scheren, was für diese Welt eigentlich essenzieller ist als der Mensch. Der Mensch als Plage, als Pest, unbelehrbar und gierig. Ich muss sagen, hätte ich ein solches Weltbild, ich würde einfach gar nichts mehr machen. Manchmal finde ich mich selbst etwas zu zynisch und vor allem zu ernst. Würde ich aber so konsequent schlecht von Menschen denken, hätte ich schon überhaupt keine Energie mehr, irgendwas zu tun. Er schon, weil es ihm nicht um Menschen geht, sondern um alle anderen Lebensformen, die unter den Menschen leiden, die will er retten. Daraus speist sich dann auch die Erklärung für seine Zusammenarbeit mit Brigitte Bardot: Er ist mit ihr nicht bei allem einer Meinung, genauer gesagt, teilen sie exakt eine gemeinsame Leidenschaft, aber sie hat seiner Meinung nach schon mehr für die Erhaltung der Erde getan als viele Andere und mehr interessiert ihn gar nicht.
Auch nach dem eigentlichen Interview hat Paul das Gespräch gesucht und wir haben uns noch eine Weile über internationale Zusammenhänge, Herrschaftsverhältnisse usw. unterhalten und er hat versucht, mir näher zu erklären, wieso letztenendes für ihn nur eine Sache zählt, während ich gesagt habe, dass mir eben auch Menschen wichtig sind und vor allem auch, welche ungleiche Möglichkeiten Menschen als Perspektive für ihr Leben haben und dass ich auch das für gemacht und nicht natürlich halte. 
Paul Watson ist ein Mann, der es gewohnt ist, dass Menschen ihm zuhören. Er weiß sehr viel, ist erfahren und belesen, zitiert Margarete Mead, Gandhi und Martin Luther King und vergleicht seine Methoden mit den ihren. Gößenwahn? Ja, vermutlich schon. Auf der anderen Seite: Wie viel mehr Wale, Delfine, Haie und andere Meereslebewesen wären ohne Sea Shepherd jetzt tot? 


Für mich heiligt nicht jeder Zweck jedes Mittel. Aus dem Grund sage ich nach wie vor: Ich bin mit ihm in einer für mich sehr wichtigen Sache überhaupt gar nicht einer Meinung. Ein Aber kommt trotzdem: So inkonsequent und heuschlerisch das sein mag, ich finde Sea Shepherd gut und ich möchte ihren Einsatz nicht missen. Ich würde mir wünschen, dass dieser in Zukunft ohne Hilfe aus dem rechten Lager passiert. Mit denen will ich nämlich für überhaupt nichts gemeinsam kämpfen.

von links nach rechts: Tom, ich, Joachim, Paul, Ines, Peter

Mittwoch, 29. Februar 2012

Ich kann auch anders! Nett zum Beispiel.

Denn PeTA kann auch anders, wie man sieht. Besonders peta2 macht meiner Meinung nach wirklich (!) gute Sachen. Von denen habe ich glaub ich noch nichts gesehen, was ich scheiße fand. Klar, deren Arbeit es ist sehr zielgruppenorientiert, aber das ist ja nichts schlechtes. Ich habe für peta2 viel mehr Respekt übrig, als für die Mutterorgansisation, die, wie viele hier sicherlich mitbekommen haben, mir mittlerweile nur noch auf den Keks geht. Da bleibt mir nichts anderes übrig als zu fragen, verdammt PeTA, warum macht ihr nicht auch hin und wieder mal sowas? Von mir aus ach mit halbwegs authentischen Promis. Aber angezogen! Dafür ernsthaft, glaubwürdig und mit der ordentlichen Portion Denkanstoß!

Ja, der Spot ist kitschig, aber wirklich schön. Ich mag Nessi, ich mag ihre Stimme, ihre Authenzität und ich mag, dass sie ernsthaft und locker gleichzeitig ist. Das geht vielen verloren, die länger in den Medien präsent sind, ich hoffe, sie bleibt einfach so. Ich mag auch die Einfachheit des Spots und ich mag Bilder von glücklichen Kühen im Morgentau und spielenden Schweinen. Sicherlich wird das niemanden abschrecken, aber das muss ja nicht das einzige Mittel sein, Menschen von etwas zu überzeugen. Die ruhige, melancholische Stimme und die eigentlich als so natürlich und so selbstverständlich anmutenden Bilder können in Menschen sehr viel bewegen, da bin ich mir sicher.

Eine Ode an die Freiheit - da mach ich mit, das find ich gut.


Donnerstag, 16. Februar 2012

An alle, die nicht verstehen, was mich an PeTA stört



Trigger Warnung: Verharmlosung/Verherrlichung von sexualisierter Gewalt.

Das Thema habe ich hier ja bereits häufiger angerissen (u.A. hier) und niemals wirklich zur Genüge erläutert. Das werde ich auch heute mal wieder nicht tun, ich bin nämlich gerade echt nicht dazu in der Stimmung mich dermaßen in Rage zu schreiben. Trotzdem kann ich es nicht ganz lassen und ja, PeTA will genau das, dass wir darüber reden, dass sie ins Gespräch kommen und bleiben, Provokation um jeden Preis. Also nennt mich ruhig Komplizin, denn gar nichts sagen, dass kommt für mich auch nicht in Frage. Ich finde PeTA muss mindestens für diese Kampagne kritisiert werden, da ist es nunmal unumgänglich, dass ich PeTA auch erwähne.
Ich hoffe insgeheim, wer sich das da oben anschaut, dem brauche ich nicht mehr großartig viel erklären. Eigentlich sollte da jedem sein Sojawürstchen im Halse stecken bleiben, aber ich werde trotzdem mal stichpunktartig auflisten, was mich an dem Spot stört.

  1. Die ganze "Vegetarier/Veganer_innen haben besseren Sex"-Nummer halte ich für eine so große und dumme Lüge, dass ich vermute Münchhausen hat sie höchstpersönlich erfunden.
  2. "Sex sells" ist laaaaaaangweilig und unkreativ. Außerdem haben wir hier den sexuellen und erotischen Bereich längst verlassen und bewegen uns viel eher auf dem Terrain der Misshandlung.
  3. Guter/wilder/hemmungsloser/leidenschaftlicher Sex hat gemeinhin erst mal gar nichts mit (von mir aus auch "unkontrollierbarer") Brutalität oder Gewalt zu tun. (Das hier persönliche Vorlieben ausgeschlossen sind, sollte hoffentlich klar sein.) Schon gar nicht insofern, als das ernsthafter gesundheitlicher Schaden durch diesen Sex normal sei. Genau genommen wird das im Spot nicht mal als normal, sondern als äußerst erstrebenswert dargestellt. So, als hätte es der Typ endlich richtig drauf, denn hey, eigentlich wollen wir Frauen doch alle misshandelt werden und alle Männer wollen brutale F*ckhängste sein.
  4. Nein, Gewalt (gegenüber Frauen und sonst irgendwem) ist nicht okay und auch nicht witzig, auch dann nicht, wenn es überspitzt und provozierend gemeint ist. "Stell dich mal nicht so an" ist hier auch kein annähernd ausreichendes Gegenargument, denn es zeigt, dass man nicht verstanden hat, dass durch solche Spots Verharmlosung und Legitimierung von ernsthaften Problemen stattfindet.
  5. Humorlosigkeit lasse ich mir von Männern, die sich mit dem Thema nicht mal ansatzweise auseinandergesetzt haben und somit auch keinen blassen Schimmer haben wie es ist und was es bedeutet, tagtäglich von sexualisierten (und in dem Fall sogar gewaltvollen) Fauen-Bildern konfrontiert zu werden, ebenfalls nicht vorwerfen.
  6. Ja, ich glaube ernsthaft daran dass Männer (egal welcher "Schicht" sie auch zugehörig sein mögen) auch zu Vegetariern oder Veganern werden können, wenn man nicht mit nackten Frauen vor ihnen herumwedelt.
  7. Was sind das bitte für Vegaterier/Veganer_innen, die zu eben solchen werden, weil sie meinen sie würden schöner, attraktiver und sexuell leistungsfähiger sein? Die Wahrscheinlichkeit, dass so jemand langfristig dabei bleibt, emanzipiert und aufgeklärt mit dem Thema umgeht ist wohl eher gering.
  8. Der Typ ist mal wieder der starke Kerl, der sich kaum beherrschen kann, während die Frau in der passiven Opferrolle bleibt und ihrem Peiniger die Gewalt nicht ein mal übel nimmt. Denn der Arme, der kann ja nix dafür und sie will es ja eigentlich selbst.
Und quasi als Zusammenfassung: Wie wollen wir bitte gleiche oder ähnliche Rechte zwischen Menschen und Tieren etablieren, wenn wir es noch nicht ein mal schaffen alle Menschen entsprechend gleich zu behandeln? Wenn wir eine Gruppe befreien und dafür eine andere Gruppe unterdrücken/misshandeln/entmenschlichen/ausbeuten etc., dann haben wir überhaupt gar nichts erreicht.


EDIT: Ihr kennt ja vielleicht das Omnivore Defensive Bingo? So etwas ähnliches gibt es auch für antifeministische Aussagen und ich kann es mir gerade nicht verkneifen, es hier einfach mal zu posten. Schon alleine, weil ich den Karneval durcharbeite und es deswegen nicht schaffe, die Kommentare hier ordentlich zu moderieren. People you will meet in discussions about Sexism in the Internet.

EDIT NR. 2: Weil hier das Unfall-Argument so oft fällt, noch ein Kommentar meinerseits: Das finde ich völlig uninteressant. Mit ziemlicher Sicherheit handelt es sich um einen Unfall, der Typ tritt im Spot ja nun nicht gerade wie ein brutäler Schlägertyp auf. Aber der springende Punkt ist meiner Meinung nach, dass es so oder so als akzeptabel und irgendwie besonders toll dargestellt wird. Durch das Lächeln und dadurch, dass sie ihm sein Gemüse holt (damit er stark bleibt?!) wird stattdessen impliziert, dass es ihr gefallen hat und der Typ dadurch jetzt ein ganz toller Kerl und das ist das eigentliche Problem. Ich jedenfalls würde das nicht noch ein zweites Mal "riskieren" wollen.

Dienstag, 17. Januar 2012

DAS ist Protest

Peta kann sich die Nackedeis von mir auch sonst wohin stecken. Wie man richtig und ernsthaft auf die Sache aufmerksam macht, zeigen Organisationen wie EligeVeganismo und Igualdad Animal. Ich weiß zwar nicht, woher die die toten Tiere haben, aber mir liegt das Video gerade wie ein Stein im Magen. Und ich kann mir vorstellen, dass die Wirkung ganz anders ist, als ein nackter eingeschweister Mensch mit Kunstblut oder jedes Playmates-Plakat mit niedlichen Kücken oder was weiß ich.




gefunden bei veganistan.de

Dienstag, 15. November 2011

Gegen den Trend? Rekordzahlen aus dem Schlachthaus

Quelle: peta2.de













Viele von euch haben bestimmt den n-tv Artikel über die Rekordzahlen aus deutschen Schlachthäusern  des vergangenen Quartals gelesen. Seit gestern überlege ich, wie ich den zu einem Blogpost verarbeiten kann, weil meine Gedanken dazu ziemlich vielschichtig sind. 
Aber erst mal zurück zu dem Artikel. Laut Statistischem Bundesamt sind in den drei Monaten Juli, August, September 15,2 Millionen Schweine geschlachtet worden. 15,2 Millionen! 15.200.000 tote Tiere. Zusammen ergibt das eine Fleischmenge von nicht ganz ein einhalb Millionen Tonnen. Wenn man diese Zahl auf das ganze Jahr umlegt, sind wir bei 60,8 Millionen Tieren was ungefähr der Einwohnerzahl von Italien entspricht. Und das sind nur die Schweine! Klar, die Zahl stimmt auch nur dann, wenn der Rekordstand gehalten wird, aber selbst wenn nicht, selbst wenn es "nur" 40 oder 50 Millionen Schweine im Jahr wären, wären das immer noch unfassbar viele. Die Zahlen der Rinderschlachtung sinken, die der Hühner und Schweine steigen stetig an. 
Und an diesem Punkt wird es auch interessant. Denn angeblich sinkt der Fleischkonsum der Deutschen seit Jahren langsam, oder zumindest soll er stagnieren, die Mitgliederzahl beim VeBu ist dieses Jahr um 38% gestiegen, was ebenfalls ein Rekord ist. Medien berichten mehr und mehr über vegetarische und vegane Selbstversuche, Restaurants und Vereine, im Fernsehen wird vegan gekocht und in Buchhandlungen wächst das Angebot an Kochbüchern und Literatur über Vegetarismus und Veganismus, Massentierhaltung wird immer öfter kritisch beäugt usw. Die Öffentlichkeit ist sensibilisiert und wird vielleicht immer aufgeklärter. 
Versteht mich nicht falsch, ich finde das alles sehr begrüßenswert, aber noch sind das alles "Trends", so richtig im Mainstream-Alltag ist das Thema noch lange nicht angekommen. Aber gewisse Tendenzen sind nicht von der Hand zu weisen.

Während Rindfleisch oft aus dem Ausland eingeführt wird, sind jedoch Schweine- und Geflügelfleisch wahre Exportschlager. Ein Großteil des in Deutschland "produzierten" Schweine- so wie Geflügelfleisches geht nach Asien, wo die Bevölkerung langsam immer reicher wird und nach mehr Fleisch lechzt. Noch ist es ein Statussymbol. Wer zur oberen Gesellschaft gehört kann es sich leisten Fleisch zu essen und zeigt das auch. Genau die gegenteilige Tendenz ist in Deutschland zu beobachten, die so genannten oberen sozialen Schichten wenden sich tendenziell vom (häufigen) Fleisch als Lebensmittel ab, während es durch die Massentierhaltung immer mehr zum Billiglebensmittel gemacht wird und überdurchschnittlich häufig von finanziell schwach gestellten Haushalten konsumiert wird.

Es ist vielleicht etwas zu forsch, aber ich formuliere es trotzdem mal so: Obwohl in Deutschland ein leichter Sinneswandel zu vernehmen ist, reagieren weder der Markt, noch die Politiker (bald frage ich mich eh, wo da der Unterschied ist...) nicht darauf. Die Stimmen in der Öffentlichkeit gegen Massentierhaltung und gegen Tierausbeutung werden immer lauter, die Gründe dagegen sind vielseitig, offensichtlich und bekannt, das Konsumverhalten ändert sich (wenn auch sehr, sehr langsam), die Stimmung scheint in den nächsten Jahren zu kippen. Da uns ja immer wieder eingebleut wird "Wenn ihr nicht danach fragen würdet, würde es das so gar nicht geben", ist das schon eine interessante Beobachtung. Denn offensichtlich kann der Einzelne durch sein Konsumverhalten das Marktverhalten oder das Angebot eben nicht mitbestimmen. Das heißt um Gottes Willen nicht, dass nun alles egal ist, ganz im Gegenteil, ich bin immer noch dafür, dass jeder Mensch Verantwortung übernehmen muss und zwar nicht nur für sich als Einzelperson. 
Jedoch sehen wir an solchen "Ereignissen" ganz genau, was sonst noch eine Rolle spielt. Die Politik bezuschusst Massentierhaltung, Milchwirtschaft etc. enorm. Aus diesem Grund sind die Preise so niedrig (dieses Jahr im Schnitt 1,40€ für ein kg Schweinefleisch) und es stellt trotzdem eine lukrative Einnahmequelle für den Staat dar, da Asien ein dankbarer Abnehmer ist und dessen Nachfrage vermutlich immer weiter steigen wird. Was eventuell auftretende Differenzen locker ausgleichen könnte, bzw. sogar für Mehreinnahmen sorgt. Was man subventioniert muss auch verkauft werden.

Was mich daran so sehr stört ist, dass eben auf den Bürger hier absolut keine Rücksicht und er nicht ernst genommen, ihm aber der Schwarze Peter zugeschoben wird. "Ihr wollt es doch so!" zieht hier nicht mehr. Wir wollen es nicht (mehr) so und trotzdem wird weitergemacht, verstärkt sogar. Weil es um Geld geht. Unabhängig davon, dass längst alle Politiker zumindest um die Umweltproblematik der Fleischproduktion und den Gesundheitsrisiken des übermäßigen Fleischkonsums bescheid wissen. Ich denke, mit Tierrechten braucht man denen wohl kaum kommen, das sehen viele eher "sentimental" (in dem verlinkten Artikel geht es nicht um Politiker, sondern um Landwirte, jedoch zeigt und ja mindestens unser ehemaliger Landwirtschaftsminister Funke, das eine solche Denke auch unter Politikern anzutreffen ist). Ich hingegen sehe Tierrechte eher als eine konsequente Anwendung ethischer Gebote auf Lebewesen, nur fragt mich ja keiner.
Allerdings sind sogar auf allen anderen Ebene sind diese Massen an Fleisch schlicht unvernünftig, ihr einziger Vorteil liegt darin, dass sie "uns" auf kurze Sicht gesehen Geld in die Staatskassen spülen. Außerdem pflegt man so die Kontakte ins aufstrebende Asien und wer will es sich schon mit China verspielen?

Mittwoch, 2. November 2011

Von Weltvegantag zu Weltvegantag

Ich gestatte mir mal so eine Art kitschigen Rückblick. Denn vor ca. einem Jahr entschloss ich mich von nun an vegetarisch zu ernähren. Das hielt ungefähr drei Tage und nach haufenweise Internetrecherche entschloss ich mich irgendwie vegan zu werden. Dabei habe ich genau zwei Herausforderungen auf mich zu kommen sehen: 1. Ich habe absolut keine Ahnung von Lebensmitteln, Kochen usw. 2. Wie erklär ich es den lieben Freunden und der Familie?
Das erste Problem hat sich ziemlich schnell in Luft aufgelöst. Ich betrat einen Bio-Markt mit offenen Augen und tadaaaa, auf ein mal entdeckte ich einen Haufen Lebensmittel, von denen ich vorher kaum gehört hatte. Verschiedene Tofusorten, Obst Gemüse, Getreide.... Ein paar Food-Blogs halfen mir dabei aus diesen Lebensmitteln etwas zu machen - Problem gelöst.
Die zweite Schwierigkeit war eine viel größere Herausforderung - von "Endlich, hat ja lange gedauert" über "Wow, ist ja toll, aber ich könnte das nicht." bis hin zu " ¿¡©ƒ√ºµ~∫©!?" habe ich so ziemlich alles gehört. Wissen tun es mittlerweile alle, einige ignorieren es, ein paar machen Witzchen, andere nehmen Rücksicht und die besten von allen bestärken und unterstützen mich.
Aber ich habe mich gefragt, was sich denn bei mir sonst so getan hat, in dem einen Jahr als (fast)-Veganerin und habe mir dazu mal ein paar Punkte notiert.


Gesundheit
Insgesamt fühle ich mich etwas fitter und wacher. Ich glaube ich brauche weniger Schlaf und als vorher. Das mag aber auch daran liegen, dass ich vorher kaum Obst und Gemüse gegessen habe und jetzt eben umso mehr.

Haut
Ist irgendwie besser geworden. Weniger Unreinheiten, aber das hat wahrscheinlich einen ähnlichen Grund wie oben. Blass bin ich immer noch, also hat das bei mir anscheinend nichts mit der Ernährung zu tun, wie viele immer vermutet hatten.


Gewicht
Pfff, wer hat schon eine Waage? Ok, zugegeben ich habe eine und manchmal benutze ich sie auch. Nicht so oft, aber so viel um sagen zu können, dass ich in der ersten Zeit ca. 1-2 kg abgenommen und als ich neben Gemüse auch vegane Süßigkeiten und Gebäck entdeckt habe, ich die 1-2 kg plus weite 1-2 kg wieder zugenommen habe. Fett und Zucker gibts halt auch in vegan.

Neugier
Ich lese noch viel mehr als vorher. Abgesehen von Tierrechten ist auch mein altes Interesse an Politik wieder aufgetaut, außerdem haben es mir zur Zeit (anti)rassistische, feministische und (anti)sexistische Theorien angetan, wie verschiedene andere soziale Ungleichheiten, außerdem Ökologie usw. Irgendwie habe ich selbst das Gefühl, dass es ein bisschen viel ist und ich mich für ein Thema entscheiden muss, aber es fällt mich unheimlich schwer. Deswegen lese ich mich quer durch diese Themen und hoffe, überall so viel wie möglich mitzunehmen.

Wut vs. Gelassenheit
Die beiden Emotionen wechseln sich phasenweise miteinander ab. Manchmal denke ich mir, dass es bessere ist ignorante Menschen ebenfalls zu ignorieren, und manchmal machen mich solche Menschen, oder eben ein Zeitungsartikel, eine Doku im Fernsehen usw. total wütend. Und dann fällt es mir schwer optimistisch zu bleiben und stürze mich gelegentlich in einen ordentlichen Weltschmerz.

Engagement
Mittlerweile schreibe ich nicht mehr nur mein eigenes Blog, sondern bin noch bei zwei weiteren beteiligt. Gerade bin ich nicht besonders aktiv, da mich Uni und Arbeit ziemlich vereinnahmen, so dass wenig Zeit nebenbei bleibt. Grundsätzlich ist es aber das was ich gerne mache. Zum Einem um der Sache selbst Willen, zum Anderen, weil ich tolles Feedback von Lesern und Freunde erhalte, was mich unheimlich motiviert.
Außerdem suche ich gerade einen neuen Job, der mir nicht mehr so viele Abende in der Woche raubt, denn ich würde gerne auch etwas Engagement in meinem offline-Leben umsetzen und ich fühle mich immer unwohler dabei lächelnd Rumpsteaks und Fischfilet zu servieren.
Ansonsten versuche ich einfach mit meinem Konsumverhalten auch anderen Missständen aus dem Weg zu gehen, das heißt, ich gebe mir Mühe so wenig wie Möglich in Plastik verpacktes oder Produkte aus Palmöl zu kaufen, sowie Schokolade, die nicht aus fairem Handel ist etc.

Lebensgefühl
Da gibt es gar nichts zu sagen, ich fühle mich rund um wohler als vorher. Ich habe zwar immer mal wieder das Gefühl, dass ich nicht genug mache, aber grundsätzlich bin ich rundum zufrieden damit, dass ich endlich irgendwo angefangen habe. Manchmal denke ich, dass ich mit Veganismus genau mein Ding gefunden habe. Aus früherem Unbehagen, weil ich wusste, dass ich absichtlich nichts wusste, hat sich nun die Art Erleichterung und Motivation eingestellt, die kommt wenn man die Augen aufgemacht hat.

Zukunftsperspektive
Weitermachen :)

Mittwoch, 26. Oktober 2011

Die Überfischung der Meere

Fische spielen ja oft in Gesprächen über Ernährung eine irgendwie besondere Rolle. Denn auch für Vegetarier ist es nicht immer selbstverständlich Fisch und Meerestiere von ihrem Speiseplan zu streichen. Diese Leute nennt man eigentlich Pescetarier, aber mal ehrlich, solche Begriffe werden im Alltag schlicht nicht angewendet, mal abgesehen davon, dass kaum einer darüber Bescheid weiß. So kann es passieren, dass der Pescetarier sich gemeinhin für einen Vegetarier hält, oder, um es sich etwas einfacher zu machen, sich einfach als solchen bezeichnet, da - und da sind wir ja uns ja einig - elendig lange Gespräche über "Was? Wie? Und Warum?" niemand von uns so richtig gerne hat. Außerdem haben vermutlich viele von uns auch schon mal die Frage "Was? Nicht mal Fisch? Oder Meerestiere?" gehört, die ich nie richtig verstanden habe. Wenn ich Tiere für mich nicht leiden lassen will, wenn ich Kälbern ihre Muttermilch, Bienen ihren Honig und Lebewesen im generellen ihr Leben lassen möchte, dann zählt für mich auch selbstverständlich alles Leben aus dem Meer dazu.

Da stellt sich natürlich die Frage, wie kommt denn jemand auf die Idee, den Landtieren das Leben zu lassen und die Meerestiere zu essen? Ich fasse das jetzt mal ganz unwissenschaftlich in zwei Argumenten zusammen.
Zum Einen hieß es eine Zeit lang, Fische würden weder Angst noch Schmerzen empfinden. Deswegen hat man auch kein schlechtes Gewissen, wenn die Tiere beim Angeln oder in riesigen Netzen gefangen werden, denn sehr wahrscheinlich hätte so ziemlich jedes Lebewesen dabei Angst und Schmerzen. Mal abgesehen davon, dass dieses Argument längst widerlegt ist, ist es für mich trotzdem ziemlich irrelevant, da auch gleichgültige und unempfindliche Lebewesen ein Recht darauf haben, ihr Leben zu leben und ich denke, man kann davon ausgehen, dass die das auch selbst wollen.
Das zweite Argument ist das heilige Omega-3-Fettsäuren-Argument. Diese Fettsäuren sind für den Menschen essentiell - er muss sie also mit der Nahrung aufnehmen und kann sie nicht selbst produzieren. Hier stellt der Fisch eine optimale Quelle dar. Bei Fleisch von Landtieren ist schon längst nachgewiesen, dass die Bestandteile, die ernährungsphysiologisch relevant sind (hauptsächlich werden hier Proteine und Eisen gennant), auch auf einfache Art und Weise durch pflanzliche Lebensmittel aufzunehmen sind. Bei Omega-3 hält sich jedoch die Annahme wacker, dass Fisch die einzig wahre Quelle sei. Ich finde das schon insofern unglaubwürdig, als dass es sehr viele Menschen auf der Erde gibt, die ohne die Industrialisierung nicht dazu in der Lage wären Fisch regelmäßig zu verzehren, da Meer, Seen und Flüsse nicht für jeden in unmittelbarer Nähe sind. Trotzdem gibt es Ernährungswissenschaftler, die eine rein pflanzliche Ernährung empfehlen, jedoch mit dem Zusatz, hin und wieder Fisch oder Fischöl zu sich zu nehmen (Beispiel 1: Bill Clintons Ärzte, Beispiel 2: veganer Tour de France Fahrer). Dass es genug Pflanzen/Pflanzenöle gibt, die ebenfalls Omega-3 enthalten, verrät und jedoch sogar Wikipedia, auch wenn die Aufnahme für pflanzliche Lebensmittel etwas ungünstiger ausfällt.

Aber was heißt es eigentlich für die Fische und für die Meere, wenn Menschen auf allen Orten der Welt  so viel und annähernd jede Art von Fisch essen? Ich finde, dieses Video ist ein guter Einstieg in das von vielen etwas vernachlässigte Thema unter Veganern/Vegetariern/Umweltschützern etc.
Einzige Kritik: Am Ende heißt es, nachhaltige Fischerei wäre möglich, diese wird aber nicht weiter erklärt, das Fazit wird so irgendwie relativiert und auf Schmerzen und Leiden der Fische wird auch nicht eingegangen.


Die Überfischung der Meere from Lilli Green on Vimeo.
Gemacht hat es Uli Henrik Streckenbach

Oder wie es Captain Paul Watson sagt: "If the ocean dies, we die."

Freitag, 21. Oktober 2011

(Neue) Literatur: Veganismus, Tierrechte, Ernährung


Seit knapp einem Jahre befasse ich mich nun mit Themen Vegetarismus, Veganismus, Tierrechte, Öko-Ethik und so weiter. In der Zeit ist das ein oder andere Buch zum Thema in mein Bücherregal gewandert, die meisten davon habe ich auch gelesen, ein paar wiederum nicht. Was jedoch viel größer ist, als mein veganer Buchstapel zu Hause ist meine virtuelle Wunschliste. Neben Klassikern wie Singer und Kaplan hat sich in den letzten Monaten so einige Neuerscheinungen und bald erscheinende Titel angesammelt, von denen ich vermute, sie sobald nicht alle lesen werden zu können Ausgenommen die wundervollen neuen Kochbücher, aber auch da werde ich es zumindest nicht schaffen, alles daraus zu kochen. Ich stelle euch mal meine Liste hier zusammen, übernehme jedoch keine Gewähr für den Inhalt der Bücher. Aber ich bemühe mich darum, die gelesenen Bücher, ob aktuell oder nicht, zu rezensieren.

Klickt einfach aufs Bild, der führt euch in den Shop von buecher.de und dort gibt es weiterführende Rezensionen etc.



Ethik/Politik:

Green is the new red von Will Potter, ca. 13 €
Über so genannten Öko- oder Tierrechtsterrorismus und wie Politiker damit umgehen.










Wir haben es satt! von Iris Radisch und Eberhard Rathgeb, ca. 20€
Warum Tiere keine Lebensmittel sind, Plädoyer für Mitgefühl, Vernunft und Fleisch-Boykott















Human-Animal Studies, herausgegeben vom Chimaira Arbeitskreis für Human-Animal Studies, ca. 25 €
Gesellschaftliche Kultur von Mensch-Tier-Verhältnissen













Why we love Dogs, eat pigs and wear cows von Melanie Joy, ca. 13 €
Ideologies des Fleischessers als Karnismus, und andere Glaubenssysteme, die hinter unseren gesellschaftlichen Konventionen bezüglich des Umgangs mit Tieren stecken










Gesundheit/Ernährung:

Die Ernährungslüge von Hans-Ulrich Grimm, ca. 10 €
Kritische Auseinandersetzung mit der Lebensmittelindustrie














Peace Food von Rüdiger Dahlke, ca. 20€
Warum Milch und Fleisch ungesund sind. Mit etwas esoterischem Kapitel über die Kraft der Sonne, mit Rezepten

















Koch- und Backbücher:

vegan kochen für alle von Björn Moschinski, ca 18€






Vegan for Fun von Attila Hildmann, ca. 25€















vegan kochen: einfach, gesund und laktosefrei von Kristina Unterweger, ca. 6€

















24 Rezepte zur kulinarischen Weltverbesserung von Wam Kat, ca. 25€
Rezepte für VoKüs, Demonstrationen und großen Gruppen















Vegan Guerilla, Die Revolution beginnt in der Küche von Sarah Kaufmann, ca. 18€
Das Buch zum Blog Vegan Guerilla!








Vegan Pie in the Sky von Isa Chandra Moskowitz und Terry Hope Romero, ca. 13€












Ergänzungen jeder Art sind sehr willkommen!

Mittwoch, 19. Oktober 2011

Imagefilm im Eierregal



















Heute bin ich nach einer gefühlten Ewigkeit mal wieder im Rewe einkaufen gewesen und staunte vorm Eierregal nicht schlecht. Dort war tatsächlich ein mini Flachbildschirm angebracht, auf dem ein Eierproduzent und-lieferant seine Produkte bewarb. Ich habe mir mal die Homepage näher angesehen und die scheinen es wirklich ernst so meinen mit dem positiv-Image.

Immer wieder wird hervorgehoben, dass die Tiere ausschließlich Körnerfutter bekommen, keine tierischen Fette, Mehle oder ähnliches, sowie kein genmanipuliertes Futter. Es gibt viele Fotos von den Ställen, die die "artgerechte" Haltung demonstrieren sollen (der Hof hat 2009 sogar einen Preis für artgerechte Haltung bekommen), eine Erläuterung, warum Eier gesund seien (gute Eiweiße!) und sogar beim Abnehmen helfen können  (Eiweiße sättigen schneller als Kohlenhydrate), sowie eine Erklärung dazu, warum der Hof "nur" Bodenhaltung betreibt, anstatt Bio mit Freilandhaltung. Die Futtermischung sei dann nicht beizubehalten und die Eier würden wie andere bio-Eier fade schmecken, der hygienische Aufwand sei für Freilandhaltung zu groß. Aaaaaha. Da wird es interessant. Der Hof möchte keine Vogelgrippe oder ähnliche Seuchen in seinen Ställen haben, das wäre der finanzielle Ruin.
An dem Punkt frage ich mich natürlich, ob das nicht vielleicht eher etwas mit der Anzahl der gehaltenen Hühner, als mit der Haltung selbst zu tun hat?! 15.000 Hennen leben auf dem Hof (in einem Film des SWR heißt es, insgesamt leben dort 26.000 Hühner in verschiedenen Ställen). Da ist das mit der Hygiene natürlich schwierig.
Desweiteren brüstet man sich mit "dem größten Hühnerei der Welt". 168g wog das gute Ding, über 100g mehr, als ein Ei der Gewichtsklasseklasse "L". Und dann wird munter über das arme Huhn gescherzt, das vermutlich eine halbe Stunde mit dem Legen dieses Eis beschäftig war. Zum Einen wird gesagt, dass sei ungewöhnlich und nicht normal für ein Huhn, zum Anderen wird die Größe jedoch mit dem überdurchschnittlich gutem Futter begründet, denn wenn ein Huhn sich wohl fühlt und gutes Futter bekommt, dann legt es auch automatisch gute Eier. Äh okay. Erstens ist das natürlich Quatsch (zumindest in diesem Ausmaß) und zweitens könnte man dann fragen, warum sich den nur eine Henne einen Moment lang wohlgefühlt hat und gut genährt war.

Bitte versteht das nicht als Hetze. Das sollte hier kein skandalöser Enthüllungsskandal werden, allem Anschein nach, haben die Hühner es tatsächlich verhältnismäßig gut in diesem Betrieb. Ich kann mir sogar vorstellen, dass es in einigen bio-Betrieben schlimmer aussieht. Die üblichen ethischen und praktischen Fragen/Probleme der Eierhaltung bleiben jedoch immer noch bestehen: Die männlichen Küken werden getötet, die Schnäbel müssen in der Regel abgesengt werden, die Hühner werden lange vor ihren natürlichen Tod geschlachtet und so modern die Käfige sein mögen: artgerecht ist das nicht im geringsten, denn auch hier leben viele Hühner auf unnatürlich wenig Platz und zwar ohne Hahn, ohne Rangordnung und so weiter. Für mich sind 6.000 Hühner in einer Halle nicht normal, nicht natürlich und nicht artgerecht.

Was mich jedoch viel mehr zu diesem Posting veranlasst hat, war der Gedanke, dass wir vermutlich in einer Zeit angekommen sind, in der es für Erzeuger von Tierprodukten immer schwieriger wird den Verbraucher zu überzeugen, der Ruf und das Image sind schlecht. Skandale wie der von Wiesenhof, diverse Seuchen, Enthüllungs-Reportagen im Fernsehen und Bestseller wie die von Foer und Duve machen den Verbraucher wohl immer skeptischer.
So beginnt dieser spezielle Erzeuger jetzt damit, seine Produkte an Ort und Stelle im Supermarkt mit Film- und Tonmaterial anzupreisen. Nicht-bio-Eier haben es schwerer auf dem Markt, woher soll der Verbraucher wissen, dass es sich bei diesen Eiern nicht um Eier der gequälten Hühner, wie man sie aus dem Fernsehen kennt wissen? Der Druck auf die Produzenten wird immer größer und man versucht sich voneinander abzuheben.
Die Nachfrage nach gerechteren Optionen steigt, ich hoffe, daraus folgt irgendwann die Nachfrage nach echten, nicht nur nach scheinbaren Alternativen.

Sonntag, 2. Oktober 2011

Bekki is(s)t vegan und Dani is(s)t wieder in Berlin

Leute die in der dritten Person von sich selbst sprechen, finde ich für gewöhnlich immer höchst merkwürdig, aber hier bot sich diese Analogie einfach an, verzeiht es mir  ;)

Vor ein paar Tagen rief mich meine Schwester Bekki an und verkündete mir, sie habe die letzten beiden Tage damit verbracht sich YouTube-Videos anzuschauen und Online-Artikel durchzulesen und habe danach einen Entschluss gefasst: sie ist heute seit drei Tagen Veganerin! Während des Telefonats war ich aber erst ml hibbelig und schaute alle paar Sekunden auf die Uhr, ich hatte noch eine wichtige Hausarbeit zu schreiben. Aber Bekki hat so enthusiastisch von Hühnern, Kühen und Schweinen geredet, dass ich selbst erneut realisiert habe, wie krass die Verhältnisse eigentlich sind. "Wusstest du, wie viele männliche Küken jedes Jahr sterben müssen?! Wusstest du auch schon, wie viel Wasser man für ein Stück Fleisch verbraucht? Wusstest du  schon, dass man Ferkel ohne Betäubung kastriert?" usw. So ging das eine ganze Zeit. Meine Schwester war außer sich und obwohl ich das (natürlich) alles wusste, habe ich mir das zum ersten Mal seit einiger Zeit wieder so richtig bewusst vor Augen geführt, wie krass das eigentlich wirklich ist. 
Bekki lebte seit dem sie die Hälfte des Artikels "Im Akkord zur Schlachtreife" im Spiegel gelesen hatte vegetarisch und es fiel ihr leichter als gedacht. Die zweite Hälfte des Artikels wollte sie nicht mehr lesen, weil sie es so schrecklich fand. In letzter Zeit schraubte sie ihren Milchkonsum zurück, backte häufig vegan, weil es so einfach war und entschied sich jetzt, es konsequent durchzuziehen. 
Ich finde das ganz toll, denn die gehörte sehr lange zu de "Nö, ich esse gerne Fleisch" - und "Vegetarier essen meinem Essen das Essen weg"-  Menschen. Ich kenne außer ihr niemanden, der sich aus einer Laune heraus einfach mal so für sich alleine Rindsroularden gekocht hat. Das ist ihr nicht mehr so wichtig, weil sie zugehört und die Augen aufgemacht hat, die Hintergründe kennt und weiß, was wichtig ist. Für mich ist das der ultimative Beweis - jeder kann vegan leben, man muss nur wissen warum.
Wer meine Schwester auf ihrem Weg begleiten möchte, der kann das hier tun.

Mein Vater hatte gestern seinen sechsten fleischfreien Tag in Folge und will mal sehen, wie lange er Lust darauf hat. Ich denke, es ist an der Zeit, ihm ein Kochbuch zu schenken ;)

Ich find es läuft gut. Meine Bilanz bisher: zwei Vegetarierinnen und vier Veganerinnen. Und das in weniger als einem Jahr, ich finds toll!


Ab morgen bin ich übrigens bis Ende der Woche in Berlin. Und spätestens danach wird es eine weitere erfreuliche Ankündigung geben, auf die ich selbst schon total gespannt bin! Aber noch darf ich nichts verraten und es macht mich ein bisschen verrückt! Außerdem sammle ich gerade Material für einen recht ausführlichen Artikel bei Pseudoerbse. Das Semester beginnt zwar wieder, aber irgendwie waren die "Ferien" in den letzten Semestern meist stressiger als das Semester selbst.

Donnerstag, 8. September 2011

Köln Pelzfrei

Quelle
Q





































Diesen Samstag, den 10.09.2011 findet zum zehnten Mal die Demo gegen Pelz und Tierausbeutung in Köln am Neumarkt statt. Im Zentrum steht der gewaltfreie aber kreative Protest gegen Pelz vor den entsprechenden Geschäften, aber auch Aufklärung über die Herstellung von solchen ausbeuterischen "Materialien". Teil des Umzuges sind außerdem zum Thema passende Aktionen verschiedenster Form und dazu gibt es Infostände von den verschiedensten Tierrechtsgruppen. Lokale Tierheime und Schülergruppen sind hier ebenso vertreten wie Sea Shepherd (vielleicht bekomme ich dann ja endlich "mein" T-Shirt?!), sowie Essensstände und Kölner Pioniere wie Signor Verde & Goldene Zeiten, aber eben auch größere Organisationen wie VeBu, vgd und natürlich die Tierrechtsinitiative Köln und noch einige mehr.
Später gibt es eine Afterparty im AZ, Schlafmöglichkeiten vorhanden.

Köln Pelzfrei auf Facebook

Montag, 29. August 2011

Sexismus und Tiere essen #2

Wenn das so weiter geht, mache ich noch eine Serie daraus. Vielleicht erinnert ihr euch an das "nimm mich"-Hühnchen? Heute hat es die Rinder erwischt. Beim Lesen einer Zeitschrift ist mir diese Werbung für das Beef! Magazin (Überlegt euch gut, ob ihr das anklicken wollt, Ausraster ist vorprogrammiert) aufgefallen. 




















Was soll ich da noch sagen, außer, dass ich mit dem Würgen nicht mehr aufhören kann?! 
Die Klischees "Ein richtiger Mann muss Fleisch essen", "Fleisch ist männlich (uga uga, grunz)" werden hier mal wieder wunderbar bedient. Frauen machen hingegen niedlichen, aber unwichtigen Mädchenkram, den eh keiner interessiert und Männer sind währenddessen ganz harten Kerle. Gääääähn. 
Dann heißt es weiter "Männer kochen anders", sprich: Frauen knabbern Salat, Männer essen FLEISCH. (Weil, ist ja so männlich, Proteineeee, kommt alle her!) Wenn ich sehe, wie Fleisch glorifiziert wird, werde ich wirklich fast wahnsinnig. An Hand solcher Bilder wird auch immer wieder deutlich, was es wirklich ist: ein Statussymbol. Wer Fleisch isst, demonstriert Reichtum und Macht. Und das ist leider unter Männern noch sehr verbreitet. Oft habe ich auch Frauen erlebt, die sehr deutlich betonen, dass sie gerne Fleisch essen um sich damit als emanzipierte und starke Frau zu positionieren und sich vom Tussitum abzugrenzen. Das finde ich nur noch traurig. Als würde man dann ernster genommen werden.
Interessant finde ich in der Anzeige auch den Gegensatz: Männer - Mädchen. Nicht etwa Männer - Bubis, nicht einmal Männer - Frauen. Daraus schließe ich mal ganz kühn, das hier "Mädchen" mit "Weichei" synonym geht, was ich fatal finde. 

Die Anzeige ist zeitgleich mit einer zweiten geschaltet und auch da ist mir mein Salatblatt im Hals stecken stecken geblieben. (Aber zum Glück hatte ich ein rosafarbenes Taschentuch zu Hand.)
Quelle



















Tierquälerei ist also vollkommen okay und natürlich - was sonst - männlich. (Wer kennt auch schon Frauen, die Bullen reiten?!) Ein ganzer Kerl. So stark, so hart. So scheiße. (Ups, sorry)

Auf der Seite heißt es übrigens die beiden Motive sind provokant, aber immer noch mit so viel Humor gestaltet, dass sie ironisch wirken. 
Äh ja. Ich behaupte, dass ist eine Frage des Hintergrundwissens. Dass ich mich intensiv mit der Haltung von Tieren, Folgen von Fleischkonsum für Tier, Mensch und Natur auseinandergesetzt habe ist ja kein Geheimnis. In den letzten Wochen kamen auch antisexistische und antirassistische Theorien hinzu, die meinen Blick für solche Dinge definitiv geschärft haben. Und wenn man auch nur ein bisschen Ahnung davon hat, wie Bilder in die Gesellschaft transportiert und integriert werden, was durch Allgenwärtigkeit zur Gewohnheit und dann irgendwann völlig legitimiert wird, der findet die Anzeigen nicht mehr ansatzweise ironisch. Im besten Falle noch zynisch, im Normalfall eher pervers.

Sonntag, 14. August 2011

Vegane Vollkommenheit: VSD Dortmund

Ich habe ausgeschlafen, Kuchen, Eis und der gemischte Indische Teller sind verdaut, die Tombola-Gewinne sind im Kühlschrank verstaut, Sticker, Flyer und Buttons sind sortiert, die Tasse, T-Shirts und Pullover in den jeweiligen Schränken untergebracht (bzw. schon angezogen) und ich bin immer noch ein wenig glückselig und beduselt von gestern. 
Zombiekatze, eine Freundin von ihr und ich sind gestern gemeinsam zum Veggie Street Day nach Dortmund gefahren und wir haben uns dort noch mit Kathi und ihrem Freund getroffen. Ich behaupte jetzt einfach mal, es war für alle ein schöner Tag! Für mich ganz ehrlich ein Highlight der letzten paar Wochen (was angesichts meines Arbeitsplans, der Klausuren etc. auch nicht besonders schwer war, aber egal!).  Vermutlich könnte ich den ganzen Artikel hier mit Aufzählungen und Superlativen schreiben, aber ich gebe mir große Mühe, nicht zu überschwänglich zu werden.

Mir hat die Stimmung gut gefallen. Es hatte etwas von einem Stadtfest, nur, dass eben alles vegan war. Das Publikum war bunt durchmischt. Ja, tätowierte, gepiercte oder sonstwie auffällige Menschen waren im Vergleich zur deutschen Normalbevölkerung überproportinoal häufig vertreten. Aber das Schöne ist doch, wenn ein total zugehackter Typ neben einer Normalo-Omi mit Veggie Button zusammensitzt und sie plaudern, wenn bunte Hippies beinahe jeden mit "hey dich kenn ich, ich bin mit dir bei facebook befreundet!" anquatschen, wenn Kinder fröhlich durch die Gegend rennen und Autogramme sammeln, wenn die Veranstalter des Veggie Street Days, die Pioniere oder Aushängeschilder der veganen Szene wie Kim, Nessi, Christian Vagedes, Marc Pierschel usw. sich unters Volk mischen, wenn jeder mit jedem redet, wenn Ärzte gegen Tierversuche, Hof Butenland und der Slutwalk Stände auf der selben Veranstaltung haben, wenn es Essen, Kosmetik, Kleidung und Informationen gibt, wenn der Stand der Sea Shepherds so überfüllt ist, dass es am Ende das T-Shirt was ich haben wollte nicht mehr gab, wenn normale Samstagsshopper mal gucken was da so los ist, wenn Veganer aller Coleur, jeden Alters, jeder Gesinnung oder sonstigem Kontext zusammenarbeiten, wenn man von allen Seiten hört, dass es viel größer als letztes Jahr sei, wenn es grüne Säfte und Döner gibt, wenn bei Burger King nur die Toilette überfüllt ist. Na und da sind sie wieder, die Aufzählungen. 

Ansonsten kann ich mich nur Zombiekatzes Meinung anschließen, außerdem hat sie viel schönere und bessere Fotos als ich :) Ich bin froh sie gestern endlich mal kenengelernt zu haben, wo wir doch in der selben Stadt leben. Auch Kathi kennenzulernen war toll, wir haben uns alle gut verstanden und planen schon die nächsten gemeinsamen Treffen beim Brunchen im Cakes 'n' Treats oder in Köln. Ich kann es nicht anders sagen, das war einfach ein ganz wunderbarer Tag und es fühlt sich toll an, wenn man mit so vielen Menschen zusammen ist, die man wenig, gar nicht oder noch nicht kennt und nicht viel mehr weiß, als dass einen so etwas Wunderschönes wie das Vegansein verbindet. Ich möchte wirklich niemals wieder nicht vegan sein!

Und jetzt genug Kitsch, es folgen die Fotos!
Die werden durch Anklicken auch größer, irgendwie passen die hier nicht ordentlich in mein Format :(


Hof Butenland

Vegan Wonderland




























Chicks dig Vegans!
C




















Nessi


Alles-vegetarisch.de

peta2























Signor Verde