Also das hier ist vegan und feministisch. Weil sonst alles scheiße ist.

Donnerstag, 10. März 2011

Die Mode, die Mode

























Lange Zeit habe ich mich extrem für Mode interessiert. Ich habe Blogs und Zeitschriften gelesen, mir alle Kollektionen angeschaut, Bilder von Werbekampagnen, Editorials oder bestimmten Models gesammelt usw. Irgendwann wurde das aber immer weniger. Ich weiß auch nicht genau wieso, aber ich denke es hat gleichzeitig angefangen mich zu langweilen und zu stressen. Langweilig wurde es, weil die Gesichter und die Kleider, wie spektakulär sie nun sein mochten, doch irgendwann alle gleich aussahen. Stressig wurde es, weil viel zu viele Leute sich zu extrem anstrengen um aus Mode mehr zu machen als es ist. Es war für mich immer eine nette Freizeitbeschäftigung, vielleicht sogar Kunst (manche Dinge mehr als andere) und man kann mit Sicherheit auch innerhalb einer Kollektion gezielt Themen ansprechen und kritisieren. Aber die Mode an sich ist nichts anderes als Luxus. Damit meine ich nicht speziell eine Tasche für 5.000 Euro, ich meine das Thema Mode für sich selbst genommen. Man kann es als Instrument für diverse Dinge einsetzten, aber es ist und bleibt eine Luxusbeschäftigung.
Wenn ich dann Designer, Fotografen, Stylisten und Casting-Agenten sehe, die denken, sie würden einen wahnsinnig wichtigen Job leisten, dann nervt mich das nur noch. Und erst recht, wenn ich Mädchen sehe, die sich nichts schöneres vorstellen können als Model zu werden, dann macht mich das traurig. Grundsätzlich hab ich auch am Modeln nicht mal etwas auszusetzen. Macht bestimmt Spaß und wenn man hinterher schöne Fotos hat, ist das eine tolle Sache. Aber Model sein als Lebensinhalt, als Lebensziel? Wie eine Leinwand dem schönen Schein dienen, völlig unabhängig von seiner Person? Anerkennung für sein Äußeres bekommen wollen, auf das man in der Regel keinen Einfluss hat, mal von Hungerkuren abgesehen? Im Bikini im Schnee stehen und das hinterher als Disziplin und tolle Leistung bezeichnen? 
Ich gehe immer noch gerne einkaufen und mag Klamotten auch immer noch gerne. Manchmal schaue ich auch noch in ein paar Blogs. Aber wie dieses Thema aufgebauscht wird, das geht mir einfach gegen den Strich. 

Deswegen habe ich heute einen für mich großen Schritt gewagt. Ich habe alle meine Modemagazine in den Müll geworfen. Am liebsten mochte ich die deutsche Tush und die österreichische Material Girl, eine Zeit habe ich jede einzelne Ausgabe gekauft und verschlungen. Über ein Jahr standen sie in meinem Regal, hübsch anzusehen aber nichts als inhaltlose Hüllen. Deko.
Die entstandene Lücke habe ich sogleich mit für mich sehr wichtigen und bedeutungsstarken Büchern gefüllt. Meine Bücher für das Studium und privates Zeug, darunter auch ein paar Bücher über Veganismus & Co. Bücher, die völlig zu Unrecht lieblos auf der Fensterbank gestapelt waren, obwohl ihnen ein weitaus größerer Stellenwert beizumessen ist als ein paar auf Hochglanz polierte Heftchen.

























Grund für dieses Posting war eigentlich gar nicht die Aktion selbst, sondern viel mehr ein Artikel auf sueddeutsche.de über vegane Mode. Ein Thema, über das ich mir bisher wenig Gedanken gemacht habe. Wenn man einfach Leder, Seide, Wolle etc. weglässt, dann hat man ja bereits vegane Kleidung. Für den Verbraucher ist es gar nicht so schwierig sich vegan zu kleiden, die Textilien sind genau gekennzeichnet, es ist einfach nachzuvollziehen, aus welchem Stoff sie hergestellt wurden. Allerdings ist das eher "Zufall", denn wenige Designer setzen bewusst auf rein pflanzliche oder recycelte Textilien. In dem Artikel "Vegane Mode ist im Kommen" geht es gezielt um die zwei Schwestern Anja und Sandra Umann, die ganz bewusst vegane und nachhaltige Stoffe auswählen. Ich hatte vorher noch nie davon gehört Sojaproteine für Textilien oder Bananenseide zu nutzen.
Materialien die toll klingen, aber auch hier bin ich gegen den massenhaften Konsum. Klar wächst das alles nach, aber das machen Baumwolle und Ölpalmen auch. Nur ist die die Nachfrage danach einfach zu groß, als dass diese fair geerntet und verkauft werden könnte. Monokulturen sind immer auch für die Umwelt schlecht, das sieht man an den riesigen Mais- und Sojafeldern in den  Vereinigten Staaten und Lateinamerika. Natürliche und pflanzliche Materialien sind nur so lange nachhaltig, wie sie nicht exzessiv und in Massen produziert werden.

Achso, das Label Usuman finde ich persönlich toll. Die Kollektion ist genau so, wie ich es gerne habe. Es ist nicht zu übersehen, dass eine der beiden Schwestern bei Yohi Yamamoto gearbeitet hat. Schlicht und bequem, aber trotzdem funktional, gut durchdacht und irgendwie raffiniert. Ich mag Blümchenkleider, hübsche Ohrringe und all diese Dinge gerne, aber grundsätzlich geht für mich nichts über einfache, aber elegante, hochwertige und perfekt geschnittene Basics.

Kommentare:

  1. Cool, danke für den Link zur Süddeutschen und natürlich zur Mode! Schön, wie sich Informationen in der Blogosphäre ergänzen. Süddeutsche Online lese ich nämlich eher selten.
    Bananenseide klingt interessant... :D Ich les mich mal ein.

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  2. Toller Artikel und eine gute Entwicklung, finde ich. :) Ich hatte vor ein paar Jahren auch mal eine Phase, wo ich Modefotos gesammelt hatte. Zwar nicht wirklich exessiv, aber zu übersehen war es nicht. Dabei hatte ich mich an sich nie so richtig für Kleidung als solche interessiert. Ich achte zwar darauf was ich so anziehe bzw. kombiniere und auch woraus es gemacht ist, aber ich habe da kein bestimmtes Schema oder favorisierte Labels.

    Die veganen Labels die ich immer mal wieder finde, haben zum Teil echt hübsche Sachen. Aber für meinen Geldbeutel unerschwinglich. ^^ Ich kaufe nur alle paar Monate Klamotten und dann meist Second Hand.

    Der Medicus. Ist mir sofort ins Auge gesprungen. Eines meiner liebsten Bücher. :)

    Viele liebe Grüße,
    Erbse

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  3. Das Stimmt, die Sachen sind meistens zu teuer. Aber irgendwann, wenn ich dank meines Philosophiestudiums mal so richtig reich werde (hust) kann ich mir das bestimmt leisten ;)

    Ich liebe den Medicus auch. Eigentlich hab ich mich nie besonders stark für Geschichte interessiert, aber historische Romane finde ich super! Tod und Teufel von Schätzing hat mir auch sehr gut gefallen. Aber meine große Liebe sind Autobiografien. Ich weiß auch nicht warum, aber die lese ich am liebsten.

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  4. Diesen Artikel verlinke ich gerne in meiner Sidebar. :) Ich warte nur noch auf ein paar weitere und dann gehts los.
    LG

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