Also das hier ist vegan und feministisch. Weil sonst alles scheiße ist.

Freitag, 5. August 2011

Vegane Wut #4

Über eine meiner Kolleginnen habe ich hier ja schon hin und wieder mal berichtet. (Siehe hier und hier) Gestern hat sie dann den absoluten Vogel abgeschlossen, ich glaube ich habe sie eine Minute lang mit offenem Mund und weit aufgerissenen Augen angestarrt, selten hatte ich einen solchen Kloß im Hals wie gestern.

Beim Schichtwechsel räumen wir die Tische ab. Auf einem liegt noch eine Broschüre von PeTA Kids "Warum veggie?" (hier als pdf-Datei). Ich finde die Broschüre gut gemacht, vor allem für Kinder, sie ist nicht zu brutal, informiert aber kurz und knackig über Grundgedanken und -ideen. Wie dem auch sei, ich habe mich gefreut, denn das Heft sah ziemlich zerlesen aus. Beim Reingehen zeigte ich es meine Kollegin und sagte, "Wie schön, ich hoffe hiermit hat jemand angefangen sich zu informieren." Ich blätterte es kurz durch und sie blickte kurz auf eine Grafik mit einer Wasser-Getreide-Fleich-Bilanz, ein Bild mit einem schwarzen, hungerndem Kind und der Überschrift "Veggie - für Menschenrechte. Weltweit hungern über 1 Milliarde Menschen" Und dann entwickelte sich folgender Dialog:

Sie: Ach, heißt das jetzt, wir sind auch noch Schuld daran, dass Kinder in Afrika hungern, oder was?
Ich: Öhm, naja. Das ist etwas vereinfacht ausgedrückt, aber ja, da gibt es durchaus Zusammenhänge.
Sie: (Seufzt und verdreht die Augen) Klar, D. Und wen hier ein Schmetterling mit den Flügeln schlägt, dann kommt auf der anderen Seite der Welt ein Sturm an.
Ich: Bitte? Hier geht es um wirtschaftliche Zusammenhänge. Zum Beispiel darum, dass reiche Länder in armen Ländern Getreide aufkaufen.
Sie: Na und, das ist doch nichts Neues.
Ich: Äh, wird das dadurch etwa besser?
Sie: Nö, aber dann sind die in Afrika oder sonstwo doch selbst Schuld wenn die das an Reiche verkaufen.
Ich: Was??? Die sind doch froh, dass die kurzfristig mal richtig Geld verdienen können. Meinst du nicht, dass die, die auch die Wahl haben verantwortlich dazu sind "nein" zu sagen? Wir bräuchten das doch eigentlich überhaupt nicht.
Sie: Was willst du mir eigentlich damit sagen? Dass wir jetzt auch kein Brot mehr essen sollen?

Wie gesagt, ich war in meinem Leben selten so sprachlos. Nachdem ich meinen Wut-Trauer-Verzweiflungs-Kloß hinunterwürgen konnte habe ich noch versucht ihr zu erklären, was es mit dem Getreide auf sich hat, aber da war eh schon alles verloren und sie hat mir nicht mehr zugehört.

Kommentare:

  1. genau, die menschen sind selbst schuld. ist doch ne super erklärung; man braucht sich nicht schuldig fühlen, kann die bilder verdrängen und genüsslich ins steak beißen.
    aber was hat brot damit zu tun? wenn alle brot (statt fleisch) essen würden, dann wäre schonmal einiges getan... denn dann würde weniger getreide als tierfutter verschwendet, der getreidepreis also entsprechend niedriger, sodass auch ärmere menschen es sich leisten könnten.
    aber diese zusammenhänge sind manchen menschen schon zu komplex... nimms dir nicht so zu herzen, doofheit ist weit verbreitet.

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  2. ich kann dich grade so verstehen.
    bei der arbeit ständig dieses "und auch keine dies".. "auch keine jenes".. fragen und dann "ich könnte das ja nicht".., "ich kann mir das nicht vorstellen" oder einfach nicht mehr weiter zuhören. ist aber auch nicht gut, sich auf solche gespräche dort einzulassen, weil es immer in frust endet, denn es lässt sich für die meisten leute nicht in einem satz verständlich zusammenfassen, und dann wartet schon wieder die nächste arbeit und "alles ist gut".

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  3. Mit sowas habe ich auch ständig zu kämpfen und ich kann mich bei Weitem nicht so gut verteidigen, sachlich argumentieren, Fakten vorbringen, etc wie du (obwohl ich sehr gut informiert bin, aber das rüberbringen ist eine andere Sache). Ich denke bei solchen Personen wie oben beschrieben hilft dann aber alles nichts und man kann wohl nur schweigen und die Wut runterschlucken :/
    Wie dem auch sei und wie vor mir schon gesagt, nimms dir nicht so zu Herzen, es gibt ja auch wieder andere Beispiele, Menschen die zuhören UND über das Gesagte nachdenken.

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  4. Oh ich verstehe dich so gut.
    Mein Vater z.B. der denkt immer, dass die Menschen, die keine Arbeit haben und hungern selbst Schuld sind, weil angeblich JEDER, wenn er nur will was im Leben schaffen kann. Er kann sich nicht im geringsten vorstellen, dass man schon von Geburt an so benachteiligt sein kann, dass man ohne fremde Hilfe nicht aus so einer Situation heraus kommt. Mich macht das auch immer wütend.

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  5. mich würde interessieren, wie alt die besagte kollegin ist...
    ich hab letztens in der arbeit auf meinen lieblingssatz "du isst meinem essen das essen weg" reagiert mit "naja du, es ist ja wohl eher andersrum. dein essen isst meins weg!" darauf folgte ein verwirrter blick und ich erklärte dann, das 90% der angebauten sojabohnen an nutztiere verfüttert werden.
    darauf wusste der kollege dann nix mehr zu erwidern, sondern war sogar richtig verwirrt :) immerhin mal ein kurzer sieg...
    liebe grüße,
    die claudi

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  6. Ich habe auch nicht immer Lust auf so etwas zu reagieren. Aber da bei ihr solche Dinge öfter passieren, habe ich so einen gewissen Aufklärungs- oder Informationsdrang. Ich denke aber, es bringt nichts, sie treibt mich jedes Mal aufs Neue in die Verzweiflung...

    Achja, sie ist 27. Und am gleichen Abend habe ich mich auch noch mit ihrem Freund (40) gestritten. Er hat die Männer, die Kellnerinnen eklig anbaggern verteidigt "sie können ja nichts dafür, dass die nicht wissen, wie man das macht". Und er hat mir gesagt um das zu verstehen müsste ich schon etwas tiefer graben.
    Zwei hoffnungslose Fälle glaube ich.

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  7. hört sich sehr nach zwei hoffnungslosen fälle an. aber: gesucht und gefunden, oder? :-)

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  8. Ich hatte die letzten drei Tage das Vergnügen mit Zeltnachbarn, die schon zum Frühstück gegrillt haben.
    Die haben sich drei Tage von Fleisch und Toast ernährt und sich total über mich lustig gemacht.
    Aber ich war alleine und die sieben und das war sowas von frustrierend.
    Die waren von der Sorte: *ist mir egal, dass die Tiere sterben. Ich will Fleisch und dafür sind Tiere schließlich da*
    Ich hätte heulen können.
    Aber dafür gab es diesmal in Wacken 2 vegane *Fressbuden*. Einmal Sojagyros in Pitataschen und einmal indisch: Papadam und Pakoras, so gebackene Brokkoli.
    Und ein vegetarischer Stand.
    Letztes Jahr gab es gar nichts Veganes.
    Ich werte das also mal als megagutes Zeichen das sich langsam was tut und versuche, mich nicht über die Unverbesserlichen aufzuregen.

    Lieben Gruß
    Kris

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  9. huhu kris,
    das hört sich so fürchterlich an, wie mein grillfest in der arbeit vor zwei wochen :(
    liebe grüße und einen schönen sonntag noch,
    die claudi

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  10. Es tut mir leid, dass dich das frustriert hat. Ich habe auch genug solche Sachen durch. Mit Sturheit konnte ich immer umgehen, aber nicht, dass man mir gegenüber sogar offen feinselig aufgetreten ist, oder mich ausgelacht hat.

    Ich habe es aufgegeben, und zwar komplett. Der Drang, andere Menschen zu informieren und "die Augen zu öffnen" ist einfach verschwunden. Ich denke, man kann nicht mehr machen, als sein eigenes Leben und seine eigenen Überzeugungen zu leben, und andere damit eventuell zu inspirieren.

    Würde man eine Umfrage bei Veganern starten, wann und wo sie entschieden haben, kein Fleisch und keine Milchprodukte mehr zu essen, dann würden wohl nicht viele antworten "nachdem mich Bekannte darüber aufgeklärt haben."
    Die meisten wollen es nicht von anderen hören, sondern von allein darauf stoßen. Schon allein, weil Allesesser Veganer immer als die Menschen wahrnehmen, die sich auf einen Podest stellen. Und sich dann noch belehren lassen, ich glaube das kann nur schief gehen.

    Ich hatte aber kürzlich ein ganz tolles Erlebnis mit einem Freund. Der hat mich immer mit der Tatsache geärgert, wie viel Hunger er hätte, jeden Tag Fleisch bräuchte, mindestens 500g usw.
    Ich habe mich aber nie so weit aus dem Fenster gelehnt, und gemeint, wie unfair das alles wäre, sondern einfach, dass ihm weißes Fleisch sicher besser bekommen würde, als Steak, und dass Milch im Verdacht steht, Darmkrebs zu verursachen.
    Irgendwann hat er selbst angefangen zu recherchieren, sich immer gesünder zu ernähren und sich öfter mal Fleischersatz zu kaufen. Und neulich meinte er, er würde es auch einmal eine Zeit lang komplett vegetarisch versuchen wollen.
    Das war so ein tolles Gefühl, das lässt sich kaum beschreiben. Ich habe ihn nicht verurteilt und ihm keine ethischen Aspekte um die Ohren geworfen, aber irgendwo vielleicht inspiriert und damit ein Stein ins Rollen gebracht...

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  11. windimhaar,
    ich kann das echt gut verstehen. Die meiste Zeit mache ich das auch so wie du. Aber manchmal kann ich einfach meine Klappe nicht halten, vor allem wenn so selten dämliche Kommentare kommen. Ich habe dann das Gefühl, das DARF ich einfach nicht so stehen lassen und auch wenn es nichts bringt, will ich dem einfach etwas entgegensetzen.
    Übrigens glaube ich, dass sehr viele Leute durch Freunde/Bekannte vegan oder vegetarisch wurden. Vielleicht nicht immer direkt, aber durch einen gewissen Einfluss. Und da gehört auch zu, dass man manchmal die Klappe aufmacht und sich nicht jeden Quatsch gefallen lässt.

    Kris,
    Ohje, wie schrecklich, vor soetwas habe ich immer Angst :( Ist bisher noch nicht passiert. Aber wie du siehst, an andere Stelle wendet sich das Blatt, ist doch super :)

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