Also das hier ist vegan und feministisch. Weil sonst alles scheiße ist.

Samstag, 2. April 2011

Kühlschrank-Bilanz und ein moralisches Problem

Ich bin jetzt seit drei Wochen alleine in der Wohnung. Meine beiden Mitbewohnerinnen reisen durch Äthiopien. Ich wollte eigentlich mit, aber ich musste diesen unfassbar tollen Lateinkurs machen. Mal abgesehen davon, dass es alleine totlangweilig ist und ich sogar zweimal Angst hatte, als es nach zehn geklingelt hat (hab nicht aufgemacht), musste ich auch einiges an Essen wegschmeißen. Zwei Packungen Hähnchenbrustaufschnitt, drei Frischkäsesorten, jeweils eine Packung Sahne und Crème fraîche, eine Portion Gouda, einen halben Liter Milch usw. Jetzt ist in meinem Kühlschrank nur noch frisches Obst und Gemüse, ein Soja-Karamellpudding, vegane Brotaufstriche und Margarine, eine Packung Sojasahne, Sojajoghurt, Hafermilch usw. Ich gebe zu ich musste auch Äpfel wegschmeißen, davon hatten wir einfach zu viele. Einige habe ich in Muffins verbacken, aber lange nicht genug.
Ich hasse es Essen wegzuschmeißen. Ich arbeite seit sechs Jahren in der Gastronomie und manchmal wird mir übel, wenn ich sehe, was da alles auf den Müll kommt. Deswegen gestehe ich hier mal: Ich hab zeitweise überlegt das ein oder andere zu verarbeiten statt wegzuschmeißen. Aber mir war der Gedanke daran einfach zu wider und vermutlich hätte ich dann andere Sachen wegschmeißen müssen. Wir haben auch keine richtigen Nachbarn und ich wollte denen die da sind auch keine angebrochenen Käsepackungen andrehen. Seid ihr schonmal in solchen Situationen gewesen?

Kommentare:

  1. In solch einer Situation bin ich gerade auch. Ich verbringe die letzten 14 Tage der Semesterferien bei meinen Eltern. Die sind gerade im Urlaub und ich hüte Haus, Blumen und Katze.
    Katze freut sich, die Wurst, den Käse und die Milch neben ihrem Katzenfutter zu bekommen. Da wurde ich also nicht in Versuchung geführt. Als ich auf vegetarisch und dann auf vegan umgestiegen bin, habe ich mir gesagt "Gut, diese Woche brauchst du die Produkte x,y,z noch auf und dann wird es nicht mehr nachgekauft!" Ich finde es auch furchtbar, wieviel Essen weggeschmissen wird. Da wird einem ganz anders.

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  2. Bei Kleidung ist es auch so. Ich habe z.B. vor meiner "veganen Erleuchtung" nur Lederschuhe gekauft und habe sie also noch. Genau wie einen Ledermantel. Soll ich die jetzt wegschmeißen? Ich habe mich dafür entschieden, sie noch zu tragen und eben kein Leder mehr nachzukaufen.

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  3. Also was die Klamotten betrifft kann ich dir da nur zustimmen. Ich hätte auch gar nicht die finanziellen Mittel, das von jetzt auf gleich komplett vegan umzugestalten. Der Unterschied ist nur, Klamotten kann man spenden, Nahrungsmittel müssen irgendwann auf den Müll ;)

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  4. Ich bezeichne mich ja (noch) nicht als Veganerin, und das gibt mir z.B die Freiheit, die Käsenudeln von meinem Freund aufzuessen, bevor er sie wegschmeißt. Mein Ziel ist es, dass wegen mir keine Tiere mehr sterben müssen - aber ob das Stück Käse jetzt im Müll landet oder in meinem Magen, kann ihnen und mir gleich sein. Ich weiß, viele würden da widersprechen, es geht ja auch um den Respekt Tieren gegenüber etc. Das muss sicher jeder selbst entscheiden.
    Ich finde aber, es hat auch keinen Sinn, wenn du dich jetzt verpflichtet fühlst, Dinge zu essen, vor denen dir graust, nur um sie nicht wegzuwerfen. Vielleicht Freunde einladen?

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  5. ich bin gerade noch unglaublich neidisch auf deine mitbewohnerinnen. TOTAL neidisch^^
    was machen sie da genau? arbeiten sie bei organisationen?

    liebe grüße!

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  6. Elana, ich kann dich da sehr gut verstehen! Mein Veganismus ist hauptsächlich ethisch begründet. Nahrung wegzuschmeißen kann ich erst mal nicht ethisch vertretbar finden. Aber erstens will ich die Sachen auch aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr essen und wie schon gesagt, vermutlich hätte ich dann andere Dinge, wie z.B. meine Sojasahne wegschmeißen müssen. Es war halt insgesamt zu viel da und deswegen war der Ausweg zum Glück einfach ;)

    Räubertochter, die zwei sind von der Uni aus hingefahren. Die Reise gehörte zu einem Migrationssemniar, ich hab das zwar nicht belegt, aber das ich auch etwas ähnliches studiere, hätte ich sogar mitfahren können. 10 Tage waren von der Uni und den Rest machen die alleine. Ich bin auch so neidisch, besonders weil ich Freundinnen habe die aus Äthiopien kommen und mir die ganze Zeit erzählt haben, wie schön es da ist^^

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  7. Also ich glaube ich könnte das auch nicht essen, wenn man sich mit dem veganen gedanken länger beschäftigt kommt einem doch auch der Ekel gegen tierische Produkte hoch. Ich hätte es an deiner Stelle wohl auch weggeworfen. Wärst du mitgefahren, wär es ja auch im Müll gelandet. Vielleicht kannst du deine Mitbewohnerinnen ja mal vorsichtig darauf hinweisen, dass es ratsam wäre, vor dem nächsten urlaub die eigenen Produkte aufzubrauchen und nix neues zu kaufen, so dass man nix wegschmeißen muss.

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  8. Ich kenne die Situation von früher, als ich noch bei meinen Eltern gewohnt habe und sie auch nie dafür gesorgt haben, dass der Kühlschrank leer war, wenn sie gefahren sind. Die Sachen sind dann auch regelmäßig schlecht geworden, obwohl mein Bruder (noch? XD) Fleisch isst. Und obwohl ich ihnen das jedes Mal, wenn sie wieder kamen, gesagt habe, haben sie das nie geändert. Echt schade. Aber naja, jetzt wohne ich nicht mehr dort und mein Bruder irgendwann auch nicht mehr. Dann müssen sie die Sachen ja aufbrauchen (oder weggeben oder wegwerfen), denn sonst wird es ja während des Urlaubs schlecht... Ich glaube, die beste Lösung wäre noch, die Sachen an omnivore Freunde weiterzugeben. Aber wenn es schon geöffnet ist, ist das auch noch mal so eine Sache... Selbst essen könnte ich die Sachen auch nicht, aus Ekel und auch aus gesundheitlichen Gründen (allein wegen der Antibiotikabelastung des Massentierhaltungsfleisches o.O''') Liebe Grüße! Miri

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  9. irgendwie makaber, in eins der ärmsten länder afrikas zu reisen, in dem million menschen hungern, und dann zuhause das essen vergammeln zu lassen.
    verrückte welt:(

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  10. ich esse alles, aber ich verstehe dich vollkommen. ich hasse es auch, essen wegzuschmeißen, manchmal wird etwas verdorben oder es verfault und dann muss es weg und doch hasse ich´s...ich hasse auch die szenen in amerikanischen filmen, wo die kinder sich mit dem essen bewerfen =)

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  11. vielleicht solltest du (oder ihr alle) öfter containern gehen, da findest du genug essen, was nur weggeschmissen wurde, weil zB die verpackung eine delle hat ;) und kannst so dem wegwerf-wahn der supermärkte etwas entgegensteuern..netter nebeneffekt: massenhaft kostenloses essen, was eben nur etwas gründlicher geschrubbt werden muss vor dem verzehr :)

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  12. Einfrieren! Ich hasse es ebenfalls, Essen wegzuschmeißen, und wenn ich bemerke, das wird nicht mehr rechtzeitig aufgegessen, dann wird es sofort in den Tiefkühler getan.

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