Also das hier ist vegan und feministisch. Weil sonst alles scheiße ist.

Montag, 12. Dezember 2011

Alltagsrassismus

Rassismus ist ja ein schwieriges Thema. Niemand würde von sich behaupten ein Rassist zu sein, genau genommen wird häufg abgestritten, dass es überhaupt (noch) Rassismus in Deutschland gibt. Nun, nach den aktuellen Vofällen, bzw. nach dem bekannt werden der Morde aus den Kreisen der NSU hat sich die Sicht darauf vielleicht etwas verändert. Dennoch gibt es einen immer wiederkehrenden Denkfehler: Rassismus ist nicht das gleiche wie rechte Gewalt.
Wir leben in einem Land, in dem bestimmte Muster, Klischees und Stereotypen immer wieder auftauchen, sie prägen unser Weltbild so stark, dass sie zu Paradigmen werden, wir sie nicht erkennen, enttarnen, verstehen und hinterfragen können. Dinge scheinen normal zu sein, in Ordnung zu sein. Nirgendwo hört oder sieht man Gegenbeispiele. Wir leben in einer Welt, in der Rassismus immer noch so normal ist, dass er schlicht nicht auffällt.
Gestern habe ich mich noch mit ein paar Freunden darüber unterhalten und heute habe ich in der Bahn ein handfestes Beispiel dafür geliefert bekommen, wie wenig uns Rassismus auffällt. Ich schreibe hier einfach mal ein paar Beispiele nieder, die Freund_innen von mir oder ich selbst als außenstehende Person erlebt haben und die betreffenden Personen manchmal gar nicht realisiert haben, was sie da gerade tatsächlich sagen. Einige Beispiele wirken viellleicht nicht so dramatisch, oder sogar überhaupt nicht rassistisch, andere sind sehr eindeutig. Ich beginne mit dem Beispiel aus der Bahn von heute:

  • Ein Mann streitet sich mit einer Frau darüber, dass sie und ihre Kinder nicht so trödeln sollen, damit  andere Gäste auch noch in die Bahn einsteigen können. Die Diskussion schloss er ab mit den Worten "Sie können froh sein, dass sie nicht in Norwegen leben."
  • Meine Mitbewohnerin sucht mit ihrer Cousine eine Wohnung. Die Cousine spricht gebrochen Deutsch, meine Mitbewohnerin genau so fließend wie ich. Irgendwie bemerkt die Vermieterin das jedoch nicht und fragt P. mehrmals, ob sie verstehe, was sie sagt, erklärt ihr Sprichwörter, redet mit lauter Stimme, langsam und mit falscher Grammatik und findet sich selbst super, weil sie einer Ausländerin gestattet in ihrer Wohnung zu wohnen. P. erwähnt mehrmals, dass sie seit 21 Jahren in Deutschland lebt, Abitur gemacht hat und gerade ihre Bachelorarbeit schreibt. Nichts zu machen.
  • Gesammelte Zitate: "Oh, Sie sprechen aber gut Deutsch?!"; "Wo kommst du denn wirklich her?"; "Du hast ja so tolle Schokohaut!"; "Sing doch mal was, das kannst du doch bestimmt richtig gut?!"; "Bist du eigentlich Bauchtänzerin?"
  • Auf der Arbeit: "Nicht dass Sie denken, wir gehen einfach so, wir haben gerade schon bei Ihrer Kollegin bezahlt, bei der Mulattin meine ich."
  • Meine Mitbewohnerin betreut eine Gruppe unbgleiteter minderjähriger Flüchtlinge. Zwei von ihnen rauchen. Sie laufen durch die Stadt und auf zwei der Jugendlichen kommen meherere Männer vom Ordnungsamt zu. Erste Frage: "Sprecht ihr Deutsch?" Die Jungs bejahen die Frage, aber die Männer reden im primitiven Deutsch zu ihnen. Essenz: "Wenn ihr hierbleiben wollt, solltet ihr euch vielleicht an unsere Regeln halten." Meine Mitbewohnerin fragt, warum sie ausgerechnet diese Jungs fragen und nicht zumindest ein Beamter die anderen gefühlten 100 rauchenden Jugendlichen kontrolliert. Keine Antwort.
  • Meine Freundin und Arbeitskollegin spaziert mit ihrem Sohn durch die Sadt. Auf den Sohn kommt ein Hund zu gelaufen, er streichelt ihn, bis ein wütender Mann angerannt kommt und sagt "Fass den nicht an, wir mögen keine Negerkinder!"
  • Meine Mitbewohnerin wird im Supermarkt gefragt, was der Unterschied zwischen Blätter- und Yufkateig sei. Sie sagt "Keine Ahnung" und die Frau ist verwundert, "Achso, ich dachte Sie wären Türkin und wissen das?!"
  • Letzte Fußball WM in Südafrika: Eine Kommilitonin läuft mit ihrem Freund über eine Straße, in der in jeder Kneipe Fußball läuft. Beide sind mit Deutschland-Fanartikeln bekleidet. Deutschland liegt allerdings gerade zurück, ein paar Fans sind anscheinend wütend und rufen Dinge wie "Geht doch wieder zurück ihr Affen!" (Nur um das nochmal deutlich zu machen: zu diesem Zeitpunkt befanden sich deutsche Fußballspieler und Fans im Land dieser Affen.)
  • Im Rahmen eines ironischen Streitgesprächs sagt einer meiner Kollegen "Ach komm du Mohr, halt den Mund." Auf massiven Protest hin sagt er schließlich "Jetzt stellt euch doch mal nicht so an, war doch nur ein Spaß!" (Anstatt einfach mal darüber nachzudenken und sich zu entschuldigen.)
  • Ein Blick in die Medien: Warum sind People of Color eigentlich nie einfach so der Arzt? Die Anwältin? Der Freund? Die Nachbarin? Beinahe immer, wenn nicht-weiße Menschen in den Medien auftauchen geht es um Asylprobleme, Ehrenmorde usw. Warm können sie nicht einfach Teil der ganz normalen Bevölkerung sein?
  • Warum werden Möbel noch immer häufig mit den Worten "im romantischen Kolonialstil" oder "exotische Afrika Lady" beworben? Was ist an Genoziden, Unterdrückung und Versklavung  romantisch? Und wieso wird Afrika immer als ein einziger homogener Raum beschrieben? Warum ist alles, was aus diesem Raum kommt immer exotisch und fremd oder schmückende Deko?


Wer Interesse hat, sich in das Thema zu vertiefen, dem empfehle ich Noah Sows Buch "Deutschland Schwarz Weiss" (klick)
Mit durchaus wütender Sprache geht sie auf genau diese und weitere Rassismus-Probleme in Deutschland ein. Ihr Ton ist gewöhnungsbedürftig und zuweilen auch nervig, was an den Aussagen, Zusammenhängen und  Vorwürfen inhaltlich jedoch nicht zu rütteln vermag. Definitiv eine Lektüre, die für den Einstieg in das Thema geignet ist, da sie bei Basiswissen, wie z.B. Begrifflichkeiten ansetzt und alles ausführlich erklärt.
Außerdem empfehle ich das Media-Watch Blob Der Braune Mob.

Kommentare:

  1. Schöner Beitrag, auch wenn es wohl der braune, und nicht der "brauche" Mob sein soll ;-)

    Ich denke, wenn man wenig Freunde von anderswo hat, fällt einem Alltagsrassismus viel weniger auf, bzw. war das für mich mit selbigen eigentlich nie ein Gesprächsthema. Eine Weile im Ausland zu leben, und sei es wie bei mir "nur" das nahe Frankreich, ändert die Sichtweise beträchtlich, hier ist es genauso, und wenn es einen selber betrifft, wird es einem doch plötzlich sehr bewusst.

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  2. Jeder Mensch ist rassistisch, überall auf der Welt.

    Daran zu glauben, daß es irgendwann einmal keinen Rassismus mehr geben wird, ist genauso naiv wie an die Veganisierung der Welt zu glauben. Rassismus ist nämlich ebenso natürlich wie Fleischessen.

    Und wie sagte doch schon vor 30(!)Jahren der damalige Innenminister Zimmermann in Anbetracht der vielen "Migranten" so treffend : "Das Boot ist voll".

    Mittlerweile hat das Boot längst Schlagseite.

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  3. Dicken Daumen hoch für das Thema! Noch mehr Beispiele meinerseits:

    Wenn man eine Frau sieht, die ein Kopftuch trägt, wiese assoziiert man dann damit direkt den Islam? Kann doch auch nur ein Accessior sein.

    Worauf du auch glaube ich schon hinaus wolltest:
    Wieso können BrasilianerInnen toll tanzen?
    Wieso können AfrikanerInnen toll singen?
    Wieso sind ItalienerInnen leidenschaftliche LiebhaberInnen?
    Wieso reden Nord-/Ostfriesen so wenig?
    ect.

    Auch ein interessantes Thema: Rassismus in Kinderbüchern: Pipi Langstrumpf´s Vater ist zum Beispiel der "Negerkönig" und wohnt im "Taka-Tuka-Land".

    Ich kenne das Wort POC (People of Color) jetzt schon seit etwa einem 3/4 Jahr und mir kommt es irgendwie noch sehr ungewohnt vor, es zu gebrauchen, vorallem, weil ich schon mit mehreren POC´s gesprochen habe und diese selber leider nichtmal wussten, was es bedeutet. Wie geht es dir dabei?

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  4. Ich kann mich Lea nur anschließen, gut, dass du darüber schreibst.

    Und auch das Thema Rassismus oder auch Diversität in Kinderliteratur ist wirklich interessant. Ich habe vor zwei Semestern mal eine Hausarbeit zu diesem Thema geschrieben und obwohl Diversität in Kinderliteratur immernoch nicht fest verankert ist, kann man dort in den letzten Jahren tatsächlich eine (zumindest teilweise) positive Entwicklung feststellen.

    Passend dazu ist auch das Kinderlied "Die Rübe" von Fredrik Vahle (übrigens von 1973) - Kinderlieder jenseits von Rolf Zuckowski.

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  5. Spannendes Thema. Ich bin da allerdings gespalten, weil ich Rassismus tatsächlich bis zu einem gewissen Grad normal finde. Menschen kategorisieren nun einmal gerne. Ich habe als Au Pair in Australien gearbeitet. Und ich habe unter Anderem die Stelle bekommen, weil alle Deutschen immer so pünktlich und zuverlässig sind (oh, wie schön das doch wäre..). Jeder Mensch ist ein Individuum, ja. Und dennoch gibt es, wie ich finde, ein paar Klischees, die nicht zufällig entstandend sind. Und ich verstehe auch ehrlich gesagt nicht, was daran schlimm oder rassistisch sein soll. Zu deinem Beispiel mit "wir haben schon bei der Mulattin bezahlt": http://de.wikipedia.org/wiki/Mulatte Ich kenne auch eine Mulattin, die sich genau so nennt. Deine "gesammelten Zitate" finde ich tatsächlich auch nicht so schlimm. Es sind in meinen Augen ein paar unbeholfene Versuche, Konversation zu betreiben. Für dich und für mich ist es vielleicht alltag und normal, mit einer Nichtdeutschen zu reden, ich kenne aber einige Menschen, die noch nie Berührungspunkte mit "echten" Nichtdeutschen hatten. Und die vielleicht einfach nicht wissen, was sie reden sollen. Da finde ich, kann man im Zweifel auch mal großmütig sein, oder? Viele Menschen stecken Menschen in Schubladen, um sich ihr eigenes Leben zu vereinfachen. Herzliche Grüße von June

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  6. Ich kannte den Begriff POC nicht.
    Aber ich muss gestehen, ich sage schwarz. Einfach weil das meine Freunde über sich selbst auch sagen.
    Mir war jetzt gar nicht bewusst, dass das nicht okay ist?

    Aber Alltagsrassismus ist echt überall. In HH ist man irgendwie auch sofort als Drogendealer abgestempelt, wenn man schwarz ist.

    Lustigerweise ist das angebliche Boot aber auch immer nur dann voll, wenn man es den Menschen ansieht.
    Eine andere Freundin von mir ist Finnin und wenn es dann irgendwie um Ausländer geht, dann sagt sie immer: hey, achte mal auf deine Wortwahl, ich bin auch Ausländerin.
    Und dann kommt immer sowas wie: jaaaaa, aber das ist ja was ganz anderes.
    Aha...blonde Ausländerinnen sind toll...nur die dunkelhaarigen nicht?
    Seufz...dämlich...

    Und was das Boot betrifft: wir wären schon lange abgesoffen, wenn wir die ganzen Migranten nicht hätten.
    Das System belasten ganz andere Probleme, es gibt nur wenig Sündenböcke, die Angst haben sich zu wehren.

    Liben Gruß
    Kris

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  7. Hey..dein Post ist wirklich interessant und auch ich könnte tausende Beispiele nennen...meine Familie ist nämlich sozusagen "bunt" gemischt (und das soll nun natürlich nicht rassistisch sein;) )...mein Adoptivbruder kommt aus Afrika, mein Freund ebenfalls und auch meine Schwägerin ist farbig, somit auch meine Nichte... ich persönlich finde es total toll und auch interessant, aber trifft man fremde Leute, ist die erste Aussage oder Frage meistens "krass, dass du so gut Deutsch sprichst" oder "woher kommstn du?"...selbst diese Frage finde ich nervig, weil man praktisch direkt in eine Schublade gesteckt wird...wir fragen doch auch nicht als erstes einen "weißen" "hey bist du Deutscher?" sondern wir sagen "hey wie gehts.." oder irgendwie so etwas...Man sollte vielleicht erstmal darüber nachdenken, ob man das jetzt wirklich fragen sollte, denn es gibt tausende Gründe warum ein Nichtdeutscher in Deutschland lebt...vielleicht tut er das schon seit Generationen, oder ist in Deutschland, weil in seinem Geburtsland schlimme Dinge, wie z.B. der Genozid, passiert sind und er womöglich viele Freunde oder Familienmitglieder verloren hat...

    naja..ich glaube, dass es vielen Leuten garnicht bewusst ist, wenn sie solche Dinge wie du sie genannt hast sagen...wer weiß...eine Entschuldigung ist das natürlich trotzdem nicht...

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  8. Sehr sehr toller Post!
    Ich bin ja selbst "Ausländerin", allerdings fällt es sehr vielen am Anfang überhaupt nicht auf, weil ich wohl "soo gut Deutsch spreche" ;) Die Gesichter, wenn die leute erfahren, dass ich Russin bin, sind zu köstlich. Was ist denn daran ao außergewöhnlich, dass ein junger Mensch, der als Kind in ein land gekommen ist, akzentfrei Deutsch spricht und was ist daran so überraschend, dass man nicht aus dem land kommt?
    Am köstlichsten ist es, wenn in meiner Gegenwart irgendwelche Sprüche gegenüber Russen kommen, ich dann darauf hinweise, dass ich auch eine bin und es dann nur heißt "Na, bei dir ist das was Anderes." Warum?

    Ach, da könnte ich noch ewig drüber schreiben. Ich habe mich an die Fragen und Reaktionen gewöhnt und finde sie oft sogar ganz niedlich, aber du hast recht, die Vorurteile sind immer und überall da.

    Liebe Grüße
    Pfeffi

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  9. bei mir um die Ecke ist ne Apo, da steht "Mohren-Apotheke" ganz groß auf dem Schaufenster. ich war schon am überlegen, ob ich da mal 2 Aufkleber über das "o" pappe...

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  10. Oh. Ich hab die Tage meinem Patenkind aus Pippi Langstrumpf vorgelesen und war auch sehr am Hadern. Sie ist 4 und weiß genau, wie die Geschichte lautet. Sogar Wortdreher merkt sie sofort. Da konnte ich die Stelle mit den Menschen aus dem Kongo, die den lieben langen Tag nur lügen ja nicht einfach weg lassen. Ich hatte die Stelle auch vollkommen vergessen.. Immerhin geht sie in die Uni Kita und da sind ganz viele Kinder von Erasmus-Studierenden oder von Menschen mit Gastprofessur etc.
    Das Beispiel hatte Noah Sow übrigens auch bei ihrem Gastvortrag bei uns an der Uni angeführt. Lehrt sie nicht sogar in Köln an der Uni?

    Ich glaube übrigens nicht, dass "Rassismus" per se natürlich ist. (Wobei auch die Frage wäre, wodurch genau eine "Rasse" definiert sein soll.) Vielleicht die Tendenz, innerhalb einer Gruppe, sich erstmal gegen Fremde abzuschirmen.

    Aber ich finde es auch immer wieder anstrengend, Leute darauf aufmerksam zu machen, dass sie gerade rassistisch sind (egal ob positiver oder negativer Rassismus). Da landet man selbst ziemlich schnell in der hyperkorrekten PC-Ecke und es hört niemand mehr zu.

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  11. Hallo!
    Schön, dass Du diese daueraktuellen Themen immer so gut aufgreifst! Könnte gerade Romane dazu schreiben, mir fehlt aber die Zeit. Grundsätzlich stimme ich dir zu, auch einige deiner Beispiele finde sehr bedeutsam, vor allem solche Werbungen bzw. Produktbeschreibungen stoßen mir sehr oft auf.
    Aber ich finde es auch schwierig, nur durch Wortfetzen in der Bahn konkret zu urteilen – oft genug tappt man dann selbst in die Vorurteils-Falle. Z.B. bekomme ich sogar in meiner wirklich liberal eingestellten Familie öfter mal den Koller ob der Wortwahl (oft vom Dialekt beeinflusst) oder des für mein Empfinden zu unbedachten Gebrauchs von "wir" und "sie" (bzw. "die" oder "bei denen" (irks)). Der Grat zwischen kulturellen Codes, legitimen/illegitimen Stereotypen und rassistischem Sprachgebrauch ist ja ziemlich schmal – und leider ist den meisten gar nicht bewusst, wie diskriminierend sie sich gern mal ausdrücken. (Ähm, ich hoffe, dass das der Großteil ist, der es nur nicht checkt?!) Eine höhere Sensibilität diesbezüglich würde ich mir selbst in meinem Bekanntenkreis manchmal wünschen. Ich hab sogar schonmal den Text "Warum nicht "Neger"?" vom braunen mob e.v. verschickt^^.
    Als Leseempfehlung möchte ich auch noch was loswerden, auch wenn es mehr um literarische Stereotype, aber auch sehr um die Mechanismen von Instrumentalisierung & Co. geht:
    Elvira Grözinger: "Die schöne Jüdin. Klischees, Mythen und Vorurteile über Juden in der Literatur."
    Zum Beispiel beleuchtet sie einerseits die Wirkung, die der alte Topos der äußerlichen und innerlichen Schönheit (also Schönheit = Tugend), i.d.R. gepaart mit Intelligenz, in Verbindung mit der Vorstellung der «schönen Jüdin» hat, und demaskiert andererseits die Vorgehensweise der Judenfeinde, die diese schöne Kluge mit bösartiger List und Tücke ausstatteten. Oder, wie parallel zur «schönen Jüdin» der «hässliche, mauschelnde Jude» in der Wahrnehmung breiter Gruppen präsent sein konnte/kann etc.
    Auch ein tolles Buch: "Eine Messe für die Stadt Arras" von Andrzej Szczypiorski, quasi ein psycho-soziologischer Roman über die Entstehung/Eigendynamik eines Progroms in einer mittelalterlichen Stadt.
    Oder (bei mangelnder Motivation für Unisachen in der Bibliothek...) der Sammelband "Die Gewalt des Vorurteils" (Ahlheim).
    So, Schluss jetzt. Würde mich eigentlich gern intensiver drüber austauschen. Hm.
    – Ach, was haltet ihr eigentlich von dieser "Anti-Schubladen-Plakatkampagne"? (Zumindest in Köln an jeder Ecke derzeit) http://tinyurl.com/cne5h9x
    Finde ich eigentlich ziemlich gelungen (im Gegensatz zu dem etwas unglücklichen "Behindern ist heilbar".)

    Liebe Grüße,
    Karo

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  12. Meine Eltern sind Polendeutsche. Mein jüngster Onkel war noch ein Kind als sie nach Deutschland kamen. In der Schule in Polen nannte man ihn "Schwabe" (das war ein Schimpfwort) und in Deutschland "Pollack".

    Grüße
    Ute

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  13. Hui, ich sollte solche Postings besser nicht kurz vor der Arbeit veröffentlichen, jetzt habe ich überhaupt keinen Überblick mehr ;)

    @Eva, ups, danke, habs während der Arbeit schon schnell geändert ;) Ich muss sagen, dass ich vor einigen Jahren auch nicht zwangsläufig so gedacht habe, aber durch einen neuen Freundeskreis und kritische Lektüre in der Uni habe ich so ein paar Gedanken auf jeden Fall weiterentwickeln können. Wenn man nix mit dem Thema zu tun hat, denkt man natürlich auch nicht darüber nach.

    @Lea, ja, seitdem ich Rassismus immer recht schnell enttarne, wurde mir schon so einiges "versaut". Pip Langstrumpf ist ja schon ein Vorbild für Kinder, besonders Mädchen und ich hab sie früher gerne gelesen. Aber jetzt sehe ich das alles unter einem anderen Licht und kann das einfach nicht mehr ausblenden.
    Den Begriff PoC benutze ich im Alltag auch eher weniger, alle anderen Bezeichnungen aber eigentlich auch nicht. Darauf greife ich nur in uni-Diskussionen oder ähnliches zurück. Das Problem mit diesen Selbstgewählten Bezeichnungen ist ja, dass sie nicht im dem Sinne selbst gewählt sind, dass jeder dazu seine Zusstimmung gegeben hat. Das ist und bleibt ein wissenschaftlicher/universitärer Terminus. Und wer sich mit Diskriminierungsformen (auch seiner eigenen) nicht auseinandersetzt, kennt die Begriffe auch nicht, egal wie politisch korrekt sie sind.

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  14. @caro, ja, besonders das finde ich spannend. Ich kann mich auch daran erinnern, dass in unseren alten Schulbüchern, besonders in der Grundschule immer verschiedene Herkunftskontexte berücksichtigt wurden. Da kamen in den Textaufgaben immer Mehmet, Sören und Ute vor ;) Wenn du gute Kinderbücher hast, wäre ich dankbar für ein paar Tipps, ich will zwa jetzt erst mal keine Kinder haben aber wenn, dann sollen die auch ordentliche Sachen lesen. Und als Geschenke für andere macht sich das auch gut ;)

    @June Normal muss ja nicht gut sein ;) Ja, es ist auch irgendwie normal, aber es ist nicht ok. Klar helfen uns Kategorien, damit wir uns in unserem Leben und Alltag schneller zurecht finden. oft sind sie aber auch unfair, falsch etc. Deswegen erwate ich von Menschen, dass sie dazu in der Lage sind ihre Köpfchen zu benutzen und Stereotype beiseite schieben können.
    Ich habe mir auch gedacht, dass einige diese Zitate nicht so schlimm finden. Entscheidend ist aber, wie diese Sätze und Begruffe von den davon BETROFFENEN Personen empfunden werden und das muss man respektieren. Schware nennen sich übrigens untereinander auch manchmal Neger, als weißer sollte man das allerdings nie tun. Es kann nicht schaden zu wissen, wo solche Begriffe her kommen, wer sie geprägt hat usw. Und warum ist man denn bei Schwarzen oder POC so unbeholfen? Warum fragt man sie nicht das gleiche, wie alle anderen auch? "Doofes Wetter, oder?" "Hast du schon das neue lIed von XY gehört?" usw. Außerdem denke ich nicht séinfach, dass Klischees von irgendetwas kommen, sondern viel mehr, dass sie produziert werden und sich die menschen dann daran orientieren. Wie z.B. dass Frauen einen Schuhtick haben. Das ist denen bestimmt nicht angeboren, aber wenn man ständig darüber liest, es im TV sieht usw. denkt man irgendwann, man muss als richtige Fraue eben einen Schuhtick haben. Und schwups ist man mitten drin. Ich verurteile für diese Art des Rassismus ja auch niemanden, weil wir damit aufwachsen, aber ich erwarte, dass er sich Kritik anhört und einsieht evtl. auf bestimme Begriffe und Fragen zu verzichten.

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  15. @Rohzustand, PoC ist zwar ein politisch korrekter Begriff, Schwarz ist es aber auch. Sp wie ich den PoC begriff verstehe, geht es dabei darum, nicht nur den afrikanischen Kontext, sondern auch andere, z.B. asiatische miteinzubeziehen, die sich nicht als Schwarz bezeichnen, aber auch eben nicht weiß sind. Das sind eben akademisch(/wissenschaftliche Begriffe, die im Alltag aber kaum Verwendung finden. Wer sich mit dem Thema nicht so intensiv auseinandersetzte kommt an diesem Begriff eher selten vorbei.
    Und zum rest: Thumbs Up! :)

    @milla, ich stimme dir in vielen Dingen zu! Wenn man selbst nie solche Fragen gestellt bekommt, weiß man gar nicht, wie nervig die sein können. Aber darf ich dich darauf hinweisen, dass man den Begriff farbig so nicht mehr nutzt? Schwarz ist die selbstgewählte Bezeichnung, "farbig" kommt aus dem Zusammenhang, dass es als abgeschwächte Form von schwarz durchgeht. So nach dem Motto "Sooo schwarz bist du ja gar nicht", als wäre eine helle Hautfarbe immer besser, als eine dunkle. Deswegen hat man sich darauf geeinigt, den Begriff zu streichen. Wie viele andere eine Sache, die man nicht weiß, wenn man sich nicht so explizit beschäftigt ;)

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  16. @Pfeffi Ja, mMn gibt es durchaus auch ao eine Art Ostfeindlichkeit oder ähnliches (Auch ein schwieriger Begriff, weil das eurozentrisch ist, aber ich hoffe, du verstehst, was ich meine..) Nur fällt man eben als Russe, Pole etc. nicht so sehr auf, erst wenn man es kommuniziert.

    @Mausflaus, haha, das wäre lsutig^^Weißt du, warum die so heißen? Ich hatte mal einen Lehrer, der hier Herr Mohren. Allerdings war der Weißer, keine Ahnung wo dann der Name herkommen soll. Aber selbst wenn das der Nachname vom Chef ist oder so, sollte man dann darauf verzichten, seinen Laden so zu nennen.

    @Kairos Danke für deine ANrehungen und Literaturtipps! Das kann ich imemr gut gebrauchen :)
    Die ANti.Schubladen Kampagne finde ich ehrlich gesagt super! Als ich die das erste Mal gesehen habe, war ich wirklich begeistert! So macht man Antidiskrimierungs-Werbung, ohne Menschen zu stigmatisieren und ohne sich selbst Klisches zu bedienen. Und ich finde auch gut, dass es eben verschiedene Arten der Diskriminierung aufgreift. Hatte auch mal überlegt, darüber hier etwas zu schreiben.

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  17. also, diejenigen, die augenscheinlich "anders" sind (also hierzulande keine weißen, gesunden männer um die 30 *lol*), werden sofort erspäht und entsprechend behandelt. ich selbst erfahre das ständig, weil ich behindert & rollstuhlpflichtig bin - anderer fokus, aber irgendwie dasselbe thema.

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  18. danke ;) eigentlich mag ich diese Bezeichnungen garnicht, weil man Menschen einfach nicht nach Hautfarben "sortiert", aber nun gut, werde ich mir merken ;)

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  19. Amala, stimmt. Das geht ja in vielen anderen Bereichen auch nicht anders.
    Die Fette da hinten, der Dicke hier, der Spasti da, die Brillenschlange dort. Witze über Contergan, Blondinen, klauende Polen, saufende Russen...
    Die Bandbreite der öffentlich geduldeten Beschreibungen ist erschreckend riesig.
    Es ist einfach gruselig, wie sehr die Menschen oft entgleisen, weil sie es für gesellschaftlich anerkannt halten.

    Ich möchte gar nicht behaupten, dass ich politisch die Oberkorrekte bin. Vermutlich passiert mir auch immer mal wieder ein unbemerkter Fauxpas. Aber ich versuche zumindest immer, mich da irgendwie im Blick zu haben.

    Über Kinderbuchtipps wäre ich übrigens auch immer dankbar! Ich war eigentlich immer ein riesiger Pippi Langstrumpf- oder auch Lotta-Fan und jetzt beim Vorlesen habe ich schon ein paar Mal gewaltig geschluckt. Ich lasse das zwar nicht unkommentiert, aber ich finde es auch blöd, abends beim Vorlesen, dann immer noch die moralische Keule zu schwingen, nur weil es damals anscheinend üblich war, das definitiv alle Griechen schlechtes Schwedisch/Deutsch sprechen.

    Liebe Grüße
    Kris

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  20. Uuuuuuh, Mulattin, das hab ich ewig nicht mehr gehört und das ist mir direkt mal ziemlich sauer aufgestoßen... Genau wie das mit den "Negerkindern" - gehts noch?!

    Ich fands bei "Killing Us Softly 4" auch sehr bezeichnend, dass dunkelhäutige Models oder asiatische Models dann doch immer irgendwie europäisch aussehen, sprich, dass man nur die hellhäutigsten der Dunkelhäutigen nimmt. Schönheitsideale sind also auch rassistisch.

    Am schlimmsten finde ich, wie du richtig sagst, wenn man, weil man absolut keinen Plan von der Diversität unbekannter Kulturen hat, die ganze Kultur als eine homogene Masse betrachtet, selbst wenn sie, wie im Fall von Afrika, nicht mal aus einer einzigen Kultur besteht (- da müsste man in den meisten Fällen sowieso erstmal definieren, was man unter Kultur versteht). Ich habe in meiner Zeit im Ausland auch verschiedene Dinge gelernt bzw. erfahren, die ich so für mich nicht machen wollen würde und die mir auch nach einem Jahr dort zu fremd waren, meinen verinnerlichten Normen und Werten widersprachen etc. Aber ich habe akzeptiert, dass es in dem Land, in dem ich war, einfach die dortige Norm ist und dass die Menschen Produkte dieser Normen sind und ich sie deswegen nicht verurteile. Natürlich funktioniert das für mich nur bei Dingen, die ich als nicht menschenverachtend betrachte. Beschneidung von Mädchen oder Zwangsheirat sind eine andere Tasche.

    Zum Schluss eine kleine Geschichte, so geschehen im Bekanntenkreis an Thanksgiving dieses Jahr: Mein Mitbewohner ist halb Deutscher, halb Amerikaner, feiert also gerne das amerikanische Thanksgiving und lädt Leute ein zum Essen. Dieses Jahr waren zwei Bekannte aus den USA hier, die gerade in Deutschland studieren. Und als es irgendwann um die doch sehr strikten Alkoholgesetze in den USA ging, sagte ein anderer Gast, ein Deutscher, dass er auch mal in so eine Kontrolle geriet als er in den USA war, obwohl man das ja nicht Bier nennen könnte, was die Amis da trinken würden, davon würde ein Deutscher nicht mal ansatzweise voll werden. Außerdem würden wir Deutschen wenigstens wissen, was ne richtige Bar ist. Hat ihn nicht sonderlich gestört, dass da zwei Amerikaner am selben Tisch sitzen, die ihre Bars vielleicht so mögen wie sie sind....

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  21. @ amala, ja leider gibt es ja für jeden Mist so seine eigene Diskriminierung... Oder man ist mehrfach betroffen, Stichwort Intersektionalität.. Das sind wirklich traurige Verhältnisse. Rohzustand greift da schon ein paar von den allgegenwärtigen Klisches auf, mit denen wir tatäglich konfrontiert werden.
    Ich würde mir wirklich viel mehr Strategien zu Inklusionen verschiedenster Art wünschen. Da ist vielleicht das Beispiel Rollstuhlfahrer gar nicht so verkehrt. Eigentlich hatte ich als Kind da gar keine Hemmungen und Vorurteile, aber da sie häufig aus der "normalen" Gesellschaft ferngehalten werden, hatte ich nie Kontakte und hab auch irgendwann gedacht, dass man diese Menschen irgendwie anders behandeln muss. Erst seit zwei, drei Jahren verliere ich meine Unsicherheiten wieder und werde viel offener. Eigentlich sollte in einer Gesellschaft doch jeder Platz haben, natürlich muss man auf bestimmte Bedürfnisse gesondert eingehen, aber ich finde es falsch z.B. taube Menschen immer wieder von vorneherein iregdnwie auszuschließen.

    @ Green Cat, ja die Schönheitsindustrie ist eigentlich total rassistisch. Hat Jane Killbourne da eigentlich auch den Begriff des "Whitewashing" genannt? Ich bin mir gerade nicht mehr sicher. Richtig dunkle Hauttypen sieht man so gut wie nie, weder im TV, noch auf dem Laufsteg.


    @ all, ich freue mich übrigens über eure tollen Kommentare, es macht mir immer Spaß, wenn man darüber mit so vielen Leuten ordentlich diskutieren kann und jeder verschiedene Gedankenstöße einbringt :)

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  22. Hallo, mal wieder ein richtig schöner Artikel von Dir, der mal wieder einiges an Diskussionsstoff bietet. Ich selbst bin innerlich und äußerlich deutsch, habe aber einen arabischen Namen, weil mein Vater Syrer ist.
    Letzte Woche hatte ich mal wieder ein Telefonat mit den einleitenden Worten "Sie sprechen aber gut deutsch". Zum Einen kenne ich das jetzt schon seit Langem so, und freue mir immer einen Ast, wenn ich anders bin als die Leute erwarten, zum anderen nervt es mich tierisch. Wir leben ja nicht mehr im Mittelalter, sondern im 21. Jahrhundert, in denen wir Muselmänner und Muselfrauen es tatsächlich geschafft haben, ein Transportmittel nach Europa zu finden und uns hier dauerhaft niederzulassen. Wir sprechen deutsch, sind blond und pünktlich und können keinen Bauchtanz!
    Andererseits bin ich ebenfalls ein Schubladen-Mensch. Das betrifft Nationalitäten, Berufsgruppen (BWLer! Sozialpädagogen! Naturwissenschaftler! Bin selbst eine dieser Berufsgruppen) und Bevölkerungsgruppen innerhalb Deutschlands (ich bin Norddeutsche, mein Büronachbar ist Bayer und wir entsprechen beide unseren Klischees).
    Mein Vater ist in den 70ern aus Syrien nach Deutschland gekommen, lebt an der Nordsee und ist eher Ostfriese als alles andere und hat ebenso seine Schubladen (der böse Amerikaner).
    Aber wie weit darf man gehen und diesen gelebten Klischees einen Namen geben. Viel macht evtl. auch die Intention aus?! Eine Mulattin kann sich voller Stolz selbst so nennen, aber Nicht-Mulattinnen? Ich darf Witze über Araber machen, weil ich selbst arabische Wurzeln habe, aber Nicht-Araber? Das würde mir nicht gefallen!
    Hach, das ist alles gar nicht so unkomplex und ich bin hin und her gerissen.
    Viele Grüße, Laila.

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  23. Rassismus hat was mit Rassen zu tun. Deine Beispiele stehen größtenteils eher für Diskriminierung oder einfach nur Unhöflichkeit.

    Das Norwegenbeispiel gibt's zuhauf in innerdeutschen Variationen wie z.B. Emsdetten. Kein Rassismus, einfach nur Geschmacklosigkeit.

    Dein Cousinenbeispiel kann ich nicht nachvollziehen. Mit wem redet die Vermieterin überdeutlich? Wer ist P.? Deine Mitbewohnerin oder deren Cousine?
    Mal abgesehen davon, dass ich ne Menge Leute kenne, die grundsätzlich mit alten Menschen laut, deutlich und einfach sprechen. Dazu gehöre ich auch. Ebenso, wenn mich jmd. in schlechtem Deutsch anredet. Hat nichts mit Rassismus zu tun.
    Man sollte es jedoch so verpacken, dass das Gegenüber nicht das Gefühl hat, man hielte ihn für dumm.

    Schokohaut, Mulatte und Mohr haben auch erstmal nichts mit Rassismus zu tun. Es ist Wunschdenken zu glauben, dass alle Menschen gleich aussehen. Es kommt immer darauf an, in welchem Kontext etwas benutzt wird, wobei ich Mulatte und Mohr als Bezeichnung schon beleidigend finde. Schokohaut ist ein Grenzfall, kommt drauf an, wer einen so beschreibt.

    Diskriminierung ist eine gezielte Benachteiligung. Rassismus bedeutet, Menschen aufgrund Herkunft/Aussehen bestimmten Eigenschaften zuzuschreiben und Menschen pauschal aufgrund ihrer "Rasse" abzulehnen. Dazu zählt etwa das Beispiel mit den rauchenden Kindern oder das "Negerkind".

    Deine "Mythos Afrika"-Vergleiche finde ich auch nicht negativ rassistisch. Das wäre ja so, alsob ich nach Asien ginge und den Leuten dort Rassismus vorwerfe, weil sie mit Deutschland Schloss Schwanenstein, Weißwurst, Bier und Schnitzel und weiße Menschen verbinden. Schonmal darüber nachgedacht, was "die" Afrikaner über "die" weißen Leute im hohen Norden denken?
    Vorurteile sind ganz natürlich. Und sie müssen nicht immer negativ gemeint sein. Wie Asien wirklich ist, wollen die wenigsten verträumten Europäer wissen. Asien hat spirituell, freundlich und genügsam zu sein. Und die Asiaten sind auch nicht am öden Alltagsleben in gesichtslosen Großstädten Europas interessiert. Europa soll kunstvoll, märchenhaft und exotisch sein.

    Ich persönlich fühle mich auch nicht beleidigt, wenn ich jedes Mal im Urlaub in Osteuropa für eine Russin gehalten werde. Letzten Sommer fragte ein Zollbeamter die Mutter meines Freundes: "Warum spricht sie kein Russisch?"
    Und als ich mal am Bahnhof an dem französischen Bücherstand gestanden hatte, wurde ich auf französisch angesprochen. Ja, ich seh eben aus, als könnte ich französisch und russisch sprechen.

    Ich persönlich finde es, gerade jetzt, da wo vor dem Gesetz alle gleich sind (oder sein sollen) und Kulturen aufeinanderprallen, sehr schlimm, wenn an jeder Ecke jemand mit einem erhobenen Zeigefinger steht und man angst haben muss, jemanden zu beleidigen. Zwangsläufig meidet man dann lieber einander und bleibt unter sich. Konflikte sind da vorprogrammiert.

    Ich habe manchmal das Gefühl, dass viele Menschen nicht mehr unterscheiden können zwischen unhöflich, respektlos, diskriminierend, menschenverachtend. Alles scheint mit Vorliebe nur noch auf das Extrem bezogen zu werden.

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  24. Wenn Beledeidigungen, Unhöflichkeiten etc mit Diskriminierungen bezüglich des Herkunftskontextes, der Hautfarbe usw. einhergehen, dann ist das Rassismus. Das ist auch nicht einfach so meine Meinung, dass ist das, was von der Mehrheit von PoC als rassistisch empfunden wird. All diese Strukturen und Priviliegien wurden außerdem eingehend untersucht, das ist nichts, was ich mir einfach so ausgedacht habe. Urteilen sollte man darüber also nur, wenn man sich mit dem Thema beschäftigt und sich die Meinung von Schwarzen oder PoC angehört hat.

    Als Weiße in Asien oder Afrika "diskriminiert" zu werden ist einfach nicht das selbe, weil die Machtstrukturen immer auf der Seite der Weißen sind, das ist in der Geschichte festgeschrieben und lässt sich nicht ändern.

    Und ich denke, weiter brauche ich darauf nicht eingehen, weil deine Beispiele einfach nicht vergleichbar sind und sich deine Fragen ebenso selbst erklären.

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  25. Oh, also bist du der Meinung, dass man besser alle Menschen voneinander separieren sollte, oder?
    Dann wird niemand mehr diskriminiert und alle leben in friedlicher Eintracht mit sich selbst.

    Jeder Mensch ist irgendwo mit Vorurteilen behaftet, was von der Natur so vorgesehen ist, weil der Mensch (wie jedes andere Tier) sonst nicht überleben könnte. Da Europa ja nun nicht mehr "den Weißen" gehört, ist die große Frage: Gibt es ein gesundes Maß an Rassismus? Und falls nein, wie sieht der Alltag ohne Rassismus aus?

    Letztens sah ich einen zwielichtigen Schwarzen. Ich dachte mir: "Der sieht aus wie ein Dealer. Meine Güte, ich fühle mich irgendwie rassistisch. Jetzt kann ich nicht einfach abdrehen und eine andere Richtung einschlagen, sonst denkt der noch, ich gehe woanders hin, weil er schwarz ist."
    Kommt ein zwielichtiger Weißer auf dem Rad daher. Ich seh den Kerl, denke mir: "Mann, der sieht aus wie ein Drogenabhängiger. Schlimm, diese Vorurteile. Aber jetzt ist es wieder ausgeglichen und ich bin vermutlich doch kein Rassist."
    Ich geh weiter, tauchen die beiden plötzlich vor mir in der relativ düsteren Seitenstraße auf, tauschen im Vorübereilen Scheine und ein kleines Päckchen aus.

    Wenn ich am Ende der Straße abends einen zweilichtigen Schwarzen sehe, darf ich die Straße wechseln, wenn ich angst vor dem habe? Oder muss der weiß sein, damit ich in dem Fall kein Rassist bin?
    Und was, wenn ein Schwarzer angst vor mir hat und die Straßenseite wechselt? Sind alle Menschen gleich und nur manche ein wenig gleicher?

    Abgesehen davon meinte ich mit "Diskriminierung" nicht das Apartheitssystem, sondern das schiere Vorhandensein von Klischeevorstellungen.
    Geh ich als Deutscher ins Ausland arbeiten, dann erwartet man von mir wie ein fleißiger, gewissenhafter Deutscher zu schuften. Auch wenn ich in Wahrheit vielleicht ein fauler, unzuverlässiger Sack bin.
    Geh ich als Deutscher nach Spanien, Mallorca womöglich, hoffen die Spanier, dass ich ihnen nicht vor die Tür kotze, mich benehme und möglichst genug Schmerzensgeld dalasse. Auch wenn ich in Wahrheit ein genügsamer Tourist bin.

    Darf man in einer "korrekten Welt" eigentlich noch anders oder verschieden sein? Und kann man anders sein, ohne andere damit zu diskriminieren und ohne sich aufgrund seines Andersseins ausgestoßen zu fühlen?

    Ich bin zum Beispiel sehr blass. Überall werde ich gefragt, ob ich krank bin, ob es mir gut geht, etc.. Von einem Dunkelhäutigen wurde ich das noch nie gefragt. Ist der Dunkelhäutige einfach ein asozialer Rassist, weil er in mir nicht auch den "viel zu weißen Weißen" sieht, sondern weil ein Weißer für ihn eben doch nur weiß aussieht? Oder sind die Weißen die fiesen Mobber, weil ich nicht krank bin?
    Einmal wurde ich in einem vegetarisch/veganen Restaurant für einen Veganer gehalten. "Da ist aber Käse drin, ne?" Ich habe mich echt diskriminiert gefühlt.

    Also, da du dich ja so eingehend mit dem Thema beschäftigst und "seitdem [...] Rassismus immer recht schnell" enttarnst und ich offensichtlich keinen Plan von den PoC habe: Wo ist die Grenze zwischen Rassismus, Diskriminierung und sich Diskriminiertfühlen zu ziehen? Gibt es da einen Unterschied zwischen Kollektiv und Individuum?

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  26. Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, woher du deine Vergleiche, rhetorischen Fragen und Argumente nimmst. Das hat einfach alles weder Hand noch Fuß und in deinem zweiten Beitrag steht auch nicht wirklich etwas neues.

    Deswegen ist die Diskussion von meiner Seite hier einfach beendet. Denn mal abgesehen vom fehlenden Inhalt sehe ich nicht ein, auf so einen überheblichen Unteton zu reagieren.

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  27. Ein letztes Wort von meiner Seite: Ein Blogeintrag, der sich dem Thema widmet, warum es schwierig ist, wenn Weiße Rassismus definieren wollen.
    http://sibiuaner.noblogs.org/2012/01/11/die-macht-rassismus-zu-definieren/

    Google dazu: kritische Weißenforschung, White Supremacy

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  28. Naja, da du meine Fragen danach, wo Rassismus anfängt, ob es einen gutartigen Rassismus gibt und dergleichen nicht beantwortet hast, gehe ich davon aus, dass du keine Argumente oder schlichtweg keine Meinung hast, und nur in das Rassismuseckchen trittst, um dich selbst nicht den zwangsläufigen Vorwürfen aussetzen zu müssen, Rassist zu sein.

    Zuerst dachte ich, du seist ein Betroffener dunkler Hautfarbe. Es ist schon seltsam, dass die allermeisten "Opfer" sich überhaupt nicht als Opfer fühlen, sondern die rassistischen Idioten (also jene offensiven, diskriminierenden, die sie grundlos beleidigen weil sie nicht europäisch genug aussehen) als Ausnahme wahrnehmen.

    Vorletztes Jahr in der Bahn war ein versoffener WEISSER Vater mit seinen zwei dunkelhäutigen Kindern. Er benahm sich derart daneben, dass er dafür gerügt wurde. Eines seiner Kinder hat später geweint.
    Der Typ hat den Kindern, als es leerer wurde im vollgepackten Fahrrad(!)-Abteil, erzählt, dass das alles nur passiert sei, weil sie schwarz seien und die anderen alles Nazis. Ich dachte mir nur, dass er ein überhebliches weißes Arschloch ist. Später werden diese Kinder gewiss jegliche Konflikte und Probleme ihrer Hautfarbe zuschreiben.

    Ich finde es ziemlich rassistisch, "andersartigen" Menschen pauschal in die Opferrolle zu zwängen. Glaubst du, dass man damit wirklich Gleichberechtigung schafft?

    Nun ja, ich gehe nicht davon aus, dass du diese Fragen beantworten wirst, darum lasse ich dich jetzt auch in Frieden. Aber wenn man öffentlich solche Themen anschneidet, muss man mit einer Reaktion rechnen, die die eigenen Thesen anficht.

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  29. Wie hängt denn das Trödeln mit Norwegen zusammen?

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  30. Bin gerade darauf aufmerksam geworden, weil du mir seit eben auf Twitter folgst. Die genannten Beispiele kann ich zu 100% bestätigen, möchte bei dem Hundebeispiel aber darauf hinweisen, dass derlei Ablehnung auch ohne die Nutzung so belasteter Begriffe sehr gern signalisiert wird; z.B. in dem man den Hund oder wahlweise das Kind hektisch von einer nichtweißen Person wegzieht (und sie dabei anpöbelt), andere Personen, die weiß sind, aber gewähren lässt. In meinem Blog habe ich viele solcher Beispiele gesammelt; du kannst da ja gern mal rumstöbern. ;)

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